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Reporter ohne Grenzen eröffnet erstes Zentrum für den Schutz von Journalistinnen in Afghanistan
March 7th, 2017

In Kabul eröffnet ROG ein Zentrum für den Schutz von Journalistinnen. Es wird von der bekannten afghanischen Journalistin Farida Nekzad geleitet und bietet Seminare, Kontakte und Schutz. Denn für Journalistinnen ist die Arbeit in Afghanistan besonders gefährlich.

Anlässlich des Internationalen Frauentags eröffnet Reporter ohne Grenzen (ROG) in Kabul das Zentrum für den Schutz von Journalistinnen in Afghanistan (CPAWJ). Unter der Federführung der bekannten afghanischen Journalistin Farida Nekzad setzt sich das CPAWJ für die Sicherheit von Frauen in Medienberufen ein und hilft ihnen, gegen den sozialen Druck in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft anzukämpfen.

In Afghanistan sind Medienschaffende in Gefahr – wie, je nach Gebiet, die restliche Bevölkerung, aber auch ihres Berufs wegen. Frauen im Journalismus sind besonders gefährdet: Sie werden von den Taliban und dem Islamischen Staat verfolgt, gleichzeitig zwingt viele der soziale Druck dazu, ihre Arbeit aufzugeben.

Um Journalistinnen besser zur schützen, organisiert das CPAWJ unter anderem Seminare über physische und digitale Sicherheit. Zudem setzt sich das neue Zentrum für ihre Rechte gegenüber Behörden und Medienunternehmen ein. Es gibt Empfehlungen an die Behörden darüber, welche Gesetze die Arbeitsbedingungen von Frauen in Medienberufen verbessern können.

Das CPAWJ fungiert auch als Ort des Austauschs mit der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, insbesondere für Journalistinnen, die in abgelegenen Gebieten arbeiten. Dafür arbeitet das Zentrum bereits mit zehn Journalistinnen in zehn verschiedenen Provinzen zusammen, fünf davon in Konfliktgebieten. Ziel ist es, das Netzwerk im ganzen Land auszubauen.

Die Journalistin Farida Nekzad wird das Zentrum leiten. Sie hat im Jahr 2009 die Nachrichtenagentur Wakht gegründet, in der Journalistinnen unter anderem über die Rechte von Frauen berichteten. Ihre Kritiker haben wiederholt versucht, sie zu entführen oder umzubringen. Als Nekzad im Jahr 2007 den Mord an der Journalistin Sakia Saki recherchierte, bekam sie Anrufe und Emails mit der Drohung, dass sie das gleiche Schicksal erleiden werde. Nekzad hat zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Courage in Journalism Award der Internationalen Stiftung für Frauen in den Medien. Auf Vorschlag von ROG lebte sie 2014 als Stipendiatin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte mit ihrer Tochter in Hamburg.

ZWEI FEINDE DER PRESSEFREIHEIT IN AFGHANISTAN


Afghanistan gehört zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten weltweit. Im vergangenen Jahr wurden dort mindestens zehn Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet. ROG zählt die dort Terror verbreitenden Organisationen Taliban und Islamischer Staat zu den weltweit grössten Feinden der Pressefreiheit.

Von den im vergangenen Jahr weltweit getöteten fünf Journalistinnen kamen drei aus Afghanistan. Die drei beim privaten afghanischen Fernsehsender Tolo TV angestellten Journalistinnen Mariam Ebrahimi, Mehri Asisi und Sainab Mirsai kamen ebenso wie vier ihrer männlichen Kollegen im Januar 2016 bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kleinbus des Senders in der Hauptstadt Kabul ums Leben. Im Januar 2017 starb eine Mitarbeiterin des parlamentarischen Fernsehsenders bei einem Bombenanschlag auf das Parlament in Kabul.

GEWALT GEGEN JOURNALISTINNEN

Neben dem hohen Sicherheitsrisiko stehen Journalistinnen in Afghanistan vor gesellschaftlichen Hürden. Viele werden von ihren eigenen Familien unter Druck gesetzt, weil diese um die Sicherheit der Frauen fürchten. Seit 2002 wurden mindestens vier Journalistinnen von Verwandten getötet, darunter die Tolo TV-Moderatorin Schaima Resaji im Jahr 2005 und zwei Jahre später die Moderatorin des Senders Schamschad TV, Schakiba Sanga Amadsch. Viele Journalistinnen mussten ihre Arbeit schliesslich aufgeben. In einigen Regionen des Landes arbeiten gar keine Frauen im Journalismus mehr.



Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Afghanistan auf Platz 120 von 180 Staaten.

 

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