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Welttag gegen Internetzensur: ROG entsperrt fünf blockierte Webseiten
March 12th, 2017

Zum Welttag gegen Internetzensur am 12. März 2017 hat Reporter ohne Grenzen (ROG) fünf zensierte Webseiten in Aserbaidschan, Katar, Saudi-Arabien, der Türkei und Turkmenistan entsperrt. Mit der Aktion «Grenzenloses Internet» setzt die Organisation ein Zeichen gegen die weitreichende Internetzensur in vielen Staaten

Weil zahlreiche autoritäre Regimes Inhalte im Internet sperren und so ihren Bürgerinnen und Bürgern kritische Informationen vorenthalten, hat ROG zum Welttag gegen Internetzensur fünf Websites entsperrt. So protestiert die Organisation gegen die Sperrung von unabhängigen Informationsquellen.

Um die zensierten Seiten zugänglich zu machen, hat ROG die fünf Webseiten „gespiegelt“ und auf den Cloud-Servern grosser Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google abgelegt. Eine Regierung könnte die gespiegelten Webseiten nur noch sperren, indem sie den gesamten jeweiligen Cloud-Server blockiert. Doch damit träfe sie zugleich Tausende Unternehmen, die auf Dienste derselben Anbieter angewiesen sind. Einen so grossen wirtschaftlichen und politischen «Kollateralschaden» ihrer Internetzensur dürften Regierungen in der Regel scheuen.

Die fünf für die Aktion ausgewählten Webseiten sind wichtige Nachrichten- oder Menschenrechtsportale. Zu den entsperrten Seiten gehört das neue kritische Onlinemedium Özgürüz. Das deutsch-türkische Portal wurde Ende Januar – einen Tag, bevor die Berichterstattung losgehen sollte – in der Türkei gesperrt. Chefredakteur ist der türkische Journalist Can Dündar. 

Ein weiteres Beispiel ist der Exil-Sender Meydan TV. Das 2013 vom aserbaidschanischen Journalisten Emin Milli gegründete Medium berichtet über Politik, Kultur und Gesellschaft Aserbaidschans und wurde in kurzer Zeit populär. Es gehört zu den wenigen Quellen für unabhängige Informationen aus Aserbaidschan. Immer wieder versuchte das aserbaidschanische Regime, die Arbeit des Senders zu verhindern und Mitarbeiter einzuschüchtern. 

Ebenfalls entsperrt hat ROG die Webseite der Menschenrechtsorganisation Alqst in Saudi-Arabien sowie die Nachrichtenportale Azathabar in Turkmenistan und Doha News in Katar. 

Bereits vor einem Jahr hatte ROG sechs Webseiten entsperrt, die in zusammen fünf Ländern zensiert werden. Sie liefern Informationen, die oft im Widerspruch zu den offiziellen Verlautbarungen der jeweiligen Regierungen stehen. Darunter war zum Beispiel die chinesische Seite Boxun, die mithilfe eines Netzwerks von Bürgerjournalisten oft sehr schnell über heikle Nachrichten berichtet.

Internetfirmen tolerieren Zensur

In einem heute veröffentlichten Bericht kritisiert ROG zudem die Bereitschaft grosser Internetfirmen wie Facebook oder Twitter, sich den Zensurforderungen autoritärer Regime in aller Welt zu beugen. Im Januar löschte Apple in China die App der New York Times aus seinem Angebot. Nach Angaben von Apple sei die App nach Intervention der chinesischen Behörden entfernt worden, weil sie gegen «lokale Regularien» verstosse. Im Dezember blockierte Facebook ohne Begründung für einige Tage die Seite ARA News, die über Entwicklungen in Syrien, Irak, der Türkei und anderen Teilen des Nahen Ostens berichtet.

- Interaktive Webseite zur Aktion «Grenzenloses Internet»: http://12mars.rsf.org/2016-en/ 
- Ausführlicher Bericht (PDF, Englisch): http://t1p.de/k5xi

 

 
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