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Zum Weltflüchtlingstag: Bilanz der Hilfe von ROG International
June 19th, 2017

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht jährlich anlässlich des Weltflüchtlingstags, dem 20. Juni, eine Bilanz seiner Hilfsmassnahmen. Es geht darum, Medienschaffende und Medien zu unterstützen, die auch unter schwierigsten Bedingungen und oftmals ernsthafter Bedrohung ihre Mission verfolgen. Mit seinem «Unterstützungs- und Solidaritätsfonds zugunsten von verfolgten oder gefährdeten Medien- und Informationsschaffenden» kann auch ROG Schweiz Hilfe leisten.  
ROG International unterstützt jedes Jahr Medienschaffende, die ihre Informationsarbeit fortsetzen, obwohl sie damit ein Risiko eingehen und dies in einem – wie die Rangliste der Pressefreiheit 2017 zeigt – oft medienfeindlichen Klima tun.

Die Organisation hilft beispielsweise Journalistinnen und Journalisten, wenn sie ihrer Arbeit wegen von der Justiz verfolgt werden, bei der Bezahlung ihrer Anwaltskosten oder übernimmt Arztkosten, wenn Medienschaffende Opfer physischer Gewalt werden. ROG unterstützt in solchen Fällen manchmal auch die Familien, die indirekt ebenfalls Opfer derjenigen werden, die keine freie Information wollen.

Ungefähr die Hälfte der 2016 von ROG gesprochenen Unterstützungskosten ging an Medienschaffende, die aufgrund von Drohungen keine andere Wahl hatten, als ihre Stadt, ihre Region oder gar ihr Land zu verlassen, damit diese die entsprechenden Kosten decken konnten. ROG hilft ihnen, einen sicheren Ort zu finden und sich dort einigermassen einzurichten.

Manche der Unterstützten können bereits nach einigen Wochen oder Monaten wieder zurückkehren, bei einigen lässt die Bedrohungslage aber keine baldige Rückkehr zu. Jedes Jahr gibt es Dutzende von Medienschaffenden, vor allem solche, die über Jahre hinweg angegriffen und verfolgt wurden, die einsehen müssen, dass sie nie mehr zurückkehren können.

Ein grosser Anteil der Unterstützungsgelder von ROG ging auch 2016 an diejenigen, die trotz Druck weiterhin News und Informationen verbreiten: an unabhängige Organisationen und Medien. «ROG versucht, Journalisten und Medien zu helfen, damit sie weiterhin ihre freien und unabhängigen Stimmen in ihrem Herkunftsland oder im Exil erklingen lassen können», sagte Martial Tourneur, Leiter des Büros für Hilfe und Unterstützung bei ROG International.

Unter den Medien, die ROG begleitet, sind auch solche, die im Exil entstanden sind, weil die Medienschaffenden – beispielsweise aus Syrien – weiter informieren wollten, dies aber in ihrer Heimat nicht mehr konnten. ROG hat auch zwei traditionelle Partner unterstützt: Journaliste en danger (JED)  in der Demokratischen Republik Kongo und Journalistic Freedoms Observatory (JFO)  im Irak. Die beiden Organisationen setzen sich unermüdlich für die Informationsfreiheit und die Rechte der Medienschaffenden ein – und dies in zwei der gefährlichsten Ländern der Welt für Journalisten; sie liegen auf dem 154. respektive 158. Platz der Rangliste der Rangliste der Pressefreiheit.

Ein Kampf ohne Grenzen

Auch wenn 10‘000 Kilometer sie trennen: Journaliste en danger und Journalistic Freedoms Observatory haben sich denselben Zielen verschrieben. 1998 beziehungsweise 2004 gegründet, dokumentieren diese beiden ROG-Partner Übergriffe gegen Journalistinnen und Journalisten und unterstützen Medien im ganzen Land. Da sowohl die Demokratische Republik Kongo wie auch der Irak weiter in politische Unsicherheit und Gewalt versinken, ist ihr Einsatz notwendiger denn je. ROG International hat sie 2016 finanziell unterstützt, damit sie ihre Arbeit für Informationsfreiheit und Journalismus weiterführen können.

Tshivis Tshivuadi, Generalsekretär von Journaliste en danger (JED), zur Lage in der Demokratischen Republik Kongo:

«Die Unterstützung von ROG erlaubt es uns, unsere Rolle als Whistleblower weiterhin zu übernehmen. 2016 konnten wir mehrmals die Provinzen bereisen und uns so besser über die Situation der Medien dort informieren. Im Sommer konnten wir eine Tagung zum Thema ‚Medien, Macht und Zivilgesellschaft‘ durchführen, an dem Medienschaffende, Medienexperten und NGO-Vertreter teilnahmen, um die Grundlagen eines Alarmmechanismus für die Sicherheit und den Schutz von Journalisten zu schaffen.»

«Die kongolesischen Journalisten werden häufig zum Ziel der Inhaber der politischen Macht, die weder Kritik noch die Aufdeckung von Informationen dulden. Deshalb ist es zentral, dass eine Organisation wie JED – die von Seiten ebendieser Mächtigen ebenfalls viel Druck erlebt – ihre Funktion als Whistleblower weiterhin wahrnehmen und die Amtsträger an ihre Verpflichtungen erinnern kann. Wir versuchen auch, die Entstehung eines Dialogs zwischen der journalistischen Gemeinschaft und den Behörden zu fördern. Ein solcher Dialog ist entscheidend für die Gewährleistung einer besseren Achtung der Arbeit der Medien und zur Verbesserung der Situation der Journalisten.»

«Am 3. Mai 2017, dem Welttag der Informationsfreiheit, haben wir berichtet, dass es in diesem Jahr bereits 69 Fälle von Machtmissbrauch gegeben hat, im gleichen Zeitraum 2016 waren es 41. Das bedeutet eine Zunahme von fast 70 Prozent und zeigt klar wie kritisch die politische Situation und die Sicherheitslage sind.»

Bashar Mandalawi, Vertreter von Journalistic Freedoms Observatory (JFO) in den USA, zur Lage im Irak:


«Gewalt gegen irakische Medien ist fast alltäglich. Die Zahl der potenziellen Täter steigt mit der Verschlechterung der Sicherheitslage. Medienschaffende werden von allen Seiten bedroht – von Vertretern extremistischer Gruppierungen wie dem IS, von regierungstreuen Milizen und sogar von Teilen der Armee, Sicherheitskräften oder politischer Parteien.»

«Aufgrund der politischen Lage im Irak kann der JFO keine Unterstützung von staatlicher Seite oder von politischen Parteien annehmen. Unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit gewährleistet unsere Freiheit und unsere Wirksamkeit. Die Unterstützung von ROG hat es uns 2016 erlaubt, unsere Arbeit fortzusetzen. Wir arbeiten weiterhin daran, das wirtschaftliche Überleben unserer Organisation zu ermöglichen, mithilfe unserer Mitglieder.»

«Es ist wichtig, dass NGOs wie der JFO weiterhin mit den Behörden sprechen, sie an ihre Aufgaben erinnern und sie zur Rechenschaft ziehen. Der Aufstieg von Extremismus und Milizen hat den Journalismus hart getroffen. Er hat auch die Autorität staatlicher Institutionen untergraben. Sie haben dennoch Verpflichtungen und eine klare Rolle in Bezug auf Medienfreiheit und Grundfreiheiten im Allgemeinen.»

Neben JFO und JED, die in ihren jeweiligen Ländern die Ziele von ROG verfolgen, unterstützt die Organisation auch Medien, die ebenfalls für freie und unabhängige Information kämpfen, dies aber ausserhalb der Grenzen ihres Landes tun, da es im Land zu gefährlich wäre – etwa Medien und Medienschaffende aus Syrien.

Syrische Journalisten suchen Sicherheit und die Möglichkeit, weiterhin zu berichten

Hunderte von Journalisten mussten aus Syrien fliehen, weil nach dem Aufstand von 2011 die Repression gegen die Medien massiv verschärft wurde. Syrische Exilmedien wurden gegründet, häufig von Bürgerjournalisten, die nun, nach sechs Jahren Erfahrung, viel professioneller arbeiten als am Anfang: Die anfängliche revolutionäre Rhetorik ist mehr Objektivität und Unparteilichkeit gewichen. Die Zeit und die lange Dauer des Krieges haben grosse Herausforderungen mit sich gebracht, nicht zuletzt finanzieller Art: Die syrischen Exilmedien sind abhängig von der Unterstützung institutioneller Spender und haben Mühe, ihre Aktivitäten weiterzuführen.

ROG unterstützt syrische Exilmedien, wenn sie eine vorübergehende finanzielle Hilfe brauchen, aber auch mit Projekten, die ihnen helfen, die benötigte Ausrüstung zu erwerben. In den Jahren 2016 und 2017 unterstützte ROG fünf syrische Exilmedien mit insgesamt 40‘000 Euro. Zu den Empfängern dieser Unterstützung gehörten «Saiedat Souria» ; die Zeitschrift wurde 2013 lanciert, erscheint monatlich und wir in Syrien und im türkischen Grenzgebiet verteilt. Sie fokussiert auf die Situation der syrischen Frauen und ermöglicht es ihnen, ihre Ansichten auszudrücken, fördert ihre Rechte und unterstützt ihre Emanzipation.

ROG unterstützt auch einzelne syrische Journalistinnen und Journalisten, vor allem, wenn sie eben aus ihrem Land geflohen waren. Insgesamt wurden 2016 30 solche Finanzhilfen gewährt, die es den Empfängern beispielsweise erlaubten, an einen sicheren Ort zu gelangen oder die dringendsten Bedürfnisse im Exil zu decken. Im Februar 2016 wurden etwa 1‘500 Euro an einen syrischen Journalisten vergeben, der vor kurzem nach Gaziantep in der südöstlichen Türkei geflohen war: Mithilfe dieser Summe konnte er die Region verlassen und sich weiter von der syrischen Grenze entfernen, da er Drohbotschaften von Mitgliedern islamistischer Milizen erhalten hatte. ROG-Gelder ermöglichten es auch mehreren Medienschaffenden, die ein französisches Visum erhalten hatten, aus den Ländern, in denen sie vorübergehend Zuflucht gefunden hatten, nach Frankreich zu reisen.

Fonds von ROG Schweiz

ROG Schweiz hat einen «Unterstützungs- und Solidaritätsfonds zugunsten von verfolgten oder gefährdeten Medien- und Informations¬schaffenden»  eingerichtet. Nutzniesser dieses Fonds können Medien- und Informationsschaffende werden, die verfolgt werden oder wurden oder in Gefahr sind. Konkret sind das etwa Journalistinnen und Journalisten, die wegen ihrer Arbeit aus ihren Herkunftsländern flüchten mussten und nun in der Schweiz leben, sowie Medienschaffende aus der Schweiz, die anlässlich von Reportagen im Ausland Opfer von Übergriffen oder Verfolgungen wurden. Der Fonds kann auch Journalistinnen und Journalisten unterstützen, die in der Schweiz in Gerichtserfahren verwickelt sind, in denen die Informationsfreiheit auf dem Spiel steht.

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