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Malta - ROG fordert lückenlose Aufklärung des Mordes an Daphne Caruana Galizia
October 17th, 2017

ROG ist schockiert über die Ermordung der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia und fordert, dass das Verbrechen aufgeklärt und alle dafür Verantwortlichen dafür bestraft werden.

Daphne Caruana Galizia wurde am 17. Oktober in Bidnija im Norden Maltas durch eine Autobombe getötet. Die bekannte 53-jährige Investigativjournalistin und Bloggerin hatte immer wieder hartnäckig  über Korruption und Vetternwirtschaft recherchiert und berichtet. Im vergangenen Jahr hatte sie unter anderem enthüllt, dass zwei enge Mitarbeiter von Maltas Premierminister Joseph Muscat Offshore-Konten in Panama und Trusts in Neuseeland eröffnet hatten. Sie war auch an der Publikation der «Panama Papers» beteiligt gewesen. Vor zwei Wochen hatte sie wegen Todesdrohungen Anzeige erstattet.

 

Reporter ohne Grenzen verurteilt den Mord Daphne Caruana Galizia aufs Schärfste und ist schockiert darüber, dass in einem Land der Europäischen Union eine Journalistin ermordet wurde. Es fragt sich, weshalb die maltesischen Behörden sie nicht geschützt haben, obwohl sie mit dem Tod bedroht wurde. ROG fordert, dass glaubwürdige und unabhängige Ermittlungen geführt und die Verantwortlichen für dieses abscheuliche Verbrechen ohne politische Rücksichten bestraft werden.

 

Wie dieser Mord auch die übrigen Medienschaffenden in Malta schockiert und eingeschüchtert hat, hat «Tages-Anzeiger»-Journalist Oliver Zihlmann, der mit Caruana Galizias Sohn zusammengearbeitet hat, eindrücklich geschildert: «Noch unheimlicher wirkte auf mich aber die Stimme eines anderen Kollegen in Malta, den ich gestern Morgen anrief, um ihn nach den Umständen des Attentats zu fragen. Dieser Kollege hatte schlicht Angst. Er wollte sich nicht mehr namentlich äussern. Er verhielt sich fast wie ein Zeuge in einem Drogenprozess – obwohl er ein normaler Reporter ist, in einem Land in der EU, wo die Pressefreiheit fest verankert ist. Diese Angst ist es, die so gefährlich ist», schrieb Zihlmann, und: «Mark Wood, Chefredaktor der ‚Sunday Times‘ von Malta, erklärte es gestern am Telefon: ‚Das Attentat hat einen entsetzlichen Effekt auf unsere Journalisten. Es gibt zwar viel Entschlossenheit, gegen das System anzukämpfen, aber es gibt auch viel Angst, speziell bei den Kollegen, die versuchen, die Korruption aufzudecken.‘»
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