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	<title>Newsletter 2025-02-DE | Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Die unwahrscheinliche Geschichte des «Press Briefing Rooms» im Weissen Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2025 10:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2025-02-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Presseraum, der «Briefing Room», befindet sich im Erdgeschoss des Weissen Hauses, zwischen Oval Office und Wohnbereich des Präsidenten. Im Land des First Amendment, das die Pressefreiheit seit 1791 vermeintlich unverrückbar in der Verfassung festhält, ist das kein Zufall: Die Presse soll in den USA Zugang zum Zentrum der Macht haben, um der Regierung auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Presseraum, der «Briefing Room», befindet sich im Erdgeschoss des Weissen Hauses, zwischen Oval Office und Wohnbereich des Präsidenten. Im Land des First Amendment, das die Pressefreiheit seit 1791 vermeintlich unverrückbar in der Verfassung festhält, ist das kein Zufall: Die Presse soll in den USA Zugang zum Zentrum der Macht haben, um der Regierung auf die Finger zu schauen <em>(Foto: Keystone-SDA)</em>. So will es die Verfassung. Und die moderne Raumaufteilung des Weissen Hauses.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dass letzteres nicht immer so war, zeigt die Geschichte. Wo sich seit Jahrzehnten Medienschaffende auf den 49 Sitzplätzen scharen, um den Pressesprecherinnen und Pressesprechern der US-Präsidenten zuzuhören und Fragen zu stellen, befand sich bis 1969 ein Schwimmbad. Es wurde 1933 für Franklin Delano Roosevelt errichtet, damit dieser mit Schwimmübungen seine Schmerzen lindern konnte, die er aufgrund seiner Poliomyelitis-Erkrankung hatte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor 1969 fanden die Pressekonferenzen in verschiedenen Räumen des Weissen Hauses statt, ohne feste Systematik. Erst der republikanische Präsident Richard Nixon liess den Pool zu einem permanenten Presseraum umbauen – auch wegen des wachsenden Interesses der Medien, vor allem der damals noch neuen TV-Stationen, an den Aktivitäten der US-Regierung. Das Schwimmbecken wurde zugedeckt. Ein neuer Boden bereitete das Parkett für zukünftige Pressekonferenzen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausgerechnet Richard Nixon, könnte man sagen. Er, der in den Präsidentschaftswahlen 1972 mit Traumwerten im Amt bestätigt wurde. Und der nur zwei Jahre später im Zuge des Watergate-Skandals – einer Sternstunde des US-Amerikanischen Journalismus – als bislang einziger Präsident zurücktrat, um ein drohendes Impeachment gegen ihn zu verhindern.</span></p>
<h5><strong>Die Presse ist der Feind</strong></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Über die Parallelen zwischen Richard Nixon und Donald Trump wurde bereits zu genüge geschrieben. Beide legten bzw. legen eine stets sehr kalte, feindliche Haltung gegenüber der Presse an den Tag. In einem Telefonat mit seinem damaligen Berater Henry Kissinger sagte Nixon im Dezember 1972: «The press is the enemy.» Die Presse ist der Feind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trump eins zu eins mit Nixon zu vergleichen, wäre aber falsch. Und unfair gegenüber Nixon. Trump ist schlimmer als Nixon. Er hievt die pressefeindliche Haltung auf beängstigende neue Höhen. Er verbietet Medienschaffenden der Nachrichtenagentur AP den Zugang zum Weissen Haus. Er lädt stattdessen Influencer, MAGA-Anhänger und Mitarbeitende von X in seine Pressekonferenzen ein und nennt sie die «New Media», die neuen Medien. Diese stellen ihm, statt kritisch über seine Amtsführung zu berichten, </span><a href="https://x.com/RealAmVoice/status/1898063000944493013" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">vor allem Gefälligkeitsfragen</span></a><span style="font-weight: 400;">. Darüber hinaus streicht Trump die Mittel Voice of America, Radio Free Europe und Radio Free Asia, die zwar vom Kongress finanziert, aber redaktionell unabhängig aus vielen Teilen der Welt berichtet haben. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Statt den etablierten Medien, die nach journalistischen Standards arbeiten und Fakten einordnen, verifizieren und korrigieren, lässt Trump nun eine partizipatorische «Bullshit-Maschinerie» zu. So </span><a href="https://www.nytimes.com/2025/03/24/business/trump-misinformation-false-claims.html" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">formulierte es jüngst</span></a><span style="font-weight: 400;"> die Professorin und Desinformationsforscherin an der Universität Washington, Kate Starbird. Nicht nur Trump, sondern sein gesamter Machtapparat sowie die Tech-Milliärdäre, die ihn umgarnen, tragen zur schier unaufhaltsamen Flut von Desinformation, Fake News und Hass bei.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während Nixon die Presse während und nach dem Watergate-Skandal noch allgemein und abstrakt als «Feind» bezeichnete, sieht sich Trump mit ihr im eigentlichen Krieg. Sie seien die Feinde des amerikanischen Volkes, der amerikanischen Regierung, ja der «freien Welt». Das Tragische: Je besser die unabhängige Presse aktuell ihren Job erledigt, desto stärker geraten sie ins Visier des Präsidenten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schliesslich hat nicht die Presse dem Präsidenten den Krieg erklärt, sondern der Präsident der freien Presse. Dass der «Briefing Room» im Weissen Haus dabei jederzeit aufgelöst und in ein funktionsfähiges Schwimmbad zurückgebaut werden könnte, (wie das Nixon seinerzeit explizit wünschte) müsste Donald Trump bekannt sein. Davon hat er aber bislang nicht Gebrauch gemacht. Noch nicht.</span></p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz </strong></h6>
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			</item>
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		<title>Journalistinnen in Afghanistan – Zwischen Repression, Unsichtbarerkeit und Widerstand</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/journalistinnen-in-afghanistan-zwischen-repression-unsichtbarerkeit-und-widerstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2025 10:36:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2025-02-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie werden zum Schweigen gezwungen, und doch ist ihre Abreit von wesentlicher Bedeutung. Seit August 2021 hat sich die Situation für Journalistinnen in Afghanistan erheblich verschlechtert (Foto: Keystone-SDA). Mehr als vier von fünf Journalistinnen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Von den 12’000 Medienschaffenden im Land haben mehr als zwei Drittel den Beruf verlassen. In den letzten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie werden zum Schweigen gezwungen, und doch ist ihre Abreit von wesentlicher Bedeutung. Seit August 2021 hat sich die Situation für Journalistinnen in Afghanistan erheblich verschlechtert <em>(Foto: Keystone-SDA)</em>. Mehr als vier von fünf Journalistinnen haben ihren Arbeitsplatz <a href="https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2024/10/LE%20JOURNALISME%20%C3%80%20L%E2%80%99%C3%88RE%20%23METOO.pdf" target="_blank" rel="noopener">verloren</a>. Von den 12’000 Medienschaffenden im Land haben mehr als zwei Drittel den Beruf <a href="https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2024/10/Journalism%20in%20the%20%23MeToo%20Era.pdf" target="_blank" rel="noopener">verlassen</a>. In den letzten drei Jahren hat sich in Afghanistan eine regelrechte Nachrichtenwüste für Frauen gebildet – sie finden in der Medienlandschaft kaum mehr Erwähnung. Angesichts dieser Realität hat Najibah Zartosht, eine Journalistin, die seit der Machtübernahme der Taliban im Exil in der Schweiz lebt, beschlossen, sich mit ihrem Medium<i> Afghanistan Women&#8217;s Voice</i> zu wehren.</strong></p>
<p>«Vor der Machtübernahme der Taliban haben die afghanischen Frauen in allen Bereichen bemerkenswerte Fortschritte gemacht, insbesondere im Journalismus. Sie waren im Fernsehen, im Radio und in den Printmedien präsent und spielten eine wichtige Rolle in der Medienlandschaft», sagt Najibah Zartosht. Trotz anhaltender Herausforderungen hätten sie ihren Beruf damals mit einer gewissen Freiheit ausgeübt. «Ich war frei», sagt sie gegenüber RSF Schweiz mit einem Hauch von Nostalgie. «Wir waren gewissen Einschränkungen unterworfen, aber wir konnten immer schreiben.»</p>
<p>«Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 hat sich die Situation für Frauen und insbesondere für Journalistinnen aber erheblich verschlechtert. Aus den Medien ausgeschlossen, zum Schweigen gebracht oder ins Exil gezwungen, ist ihr Beruf für sie praktisch unmöglich geworden.» Journalistinnen dürfen nicht mehr in öffentlichen Medien<a href="https://rsf.org/fr/afghanistan-le-paysage-m%C3%A9diatique-suffoque-sous-le-poids-d-une-censure-implacable" target="_blank" rel="noopener"> arbeiten oder im Fernsehen auftreten</a>, ohne ihr Gesicht zu bedecken. Es ist ihnen verboten, mit Männern zu arbeiten, von Männern interviewt zu werden oder selbst Interviews zu geben. In der Provinz Khost sind sogar Anrufe von Zuhörerinnen verboten. Die Beschränkungen für afghanische Medien zielen speziell auf Frauen ab.</p>
<h5><strong>Belästigungen, Folter und Lebensgefahr</strong></h5>
<p>In Afghanistan ist es mittlerweile unmöglich, über Geschlechterfragen zu recherchieren. In Kabul arbeiten die wenigen noch tätigen Journalistinnen oft ohne Bezahlung und<a href="https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2024/10/LE%20JOURNALISME%20%C3%80%20L%E2%80%99%C3%88RE%20%23METOO.pdf" target="_blank" rel="noopener"> sind Opfer von Belästigungen</a>, während diejenigen, die versuchen, unabhängig zu arbeiten, der Gefahr von Folter oder sogar dem Tod ausgesetzt sind. Unter dem ständigen Druck des Regimes haben die letzten weiblichen Medienhochburgen Mühe zu überleben. So, wie beispielsweise <a href="https://rsf.org/fr/suspension-de-l-embl%C3%A9matique-radio-begum-et-arrestation-arbitraire-de-deux-collaborateurs-la" target="_blank" rel="noopener">Radio Begum</a>, einem Bildungsradio für Frauen, der Anfang Jahr vorübergehend eingestellt wurde, nachdem mehrere Mitglieder seines Teams verhaftet worden waren. Dabei hatte sich Radio Begum zuvor bemüht, sich an die von den Taliban auferlegten Einschränkungen zu halten. Angesichts dieser Realität ist Najibah Zartosht kategorisch: «Journalismus wird für Frauen unter der restriktiven Politik der Taliban fast unmöglich. Das ist die Situation, mit der Journalistinnen heute in Afghanistan konfrontiert sind.»</p>
<p>Vor ihrem Exil unterrichtete Najibah Zartosht Wirtschaftswissenschaften an der Universität und arbeitete als Journalistin, wo sie sich aktiv engagierte, insbesondere in Fragen der Frauenrechte. Als engagierte Printjournalistin widmete sie einen Grossteil ihrer Artikel diesen wichtigen Themen.</p>
<p>Das Engagement der Journalistin gegen die Taliban vor deren Rückkehr an die Macht im Jahr 2021 brachte sie unmittelbar in Gefahr. In Afghanistan zu bleiben, war undenkbar. «Sobald die Taliban an die Macht kamen, wussten wir, dass es unmöglich war, im Land zu bleiben. Wir hatten ja schon vor ihrer Rückkehr gegen sie gekämpft», erklärt sie. Wie viele andere Medienschaffende musste auch Zartosht überstürzt fliehen und fand Zuflucht in Pakistan, bevor sie dank der Unterstützung eines Freundes und dem Schweizer Ableger des internationalen Schriftstellerverbandes PEN in die Schweiz reisen konnte.</p>
<h5><strong>Najibah Zartosht wollte nicht tatenlos zusehen</strong></h5>
<p>Weit weg von ihrem Land verspürte Najibah Zartosht angesichts der Situation der in Afghanistan zurückgebliebenen Frauen ein tiefes Gefühl der Ohnmacht. Nicht zu handeln war für sie undenkbar. Gemeinsam mit Freunden beschloss sie, das Medium <em>Afghanistan Women&#8217;s Voice</em> zu gründen, ein Online-Magazin, das afghanischen Frauen einen Raum für freie Meinungsäusserung bietet. «Kurz nach meiner Ankunft in Pakistan fühlte ich mich wegen der Geschehnisse sehr schlecht, vor allem wegen der Frauen. Wir konnten nicht schweigen.» Sie wollte einen Blog erstellen. «Einen Blog, in dem diejenigen, die genauso dachten wie wir, über ihre Erfahrungen, ihre Geschichten und die Auswirkungen der Taliban auf ihr Leben schreiben konnten», erzählt sie.</p>
<p>Im Exil steht Najibah Zartosht aber vor vielen Herausforderungen, angefangen beim Zugang zu Informationen in und aus Afghanistan selbst. Jede Veröffentlichung stellt nicht nur für sie, sondern auch für ihre zurückgebliebene Familie ein Risiko dar. «Was ich auch tue, ich muss meine Familie dort berücksichtigen. Denn meine Arbeit stellt ein grosses Risiko für sie dar. Wir arbeiten sehr vorsichtig», sagt sie. Vor Ort sind auch ihre Kolleginnen und Kollegen erheblichen Gefahren ausgesetzt, wenn sie über die realen Tatsachen berichten wollen. So bittet Zartosht ihre Kolleginnen, alle Spuren der Kommunikation mit ihrem Medium zu löschen. Die Artikel werden anonym veröffentlicht, und die Website wird ständig technisch verbessert. Eine Notwendigkeit, denn «als ich in Pakistan war, wurde die Website gehackt, was meiner Meinung nach von den Taliban veranlasst wurde», fügt sie hinzu.</p>
<h5><strong>«Vergesst die afghanischen Frauen nicht»</strong></h5>
<p>Zartosht ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, angesichts der Situation der afghanischen Frauen nicht wegzuschauen. Sie betont, wie wichtig es ist, gefährdete Medienschaffende zu unterstützen, indem ihnen Möglichkeiten, insbesondere Arbeitsplätze, im Ausland geboten werden. «Was passiert, ist ein Verbrechen. Vergesst die afghanischen Frauen nicht, sie werden von der Welt im Stich gelassen», warnt sie.</p>
<p>Im Jahr 2024 gehörte Afghanistan zu Ländern, in denen es weltweit am schlechtesten um die Pressefreiheit stand. In der <a href="https://rsf.org/fr/pays/afghanistan" target="_blank" rel="noopener">Rangliste der Pressefreiheit</a> belegte das Land den 178.. Platz von 180 erfassten Ländern und verlor damit im Vergleich zum Vorjahr weitere 26 Plätze. Angesichts der Katastrophe nach der Machtübernahme der Taliban fördert RSF darüber hinaus die Unterstützung afghanischer Medienschaffender und Medien im Exil, insbesondere durch den<a href="https://jx-fund.org/journalism-in-exile/" target="_blank" rel="noopener"> «JXFund», den Europäischen Fonds für Journalismus im Exil</a>. Ausserdem appelliert RSF an die internationale Gemeinschaft, entschieden gegen die zahlreichen repressiven Massnahmen Taliban gegen die Medien vorzugehen.</p>
<h6><strong>Sophie Sager, RSF Schweiz</strong></h6>
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