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	<title>Newsletter 2026-07-DE | Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Wenn Journalisten einfach verschwinden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 09:51:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-07-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei «Reporter ohne Grenzen» assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei «Reporter ohne Grenzen» assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. </strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Verschwunden». In Anführungszeichen. Denn die meisten Fälle von verschwundenen Journalistinnen und Journalisten sind in Wirklichkeit nicht zufällig, sondern gewaltsam – Entführungen oder gar getarnte Ermordungen. </span><a href="https://rsf.org/fr/depuis-10-ans-19-journalistes-victimes-de-disparition-forc%C3%A9e-dans-le-monde" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">In fast der Hälfte aller Fälle ist das der Fall.</span></a><span style="font-weight: 400;"> Diese Feststellung ist umso alarmierender, wenn man bedenkt, dass Regierungen oft selbst daran beteiligt sind. Durch ihr Schweigen zu diesen Inhaftierungen oder gar durch die Verschleierung des Schicksals und des genauen Haftortes der betroffenen Medienschaffenden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Fall des US-Amerikanischen Journalisten Austin Tice ist dabei besonders ergreifend und verdeutlicht diese Vorgehensweise. Er war im Frühjahr 2012 über die Türkei nach Syrien eingereist und berichtete für mehrere amerikanische Medien über den dortigen Bürgerkrieg. Zunächst war er im Norden und im Zentrum Syriens unterwegs; ab Ende Juli 2012 war er dann nur noch einer von wenigen ausländischen Journalisten, denen es gelang, nach Damaskus zu gelangen. Wenige Wochen später, am 14. August, wurde er schliesslich festgenommen, als er vermutlich versuchte, Syrien in Richtung Libanon zu verlassen. Der 14. August dieses Jahres markierte folglich den traurigen 14. Jahrestag seines Verschwindens in Syrien. Trotz einer eingehenden Untersuchung durch RSF-Mitarbeitende, die nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 vor Ort waren, lässt sich bis heute nicht sagen, ob Tice noch am Leben ist. Es gibt keine Beweise dafür. Es gibt aber ebenso auch keine Beweise dafür, dass er in syrischen Gefängnissen ums Leben gekommen ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Leid von Austin Tice hallt weit über die syrischen Grenzen hinaus und erinnert an eine erschreckende Realität in vielen Ländern. Vielerorts verschwinden Medienschaffende auf gewaltsame Weise. Heute führt </span><a href="https://rsf.org/fr/journalistes-disparus-au-mexique-la-lutte-contre-limpunit%C3%A9-%C3%A0-lordre-du-jour-des-nations-unies" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Mexiko</span></a><span style="font-weight: 400;"> die traurige Rangliste der Länder an, wo laut Daten von RSF die meisten Medienschaffenden oft gewaltsam verschwunden sind: Von 28 Journalistinnen und Journalisten fehlt in Mexiko bis heute jede Spur, bei mindestens sechs von ihnen ist RSF sicher, dass sie gewaltsam zum Verschwinden gebracht worden sind. Gleich darauf folgt </span><a href="https://rsf.org/fr/disparus-et-otages-sous-l-%C3%A8re-bachar-al-assad-portraits-de-45-journalistes-et-collaborateurs-de" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Syrien</span></a><span style="font-weight: 400;">, mit 37 seit 1995 vermissten Medienschaffenden. Darunter befinden sich fünf Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Unterscheidung zwischen vermissten Medienschaffenden und solchen, die Opfer eines gewaltsamen Verschwindens sind, beruht auf dem Status der Gewalttat selbst: Ein Journalist gilt als vermisst, wenn nicht bekannt ist, ob er als Geisel genommen wurde, ob er von einem Staat inhaftiert ist oder ob er getötet wurde. Ein Journalist gilt hingegen offiziell als Opfer eines gewaltsamen Verschwindens, wenn sein Verschwinden gemäss dem Völkerrecht durch den Freiheitsentzug durch eine staatliche Behörde (oder eine Gruppe, die in deren Namen, mit deren Unterstützung oder mit deren Einwilligung handelt) gekennzeichnet ist, verbunden mit der Weigerung, diesen Freiheitsentzug anzuerkennen oder das Schicksal und den Aufenthaltsort der betroffenen Person offenzulegen.</span></p>
<p><a href="https://rsf.org/en/barometer" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Das Barometer von RSF</span></a><span style="font-weight: 400;">, das das Verschwinden von Journalistinnen und Journalisten in Echtzeit erfasst, zeigt, dass derzeit weltweit 137 Medienschaffende als vermisst gelten – darunter 46 Fälle, bei denen wir sicher sind, dass es sich um gewaltsames Verschwinden handelt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Fehlen von Wahrheit, das Schweigen der Behörden und die Straflosigkeit gegenüber den Tätern werden als bewusste Instrumente eingesetzt, mit denen Staaten (und Akteure, die in ihrem Namen handeln) den Familien und der Berufsgruppe der Medienschaffenden selbst Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Antworten vorenthalten. Das damit ausgesendete Signal ist deutlich: Das Leben von Journalistinnen und Journalisten hat keinen Wert. Dies entfaltet eine lähmende Wirkung und führt bei einigen zu Selbstzensur.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus diesem Grund war RSF am ersten </span><a href="https://rsf-ch.ch/pres-de-la-moitie-des-journalistes-disparus-dans-le-monde-sont-victimes-de-disparitions-forcees/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Internationalen Kongress gegen das gewaltsame Verschwinden von Personen</span></a><span style="font-weight: 400;"> vertreten, der im Januar 2025 in Genf eröffnet wurde. Dort hat RSF die Staaten aufgefordert, die universelle Ratifizierung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor gewaltsamem Verschwinden zu einer prioritären Angelegenheit zu machen. Es muss festgestellt werden, dass trotz der Bemühungen der Vereinten Nationen das gewaltsame Verschwinden von Medienschaffenden nach wie vor aktuell ist. Der jüngste Fall betrifft Hassan Hamad, einen Radiomoderator bei Blue Nile Radio im Sudan. Er wurde am 13. Mai 2026 von einem </span><a href="https://www.cfjustice.org/sudan-committee-for-justice-documents-the-enforced-disappearance-of-broadcaster-hassan-hamed-hamad-in-blue-nile-state-and-calls-for-disclosure-of-his-fate/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Sicherheitsdienst</span></a><span style="font-weight: 400;"> mit Verbindungen zur Armee im Bundesstaat Blue Nile festgenommen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Medienschaffende verschwinden nicht einfach. Sie werden entführt. Es ist also höchste Zeit, den Schutz von Journalistinnen und Journalisten zu verstärken und die Straflosigkeit zu bekämpfen.</span></p>
<h6><strong>Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz</strong></h6>
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		<title>Besetztes Westjordanland: Das neue Normal?</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/besetztes-westjordanland-das-neue-normal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-07-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Editorial Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am 3. Mai, ausgerechnet am internationalen Tag der Pressefreiheit, wurde sie mitten in der Nacht südlich von Bethlehem von israelischen Soldaten im Zuhause ihres Vaters festgenommen. Seitdem sitzt sie im Gefängnis, ohne Prozess und ohne Gerichtsverhandlung. Möglich ist eine solche Haft aufgrund des israelischen Rechts, welches eine sogenannte Administrativhaft gegen Individuen verhängen darf, von der die Behörden ausgehen, dass sie in Zukunft das Recht brechen könnten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf Basis dieses umstrittenen rechtlichen Instruments hält Israel aktuell über 3&#8217;000 Palästinenserinnen und Palästinenser auf teils unbestimmte Dauer in Haft. Unter ihnen befinden sich auch mindestens 19 Medienschaffende. Islam Amarneh ist eine von ihnen, genauso wie ihr Bruder Osayd, ebenfalls Journalist, der vor genau einem Jahr, am 27. August 2025, inhaftiert wurde. Die beiden Geschwister stellten nach Einschätzung der israelischen Behörden ein Risiko für die nationale Sicherheit Israels dar, weshalb sie auf unbestimmte Dauer festgenommen wurden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Haft der beiden Geschwister steht exemplarisch für den Preis, den die Medienschaffenden im palästinensischen Westjordanland für ihren Beruf bezahlen müssen. RSF hat erst diesen Sommer <a href="https://rsf.org/en/west-bank-israeli-army-escalates-violence-against-palestinian-journalists" target="_blank" rel="noopener">eine ganze Reihe an Übergriffen</a> der Behörden und Armee gegen Medienschaffende dokumentiert. Am 11. Mai ging die israelische Armee im Flüchtlingscamp Qalandia nahe Jerusalem gegen Medienschaffende mit Tränengas und Blendgranaten vor. Am 16. Mai sperrte die israelische Armee den Zugang zum Flüchtlingscamp bei Jenin für Medienschaffende. Am 25. Mai nahm die Polizei in Jerusalem einen 25-jährigen palästinensischen Journalisten bei der Al-Aqsa Moschee in der Altstadt fest und erliess gegen ihn ein Zutrittsverbot zum Moscheenkomplex für sechs Monate. Am 7. Juni eröffnete die israelische Armee gar das Feuer und schoss auf eine Gruppe von Medienschaffenden, die zum Balata-Flüchtlingscamp bei Nablus wollten. Unter ihnen befand sich auch der Fotograf für die US-Agentur Associated Press, Majdi Mohammed Shteih.</p>
<h5 style="font-weight: 400;"><strong>Auch die internationale Presse gerät ins Visier</strong></h5>
<p style="font-weight: 400;">Nebst diesen Übegriffen gegen palästinensische Journalistinnen und Journalisten kam in jüngster Zeit auch die internationale Presse in Israel und im Westjordanland unter zunehmendem Druck von Seiten Israels. Die französische Journalistin Alice Fraussard, die unter anderem für den Westschweizer Fernsehen RTS arbeitet, wurde im Juni am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv <a href="https://rsf-ch.ch/de/franzoesische-journalistin-alice-fraussard-von-israel-an-einreise-ins-westjordanland-gehindert/" target="_blank" rel="noopener">an der Einreise gehindert und des Landes verwiesen</a>. Auch die spanische Journalistin Queralt Castillo durfte im Januar 2026 nicht nach Israel einreisen. Ebenso waren zwischen Juli 2025 und Januar 2026 Einreiseverbote gegen die französische Journalistin Khadija Toufik und gegen den italienischen Journalisten Alessandro Stefanelli <a href="https://rsf.org/en/israel-rsf-condemns-ban-spanish-journalist-queralt-castillo-and-warns-over-mounting-pressure-other" target="_blank" rel="noopener">verhängt</a>.</p>
<p style="font-weight: 400;">Getötet oder ernsthaft verletzt wurden bei all diesen Vorkommnissen zum Glück keine Medienschaffenden. Die Willkür und die Verstösse gegen die Pressefreiheit durch die israelischen Behörden werden dadurch aber nicht weniger harmlos. Im Gegenteil: Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, genauso wie sie dies in anderen Kontexten auch tun. Israel gehört weltweit zu den grössten Gefängnissen für Medienschaffende. Gemäss den Datenerhebungen von Reporter ohne Grenzen sind nur in China, Russland, Myanmar und Belarus noch mehr Medienschaffende inhaftiert als in Israel.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Massnahmen Israels gegen die palästinensischen und internationalen Medienschaffenden im Westjordanland scheinen längst zum neuen Normalzustand geworden zu sein. Angesichts des Krieges Israels im Gazastreifen und der dortigen Zerstörung und der nach wie vor prekären Lage erhält dies international nur noch wenig Beachtung. Dabei stehen die Entwicklungen symptomatisch für die zweite Front im Krieg Israels: Nebst der militärischen Kampagne Israels, den Gazastreifen militärisch zu kontrollieren, ist Netanjahus Regierung ebenso stark darauf erpicht, das Narrativ über den Krieg und Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu kontrollieren. Medienschaffende, die Fakten berichten, die dem israelischen Narrativ widersprechen, sind in dieser Logik nur störend. Im Gazastreifen, wo bereits über 200 Journalistinnen und Journalisten durch israelische Angriffe getötet wurden, scheint dies bereits zur Realität geworden zu sein. Aber genauso auch im Westjordanland. Wir fordern daher, dass diese Praktiken eingestellt werden, dass willkürlich inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden, und dass die Verbündeten Israels in dieser Hinsicht Druck auf den Staat ausüben.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
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