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	<title>2021-01-DE | Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Der Preis der Pressefreiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 May 2021 15:55:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-01-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Editorial Denis Masmejan, Generalsekretär Reporter ohne Grenzen (RSF) Schweiz Kurz vor Ostern erhielt die Luzerner Journalistin Jana Avanzini gute Nachrichten vom Bundesgericht (Foto: Christian Brun/Keystone). Ihre Berufung war angenommen und ihre Verurteilung durch die Luzerner Justiz aufgehoben worden. Avanzini war wegen Hausfriedensbruchs verurteilt worden, weil sie für eine Reportage für das Online-Medium Zentralplus eine von [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<h6>Denis Masmejan, Generalsekretär Reporter ohne Grenzen (RSF) Schweiz</h6>
<p>Kurz vor Ostern erhielt die Luzerner Journalistin Jana Avanzini gute Nachrichten vom Bundesgericht (<em>Foto: Christian Brun/Keystone</em>). Ihre Berufung war angenommen und ihre Verurteilung durch die Luzerner Justiz aufgehoben worden. Avanzini war wegen Hausfriedensbruchs verurteilt worden, weil sie für eine Reportage für das Online-Medium Zentralplus eine von Aktivisten besetzte ehemalige Villa im Zentrum von Luzern betreten hatte.</p>
<p>Auch wenn das Bundesgericht die Verurteilung eher aus formalen als aus inhaltlichen Gründen aufhob, begrüsst RSF Schweiz dieses Urteil mit grosser Zufriedenheit. Unsere Organisation war sehr schnell zu der Überzeugung gelangt, dass die Strafverfolgung der Journalistin eine Bedrohung der Pressefreiheit darstellt. Jana Avanzini wurde nämlich angeschuldigt, weil sie ihren Auftrag zur Informationsbeschaffung ausgeführt hatte. Sie war mit professioneller Gewissenhaftigkeit vorgegangen und hatte sich die Zeit genommen, vor Ort die Protagonisten zu treffen: eine Grundlage journalistischen Handwerks. Der Unterstützungs- und Solidaritätsfonds von RSF Schweiz beschloss, sie finanziell zu unterstützen, indem er sich mit 5000 Franken an den Kosten des Berufungsverfahrens vor dem Luzerner Kantonsgericht beteiligte.</p>
<p>Nach den Berechnungen von Zentralplus kostete die Verteidigung der Journalistin &#8211; von der Eröffnung des Verfahrens bis Anfang April 2021 &#8211; satte 39&#8217;894 Franken; den grössten Teil davon, 23&#8217;004 Franken, machten die Anwaltskosten aus. Jana Avanzini weiss noch nicht, wie viel von diesen Kosten von der Klägerin &#8211; der Firma des Milliardärs Jørgen Bodum, dem Eigentümer der besetzten Villa &#8211; erstattet wird. Denn das Bundesgericht hat den Fall an die Luzerner Justiz zurückgewiesen, damit diese über die definitive Kostenverteilung entscheidet.</p>
<p>Die Entschädigung, die eine erfolgreiche Prozesspartei erhält, deckt jedoch letztlich nicht alle Kosten, die für ihre Verteidigung angefallen sind. Auch das Westschweizer Online-Medium Gotham City hat damit bittere Erfahrungen gemacht. Gegründet von den Journalisten François Pilet und Marie Maurisse, berichtet es über Rechtsfälle aus dem Bereich der Wirtschafts- und der organisierten Kriminalität in der französischsprachigen Schweiz. Es ist das einzige Medium, das in diesem heiklen Bereich systematisch die online gestellten Entscheide der Bundesgerichte untersucht.</p>
<p>2020 wurden nicht weniger als fünf zivilrechtliche Anträge auf vorsorgliche oder sogar superprovisorische Verfügungen gegen Gotham City gestellt; sie kamen von Einzelpersonen oder Organisationen, die damit unzufrieden waren, dass ihre Namen und Fälle von Journalisten enthüllt werden sollten. In vier der fünf Fälle entschieden die Gerichte zu Gunsten von Gotham City. Dies beweist, dass sie die Pressefreiheit berücksichtigen. Doch die Entschädigungen, die Gotham City von den Gerichten zugesprochen wurde, reichten nicht aus, um die Anwaltskosten zu decken.</p>
<p>Gerichtsverfahren sind teuer, das weiss jeder. Aber wenn Medien mit kaum ausreichenden Ressourcen angegriffen werden, kann das Rechtssystem zwar die Pressefreiheit auf dem Papier schützen, aber in der Praxis, wie François Pilet sagt, «werden die Journalisten am Ende zögern, es zu veröffentlichen». Selbst wenn es um wahrheitsgetreue Informationen geht, die es verdienen, der Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden.</p>
<p>Es ist daher verständlich, warum die kürzlich von der Rechtskommission des Ständerats angenommenen Vorschläge alarmierend sind und warum RSF Schweiz stark darauf reagiert hat. Die Kommission hatte eine Revision der Zivilprozessordnung zu beraten und nutzte die Gelegenheit, um vorsorgliche Massnahmen gegen Medien zu erleichtern. Solche Massnahmen sind ein besonders gefährliches Instrument. Denn sie ermöglichen es jedem, der sich durch eine mögliche Publikation eines Mediums geschädigt fühlt, die Veröffentlichung zu verbieten oder vorläufig zu unterbinden. Dies geschieht in einem Dringlichkeitsverfahren, in dem die Frage, ob die strittige Veröffentlichung gut oder nicht gut begründet ist, nur sehr kurz geprüft wird und Standpunkt des betroffenen Mediums nur wenig oder gar nicht angehört wird.</p>
<p>Wenn heute vorsorgliche Massnahmen gegen Medien ergriffen werden, sind sie an strenge Bedingungen geknüpft. Der Gesetzgeber war sich des heiklen Charakters dieser Massnahmen bewusst, die einer Form der Zensur nahekommen. Diese strenge Regelung will die Mehrheit der Ständeratskommission nun lockern. Das Plenum des Ständerats wird diesen Vorschlag in der Juni-Session diskutieren. Die Ständerätinnen und Ständeräte werden sich zwischen diesem Vorschlag und dem der Kommissionsminderheit, angeführt von den Carlo Sommaruga (SP) und Christian Levrat (SP), entscheiden müssen. RSF Schweiz hofft, dass sich die Pressefreiheit durchsetzen wird. Wir zählen auch darauf, dass Justizministerin Karin Keller-Sutter den Ständerat davon überzeugt, der Meinung seiner Rechtskommission nicht zu folgen.</p>
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		<title>«Die US-Medien mussten sich für die Demokratie einsetzen»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/die-us-medien-mussten-sich-fuer-die-demokratie-einsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 May 2021 15:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-01-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Camille Lanci, Projektleiterin RSF Schweiz In den Vereinigten Staaten haben Journalismus und Medien die vier Jahre Trump-Präsidentschaft nicht unbeschadet überstanden (Foto: AFP). Im Interview analysiert RTS-Journalist Jordan Davis, schweizerisch-amerikanisch Doppelbürger und Kenner der USA, diese aussergewöhnliche Periode sowohl in Bezug auf die amerikanische Demokratie wie auch auf die Rolle, die die Medien darin spielen müssen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6>Camille Lanci, Projektleiterin RSF Schweiz</h6>
<p>In den Vereinigten Staaten haben Journalismus und Medien die vier Jahre Trump-Präsidentschaft nicht unbeschadet überstanden (<em>Foto: AFP</em>). Im Interview analysiert RTS-Journalist Jordan Davis, schweizerisch-amerikanisch Doppelbürger und Kenner der USA, diese aussergewöhnliche Periode sowohl in Bezug auf die amerikanische Demokratie wie auch auf die Rolle, die die Medien darin spielen müssen &#8211; in einem Umfeld, das durch das Chaos der Social Media im Umbruch ist.</p>
<p><strong>RSF Schweiz: Wie steht es um die Pressefreiheit und die amerikanischen Medien nach vier Jahren der Trump-Präsidentschaft?</strong></p>
<p><em> </em><strong>Jordan Davis:</strong> Die Pressefreiheit wurde stark angegriffen. Sie wurde selbst im Weissen Haus angegriffen, das Journalisten vom Briefing-Room ausschloss, indem es ihnen die Akkreditierung entzog. Mit dieser Entscheidung hat die Trump-Regierung den Rubikon überschritten. Die Justiz musste intervenieren, um die Situation wiederherzustellen. In der Folge hat das Weisse Haus nicht mehr auf Fragen geantwortet, die bei den Pressekonferenzen gestellt wurden, und hat Journalisten angegriffen, die unbequeme Fragen stellten. Der Informationswert der Pressekonferenzen ging gegen Null. Die Pressesprecher haben die Reporter angelogen. Sie waren dort, um Donald Trump zu gefallen und eine Show zu veranstalten, indem sie Journalisten beleidigten. Diese fragten sich, ob es noch einen Sinn habe, an den Pressekonferenzen teilzunehmen.</p>
<p>Erfreulich ist, dass mit dem Regierungswechsel eine gewisse Normalität in das Weisse Haus zurückkehrt. Bei der ersten Pressekonferenz gab es von der Mediensprecherin ein Briefing «wie früher». Wir waren nicht mehr daran gewöhnt. Sicher, sie hat Joe Bidens Antworten geglättet, aber das ist soweit fair. Wir sind zurück im normalen Spiel der Informationen mit einem Präsidententeam, das Journalisten respektiert.</p>
<p>Was mich allerdings beunruhigt, ist, dass viele Journalisten als illegitim betrachten. Obwohl einige Journalisten Fehler machten und Trump einen Boulevard schufen, auf dem er seine Propaganda verbreiten konnte, spielten die Medien auch eine extrem wichtige Rolle dabei, die Wahrheit über die Vorgänge im Weissen Haus herauszubekommen. Dies ist eine essentielle Frage im Leben einer Demokratie. Die Medien spielten ihre Rolle. Sie haben sich für die Freiheit eingesetzt. Viele Amerikaner sind nicht bereit, die Realität zu hören, auch wenn sie nachweisbar ist. Sie glauben in existenzieller Weise die Lügen, die sie hören. Während der Präsidentschaft von Donald Trump haben die Medien gelitten, denn ihre Legitimität, die bereits in der Vergangenheit erschüttert worden war, wurde stark in Frage gestellt.</p>
<p><strong> &#8211; Sie haben für RTS aus den USA über die Amtseinführung von Joe Biden berichtet, wie war es?</strong></p>
<p><em> &#8211; </em>Während der Berichterstattung über die Amtseinführung hatte ich keine besonderen Probleme mit den Ordnungskräften. Als ich ankam, war die Stadt bereits abgesperrt. Es gab keine Probleme mit dem Zugang. Das mag zum Teil an den Sicherheitsvorkehrungen liegen, die die Verantwortlichen der Biden-Kampagne getroffen hatten. Die Arbeit als Sonderkorrespondent ist sehr kompliziert geworden, weil es keine Orte mehr gibt, an denen sich Menschen während der aktuellen Gesundheitskrise im Freien aufhalten können.</p>
<p><strong>&#8211; Wie ist der Umgang mit Medienschaffenden in den USA?</strong></p>
<p><em> &#8211; </em>Weil ich häufig in den USA bin, die mein Geburtsland sind, kann ich das Misstrauen und die veränderte Atmosphäre zwischen den Amerikanern und den Medien beobachten. Was mir auffiel, war der Umgang mit den Menschen, die ich interviewt habe. Sie waren weniger zurückhaltend, meine Fragen zu beantworten, wenn sie feststellten, dass ich für ein ausländisches Medium arbeite. Sie stellten mir Fragen, um herauszufinden, welches Medium ich vertrete. Im Allgemeinen sind die Menschen in den Vereinigten Staaten relativ offen, aber die Tatsache, dass diese Fragen immer häufiger gestellt werden, ist symptomatisch für eine tiefgreifende Veränderung. Das Klima des Misstrauens ist schon seit einiger Zeit vorhanden. Die Rechte hat seit der Nixon-Präsidentschaft den Medien die Schuld daran gegeben. Dieses Klima des Misstrauens ist mit der Zeit stärker geworden.</p>
<p><strong> &#8211; Warum ist das amerikanische Volk so misstrauisch gegenüber den Medien geworden?</strong></p>
<p><em> &#8211; </em>Unter der Regierung Trump hat es eine Verschiebung in der Positionierung der Journalisten gegeben. Vorher hatten sie einen neutralen Ansatz und ergriffen keine Partei. Aber als Donald Trump die Institutionen in Gefahr brachte, änderten die Medien ihre Rolle und zögerten nicht, Trumps Äusserungen anzuprangern, wenn sie unbegründet oder falsch war. Die amerikanischen Medien mussten ihr Verhältnis zu den Institutionen ändern und die Demokratie verteidigen.</p>
<p>Die von der Trump-Regierung verbreiteten Unwahrheiten haben die Medien in die ungewöhnliche Rolle als Gegenkraft versetzt. Im Endeffekt bin ich davon überzeugt, dass die Medien überparteilich bleiben sollten. Das Funktionieren der Institutionen sollte jedoch keine parteipolitische Angelegenheit sein, und die Medien haben zu Recht ihre Rolle als Gegenmacht eingenommen, als die Institutionen von einem Präsidenten bedroht wurden, der den Staat in Gefahr brachte.</p>
<p><strong>&#8211; Hat die Gesundheitskrise Auswirkungen auf die Informationsfreiheit in den Vereinigten Staaten gehabt?</strong></p>
<p><em> &#8211; </em>Mit den Einschränkungen, die die Gesundheitskrise mit sich bringt, wird der Zugang zu Informationen weltweit immer komplizierter. Zum Beispiel hat sich die Art und Weise, wie Pressekonferenzen abgehalten werden, verändert. Nun werden die Journalisten gebeten, ihre Fragen über einen Kommunikationsbeauftragten zu stellen. Dieser Vermittler verwischt die Grenze zwischen der Regierung und den Journalisten. Ich hoffe, dass diese Zugangsbeschränkungen verschwinden, sobald Corona hinter uns liegt, und nicht Teil des normalen Ablaufs werden.</p>
<p><strong>&#8211; Welche Aufgaben kommen auf Joe Biden in Bezug auf die Pressefreiheit zu?</strong></p>
<p>&#8211; Das grosse Problem für die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten, unabhängig von der Regierung, ist das Verschwinden der Presse. Die Lokalredaktionen schrumpfen unaufhaltsam.</p>
<p>Wir haben 2020 gesehen, wie wichtig lokale Akteure und Mandatsträger in den Bundesstaaten für die Präsidentschaftswahlen waren. Die Aufgabe des Journalismus ist es, die Integrität von Wahlen zu verteidigen. Deshalb müssen sich die Medien mit der Frage beschäftigen, wie lokale und bundesstaatliche Regierungen die Stimmabgabe und die Auszählung der Stimmen handhaben. Die Herausforderung besteht darin, dass die Medien im ganzen Land präsent sind, um Licht in dieses Geschehen zu bringen. Es bleibt abzuwarten, wie die Biden-Regierung das Ökosystem der Information regulieren wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass alle Bedingungen erfüllt sind, damit Journalisten ihre Arbeit frei ausüben können und somit Informationen an die Öffentlichkeit gelangen können.</p>
<p><strong>&#8211; Was halten Sie davon, dass Trump von Social Media wie Twitter und Facebook gebannt wurde?</strong></p>
<p><em>&#8211; </em>Es besteht eine starke Spannung zwischen der Meinungsfreiheit und der Tatsache, dass Donald Trump den zündelnden Feuerwehrmann spielt. Viele Amerikaner stellen sich diese Frage. In den Vereinigten Staaten gibt es keine Antirassismus-Gesetze wie in Europa, keine Einschränkungen für Hassreden. Hier gilt die angelsächsische Auffassung von Meinungsäusserungsfreiheit, die sehr weit geht.</p>
<p>Donald Trump ist unter Präsident Obama wieder in die Politik eingestiegen, indem er diesen beschuldigte, kein Amerikaner zu sein. Trumps Kandidatur für die Präsidentschaft begann mit Fake News, die über Social Media verbreitet wurden. Im Jahr 2020 schürte er über diese Netzwerke erneut Hass und Gewalt. Er hat Institutionen bedroht und ihnen viel Schaden zugefügt. Er hat viele Situationen in den USA schlimmer gemacht. Seine Aussagen zu Corona haben viele Todesfälle verursacht.</p>
<p>Ich fühle mich selbst nicht sehr wohl mit der Macht, die die «Big Five», also die grossen Technologieunternehmen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft, haben. Die Social Media sind zum Dorfplatz geworden. Ehrlich gesagt, bin ich sehr gespalten, denn ich sehe die Argumente beider Seiten. Wir haben das Gefühl, dass wir die alte Welt der Kommunikation verlassen haben. Wir verwenden immer noch die alten Schutzprogramme, um unsere individuellen Freiheiten zu schützen. Doch die digitale Transformation hat alles auf den Kopf gestellt. Da Trump alles tut, um Hass zu schüren, sagt der Teil von mir, der sich um die Integrität von Institutionen sorgt, dass er ein gefährlicher Präsident ist. Gleichzeitig möchte ich auch nicht den «Big Five» die Schlüssel zur Regulierung der freien Meinungsäusserung übergeben.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir finden raus, wer du bist und wo du wohnst»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/wir-finden-raus-wer-du-bist-und-wo-du-wohnst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 May 2021 15:52:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-01-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Bettina Büsser, Koordinatorin Deutschschweiz von RSF Schweiz Shitstorms, Beleidigungen, Drohungen und gar Übergriffe: Medienschaffende werden ihrer Arbeit wegen manchmal massiv angegriffen. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass diese Angriffe mit der Corona-Pandemie viel aggressiver und viel häufiger geworden sind. RSF Schweiz hat einige Journalistinnen und Journalisten nach ihren Erfahrungen gefragt. «Das Virus sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6>Bettina Büsser, Koordinatorin Deutschschweiz von RSF Schweiz</h6>
<p>Shitstorms, Beleidigungen, Drohungen und gar Übergriffe: Medienschaffende werden ihrer Arbeit wegen manchmal massiv angegriffen. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass diese Angriffe mit der Corona-Pandemie viel aggressiver und viel häufiger geworden sind. RSF Schweiz hat einige Journalistinnen und Journalisten nach ihren Erfahrungen gefragt.</p>
<p>«Das Virus sind die Medien» &#8211; das stand auf Plakaten, die mehrere Personen anlässlich der Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen in Liestal und Altdorf mit sich trugen. Offenbar fühlen sich zunehmend mehr Leute legitimiert, gegen dieses «Virus Medien» vorzugehen, nicht nur mit kritischen Einwänden, sondern auch mit Beschimpfungen und Drohungen. Manche gehen noch weiter: <a href="https://www.20min.ch/story/schaemen-solltet-ihr-euch-alles-was-ihr-schreibt-ist-gelogen-246043472401">In Altdorf wurde ein Team von 20 Minuten bedrängt und bedroht</a> (<em>Foto: Keystone-SDA</em>), es wurde sogar ein Stein geworfen. Und in Liestal schlug ein Kundgebungsteilnehmer einem jungen Fotografen die Faust ins Gesicht und verletzte ihn.</p>
<p>Fotografinnen und Fotografen sind durch ihre Ausrüstung und Tätigkeit klar zu erkennen. Deshalb, so weiss Alessandro della Valle, Cheffotograf bei Keystone-SDA, kommt es bei Demonstrationen von Corona-Massnahmenkritikern immer wieder vor, dass Keystone-Mitarbeitenden attackiert und beleidigt werden: «Es heisst dann etwa ‚Lügenpresse‘, ‚Fake News‘ oder ‚Ich hoffe, du verlierst deinen Job‘, aber auch gröbere Ausdrücke wie ‚Arschloch‘ kommen vor.» Solche Übergriffe sind laut della Valle ein neues, Corona-spezifisches Phänomen, das die Keystone-Fotografinnen und -Fotografen von anderen Demonstrationen nicht kennen. Und die Aggressivität nimmt laut della Valle zu: An den Demonstrationen in Bern und Liestal im März haben Keytone-SDA-Fotografen massive verbalen Anfeindungen und Drohungen, aber physische Übergriffe und Drohgebärden erlebt: «Die beiden Fotografen hatten im Lauf der Demos Momente der Angst um ihr physisches Wohlergehen.»</p>
<h6>Schutz durch zusätzliches Sicherheitspersonal</h6>
<p>Dass Medienschaffende mit Kameras und Fotoapparaten leichter auszumachen sind als Schreibende, die sich nur Notizen machen, macht sie für Aggressionen zu einem sichtbareren Ziel. Das ist nicht neu. Bei Schweizer Fernsehen SRF etwa gibt es laut</p>
<p>Basil Honegger, Leiter TV-Inlandredaktion, schon länger Einsätze, vor denen eine interne Risikoabschätzung durchgeführt wird, um das Gefahrenpotential eines Drehs vor Ort zu beurteilen. Dies geschieht zum Beispiel bei 1. Mai-Demonstrationen, Fanmärschen oder Demos zu politisch stark aufgeheizten Themen wie etwa Abtreibung. «Je nach Einschätzung werden die Journalistinnen und Journalisten und Kameraequipen durch zusätzliches Sicherheitspersonal geschützt oder der Drehort wird so festgelegt, dass sie aus sicherer Distanz arbeiten können», sagt Honegger. Neu sei dies auch bei Demos von Impfskeptikern oder Kritikern der Corona-Massnahmen der Fall. «Bei Dreharbeiten in der Schweiz ist der Tonfall nicht per se rauer geworden, das kommt nur punktuell vor», so Honegger, doch man stelle fest, dass der Ton gegenüber Medienschaffenden vor allem in den Social Media rauer geworden sei.</p>
<p>Beleidigungen und Drohungen gegen Medienschaffende sind auch bei Radio Télévision Suisse (RTS) kein neues Phänomen, doch «wir stellen fest, dass es durch die Situation infolge der Pandemie noch verschärft wird und die Debatten insbesondere in den sozialen Netzwerken stärker polarisiert werden», so RTS-Sprecherin Emmanuelle Jaquet. RTS biete Betroffenen sowohl psychologische wie juristische Hilfe an. Die Medienschaffenden würden regelmässig «zwischen den Verteidigern der individuellen Freiheiten und den Befürwortern der Gesundheitssicherheit in die Mangel genommen». Bei den Angriffen handelt es sich laut Jaquet in der Regel um Beleidigungen, die via persönlich adressierte Briefe oder Mails an die Medienschaffenden geschickt oder in den Social Media gepostet werden. Drohungen seien selten. Doch es ist in der letzten Zeit vorgekommen, dass RTS-Mitarbeitenden mit Pulver gefüllte Briefumschläge zugeschickt wurden, «laut den durchgeführten Analysen war die Substanz in jedem Fall ungiftig».</p>
<h6>Reizthemen lösen Shitstorms aus – und Corona verschärft</h6>
<p>Journalistinnen und Journalisten erleben nicht erst seit der Corona-Pandemie heikle Situationen. Manche werden, etwa wenn sie zu Islamismus oder Rechtsextremismus recherchieren, Ziel von so massiven Drohungen, dass die Polizei schon mal zu einem Wohnortwechsel rät. Auch wer über weniger heikel erscheinenden Themenbereichen arbeitet, kann zum Ziel eines Shitstorms werden – Reizthemen gibt es in jedem Ressort. «Wir waren es gewohnt, Briefe von unzufriedenen Lesern zu bestimmten kontroversen Themen wie dem Klimawandel zu erhalten», erzählt Sylvie Logean, Wissenschaftsjournalistin bei Le Temps: «Aber Covid hat eindeutig Bruchlinien innerhalb der Gesellschaft geschaffen.» Auch sie stellt in den letzten Monaten einen «besonders rauen» Ton fest. Und sie verzichtet meist darauf, sich die Facebook-Kommentare zu ihren Artikeln anzuschauen – wenn sie es dennoch tut, kam es vor, dass sie Dinge las wie «die Journalistin hat intellektuelle Kacke anstatt Hirn». Auf Mails aus der Leserschaft hingegen reagiert sie, auch wenn ihr darin vorgeworfen wird, sie übertreibe und säe Angst. Allerdings erhalten sie und ihre Kollegen vom Wissenschaftsressort auch Mails, in denen ihre Texte als «gossenwürdig» bezeichnet werden und ihnen mit Strafanzeigen oder sogar mit «Hängen» wegen «Mittäterschaft beim Völkermord» gedroht wird.</p>
<p>Eine ähnliche <a href="https://rsf-ch.ch/de/rsf-suisse-denonce-les-menaces-de-mort-proferees-contre-une-journaliste-de-heidi-news-2/">Drohung in Zusammenhang mit der Berichterstattung zur Pandemie</a> erhielt die heidi.news-Journalistin Annick Chevillot. Hässliche Reaktionen erlebte auch Sami Zaïbi, der für heidi.news undercover bei einem YouTube-Kanal recherchierte, der verschwörungstheoretische und coronaskeptische Theorien verbreitet. Als seine Artikelserie unter dem Titel «Im Herzen der Verschwörungsszene» erschien, wurde er massiv angegriffen, <a href="https://rsf-ch.ch/de/nicht-tolerierbare-rassistische-kommentare-gegen-einen-journalisten-von-heidi-newspropos-racistes-intolerables-tenus-contre-un-journaliste-de-heidi-news/">insbesondere mit rassistischen Kommentaren</a>. Zaïbi hatte mit harter Kritik gerechnet. Dennoch war er über schockiert über den Hass, der ihm entgegenbrandete – und insbesondere über den Kommentar «Sie werden enden wie ‚Charlie Hebdo‘». Danach wurde auch noch seine Mobilenummer auf Facebook veröffentlicht. «Zu meinem Erstaunen erhielt ich keinen einzigen Anruf», so Zaïbi: «Offenbar ist diese Art von Shitstorm eine momentane, unüberlegte Hasstirade, die automatisch in die Tastatur gehauen wird.»</p>
<h6>«Wenn es um Corona-Massnahmen oder das Impfen geht, explodiert es»</h6>
<p>Mit diesen Kommentaren umgehen müssen auch diejenigen, die bei Medien für den Social-Media-Bereich zuständig sind: «‘Wir finden raus, wer du bist und wo du wohnst‘, schrieb kürzlich als Antwort auf eine meiner Interventionen als Socialmedia Manager ein Kommentierer. Das hat mich wirklich erschreckt, so etwas ist mir noch nie passiert», erzählt Gerry Reinhardt, Socialmedia Manager des Ostschweizer Newsportals FM1Today. Seit fünf Jahren arbeitet er in dieser Funktion, weiss, dass bei manchen Themen die Facebook-Kommentare zum Teil sehr heftig, werden, etwa wenn es um Klima, Tierquälerei oder Pädophilie gehe. Aber seit der Pandemie habe die Zahl der Facebook-Kommentare, vor allem aber die Aggressivität darin, massiv zugenommen: «Wenn es um Corona-Massnahmen oder das Impfen geht, explodiert es.»Manche verbreiten Verschwörungstheorien, bezeichnen Bundesrat Berset als Diktator – vieles geht aber gegen die Medien: «Uns wird vorgeworfen wir würden Lügen und Fake News verbreiten», sagt Reinhardt: «Und es bringt überhaupt nichts, wenn ich versuche zu erklären, dass dem nicht so ist.» Besonders bei den Facebook-Kommentaren sei die Stimmung aggressiv, bei Twitter und Instagram weniger. Kollegen in ähnlichen Funktionen erlebten dasselbe. «Die Arbeit ist extrem anstrengend geworden», so Reinhardt: «Und ich fürchte ein bisschen, dass es noch schlimmer wird.»</p>
<p>Die Befürchtung Reinhardts teilen auch andere Medienschaffende. Manche von ihnen haben zwar gegenüber RSF Schweiz von Vorwürfen und Drohungen erzählt, möchten damit aber nicht an die Öffentlichkeit treten. Denn sie befürchten, dass dies nur noch mehr Hasskommentare nach sich zieht. Andere machen die Situation öffentlich, indem sie Ausschnitte aus solchen Hassbotschaften posten. Und Pascal Scheiber fragte im Januar die Journalistinnen und Journalisten auf Twitter: «Wie geht ihr draussen mit Hass &amp; Wut gegenüber euch um? (…) Ist mir nur grad heute mehrmals passiert». Scheiber, der für Blick TV arbeitet, hat schon vor der Pandemie manchmal Sprüche gegen die Medien gehört, wenn er mit der Kamera unterwegs war: «Aber nicht so oft und nicht so extrem wie jetzt. Nun heisst es etwa ‚‘Ihr gehört zum System‘, ‚ihr lügt‘ oder ‚bei deiner Berufswahl ist einiges schief gelaufen‘». Wut schlug ihm zum Beispiel entgegen, als er über die coronabedingte Absage der Skirennen in Wengen berichtete. Er versuche jeweils, auf die Leute einzugehen und seine Position als Journalist darzulegen, «doch das hat nichts genützt».</p>
<h6>Mitverantwortung von Politikerinnen und Politikern</h6>
<p>Scheiber ist es wichtig, dass die Aggressionen gegen Medienschaffende thematisiert werden. Dies etwa, um Politikerinnen und Politiker auf ihre Mitverantwortung hinzuweisen: «Wenn sie unsere Berichte auf Socia Media als Fake News bezeichnen, obwohl sie sauber recherchiert sind, tragen sie zu dieser Stimmung bei.» Und auch die Kolleginnen und Kollegen, die nicht «draussen» unterwegs sind, sieht er in der Pflicht: «Je nachdem, wie sie die Titel setzen, die Filme schneiden, lösen sie beim Publikum etwas aus. Dessen sollten sie sich bewusst sein. Denn wir erleben die Reaktionen darauf im direkten Kontakt mit den Leuten.»</p>
<p><em>Wir möchten die Entwicklung dieses Phänomens weiterhin verfolgen und erfassen und bitten Journalistinnen und Journalisten, die solche Drohungen erhalten, uns zu kontaktieren (<a href="mailto:info@rsf-ch.ch">info@rsf-ch.ch</a>).</em></p>
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