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	<title>2021-03-DE | Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Soziale Ächtung eines Walliser Journalisten wegen eines kritischen Artikels über Saas-Fee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 10:25:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-03-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Dass sein kritischer Artikel über das Dorf (Foto Keystone-SDA), in dem er lebt, kritische Reaktionen auslösen würde, hat der Walliser Journalist Samuel Burgener erwartet. Nicht gerechnet hat er damit, dass die Reaktionen so massiv ausfallen würden. Ihm wurde sogar die Teilnahme an Volleyball- und Unihockey-Spielen im örtlichen Turnverein untersagt. «Jeden Sommer machen über 2000 streng [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass sein kritischer Artikel über das Dorf <em>(Foto Keystone-SDA)</em>, in dem er lebt, kritische Reaktionen auslösen würde, hat der Walliser Journalist Samuel Burgener erwartet. Nicht gerechnet hat er damit, dass die Reaktionen so massiv ausfallen würden. Ihm wurde sogar die Teilnahme an Volleyball- und Unihockey-Spielen im örtlichen Turnverein untersagt.</p>
<p>«Jeden Sommer machen über 2000 streng orthodoxe Juden Ferien im Saastal. Ihre Anwesenheit entzweit die Bevölkerung eines Dorfes. Es geht um kulturelle Konflikte, fehlende Worte und – um Geld.»</p>
<p>Der Text, der zu diesem Lead gehört, erschien am 10. August im «Walliser Boten» und in der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Er beschreibt das Verhältnis zwischen den Einheimischen und den jüdisch-orthodoxen Touristen im Walliser Ferienort Saas-Fee und die Probleme, die daraus entstehen.</p>
<p>Es ist kein Schlagzeilen-Text, der Ton ist ruhig, aber der Artikel hat offenbar einige Nerven getroffen. Verfasst haben ihn Angelika Hardegger von der NZZ und Samuel Burgener, Blattmacher beim «Walliser Boten». Burgener hatte von 2013 bis 2020 ebenfalls für die NZZ gearbeitet; wochentags war er deshalb in Zürich, an den Wochenenden an seinem Walliser Wohnort: Saas-Fee. Seit er im Februar dieses Jahres zum «Walliser Boten» kam, lebt er wieder mehrheitlich in Saas-Fee.</p>
<p>Mit 1700 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Saas-Fee klein. Man kennt sich. Deshalb bekam Burgener voll zu spüren, was der Text im Dorf auslöste. Dass es Reaktionen darauf geben würde, hatte er erwartet. Aber nicht, dass sie so massiv ausfallen würden. Sie waren harsch, der Tenor war, er, Burgener, habe das Dorf durch den Dreck gezogen. Die Kommentare kamen per Mail, via Whatsapp, direkt auf der Strasse, es gab Drohungen. Kollegen und langjährige Bekannte sprachen nicht mehr mit ihm und behandelten ihn wie Luft. Und seine Familie musste sich auf der Strasse ebenfalls Gehässigkeiten anhören.</p>
<p>Burgener ist in Saas-Fee verankert und war auch in Vereinen aktiv. Unter anderem spielte er Volleyball und Unihockey im Turnverein, dem Verein Poly Sport Saas-Fee. Dessen Präsident, Denis Bumann, teilte ihm schliesslich mit, er sei wegen des Artikels im Verein nicht mehr erwünscht. «Das hat mich geschockt», sagt Burgener: «Das ist für mich soziale Ächtung.»</p>
<p>Als er auf der Redaktion davon erzählte, war für Herold Bieler, den publizistischen Leiter der «Walliser Bote»-Herausgeberin pomona.media AG, klar, dass man darauf reagieren musste. «Da gibt es nichts zu verhandeln», sagt Bieler. Im Lokaljournalismus sei die Nähe zu den Protagonisten sehr gross, das Oberwallis sei klein, und es sei zu erwarten gewesen, dass es Reaktionen gebe. Aber: «Es war ein guter Beitrag. Wir haben schon früher die Erfahrung gemacht, dass kritische Berichte über Tourismus und Bergbahnen im Saastal heftige Reaktionen und Abo-Kündigungen zur Folge hatten. Aber so weit ging es bisher noch nie.»</p>
<p>Bieler setzte einen Brief an den Präsidenten des Turnvereins auf, auch pomona.media-Verleger Fredy Bayard sowie NZZ-Chefredaktor Eric Gujer und die Leiterin des NZZ-Inland-Ressorts, Christina Neuhaus, unterzeichneten ihn. Sie bezeichneten den Entscheid als «willkürlich» und «diskriminierend» und verurteilten «die soziale Ächtung von Samuel Burgener und seiner Familie aufs Schärfste». Und: Das Verhalten des Präsidenten sei auch «ein Schlag gegen die Pressefreiheit».</p>
<p>Den Brief an Denis Bumann schickte Bieler auch an die Gemeindeverwaltung Saas-Fee, an den Presserat, an die Jungen Journalistinnen &amp; Journalisten Schweiz, an die «Schweizer Journalist:in» sowie an RSF Schweiz. Presserats-Präsidentin Susan Boos reagierte, wies Bumann in einem Schreiben darauf hin, dass es «für solche Fälle» die Möglichkeit einer Beschwerde an den Schweizer Presserat gebe, und ergänzte: «Wir kennen den konkreten Fall nicht und möchten uns deshalb nicht spezifisch dazu äussern. Grundsätzlich gilt aber, dass es nicht annehmbar ist, professionelle JournalistInnen von öffentlichen Veranstaltungen auszuschliessen oder sie sozial zu ächten.»</p>
<p>Auch Turnvereins-Präsident Bumann reagierte; es gab ein Gespräch mit Burgener und einen Entschuldigungsbrief. «Nach einem konstruktiven und persönlichen Gespräch und einer schriftlichen Stellungnahme an Herrn Samuel Burgener ist dieses Thema für Samuel Burgener und für mich abgeschlossen», schrieb er auf eine entsprechende Anfrage von RSF Schweiz.</p>
<p>Burgener wird nicht mehr im Turnverein mittun. «Ich finde das Ganze absolut niederträchtig», sagt er: «Es hat mich enorm geschmerzt und schmerzt auch meine Familie.»</p>
<h6>Bettina Büsser, Koordinatorin Deutschschweiz von RSF Schweiz</h6>
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		<title>In Afghanistan ist die Information in Gefahr</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/informationen-sind-in-afghanistan-gefaehrdet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 10:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-03-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit der Machtübernahme durch die Taliban im August haben unzählige afghanische Journalistinnen und Journalisten das Land verlassen oder versuchen verzweifelt zu flüchten. «Sie werden terrorisiert», sagt Roberto Antonini, Journalist bei der Radiotelevizione svizzera (RSI), der Afghanistan seit vielen Jahren kennt. Im Juli war Antonini noch in Kabul. Zusammen mit dem Regisseur Philippe Blanc drehte er [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit der Machtübernahme durch die Taliban im August haben unzählige afghanische Journalistinnen und Journalisten das Land verlassen oder versuchen verzweifelt zu flüchten. «Sie werden terrorisiert», sagt Roberto Antonini, Journalist bei der Radiotelevizione svizzera (RSI), der Afghanistan seit vielen Jahren kennt.</p>
<p>Im Juli war Antonini noch in Kabul. Zusammen mit dem Regisseur Philippe Blanc drehte er die bewegende Reportage <a href="https://www.playsuisse.ch/de/show/966522/kabul-kurz-vor-der-dunkelheit">«Kabul, kurz vor den Dunkelheit»</a>, die auf allen SRG-Sendern zu sehen war. Die beiden trafen viele Journalisten, Fotografen und Kameraleute, die noch immer von den beiden Anschlägen traumatisiert sind, bei denen im Sommer 2019 acht Medienschaffende ums Leben kamen.</p>
<p>Bei ihrer Reportage waren die beiden Schweizer Journalisten auch mit Kolleginnen und Kollegen von Tolonews in Kontakt. Tolonews ist – beziehungsweise war zumindest bis zu diesem Sommer &#8211; das freie, pluralistische und kritische Medium par excellence in Afghanistan. «Heute sind alle, die wir getroffen haben, nicht mehr dort», sagt der Tessiner Journalist traurig.</p>
<p>Zwar hatte im August, in den Tagen nach der Machtübernahme durch die Taliban, einer ihrer Sprecher gegenüber Reporter ohne Grenzen versichert, es werde «keine Drohungen oder Repressalien gegen Journalisten» geben. Einige Wochen später, im September, wurden jedoch mehrere Journalisten während einer Demonstration von Frauen verhaftet, die gegen ihre Diskriminierung durch das neue Regime protestierten. Ein Journalist und ein Kameramann der Tageszeitung Etilaat Roz wurden verprügelt und mit Kabeln ausgepeitscht, wie zahlreiche Medien berichteten. Der Reporter der Los Angeles Times, Marcus Yann, schrieb auf Twitter, er sei daran gehindert worden, über die Demonstration zu berichten, mit der Begründung, dass «der Islam das Fotografieren von Frauen verbietet». Nach einem Bericht unserer Organisation wurde die Ausrüstung einer ausländischen Fotografin innerhalb von drei Tagen zweimal beschlagnahmt.</p>
<p>Die Taliban «haben sich nicht verändert», ist Roberto Antonini überzeugt. Ihm zufolge sind es dieselben Menschen wie in den dunklen Jahren von 1996 bis 2001, bevor die Amerikaner ins Land kamen. Die Bilanz für die Pressefreiheit in dieser Zeit war katastrophal: Radio und Fernsehen waren verboten, mit Ausnahme des passend benannten Radio Charia.</p>
<p>Die Attentate gegen Medienschaffende schienen nach der Machtübernahme durch die Taliban aufgehört zu haben. Doch Anfang der Woche wurde in Kabul <a href="https://www.20minutes.fr/monde/3172319-20211115-afghanistan-journaliste-tue-kaboul-groupe-etat-islamique-revendique-attentat">bei einer Explosion in einem Bus ein Journalist getötet</a>; die Gruppe Islamischer Staat bekannte sich zum Anschlag. Auf jedem Fall ist es für afghanische Medienschaffende unmöglich, ihrer Arbeit normal nachzugehen. «Es gibt keine Möglichkeit, die Machthaber zu kritisieren, zu recherchieren, Missstände aufzudecken», sagt Antonini.</p>
<p>«Die Medien waren in Afghanistan noch nie frei», sagt Filippo Rossi, ein weiterer Tessiner Journalist, der heute in Istanbul lebt und ein hervorragender Kenner Afghanistans ist. Er erinnert daran, dass die im August gestürzte Regierung seinerzeit auch für die Verfolgung und Ermordung von Medienschaffenden verantwortlich war. Zum Beispiel wurde Shamshad TV kurz vor dem Sturz der Regierung vom afghanischen Vizepräsidenten wegen der Ausstrahlung eines Interviews bedroht: «Strahlen Sie es aus, werde ich Ihr Gebäude in Brand setzen», wurde den Verantwortlichen des Senders gesagt.</p>
<p>Nach Ansicht von Rossi ist es deshalb noch etwas zu früh, um den Zustand der Pressefreiheit in Afghanistan im Vergleich zur früheren Situation zu beurteilen. Nach der Ankunft der Taliban in Kabul konnte der Journalist gehen, wohin er wollte. Der einzige heikle Moment ereignete sich während einer Reportage in Panshir. Seine Ausrüstung wurde beschlagnahmt, aber er erhielt sie zwei Tage später zurück: «Nichts war gelöscht worden.»</p>
<p>Rossi räumt jedoch ein, dass die ausländischen Journalisten im Vergleich zu dem, was ihre afghanischen Kolleginnen und Kollegen erleiden mussten, verschont geblieben sind. Natürlich verurteilte er die Verhaftungen und die Gewalt gegen Medienschaffende. Er hat auch festgestellt, dass die Journalistinnen in Angst lebten. In der aktuellen Situation in Afghanistan, sagt er, sei der Wunsch, das Land zu verlassen, umso verständlicher, als das Land im Chaos versinke und die wirtschaftliche Lage ausserordentlich prekär sei.</p>
<p>Afghanistan braucht jedoch mehr denn je unabhängige und vertrauenswürdige Informationen. Im September unterzeichneten einhundertdrei afghanische Journalistinnen und Journalisten einen Hilfsappell, der über das internationale Sekretariat von RSF verbreitet wurde. Die Unterzeichnenden, die gezwungen sind, anonym zu bleiben, um sich nicht ernsthaften Gefahren auszusetzen, forderten die internationalen Institutionen auf, Druck auf das neue Regime auszuüben, um Garantien zu erhalten, insbesondere für Journalistinnen, die weiterhin im Land arbeiten wollen. «Die Zunahme der Vorfälle vor Ort [Anfang September]», schreiben sie, «die immer unverhohlenere Einmischung der Taliban in die Arbeit der Medien und die Unmöglichkeit für viele Journalistinnen, ihre Arbeit fortzusetzen, lassen uns das Schlimmste befürchten.»</p>
<p>In dem Appell verlangte sie auch volle Unterstützung der westlichen Länder für Medienschaffende, die nach ihrer Einschätzung ihren Beruf nicht mehr ohne ernsthafte Gefahr ausüben können und sich in Sicherheit bringen müssen.</p>
<p>Die Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen hat bei den Vorstehern des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten und des Justiz- und Polizeidepartements, Ignazio Cassis und Karin Keller-Sutter, interveniert und gefordert, dass die Schweiz gefährdete afghanische Journalistinnen und Journalisten aufnimmt.</p>
<p>In seiner Antwort vom 31. August wies der Staatssekretär für Migration, Mario Gattiker, jedoch darauf hin, dass nach Abschluss der Evakuierung der Schweizer Staatsangehörigen, der lokalen Angestellten der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und ihrer Familien sowie der Personen mit Aufenthaltsbewilligung oder mit einem so genannten Reiseersatzdokument für schriftenlose ausländische Personen, die Einreise in die Schweiz nur auf der Grundlage eines individuellen Antrags auf ein humanitäres Visum möglich sei.</p>
<p>Die Kriterien für die Gewährung einer solchen Genehmigung sind strikt. Das Gesuch muss bei einer Schweizer Vertretung im Ausland eingereicht werden &#8211; die Schweiz hat aber keine Vertretung mehr in Kabul. Viele Afghanen, die ein humanitäres Visum der Schweiz beantragen, müssen sich deshalb an die Schweizer Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wenden. Zudem müssen sie einen engen Bezug zur Schweiz haben, insbesondere eine familiäre Verbindung.</p>
<p>Gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen bedauert die RSF Schweiz diese Zurückhaltung und fordert weiterhin eine grosszügigere Aufnahme.</p>
<h6>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</h6>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bertil Galland, Reporter ohne Grenze</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/bertil-galland-reporter-ohne-grenze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Nov 2021 13:43:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2021-03-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Editorial Als ich in den USA ankam, erhielt ich viele Ratschläge, darunter auch diesen, der sich als sehr weise erwies: «Versuchen Sie nicht, die amerikanische Politik kennen zu lernen, indem Sie in Washington anfangen. Fahren Sie zuerst in den Bundesstaaten herum. Beenden Sie Ihren Aufenthalt in der Hauptstadt. Nur dann werden Sie den Mechanismus der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<p><em>Als ich in den USA ankam, erhielt ich viele Ratschläge, darunter auch diesen, der sich als sehr weise erwies: «Versuchen Sie nicht, die amerikanische Politik kennen zu lernen, indem Sie in Washington anfangen. Fahren Sie zuerst in den Bundesstaaten herum. Beenden Sie Ihren Aufenthalt in der Hauptstadt. Nur dann werden Sie den Mechanismus der Macht ohne allzu grosse Schwierigkeiten begreifen.»</em></p>
<p>So beginnt <em>La machine sur les genoux</em>, das erste Buch von Bertil Galland (Cahiers de la Renaissance vaudoise, 1960), das in einer Reihe von Reportagen über die USA «am Ende der Herrschaft Eisenhowers» berichtet, wie es im Untertitel heisst.</p>
<p>Bertil Galland <em>(Foto Keystone-SDA)</em> wurde dieses Jahr 90 Jahre alt. Die Dokumentarfilmer Frédéric Gonseth und Catherine Azad haben mit ihrem Film <em>La Saga Bertil Galland</em> eine grossartige Hommage an diese Persönlichkeit des Journalismus und des literarischen Verlagswesens in der Westschweiz geschaffen. Der Film kam im Herbst in die Kinos, wurde am 31. Oktober auf RTS2 ausgestrahlt und kann dort nach wie vor geschaut werden.</p>
<p>Im 92 Minuten dauernden Film wird ein in jeder Hinsicht aussergewöhnlicher Weg erzählt. Der des Verlegers natürlich, ohne den die Westschweizer Literatur nicht das wäre, was sie ist: Maurice Chappaz, Corina Bille, Jacques Chessex, Nicolas Bouvier, Anne-Lise Grobéty, Alice Rivaz, Alexandre Voisard, um nur einige zu nennen, die Galland verlegt hat. Ganz zu schweigen von den deutschsprachigen Autoren, die Galland in der Westschweiz bekannt gemacht hat: Muschg, Frisch, Hugo Loetscher, Ludwig Hohl und viele andere.</p>
<p>Aber <em>La Saga Bertil Galland</em> erinnert auch in brillanter Weise an den Weg des Journalisten, dessen Chroniken und Reportagen, ob lokal oder aus der Ferne, Generationen von Leserinnen und Lesern von <em>24 heures</em>, dann von <em>L&#8217;Hebdo</em> und <em>Le Nouveau Quotidien</em> geprägt haben.</p>
<p>Bertil Galland reiste in das vom Krieg zerrüttete Vietnam, nach Kambodscha, dem dieses noch bevorstand, und in das von der Kulturrevolution verwüstete China. Aber wir sahen ihn auch bei der Arbeit an der Kreuzung «des Figuiers», wo er das Geheimnis der vielen Unfälle, die sich dort ereigneten, lüftete, eine Episode, von der er heute lachend erzählt&#8230;</p>
<p>Das Leben von Bertil Galland lädt dazu ein, die Beziehung &#8211; und die Grenze&#8230; &#8211; zwischen Journalismus und Literatur zu hinterfragen. Sie waren bei ihm so eng miteinander verbunden waren, dass er schliesslich seinen Verlag schloss, weil er seine Freiheit als Journalist behalten wollte. Er weigerte sich, ein kommerzieller Verleger zu werden, um seinem nach wie vor starken Appetit auf Literatur und Poesie andere Formen zu geben.</p>
<p>Der ihm gewidmete Film lässt uns die gemeinsame Quelle von Bertil Gallands doppelter Karriere als Journalist und Verleger verstehen: dieselbe Leidenschaft, dieselbe Ambition, der französischsprachigen Schweiz eine Stimme zu geben, einen Beitrag zu ihrer Kulturgeschichte im weitesten Sinne zu leisten, den Frauen und Männern, die dort leben, zu ermöglichen, aus ihrer eigenen sozialen, historischen und politischen Realität heraus und in völliger Offenheit gegenüber der Welt zu lesen, zu denken und zu schreiben. Mit Bertil Galland bekam der Journalismus also seine eigentliche Bedeutung. Es sei dem Autor dieser Zeilen, der das Abenteuer <em>Le Nouveau Quotidien </em>schon in jungen Jahren an der Seite dieses hoch angesehenen Älteren erlebt hat, erlaubt, ihm dafür zu danken.</p>
<h6>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</h6>
<p>&nbsp;</p>
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