<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Newsletter 2024-02-DE | Reporter ohne Grenzen</title>
	<atom:link href="https://rsf-ch.ch/de/category/newsletter-de/newsletter-2024-02-de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://rsf-ch.ch</link>
	<description>Section suisse</description>
	<lastBuildDate>Wed, 19 Jun 2024 12:33:37 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-CH</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Im Gedenken an Christophe Deloire</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/im-gedenken-an-christophe-deloire/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Jun 2024 11:57:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2024-02-DE]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://rsf-ch.ch/?p=30391</guid>

					<description><![CDATA[Editorial &#160; Aktiv, willensstark, visionär, aber auch aufmerksam bei der Umsetzung: Christophe Deloire war seit zwölf Jahren die treibende Kraft hinter Reporter ohne Grenzen. Er erlag am Samstag, den 8. Juni, nach nur wenigen Monaten Krankheit einem aggressiven Krebsleiden und hinterliess uns alle erschüttert über seinen jähen und schockierenden Tod. Er hatte 2012 die Leitung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aktiv, willensstark, visionär, aber auch aufmerksam bei der Umsetzung: Christophe Deloire war seit zwölf Jahren die treibende Kraft hinter Reporter ohne Grenzen. Er erlag am Samstag, den 8. Juni, nach nur wenigen Monaten Krankheit einem aggressiven Krebsleiden und hinterliess uns alle erschüttert über seinen jähen und schockierenden Tod.</p>
<p>Er hatte 2012 die Leitung des Hauptsitzes der Organisation in Paris übernommen. Von Anfang an mit sicherer Hand, überzeugt davon, dass RSF nicht nur reagieren, sondern auch agieren, vorschlagen und zum Gesprächspartner der öffentlichen Hand, der Staaten und der internationalen Organisationen werden sollte, hat Christophe schnell neue Impulse gegeben, Veränderungen eingeleitet, Baustellen eröffnet.</p>
<p>Ohne ihn, ohne sein Wirken wären die Identität von RSF und das Gewicht der Organisation in der öffentlichen Debatte nicht das, was sie heute sind. Alle, die mit ihm zusammengearbeitet haben, waren von seiner Intelligenz, seiner Schnelligkeit und seiner geistigen Flexibilität beeindruckt, die nur von der Entschlossenheit übertroffen wurde, mit der er seine Ziele verfolgte. Ziele, die er zu Recht als unerlässlich für die Verteidigung der Pressefreiheit ansah.</p>
<p>Denn bei Christophe musste alles einem einzigen Ziel dienen: dem Journalismus, dem vertrauenswürdigen Journalismus, dem Journalismus von öffentlichem Interesse, dem Journalismus im Dienst der Öffentlichkeit. Unermüdlich, ohne jemals Zugeständnisse zu machen, bereit, Risiken einzugehen, wenn es sein musste, verteidigte Christophe eine anspruchsvolle Auffassung eines Berufs, den er mit Leidenschaft und in seinen zahlreichen Facetten ausgeübt hatte. Er begann seine Karriere 1994 beim Fernsehsender TF1 und setzte sie vier Jahre später beim französischen Magazin <em>Le Point</em> fort, wo er unvergessliche Recherchen veröffentlichte, bevor er von 2008 bis zu seinem Eintritt bei RSF im Jahr 2012 die französische Journalistenschule Centre de formation des journalistes in Paris leitete.</p>
<p>Ich lernte Christophe kennen, als ich 2019 bei der Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen anfing, und hatte seither regelmässigen Kontakt mit ihm. Er kam mehrmals nach Genf, und ein Keystone-Foto, das diesen Artikel illustriert, zeigt ihn am 4. Juni 2021 bei der Lancierung des Genfer Appells für die Freilassung von Julian Assange. In diesem Fall wie in so vielen anderen hatte Christophe die Partei des Mutes gewählt. Er hat sich für einen Mann eingesetzt, der Opfer der Staatsräson geworden war und bei dem ein Teil unseres Berufsstandes &#8211; warum sollte man das verheimlichen? &#8211; es für bequemer hält, ihn nicht zu unterstützen.</p>
<p>Es ist natürlich unmöglich, all die anderen Situationen aufzuzählen, in denen RSF von Afghanistan bis zum Iran, von Saudi-Arabien bis China, von Mexiko bis Russland unter der fachkundigen Leitung von Christophe zur Verteidigung von Journalisten, die behindert, verhöhnt, eingesperrt, entführt oder getötet wurden, aufzutreten vermochte &#8211; hartnäckig, informiert, einfallsreich, kompetent und frech, wenn es sein musste.</p>
<p>Nun müssen wir seine Ziele ohne ihn weiterverfolgen. Wir werden also weitermachen, aber wir werden ihn in unserem Herzen behalten. Adieu, Christophe, und danke.</p>
<h6>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</h6>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die Pressefreiheit ist im Finanzsektor stark eingeschränkt»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/die-pressefreiheit-ist-im-finanzsektor-stark-eingeschraenkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Jun 2024 11:56:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2024-02-DE]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://rsf-ch.ch/?p=30401</guid>

					<description><![CDATA[Ende Mai wurde Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Medien Schweiz, zur Präsidentin des Weltverlegerverbandes WAN-IFRA gewählt. Der Verband ist in 120 Ländern aktiv und vertritt die Interessen von über 3000 Medienunternehmen und über 18’000 Medientiteln. Ladina Heimgartner, Sie treten Ihr Amt in einer turbulenten Zeit an. Die Pressefreiheit ist weltweit unter grossem Druck, gerade im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="">Ende Mai wurde Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Medien Schweiz, zur Präsidentin des Weltverlegerverbandes WAN-IFRA gewählt. Der Verband ist in 120 Ländern aktiv und vertritt die Interessen von über 3000 Medienunternehmen und über 18’000 Medientiteln.</span></p>
<p><span class=""><b>Ladina Heimgartner, Sie treten Ihr Amt in einer turbulenten Zeit an. Die Pressefreiheit ist weltweit unter grossem Druck, gerade im Superwahljahr 2024. Und allein der Krieg in Gaza hat über 100 Medienschaffenden das Leben gekostet. Wie sehen Sie diesen Entwicklungen entgegen?</b></span></p>
<p><span class="">Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien. Sie treten mit verlässlichen Informationen der Verunsicherung entgegen. Ich habe mich vom ersten Tag meiner beruflichen Laufbahn für freie Meinungsbildung eingesetzt. Im Weltverlegerverband werden wir daher die Bedeutung der freien Presse weiterhin betonen. Es muss sichergestellt sein, dass Medienschaffende ihre Arbeit ohne Angst vor Gewalt oder Repressalien ausüben können. Wir werden die Bedeutung unabhängiger Nachrichtenmedien weiterhin betonen. Dazu wurden bereits mehrere Regierungen mit konkreten Resolutionen aufgerufen, die Pressefreiheit zu wahren und die Sicherheit von Journalisten durch rechtliche Rahmenbedingungen zu gewähren.</span></p>
<p><span class=""><b>Wie werden Sie den Weltverlegerverband ausrichten, um die Pressefreiheit weltweit zu fördern?</b></span></p>
<p><span class="">Die Situation verschärft sich weltweit eher, als dass sie sich entspannt – viele Medien stehen unter enormem Druck. Die Möglichkeiten des Weltverlegerverbandes darf man nicht überbewerten, aber eben auch nicht unterbewerten: Wir werden kontinuierlich auf Missstände hinweisen – öffentlich und gegenüber zahlreichen Stakeholdern. Wir müssen unaufhörlich an besseren Rahmenbedingungen arbeiten. </span></p>
<p><span class=""><b>Die Schweiz belegt im von RSF herausgegebenen Ranking der Pressefreiheit Rang 9 von 180. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?</b></span></p>
<p><span class="">Dass wir Platz 9 belegen, ist ein gutes Zeichen. Dennoch: Ein Land wie die Schweiz sollte unter den Top 5 rangieren! Auch in unserem Land gibt es Angriffe auf Medienschaffende. Ausserdem hat der Gesetzgeber die Arbeit der Medienschaffenden jüngst erschwert. Die Hürden für superprovisorische Massnahmen der Gerichte gegen die Medien wurden erleichtert. Auch der Revisionsentwurf zum Nachrichtendienstgesetz sieht eine empfindliche Aufweichung des Quellenschutzes vor. Kommt hinzu, dass die Pressefreiheit im Finanzsektor stark eingeschränkt ist, sodass Schweizer Redaktionen teils nicht an internationalen Recherchen zu Banken-Themen mitwirken konnten. Es gibt also viel Handlungsbedarf. Ringier hat beispielsweise gemeinsam mit dem Verband Schweizer Medien dazu am Nationalen Aktionsplan für die Sicherheit von Medienschaffenden mitgearbeitet.</span></p>
<p><span class=""><b>Worum geht es da?</b></span></p>
<p><span class="">Um Sensibilisierung, Prävention und konkrete Schutzmassnahmen für Journalistinnen und Journalisten. Das übergeordnete Ziel ist es, das Thema Sicherheit von Medienschaffenden auf die öffentliche Agenda zu setzen und auf die Herausforderungen für Medienschaffende aufmerksam zu machen. Dazu zählt etwa der Dialog mit der Polizei, um die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten bei Demonstrationen zu schützen. Oder Mittel zu finden, um missbräuchliche Gerichtsklagen gegen Medienschaffende, sogenannte SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation), zu verhindern. </span></p>
<p><span class=""><b>Für Unbehagen hat auch ein Entscheid des Ständerats im Dezember gesorgt, der den Bundesrat aufforderte, zu prüfen, ob die Veröffentlichung rechtswidrig erworbener Daten unter Strafe gestellt werden soll.</b></span></p>
<p><span class="">Investigative Journalisten sind auf durchgesickerte Informationen angewiesen, um Missstände aufzudecken und die Öffentlichkeit zu informieren. Eine Kriminalisierung der Veröffentlichung solcher Daten könnte die Medienlandschaft erheblich verändern und die Aufdeckung von Skandalen erschweren. Deshalb werden wir uns als Verband Schweizer Medien auch bei der Behandlung dieses Geschäftes aktiv einbringen, um Schaden für die Pressefreiheit bestmöglich abwenden zu können.</span><span class=""> </span></p>
<p><span class=""><b>Ein weiteres Problem ist die wirtschaftliche Lage der Medien. Redaktionen werden zusammengelegt, Kosten gespart, Mitarbeiter entlassen – jüngst auch bei Ringier. Das schadet der Pressefreiheit und der vielfältigen Berichterstattung.</b></span></p>
<p><span class="">Die Medienbranche ist stark unter Druck. Pro Jahr fliessen Werbeeinnahmen von über zwei Milliarden Franken direkt in die USA zu Google, Amazon, Meta und Co. Diese Firmen sind fähig, Werbung präziser auf die User zuzuschneiden. Und da die meisten Medien in der Schweiz ohne Login zugänglich sind, verlieren sie hunderte von Millionen an Werbeeinnahmen. Wir müssen Lösungen finden, um die Vielfalt der Medien zu sichern. Neue Finanzierungsmodelle und geschützte Rahmenbedingungen können eine wichtige Rolle spielen. Ausserdem müssen wir die Attraktivität des Journalismus stärken, damit die besten Talente sich weiterhin für einen Beruf in den Medien entscheiden. Es ist schliesslich immer noch der spannendste Job der Welt.</span></p>
<p><span class=""><b>Gleichzeitig ist künstliche Intelligenz ein grosses Thema. Inwiefern wird KI das Vertrauen in die Medien in den nächsten Jahren beeinflussen?</b></span></p>
<p><span class="">KI ist eine Herausforderung, die das Vertrauen in die Medien massgeblich beeinflussen kann. Die Informationsflut wird mit KI nur noch zunehmen. KI-Tools können journalistische Arbeit zwar verbessern – etwa durch Automatisierung von Routineaufgaben, durch Datenanalysen oder durch die Personalisierung von Inhalten. Andererseits lauern Risiken. Desinformation könnte durch KI noch gestärkt werden. Es ist schon heute problemlos möglich, Text, Audio, Foto und Video synthetisch herzustellen, sodass das menschliche Auge den Unterschied nicht mehr erkennt. Das könnte das Vertrauen in die Medien weiter untergraben. Um dieses Vertrauen zu erhalten, ist Transparenz mit KI zentral. Medienhäuser müssen offenlegen, wo und wie KI zum Einsatz kommt. Und sicherstellen, dass dabei ethische Standards eingehalten werden. </span></p>
<p><span class=""><b>Was erhoffen Sie sich von der Technologie? Gerade Ringier geht das Thema ja sehr offensiv an.</b></span></p>
<p><span class="">Mit Hoffen hat das wenig zu tun. Wir wissen, dass diese Technologien Realität sind und das Leben in immer mehr Bereichen prägen werden. Die letzten Umbrüche – das Aufkommen des Internets und Social Media sowie das Smartphone &#8211; hat die Medienbranche verschlafen, mit verheerenden Konsequenzen. Dieses Mal gilt es, auf der Welle zu surfen. Es wird folglich beides brauchen: Griffige gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Kooperationen zwischen Medienhäusern und den Tech-Firmen. Die nächsten Jahre werden wir nur partnerschaftlich bestreiten können, davon bin ich zutiefst überzeugt.</span></p>
<div>
<h6>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</h6>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir können den Quellenschutz unter diesen Umständen nicht gewährleisten»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/wir-koennen-den-quellenschutz-unter-diesen-umstaenden-nicht-gewaehrleisten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Jun 2024 11:54:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2024-02-DE]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://rsf-ch.ch/?p=30408</guid>

					<description><![CDATA[Es werde in der Schweiz keine Massenüberwachung geben, versprach der Bundesrat, als 2016 über ein neues Nachrichtendienstgesetz abgestimmt wurde. Eine Recherche der «Republik»-Journalistin Adrienne Fichter belegt aber, dass der Internetverkehr in der Schweiz massenhaft mitgelesen wird. Was bedeutet das für den Quellenschutz der Medienschaffenden? Im September 2016 nahm das Schweizer Stimmvolk das «Bundesgesetz über den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es werde in der Schweiz keine Massenüberwachung geben, versprach der Bundesrat, als 2016 über ein neues Nachrichtendienstgesetz abgestimmt wurde. Eine Recherche der «Republik»-Journalistin Adrienne Fichter belegt aber, dass der Internetverkehr in der Schweiz massenhaft mitgelesen wird. Was bedeutet das für den Quellenschutz der Medienschaffenden?</p>
<p>Im September 2016 nahm das Schweizer Stimmvolk das «Bundesgesetz über den Nachrichtendienst» (NDG) mit 65.5 Prozent Ja an; das NDG trat 2017 in Kraft. Im Vorfeld der Abstimmung hatte es viele kritische Stimmen gegeben, unter anderem von der Digitalen Gesellschaft, einem Verein für Bürger- und Konsumenten­schutz im digitalen Zeitalter. Sie und andere hatten davor gewarnt, dass dieses Nachrichtendienstgesetz eine «anlasslose Massenüberwachung» ermögliche. Auch Medienschaffende und ihre Organisationen wie etwa Syndicom, SSM und Impressum engagierten sich gegen das NDG; sie befürchteten, dass mithilfe des neuen Gesetzes der Quellenschutz ausgehebelt werden könnte.</p>
<p>Die Befürworter des Gesetzes hingegen, unter anderem der Bundesrat, betonten, es sei keine Massenüberwachung vorgesehen, sondern ein gezieltes Vorgehen zur Prävention von Terror und Spionage. Ausserdem betreffe die im NDG verankerte Kabelaufklärung, die den Datenverkehr erfasst und so eine Überwachung ermöglicht, Schweizerinnen und Schweizer nicht. Überwacht würden nämlich nur die Kabel, die die Schweiz mit dem Ausland verbinden.</p>
<h5>Der Internetverkehr wird massenhaft mitgelesen</h5>
<p>Doch eine <a href="https://www.republik.ch/2024/01/09/der-bund-ueberwacht-uns-alle">Recherche der «Republik»-Journalistin Adrienne Fichter</a> Anfang dieses Jahres hat gezeigt, dass diese Versprechen nicht zutreffen. Gestützt auf amtliche Korrespondenz, interne Quellen und Gerichtsdokumente der Digitalen Gesellschaft, die seit 2017 eine Beschwerde gegen die Kabelaufklärung führt, kommt Fichter zu folgendem Schluss: «Seit Inkrafttreten des Gesetzes 2017 wird der Internet­verkehr von Schweizerinnen und Schweizern massenhaft mitgelesen. In gerichtlichen Dokumenten räumt das Verteidigungs­departement ein, dass die ‘inländische’ Kommunikation inhaltlich gelesen und ausgewertet werde. Und: Sämtliche Daten werden für spätere Auftrags­suchen gespeichert.»</p>
<p>Die meiste Internet-Kommunikation der Schweizer Bevölkerung führt über ausländische Server und Netzwerke. «Dass Schweizerinnen und Schweizer nicht von der Kabelaufklärung betroffen sind, weil nur grenzüberschreitende Kommunikation erfasst werde, ist ein Ammenmärchen», sagt Fichter gegenüber RSF Schweiz: «Denn diese Trennung ist technisch nicht möglich.» Der Nachrichtendienst habe denn auch eingeräumt, dass die Kommunikation zwischen einem Sender und einer Empfängerin in der Schweiz, die über das Ausland läuft, bei der Kabel­aufklärung erfasst werde.</p>
<h5>«Wir sind alle davon betroffen»</h5>
<p>Bei der Überwachung, so Fichter, wird die Kommunikation nach bestimmten Suchbegriffen, die vorgegeben sind, durchsucht. «Das sind riesige Datenmengen, die dann ins Zentrum elektronische Operationen (ZEO) des Verteidigungs­departements in Zimmerwald umgeleitet werden.» Dort würden die Signale in Kommunikationsdaten umgewandelt, die Daten würden circa drei Monate lang gespeichert, ausgewertet und sortiert. «Man sucht quasi die Nadel im Heuhaufen, aber man begutachtet eigentlich jeden einzelnen Heustrang. Kabelaufklärung ist also nicht ein Instrument, das nur gezielt eingesetzt wird, wie es versprochen wurde. Wir sind alle davon betroffen.»</p>
<p>«Wir Journalistinnen und Journalisten können den Quellenschutz unter diesen Umständen nicht gewährleisten», so Fichter, «denn wir sind als Berufsgattung nicht ausgenommen, und es gibt keine Absichten, das zu verbessern.» Es sei eine «missliche» Lage. Deshalb müssten die Medienschaffenden sich selbst helfen und selber technische Vorkehrungen für den Quellenschutz treffen (<em>siehe Tipps weiter unten</em>).</p>
<h5>Es braucht «eine Art Journalismus-Lobby»</h5>
<p>Die Medienbranche, so Fichter weiter, müsse in dieser Frage mehr zusammenhalten. Denn es gebe vermehrt Schwächungsversuche beim Quellenschutz. Die EU zum Beispiel wolle die End-to-End-Verschlüsselung von Messenger-Apps wie Threema und Signal aufheben. Und was in der Schweiz die geplante Revision des NDG bringen werde, sei noch nicht klar: «Wenn dann zum Beispiel die Legalisierung von Trojanern drin ist, haben wir ein Problem.»</p>
<p>Für Fichter braucht es deshalb «eine Art Journalismus-Lobby», die sich gegen diese Trends wehrt und dabei mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gewerkschaften zusammenspannt, denn: «Ohne Quellenschutz können wir unseren Job nicht mehr machen, vor allem nicht investigativen Journalismus.»</p>
<h6>Bettina Büsser, Koordinatorin Deutschschweiz von RSF Schweiz</h6>
<blockquote><p>Tipps von Adrienne Fichter:</p>
<p>Als Journalistin/Journalist kannst du dich nicht vor der Kabelaufklärung schützen. Aber du kannst schauen, dass die Daten, die erfasst werden, möglichst nicht brauchbar sind. Verschlüssle also die Nachrichten und nutze Messenger-Apps wie Threema und Signal, die End-to-End verschlüsselt sind.</p>
<p>Verschicke heikle Mails über einen externen E-Mail-Provider mit einem Programm wie <a href="https://www.thunderbird.net/de/">Thunderbird</a> und der Verschlüsselungsmethode <a href="https://www.openpgp.org/">PGP</a>. Doch auch dann gilt: E-Mail ist weniger sicher als ein Messenger.</p>
<p>Triffst du eine Quelle, schalte dein Telefon aus oder nimm es gar nicht mit. Mach dir von Hand Notizen auf Papier.</p></blockquote>
<hr />
<p>Ratgeber der Digitalen Gesellschaft:</p>
<p>Die Digitale Gesellschaft bietet einen <a href="https://www.digitale-gesellschaft.ch/ratgeber/">Ratgeber</a> an, eine «<a href="https://www.digitale-gesellschaft.ch/ratgeber">Kurzanleitung zur digitalen Selbstverteidigung</a>» mit praktischen Tipps zum Schutz vor Überwachung.</p>
<hr />
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
