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	<title>Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Berichterstattung aus der Ukraine: Webinare und Leitfaden für ausländische Medienschaffende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 10:27:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Akkreditierungen, Sperrzonen, nützliche Kontakte… Medienschaffenden können zwar in der Ukraine selbst in Kriegszeiten auf vielfältige Weise ihrer Arbeit nachgehen. Dennoch gibt es wichtige Regeln, damit sie ihre Arbeit sicher und ordnungsgemäss ausüben können. RSF hat dazu einen praktischen Leitfaden in englischer Sprache veröffentlicht, der gemeinsam mit zwei erfahrenen Fixern (local producers) erarbeitet wurde. Der Leitfaden [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Akkreditierungen, Sperrzonen, nützliche Kontakte… Medienschaffenden können zwar in der Ukraine selbst in Kriegszeiten auf vielfältige Weise ihrer Arbeit nachgehen. Dennoch gibt es wichtige Regeln, damit sie ihre Arbeit sicher und ordnungsgemäss ausüben können. RSF hat dazu einen praktischen Leitfaden in englischer Sprache veröffentlicht, der gemeinsam mit zwei erfahrenen Fixern (local producers) erarbeitet wurde. Der Leitfaden enthält wichtige Tipps, die ausländischen Reporterinnen und Reportern helfen sollen, sich auf die Einsätze im Land vorzubereiten und diese erfolgreich durchführen zu können</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Oleksandra Aleksandrenko</strong> und <strong>Rostyslav Tsyren</strong> sind zwei erfahrene Fixer aus der Ukraine, die seit Beginn der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 mit ausländischen Journalistinnen und Journalisten zusammenarbeiten. Der nun vorliegende Leitfaden wurde auf Grundlage ihrer Erfahrungen erstellt und soll die wichtigsten Fragen beantworten, denen ausländische Reporterinnen und Reporter vor und während ihres Einsatzes in der Ukraine begegnen könnten. Als Ressource konzipiert skizziert der Leitfaden den rechtlichen Rahmen, in welchem sich die Medien bewegen. Ausserdem geht er auf kriegsbedingte Zugangsbeschränkungen und wichtige Sicherheitsvorkehrungen ein, einschliesslich der Frage, wie man sich vor russischen Drohnen am besten schützen kann (ein Thema, das RSF bereits in einem früheren Bericht thematisiert hat). Der aktuelle Leitfaden enthält nebst den Tipps auch eine Liste nützlicher Kontakte in der Ukraine selbst. Letztlich werden darin auch die Grundsätze des traumasensiblen Journalismus (trauma-informed journalism) dargelegt, der Medienschaffenden hinsichtlich der möglichen psychischen Folgen ihrer journalistischen Arbeit Orientierung bieten soll und entsprechende Tipps zur Vorbereitung von Interviews und Reportagen liefert.</span></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2026/09/12X16%20Pocket%20Ukraine%20Valid%20%281%29_0.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Laden Sie den Leitfaden auf Englisch hier als PDF herunter</span></a></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://youtu.be/uVSwTZBMY8Y" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Sehen Sie sich hier das Video auf Englisch an</span></a></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://forms.gle/6JoLJypdVUQkKThK6" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Weitere Informaitonen zu den bevorstehenden Webinaren</span></a> <span style="font-weight: 400;"><br />
</span><span style="font-weight: 400;">&#8211; 16. Oktober, 14.00 Uhr GMT (17.00 Uhr UTC+3) – Praktische Vorbereitung und Berichterstattung vor Ort (auf Englisch)<br />
</span>&#8211; 30. Oktober, 14.00 Uhr GMT (17.00 Uhr UTC+3) – traumasensibler Journalismus im ukrainischen Kontext (auf Englisch)</li>
</ul>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«Das primäre Ziel des Leitfadens ist es, Empfehlungen, praktische Informationen und nützliche Ressourcen für ausländische Journalistinnen und Journalisten bereitzustellen, die in die Ukraine reisen, um über den grossangelegten Krieg zu berichten. Mit dem Leitfaden und dem dazugehörigen Video möchte RSF den Reporterinnen und Reportern helfen, ihre Einsätze so effektiv und umfassend wie möglich vorzubereiten. Im Herbst 2026 werden zudem drei Webinare organisiert, um praktische Fragen zu beantworten und Medienschaffenden dabei zu unterstützen, die Regeln vor Ort zu verstehen.»<br />
</span></i><b>Pauline Maufrais<br />
</b><b>RSF-Regionalbeauftragte für die Ukraine</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit Beginn der grossangelegten Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar 2022 hat das von RSF betriebenen Zentrum für Pressefreiheit in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw mehr als 1&#8217;500 Medienschaffende im Land unterstützt – 600 von ihnen stammten aus dem Ausland. Im Zentrum konnte ihnen Equipment und Schutzausrüstung wie Helme und kugelsichere Westen, Erste-Hilfe-Sets, Drohnenwarngeräte und Powerbanks bereitgestellt werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Nothilfe-Büro von RSF kann Medienschaffenden zudem finanzielle Soforthilfe gewähren, um Ausgaben wie Arztkosten im Falle einer Verletzung zu decken oder bei der Beschaffung von Ersatz für beschädigte Ausrüstung zu helfen. Das Nothilfe-Büro leistet darüber hinaus bei Bedarf psychologische Unterstützung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der hier vorliegende Leitfaden ist auch auf der englischsprachigen </span><a href="https://resources.rsf.org/fr/preparing-to-report-from-ukraine-rsf-publishes-a-guide-for-foreign-journalists/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Website von RSF «Resources for Journalists»</span></a><span style="font-weight: 400;"> verfügbar. Er wurde vom Institut für Masseninformation (IMI), einem RSF-Partner in der Ukraine, geprüft. Die Erstellung und Umsetzung des Leitfadens wurde unter anderem durch finanzielle Unterstützung der Europäischen Union ermöglicht. Für den Inhalt ist aber einzig und allein RSF verantwortlich; der Leitfaden spiegelt unter keinen Umständen die Position oder die Interessen der EU wider.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Donald Trumps Kampagne gegen die Presse eskaliert weiter</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/donald-trumps-kampagne-gegen-die-presse-eskaliert-weiter-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 09:06:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Trump und die Medien, das ist schon seit mittlerweile über zehn Jahren ein kompliziertes Verhältnis. Längst hat man sich an die Eskapaden des US-Präsidenten gewöhnt, in denen er gegen den «Fake News»-Medienapparat von CNN, New York Times etc. schiesst. Längst ist es keine Überraschung mehr, wenn er Medienschaffende vor laufender Kamera beleidigt oder online als [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>Trump und die Medien, das ist schon seit mittlerweile über zehn Jahren ein kompliziertes Verhältnis. Längst hat man sich an die Eskapaden des US-Präsidenten gewöhnt, in denen er gegen den «Fake News»-Medienapparat von CNN, New York Times etc. schiesst. Längst ist es keine Überraschung mehr, wenn er Medienschaffende vor laufender Kamera beleidigt oder online als «Feinde des Volkes» denunziert. Und längst sind seine immer neuen Konfrontationen mit den Medien zu einer systematischen Kampagne geworden, um im Namen vermeintlicher Meinungsfreiheit die kritischen Medien im Land einzuschränken und zu kontrollieren.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Luft für die Presse in den USA wird dünner. Nachdem die Nachrichtenagentur AP bereits im Frühjahr 2025 keinen Zutritt mehr zum Weissen Haus hatte, ereilte im September auch CNN, MS Now und Politico dasselbe Schicksal. Derweil droht die Aufsichtsbehörde für Rundfunk, Medien, Kommunikation und Sendelizenzen FCC zahlreichen TV-Stationen mit dem Lizenzentzug. Trump hat die New York Times in Milliardenhöhe eingeklagt, ebenso die britische BBC. Ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten sollen, wenn es nach der US-Regierung ginge, eine Aufenthaltsbewilligung von nur noch acht Monaten erhalten. Das Pentagon hat den Medienschaffenden, die aus dem und über das Verteidigungsministerium von Pete Hegseth berichten, strenge Richtlinien auferlegt. Und die finanziellen Mittel für die (traditionell sowieso schon schwachen) öffentlichen Radio- und Fernsehanstalten im In- und Ausland sollen drastisch gekürzt oder ganz gestrichen werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Clayton Weimers, Leiter des RSF-Büros in Nordamerika mit Sitz in Washington, DC, <a href="https://www.nytimes.com/2026/09/12/us/politics/trump-free-speech.html" target="_blank" rel="noopener">sagte jüngst gegenüber der New York Times</a>: «Es vergeht keine Woche, in der nicht ein neuer Schritt unternommen wird, um die Pressefreiheit im Land weiter einzuschränken. Wir stellen eine erhebliche Einschränkung der Pressefreiheit fest.»</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Selbstverständnis von Donald Trump geschieht dies alles im Sinne der Förderung einer vermeintlichen Meinungsfreiheit. Was Trump und seine Anhänger aber eigentlich tun: Sie machen «Meinungsfreiheit» zum Kampfbegriff, um den unabhängigen «Mainstream»-Journalismus immer weiter einzuschränken. Thibaut Bruttin, Generaldirektor des internationalen Sekretariats von RSF in Paris, hat <a href="https://rsf.org/en/free-speech-vs-free-press-new-book-defends-journalism-gives-proceeds-rsf" target="_blank" rel="noopener">jüngst ein Buch genau zu diesem Thema veröffentlicht</a>. In Trumps Logik steht die Meinungsfreiheit der Pressefreiheit entgegen: Medien und Kontrollinstanzen würden als Zensurapparate fungieren und die Meinungsfreiheit eines jeden einzelnen einschränken.</p>
<p style="font-weight: 400;">Diejenigen Instanzen der öffentlichen Debatte – unter anderem unabhängige Medien –, die dem Präsidenten eigentlich kritisch auf die Finger schauen müssten, werden dadurch unter Trump zunehmend durch Loyalisten ersetzt, die Trumps eigenes Narrativ bestätigen, verstärken und verbreiten, und die kritische Stimmen bestrafen und denunzieren. In der jährlich von RSF veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit verzeichnen die Vereinigten Staaten im Jahr 2026 daher – wenig überraschend – ihr schlechtestes Ergebnis seit der ersten Ausgabe im Jahr 2002 und belegen den 64. Platz, hinter Ländern wie Brasilien, Mauretanien oder Botswana.</p>
<p style="font-weight: 400;">Steven Cheung, Trumps Kommunikationsdirektor im Weissen Haus, sieht darin aber offensichtlich kein Problem. Er nannte diese wachsende Kontrolle über die öffentliche Debatte Anfang 2026 <a href="https://x.com/StevenCheung47/status/2016917181649363299" target="_blank" rel="noopener">auf X</a> unverhohlen «Full Spectrum Dominance», Dominanz auf ganzer Linie.</p>
<p style="font-weight: 400;">Noch hat Trump dieses Ziel nicht erreicht. Und er wird es wohl auch nicht so einfach erreichen können, wie er es gerne hätte. Denn die Gerichte im Land funktionieren noch immer als Kontrollinstanzen und setzen den Kontrollphantasien des Präsidenten Grenzen. Der Entscheid, die Aufenthaltsbewilligungen für Korrespondentinnen und Korrespondenten drastisch zu kürzen, wurde im September gekippt. Gleiches gilt für die drastischen Budgetkürzungen für Voice of America. Und auch die Milliardenklagen Trumps, etwa gegen die New York Times wegen angeblicher Verleumdung, wurden als <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c62n7025wdgo" target="_blank" rel="noopener">nicht rechtens eingestuft</a>. Auch die Zugangsbeschränkungen von AP im Februar 2025 sowie von CNN, MS Now und Politico diesen September wurden von Gerichten sowie von Verfassungsexperten in den USA als verfassungswidrig eingestuft.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch die langwierigen Gerichtsverfahren sind kostspielig und binden Ressourcen der Medien, die sie von ihrer eigentlichen Kernaufgabe, der journalistischen Berichterstattung, abhalten. Und Klarheit herrscht auch nach den Gerichtsentscheiden noch nicht. Der Rechtsstreit zwischen AP und der Trump-Administration etwa läuft seit über eineinhalb Jahren. Die Situation von Voice of America ist nach wie vor chaotisch, die Zukunft des Senders völlig unklar – trotz der Rechtswidrigkeit der Budgetkürzungen im vergangenen Jahr.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und hinzukommt: Trump zeigt keine Bestrebungen, sich an die Gerichtsentscheide zu halten. CNN, MS Now und Politico bleibt der Zugang zum Weissen Haus verwehrt. Und Trump hat bereits mit einer neuen Klage, ebenfalls in Milliardenhöhe, gegen die New York Times gedroht. Das Argument dabei ist nicht neu, er postete auf Truth Social: Die Zeitung habe schon viel zu lange die Erlaubnis gehabt, frei zu lügen, ihn zu verleumden und zu diffamieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Grunde genommen wirft der Präsident der freien Presse also genau das vor, was er selbst ständig tut: Lügen, Diffamieren, Denunzieren.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine gefährliche Aushöhlung des Quellenschutzes in der Schweiz</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/eine-gefaehrliche-aushoehlung-des-quellenschutzes-in-der-schweiz-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:54:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Ständerat hat Ende September das Tor aufgestossen, um eine Lücke im Quellenschutz für Medienschaffende in der Schweiz zu schaffen. Am 24. September hat eine klare Mehrheit des Rats eine Motion sowie ein Postulat angenommen und damit gezeigt, dass sie bereit ist, eine der grundlegendsten Regeln des Journalismus zu schwächen. RSF Schweiz hat sich gemeinsam [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;">Der Ständerat hat Ende September das Tor aufgestossen, um eine Lücke im Quellenschutz für Medienschaffende in der Schweiz zu schaffen. Am 24. September hat eine klare Mehrheit des Rats eine Motion sowie ein Postulat angenommen und damit gezeigt, dass sie bereit ist, eine der grundlegendsten Regeln des Journalismus zu schwächen. RSF Schweiz hat sich gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen aus dem Mediensektor gegen die beiden Vorstösse eingesetzt und bedauert das Abstimmungsergebnis entsprechend. Gleichzeitig erinnert RSF an die oft missverstandene Bedeutung des Quellenschutzes, sodass die Öffentlichkeit über wirklich unabhängige und kritische Informationen verfügen kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das vom Ständerat verabschiedete Postulat wird nun direkt an den Bundesrat weitergeleitet, während die Motion, die ihrerseits verbindlicher als das Postulat ist, noch vom Nationalrat behandelt werden muss. Die klare Unterstützung, die die Motion in der kleinen Parlamentskammer erhalten hat (34 zu 10 Stimmen), lässt nichts Gutes für den Ausgang des parlamentarischen Verfahrens ahnen. RSF Schweiz wird deswegen weiterhin alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, um gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie wichtig ein umfassender redaktioneller Quellenschutz ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Denn dieser Quellenschutz stellt kein Privileg der Medienschaffenden dar, wie oft behauptet wird. Vielmehr ist er Bestandteil des Rechts der Öffentlichkeit auf verlässliche Information. Unzählige Präzedenzfälle haben gezeigt: Die Medien müssen ihren Quellen absolute Vertraulichkeit garantieren können, um Informationen offenlegen zu können, sofern das allgemeine Interesse dies rechtfertigt. Dabei kann es sich auch um Informationen handeln, die für die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft peinlich und unangenehm sind.</p>
<p style="font-weight: 400;">Denken wir an Watergate: Erst auf dem Sterbebett gab die Quelle der Journalisten der <em>Washington Post</em> – die Nummer zwei innerhalb des FBI – preis, dass er der Ausgangspunkt der Indiskretionen war, die über ihn an die Öffentlichkeit gelangten. Erst diese Informationen erlaubten es der Öffentlichkeit, die Wahrheit über die Spionagetätigkeiten gegen die Demokratische Partei zu erfahren, die das Team von Präsident Nixon mit dessen Zustimmung betrieben hatte. Ohne diese Quelle und ohne die beharrliche Recherchearbeit der Journalisten hätte Nixon seine Amtszeit wohl beendet, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am Rednerpult des Ständerats meldeten sich nun mehrere Ratsmitglieder zu Wort und sagten, eine Verletzung des Amtsgeheimnisses durch Staatsangestellte rechtfertige eine Aufhebung oder zumindest eine Schwächung des Quellenschutzes. Genau dieses Delikt hatte <em>Deep Throat</em> begangen, die geheimnisvolle Quelle der Watergate-Affäre. Die Amtsgeheimnisverletzung gehört zu den Straftaten, für die heute keine Ausnahme vorgesehen ist, und dieser Status quo muss beibehalten werden. Denn gerade diese Straftat ist für den Quellenschutz besonders typisch und besonders wichtig. Andernfalls droht das Redaktionsgeheimnis einen Grossteil seiner Legitimität und seines Nutzens zu verlieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Abstimmung im Ständerat bestätigt einmal mehr, dass die grösste Schwachstelle der Pressefreiheit in der Schweiz bei den juristischen Rahmenbedingungen liegt. Dies zeigt sich für unser Land Jahr für Jahr in der von RSF veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Hintergrund ist bekannt: Die geplante Aushöhlung des Quellenschutzes folgt auf eine bereits beschlossene Verschärfung in der Ziviljustiz in Bezug auf die Verhängung provisorischer Massnahmen gegen die Medien. Ebenso auf die Ausweitung des Artikels über Bankgeheimnisverletzungen auf Medienschaffende, die Bankdaten von klarem öffentlichem Interesse aus illegalen Quellen verwenden. Nicht zuletzt sei auch der zunehmend eingeschränkte Geltungsbereich Öffentlichkeitsprinzips hingewiesen, was den Zugang zu Verwaltungsdokumenten stetig stärker einschränkt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Diese Entwicklung muss ein Ende finden. Die rechte Mehrheit im Parlament muss begreifen, dass die Verteidigung der Pressefreiheit keine Forderung der Linken ist: Sie gehört zu den notwendigen Spielregeln, damit der Staat gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie gegenüber der Zivilgesellschaft zur Rechenschaft gezogen werden kann.</p>
<h6 style="font-weight: 400;"><strong>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</strong></h6>
<p style="font-weight: 400;">Lesen Sie dazu auch den im Vorfeld der Ständerats-Debatte in der Westschweizer Tageszeitung <a href="https://www.letemps.ch/opinions/chroniques/le-parlement-ne-doit-pas-eroder-le-secret-des-sources-des-journalistes?srsltid=AU7gw4XrrPpiNWZRTcH6qqHNXcJsVL0dnMnikarqDtfziIQRUS7gT9I-" target="_blank" rel="noopener">Le Temps</a> veröffentlichten Gastbeitrag von RSF Schweiz.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Donald Trumps Kampagne gegen die Presse eskaliert weiter</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/donald-trumps-kampagne-gegen-die-presse-eskaliert-weiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 12:04:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-08-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Trump und die Medien, das ist schon seit mittlerweile über zehn Jahren ein kompliziertes Verhältnis. Längst hat man sich an die Eskapaden des US-Präsidenten gewöhnt, in denen er gegen den «Fake News»-Medienapparat von CNN, New York Times etc. schiesst. Längst ist es keine Überraschung mehr, wenn er Medienschaffende vor laufender Kamera beleidigt oder online als [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>Trump und die Medien, das ist schon seit mittlerweile über zehn Jahren ein kompliziertes Verhältnis. Längst hat man sich an die Eskapaden des US-Präsidenten gewöhnt, in denen er gegen den «Fake News»-Medienapparat von CNN, New York Times etc. schiesst. Längst ist es keine Überraschung mehr, wenn er Medienschaffende vor laufender Kamera beleidigt oder online als «Feinde des Volkes» denunziert. Und längst sind seine immer neuen Konfrontationen mit den Medien zu einer systematischen Kampagne geworden, um im Namen vermeintlicher Meinungsfreiheit die kritischen Medien im Land einzuschränken und zu kontrollieren.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Luft für die Presse in den USA wird dünner. Nachdem die Nachrichtenagentur AP bereits im Frühjahr 2025 keinen Zutritt mehr zum Weissen Haus hatte, ereilte im September auch CNN, MS Now und Politico dasselbe Schicksal. Derweil droht die Aufsichtsbehörde für Rundfunk, Medien, Kommunikation und Sendelizenzen FCC zahlreichen TV-Stationen mit dem Lizenzentzug. Trump hat die New York Times in Milliardenhöhe eingeklagt, ebenso die britische BBC. Ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten sollen, wenn es nach der US-Regierung ginge, eine Aufenthaltsbewilligung von nur noch acht Monaten erhalten. Das Pentagon hat den Medienschaffenden, die aus dem und über das Verteidigungsministerium von Pete Hegseth berichten, strenge Richtlinien auferlegt. Und die finanziellen Mittel für die (traditionell sowieso schon schwachen) öffentlichen Radio- und Fernsehanstalten im In- und Ausland sollen drastisch gekürzt oder ganz gestrichen werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Clayton Weimers, Leiter des RSF-Büros in Nordamerika mit Sitz in Washington, DC, <a href="https://www.nytimes.com/2026/09/12/us/politics/trump-free-speech.html" target="_blank" rel="noopener">sagte jüngst gegenüber der New York Times</a>: «Es vergeht keine Woche, in der nicht ein neuer Schritt unternommen wird, um die Pressefreiheit im Land weiter einzuschränken. Wir stellen eine erhebliche Einschränkung der Pressefreiheit fest.»</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Selbstverständnis von Donald Trump geschieht dies alles im Sinne der Förderung einer vermeintlichen Meinungsfreiheit. Was Trump und seine Anhänger aber eigentlich tun: Sie machen «Meinungsfreiheit» zum Kampfbegriff, um den unabhängigen «Mainstream»-Journalismus immer weiter einzuschränken. Thibaut Bruttin, Generaldirektor des internationalen Sekretariats von RSF in Paris, hat <a href="https://rsf.org/en/free-speech-vs-free-press-new-book-defends-journalism-gives-proceeds-rsf" target="_blank" rel="noopener">jüngst ein Buch genau zu diesem Thema veröffentlicht</a>. In Trumps Logik steht die Meinungsfreiheit der Pressefreiheit entgegen: Medien und Kontrollinstanzen würden als Zensurapparate fungieren und die Meinungsfreiheit eines jeden einzelnen einschränken.</p>
<p style="font-weight: 400;">Diejenigen Instanzen der öffentlichen Debatte – unter anderem unabhängige Medien –, die dem Präsidenten eigentlich kritisch auf die Finger schauen müssten, werden dadurch unter Trump zunehmend durch Loyalisten ersetzt, die Trumps eigenes Narrativ bestätigen, verstärken und verbreiten, und die kritische Stimmen bestrafen und denunzieren. In der jährlich von RSF veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit verzeichnen die Vereinigten Staaten im Jahr 2026 daher – wenig überraschend – ihr schlechtestes Ergebnis seit der ersten Ausgabe im Jahr 2002 und belegen den 64. Platz, hinter Ländern wie Brasilien, Mauretanien oder Botswana.</p>
<p style="font-weight: 400;">Steven Cheung, Trumps Kommunikationsdirektor im Weissen Haus, sieht darin aber offensichtlich kein Problem. Er nannte diese wachsende Kontrolle über die öffentliche Debatte Anfang 2026 <a href="https://x.com/StevenCheung47/status/2016917181649363299" target="_blank" rel="noopener">auf X</a> unverhohlen «Full Spectrum Dominance», Dominanz auf ganzer Linie.</p>
<p style="font-weight: 400;">Noch hat Trump dieses Ziel nicht erreicht. Und er wird es wohl auch nicht so einfach erreichen können, wie er es gerne hätte. Denn die Gerichte im Land funktionieren noch immer als Kontrollinstanzen und setzen den Kontrollphantasien des Präsidenten Grenzen. Der Entscheid, die Aufenthaltsbewilligungen für Korrespondentinnen und Korrespondenten drastisch zu kürzen, wurde im September gekippt. Gleiches gilt für die drastischen Budgetkürzungen für Voice of America. Und auch die Milliardenklagen Trumps, etwa gegen die New York Times wegen angeblicher Verleumdung, wurden als <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c62n7025wdgo" target="_blank" rel="noopener">nicht rechtens eingestuft</a>. Auch die Zugangsbeschränkungen von AP im Februar 2025 sowie von CNN, MS Now und Politico diesen September wurden von Gerichten sowie von Verfassungsexperten in den USA als verfassungswidrig eingestuft.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch die langwierigen Gerichtsverfahren sind kostspielig und binden Ressourcen der Medien, die sie von ihrer eigentlichen Kernaufgabe, der journalistischen Berichterstattung, abhalten. Und Klarheit herrscht auch nach den Gerichtsentscheiden noch nicht. Der Rechtsstreit zwischen AP und der Trump-Administration etwa läuft seit über eineinhalb Jahren. Die Situation von Voice of America ist nach wie vor chaotisch, die Zukunft des Senders völlig unklar – trotz der Rechtswidrigkeit der Budgetkürzungen im vergangenen Jahr.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und hinzukommt: Trump zeigt keine Bestrebungen, sich an die Gerichtsentscheide zu halten. CNN, MS Now und Politico bleibt der Zugang zum Weissen Haus verwehrt. Und Trump hat bereits mit einer neuen Klage, ebenfalls in Milliardenhöhe, gegen die New York Times gedroht. Das Argument dabei ist nicht neu, er postete auf Truth Social: Die Zeitung habe schon viel zu lange die Erlaubnis gehabt, frei zu lügen, ihn zu verleumden und zu diffamieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Grunde genommen wirft der Präsident der freien Presse also genau das vor, was er selbst ständig tut: Lügen, Diffamieren, Denunzieren.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
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			</item>
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		<title>Eine gefährliche Aushöhlung des Quellenschutzes in der Schweiz</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/eine-gefaehrliche-aushoehlung-des-quellenschutzes-in-der-schweiz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 13:15:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-08-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Editorial Der Ständerat hat Ende September das Tor aufgestossen, um eine Lücke im Quellenschutz für Medienschaffende in der Schweiz zu schaffen. Am 24. September hat eine klare Mehrheit des Rats eine Motion sowie ein Postulat angenommen und damit gezeigt, dass sie bereit ist, eine der grundlegendsten Regeln des Journalismus zu schwächen. RSF Schweiz hat sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Ständerat hat Ende September das Tor aufgestossen, um eine Lücke im Quellenschutz für Medienschaffende in der Schweiz zu schaffen. Am 24. September hat eine klare Mehrheit des Rats eine Motion sowie ein Postulat angenommen und damit gezeigt, dass sie bereit ist, eine der grundlegendsten Regeln des Journalismus zu schwächen. RSF Schweiz hat sich gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen aus dem Mediensektor gegen die beiden Vorstösse eingesetzt und bedauert das Abstimmungsergebnis entsprechend. Gleichzeitig erinnert RSF an die oft missverstandene Bedeutung des Quellenschutzes, sodass die Öffentlichkeit über wirklich unabhängige und kritische Informationen verfügen kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das vom Ständerat verabschiedete Postulat wird nun direkt an den Bundesrat weitergeleitet, während die Motion, die ihrerseits verbindlicher als das Postulat ist, noch vom Nationalrat behandelt werden muss. Die klare Unterstützung, die die Motion in der kleinen Parlamentskammer erhalten hat (34 zu 10 Stimmen), lässt nichts Gutes für den Ausgang des parlamentarischen Verfahrens ahnen. RSF Schweiz wird deswegen weiterhin alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, um gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie wichtig ein umfassender redaktioneller Quellenschutz ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Denn dieser Quellenschutz stellt kein Privileg der Medienschaffenden dar, wie oft behauptet wird. Vielmehr ist er Bestandteil des Rechts der Öffentlichkeit auf verlässliche Information. Unzählige Präzedenzfälle haben gezeigt: Die Medien müssen ihren Quellen absolute Vertraulichkeit garantieren können, um Informationen offenlegen zu können, sofern das allgemeine Interesse dies rechtfertigt. Dabei kann es sich auch um Informationen handeln, die für die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft peinlich und unangenehm sind.</p>
<p style="font-weight: 400;">Denken wir an Watergate: Erst auf dem Sterbebett gab die Quelle der Journalisten der <em>Washington Post</em> – die Nummer zwei innerhalb des FBI – preis, dass er der Ausgangspunkt der Indiskretionen war, die über ihn an die Öffentlichkeit gelangten. Erst diese Informationen erlaubten es der Öffentlichkeit, die Wahrheit über die Spionagetätigkeiten gegen die Demokratische Partei zu erfahren, die das Team von Präsident Nixon mit dessen Zustimmung betrieben hatte. Ohne diese Quelle und ohne die beharrliche Recherchearbeit der Journalisten hätte Nixon seine Amtszeit wohl beendet, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am Rednerpult des Ständerats meldeten sich nun mehrere Ratsmitglieder zu Wort und sagten, eine Verletzung des Amtsgeheimnisses durch Staatsangestellte rechtfertige eine Aufhebung oder zumindest eine Schwächung des Quellenschutzes. Genau dieses Delikt hatte <em>Deep Throat</em> begangen, die geheimnisvolle Quelle der Watergate-Affäre. Die Amtsgeheimnisverletzung gehört zu den Straftaten, für die heute keine Ausnahme vorgesehen ist, und dieser Status quo muss beibehalten werden. Denn gerade diese Straftat ist für den Quellenschutz besonders typisch und besonders wichtig. Andernfalls droht das Redaktionsgeheimnis einen Grossteil seiner Legitimität und seines Nutzens zu verlieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Abstimmung im Ständerat bestätigt einmal mehr, dass die grösste Schwachstelle der Pressefreiheit in der Schweiz bei den juristischen Rahmenbedingungen liegt. Dies zeigt sich für unser Land Jahr für Jahr in der von RSF veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Hintergrund ist bekannt: Die geplante Aushöhlung des Quellenschutzes folgt auf eine bereits beschlossene Verschärfung in der Ziviljustiz in Bezug auf die Verhängung provisorischer Massnahmen gegen die Medien. Ebenso auf die Ausweitung des Artikels über Bankgeheimnisverletzungen auf Medienschaffende, die Bankdaten von klarem öffentlichem Interesse aus illegalen Quellen verwenden. Nicht zuletzt sei auch der zunehmend eingeschränkte Geltungsbereich Öffentlichkeitsprinzips hingewiesen, was den Zugang zu Verwaltungsdokumenten stetig stärker einschränkt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Diese Entwicklung muss ein Ende finden. Die rechte Mehrheit im Parlament muss begreifen, dass die Verteidigung der Pressefreiheit keine Forderung der Linken ist: Sie gehört zu den notwendigen Spielregeln, damit der Staat gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie gegenüber der Zivilgesellschaft zur Rechenschaft gezogen werden kann.</p>
<h6 style="font-weight: 400;"><strong>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</strong></h6>
<p style="font-weight: 400;">Lesen Sie dazu auch den im Vorfeld der Ständerats-Debatte in der Westschweizer Tageszeitung <a href="https://www.letemps.ch/opinions/chroniques/le-parlement-ne-doit-pas-eroder-le-secret-des-sources-des-journalistes?srsltid=AU7gw4XrrPpiNWZRTcH6qqHNXcJsVL0dnMnikarqDtfziIQRUS7gT9I-">Le Temps</a> veröffentlichten Gastbeitrag von RSF Schweiz.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Schweigen ist keine Option mehr»: 133 Medienschaffende weltweit setzen sich für Dawit Isaak ein, der seit 25 Jahren in Eritrea inhaftiert ist</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/schweigen-ist-keine-option-mehr-133-medienschaffende-weltweit-setzen-sich-fuer-dawit-isaak-ein-der-seit-25-jahren-in-eritrea-inhaftiert-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 08:46:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[25 Jahre nach ihrer Festnahme befinden sich Dawit Isaak, Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat weiterhin in Isolationshaft, ohne Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zu ihren Angehörigen. Anlässlich dieses Vierteljahrhunderts willkürlicher Inhaftierung ruft Reporter ohne Grenzen (RSF) gemeinsam mit 133 Journalistinnen und Journalisten die internationale Gemeinschaft dazu auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>25 Jahre nach ihrer Festnahme befinden sich Dawit Isaak, Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat weiterhin in Isolationshaft, ohne Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zu ihren Angehörigen. Anlässlich dieses Vierteljahrhunderts willkürlicher Inhaftierung ruft Reporter ohne Grenzen (RSF) gemeinsam mit 133</b><b> Journalistinnen und Journalisten die internationale Gemeinschaft dazu auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Freilassung der Inhaftierten zu erwirken.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sie sind die vier Journalisten, die weltweit am längsten ohne Gerichtsverfahren inhaftiert sind. Am 23. September 2026 jährt sich die Inhaftierung des schwedisch-eritreischen Journalistein Dawit Isaak zum 25. Mal. Genauso die Inhaftierung seiner eritreischen Kollegen Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat. Die vier wurden im September 2001 in der eritreischen Hauptstadt Asmara im Zuge einer Repressionswelle der Behörden festgenommen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Mitbegründer und Miteigentümer der unabhängigen Zeitung </span><i><span style="font-weight: 400;">Setit</span></i><span style="font-weight: 400;"> hatte Dawit Isaak unter anderem Artikel veröffentlicht, in denen er zu demokratischen Reformen in Eritrea aufrief. Im November 2005 wurde er kurzzeitig freigelassen, bevor er zwei Tage später erneut festgenommen wurde. Wie Isaak wurden auch Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat nie vor Gericht gestellt. Seit der kurzzeitigen Freilassung 2005 liegen keine Informationen vor, die Rückschlüsse auf ihren Haftort oder ihren Gesundheitszustand erlauben könnten. Als der Präsident Eritreas, Isaias Afwerki, 2009 vom schwedischen Fernsehsender </span><i><span style="font-weight: 400;">TV4 </span></i><span style="font-weight: 400;">zur Situation von Dawit Isaak befragt wurde, antwortete er: «Es ist mir egal, wo er sich befindet oder was er tut. Er hat einen grossen Fehler begangen.» Auf weitere Erklärungen ging Afwerki nicht ein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Dezember 2025, im Anschluss an den ersten Besuch der schwedischen Regierung seit über 30 Jahren in Eritrea, hatte Aussenministerin Maria Malmer Stenergard gegenüber der </span><i><span style="font-weight: 400;">Agence France-Presse </span></i><span style="font-weight: 400;">(</span><i><span style="font-weight: 400;">AFP</span></i><span style="font-weight: 400;">) erklärt, der Journalist sei nach Einschätzung des Ministeriums noch am Leben.</span></p>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«Die seit 25 Jahren andauernde willkürliche Inhaftierung von Dawit Isaak und seinen Mitgefangenen Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat ist eine Tragödie, die schon viel zu lange andauert. Seit einem Vierteljahrhundert werden sie ohne Kontakt zur Aussenwelt und ausserhalb jeglicher rechtlicher Rahmenbedingungen festgehalten. Sie sind einer schwerwiegenden und offensichtlichen Verletzung ihrer Grundrechte ausgesetzt. Diese Rechtsverletzungen stehen im Mittelpunkt der von RSF im Jahr 2024 in Schweden eingereichten Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die sich gegen Präsident Isaias Afwerki und weitere hochrangige eritreische Amtsträger richtet. Die langwierige Inhaftierung stellt zudem eine dauerhafte Beeinträchtigung des Rechts der Eritreer auf Information dar. Anlässlich dieses traurigen Jahrestags und auf Initiative von RSF richten </span></i><i><span style="font-weight: 400;">über</span></i><i><span style="font-weight: 400;"> 100 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt einen Appell an die internationale Gemeinschaft, um ihre Freilassung zu erwirken und die Umstände ihrer Inhaftierung vollständig aufzuklären. Die Verantwortlichen für diese Taten müssen zur Rechenschaft gezogen werden.»</span></i><i><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></i><b>Jeanne Lagarde </b><b><br />
</b><b>Leiterin der Advocacy-Abteilung im RSF-Büro für Subsahara-Afrika</b></p></blockquote>
<h5><b>Eine internationale Kampagne für Isaaks Freilassung</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit 2001 haben die Forderungen nach einer Freilassung von Dawit Isaak zugenommen. 2016 forderte die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker die eritreischen Behörden auf, den Journalisten freizulassen oder ein zügiges und faires Gerichtsverfahren durchzuführen und ihm eine Entschädigung zu zahlen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen wurde zudem von einer Koalition aus Rechtsanwälten und Organisationen (darunter RSF) auf Initiative des Raoul-Wallenberg-Zentrums für Menschenrechte befasst. Im März 2023 kamen die Experten zum Schluss, dass die anhaltende Inhaftierung von Dawit Isaak gegen 19 Artikel des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR) sowie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstösst, zu deren Einhaltung sich die eritreische Regierung verpflichtet hat. Die Experten hatten damals die eritreischen Behörden aufgefordert, «Isaak unverzüglich und bedingungslos freizulassen und ihm ein einklagbares Recht auf Entschädigung und weitere Wiedergutmachung gemäss dem Völkerrecht zu gewähren».</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im September 2024 reichte die schwedische Sektion von RSF bei der schwedischen Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen Präsident Isaias Afwerki und weitere hochrangige eritreische Amtsträger wegen Handlungen ein, die möglicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Darauf wurden allerdings keine Ermittlungen eingeleitet. Eine frühere Anzeige von RSF war bereits zehn Jahre zuvor eingereicht worden. Die schwedische Justiz hatte damals die Einleitung einer Untersuchung angekündigt, diese Entscheidung jedoch einige Wochen später wieder zurückgenommen. Sie war der Ansicht, dass eine Untersuchung angesichts der vorhersehbaren Weigerung der eritreischen Justiz zur Zusammenarbeit aussichtslos wäre.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eritrea belegt weiterhin den 180. und damit letzten Platz in der von RSF im Jahr 2026 erstellten weltweiten Rangliste der Pressefreiheit. Seit der Einführung der Rangliste im Jahr 2002 hat Eritrea diesen Platz am häufigsten eingenommen, noch vor Nordkorea.</span></p>
<h5><b>Weltweiter Aufruf zur Freilassung von Dawit Isaak und seinen Kollegen</b></h5>
<p><i><span style="font-weight: 400;">Folgenden Aufruf zur Freilassung von Dawit Isaak und seinen Kollegen haben 133 namhafte Journalistinnen und Journalisten unterzeichnet.</span></i></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am 23. September 2001 wurde Dawit Isaak in Asmara zusammen mit drei seiner Kollegen – Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat – im Rahmen einer Repressionswelle gegen die unabhängige eritreische Presse festgenommen. Fünfundzwanzig Jahre später befindet sich Dawit Isaak nach wie vor in Isolationshaft, ohne dass ein Gerichtsverfahren gegen ihn stattgefunden oder ein Urteil gegen ihn gefällt worden wäre. Isaaks Haftort sowie die Bedingungen, unter denen er festgehalten wird, sind nach wie vor unbekannt. Seit Jahren haben wir kein weiteres Lebenszeichen von ihm erhalten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Vierteljahrhundert Haft ohne Gerichtsverfahren stellt einen ausserordentlich schwerwiegenden Verstoss gegen die Grundrechte eines Journalisten dar. Es ist zugleich eine Warnung an all jene, die sich in Eritrea, aber auch überall auf der Welt darum bemühen, ihren Beruf als Journalisten in Freiheit auszuüben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Schicksal von Dawit Isaak betrifft den gesamten Berufsstand und darüber hinaus alle Bürgerinnen und Bürger, denen das Recht auf Wissen, freie Meinungsäusserung und Zugang zu unabhängigen Informationen am Herzen liegt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus diesem Grund weigern wir, Journalistinnen und Journalisten sowie Zeitungsverleger aus aller Welt, uns, weiterhin über Isaaks Schicksal zu schweigen. Die fortschreitende Zeit macht die Inhaftierung in keiner Weise akzeptabel. Wir lehnen es ab, dass das Schweigen der eritreischen Behörden zum unabwendbaren Schicksal wird. Nach 25 Jahren zeugt das Fehlen von Informationen über das Schicksal von Dawit Isaak nicht nur von einem offensichtlichen Mangel an Bereitschaft seitens der eritreischen Behörden, ihr Schweigen zu brechen, sondern auch von einer viel zu grossen Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schweigen ist keine Option mehr. Setzen wir uns gemeinsam für Dawit Isaak und seine Kollegen Temesgen Ghebreyesus, Seyoum Tsehaye und Amanuel Asrat ein. Wir richten diesen Aufruf an alle, die etwas unternehmen können.</span></p>
<ul>
<li><b> An die eritreischen Behörden:</b><span style="font-weight: 400;"> Lassen Sie Dawit Isaak und seine Mitgefangenen unverzüglich und bedingungslos frei. Geben Sie ihren Haftort und ihren Gesundheitszustand bekannt und gestatten Sie ihren Familien sowie unabhängigen Beobachtern, sie zu besuchen und zuverlässige Informationen über ihre Lage zu erhalten. Im Falle einer strafrechtlichen Verfolgung ist sicherzustellen, dass sie in fairen Verfahren vor Gericht gestellt werden und ihre Verteidigungsrechte uneingeschränkt wahrnehmen können.</span></li>
<li><b>An die afrikanischen Staaten und die Afrikanische Union:</b><span style="font-weight: 400;"> Machen Sie die Freilassung von Dawit Isaak und seinen Kollegen zu einer Priorität in Ihrem Dialog mit den eritreischen Behörden und fordern Sie ein Ende der willkürlichen Inhaftierung von Medienschaffenden in Eritrea.</span></li>
<li><b>An die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker:</b><span style="font-weight: 400;"> Verstärken Sie Ihre Bemühungen gegenüber den eritreischen Behörden richten Sie Ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf die Lage von Dawit Isaak sowie der anderen im Land willkürlich inhaftierten Medienschaffenden.</span></li>
<li><b>An Schweden, dessen Staatsangehöriger Dawit Isaak ist:</b><span style="font-weight: 400;"> Setzen Sie sich für Dawit Isaaks Freilassung ein und machen Sie seinen Fall zu einer diplomatischen Priorität.</span></li>
<li><b>An die Vereinten Nationen, insbesondere den Menschenrechtsrat und die Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen:</b><span style="font-weight: 400;"> Halten Sie den Druck auf die eritreischen Behörden aufrecht und stellen Sie sicher, dass die Forderung, Dawit Isaak und seine Mitstreiter unverzüglich freizulassen, nicht abebbt.</span></li>
<li><b>An die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sowie an alle internationalen Partner Eritreas:</b><span style="font-weight: 400;"> Nutzen Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden diplomatischen Hebel, um von den eritreischen Behörden konkrete Massnahmen zur Freilassung dieser Personen zu erwirken.</span></li>
<li><b>An alle Medien und Organisationen, die sich für die Pressefreiheit einsetzen:</b><span style="font-weight: 400;"> Setzen Sie sich weiterhin für Dawit Isaak und für alle eritreischen Journalistinnen und Journalisten ein, denen die Freiheit entzogen wurde, nur weil sie ihren Beruf ausgeübt haben.</span></li>
</ul>
<p><strong><a href="https://rsf-ch.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unterzeichnende-Medienschaffende-in-Solidaritat-mit-Dawit-Isaak_RSF-Schweiz.pdf" target="_blank" rel="noopener">Hier finden Sie die Liste aller unterzeichnenden Journalistinnen und Journalisten weltweit.</a></strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der «Propaganda Monitor»: Wie China unter Xi Jinping den unabhängigen Journalismus zum Schweigen bringt und seine Propaganda exportiert</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/der-propaganda-monitor-wie-china-unter-xi-jinping-den-unabhaengigen-journalismus-zum-schweigen-bringt-und-seine-propaganda-exportiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 10:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht diese Woche einen neuen Bericht, der die Bemühungen des chinesischen Regimes, die eigene Propaganda im globalen Medienkontext durchzusetzen, detailliert beschreibt. Seit 2013 bemüht sich Chinas Präsident Xi Jinping um die Förderung einer «Neuen Weltordnung der Medien» zu fördern. Darin werden Fakten auf Kosten von Propaganda ausgeblendet. Und jeder und jede, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht </b><b>diese Woche</b><b> einen neuen Bericht, der die Bemühungen des chinesischen Regimes, die eigene Propaganda im globalen Medienkontext durchzusetzen, detailliert beschreibt. Seit 2013 bemüht sich Chinas Präsident Xi Jinping um die Förderung einer «Neuen Weltordnung der Medien» zu fördern. Darin werden Fakten auf Kosten von Propaganda ausgeblendet. Und jeder und jede, der in diesem Kontext eigentliche Wahrheiten berichtet, die der Regierung missfallen, muss mit Repressionen rechnen. Der Bericht des Propaganda Monitors beschreibt dabei detailliert zahlreiche Taktiken, die Peking einsetzt. Darunter fallen etwa die Finanzierung ausländischer Medien, Abkommen zur Zusammenarbeit mit Medien sowie Schikanen oder Drohungen gegen Medienschaffende. All diese Massnahmen dienen dazu, Kontrolle in der globalen Debatte über China zu erlangen und den unabhängigen Journalismus in China, der die Regierung zur Rechenschaft zieht, auszumerzen.</b></p>
<p><a href="https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2026/09/Propaganda%20Monitor%20China%20-%20FR_ENG%20-%20digital.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Lesen Sie hier den gesamten Bericht auf englisch oder französisch.</span></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Bericht ist bereits der zweite Teil des </span><a href="https://rsf.org/fr/propaganda-monitor-0" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Propaganda Monitors</span></a><span style="font-weight: 400;"> von RSF. Dabei handelt es sich um ein breites Rechercheprojekt von RSF, das die geopolitischen Wirkungen von Propaganda beleuchten soll. Die erste Ausgabe aus dem Jahr 2025 befasste sich noch mit </span><a href="https://rsf.org/fr/propaganda-monitor-rsf-publie-son-rapport-sur-la-g%C3%A9opolitique-de-la-propagande-du-kremlin" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Russland</span></a><span style="font-weight: 400;">, die zweite Ausgabe hat nun den weltweiten Propagandaapparat des chinesischen Regimes sowie deren Ausbreitung über alle Kontinente hinweg zum Thema.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Schlussfolgerungen dieser zweiten Ausgabe über China sind alarmierend. Denn kein Land der Welt ist vor chinesischer Propaganda sicher. Seit dem Machtantritt von Xi Jinping 2013 hat sich das chinesische Regime nicht damit begnügt, Medien im eigenen Land zum Schweigen zu bringen. Das Regime hat sich vielmehr aktiv darum bemüht, eine «Neue Weltordnung der Medien» zu erschaffen und diese weit über seine Grenzen hinaus zu exportieren. Dadurch wird der Journalismus durch ein autoritäres Modell der Informationskontrolle ersetzt, in dem die Medien keine andere Funktion mehr haben, als als Sprachrohre des Staates zu fungieren,</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Bericht beschreibt darüber hinaus detailliert, wie Peking massiv in den Ausbau seiner staatlichen Medien im Ausland investiert. Das Regime von Xi Jinping geht Partnerschaften mit vertrauenswürdigen Medien in den Zielländern ein, lädt Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt zu vollständig finanzierten Reisen nach China ein, um die eigene Sichtweise auf die Welt zu verbreiten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieses System stützt sich auf eine Vielzahl von Akteuren, beginnend bei der Zentralen Propagandaabteilung Chinas, die den Inhalt staatlicher Medien wie </span><a href="https://rsf.org/fr/un-m%C3%A9gaphone-en-65-langues-comment-le-m%C3%A9dia-d-%C3%A9tat-chinois-cgtn-fa%C3%A7onne-les-r%C3%A9cits-de-p%C3%A9kin-dans-le" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">CGTN</span></a><span style="font-weight: 400;"> und Yinhua kontrolliert, genauso wie den Inhalt von Medien der Diaspora, etwa in den USA, in Australien oder in Neuseeland. Der chinesische Propagandaapparat stützt sich dabei auf Propagandisten, den den Interessen Pekings unterworfen sind – bspw. auf Menschen wie </span><a href="https://rsf.org/fr/chine-rsf-d%C3%A9nonce-une-campagne-de-cyberharc%C3%A8lement-amplifi%C3%A9e-par-la-campagne-de-discr%C3%A9dit-men%C3%A9e-par" target="_blank" rel="noopener"><b>Andy Boreham</b></a><span style="font-weight: 400;"> der staatlichen Zeitung «Shanghai Daily». Des weiteren werden ausländische Medienschaffende darin «geschult», die Propaganda des chinesischen Regimes unverändert zu übernehmen und weiterzuverbreiten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während China selbst mit derzeit 120 inhaftierten Journalistinnen und Journalisten </span><a href="https://rsf.org/fr/pays/chine" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">zum grössten Gefängnis für Medienschaffende weltweit</span></a><span style="font-weight: 400;"> geworden ist, erstreckt sich die von Peking ausgehende Unterdrückung des Journalismus längst auch auf zahlreiche Reporterinnen und Reporter im Ausland. All dies fördert die Selbstzensur bei Berichten, die China kritisch gegenüberstehen.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«China versucht, seine eigenen Standards und sein eigenes Modell des ‚Journalismus‘ zu etablieren. In diesem Modell schulden die Medien ausschliesslich dem chinesischen Regime Rechenschaft. Sie werden nicht mehr als unabhängige Säule der Demokratie verstanden, sondern als wichtiges Propaganda- und Kontrollinstrument betrachtet. Weit beunruhigender ist jedoch, dass China mit anderen autoritären Regimen zusammenarbeitet, etwa mit Putins Russland. Das soll Chinas Einfluss auf den globalen Informationsraum verstärken und den Journalismus, wie wir ihn international kennen, verändern. Wir hoffen, dass dieser Bericht die besagten Taktiken stärker ins Rampenlicht rückt und unseren Demokratien einen Schutzschild an die Hand gibt, um den Informationsraum zu schützen, bevor es zu spät ist.»<br />
</span><b>Anne Bocandé, Redaktionelle Leiterin von RSF<br />
</b><b>Aleksandra Bielakowska, RSF-Advocacy Managerin für den Raum Asien-Pazifik</b></p></blockquote>
<h5><b>Chinas Strategien zum Export seines autoritären Medienmodells</b></h5>
<p><b>1 – Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Inhalten</b><span style="font-weight: 400;"><br />
</span><span style="font-weight: 400;">Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Inhalten zwischen chinesischen Staatsmedien und ausländischen öffentlich-rechtlichen Sendern sowie lokalen Medien ermöglichen es, chinesische Propaganda in Form von scheinbar unabhängigem Journalismus zu verbreiten. Dies wurde unter anderem in Deutschland beobachtet.</span></p>
<p><b>2 – Nutzung von Medien der Diaspora</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Medien der Diaspora und einflussreiche Persönlichkeiten, die die Aufmerksamkeit chinesischer Auswanderer auf sich ziehen, werden rekrutiert – oder dazu gezwungen –, die chinesische Propaganda im Ausland zu verstärken. Sie müssen Inhalte, die nicht den Interessen des Regimes entsprechen, bewusst auslassen, wie dies in den Vereinigten Staaten beobachtet wurde.</span></p>
<p><b>3 – Finanzierung und Ausrüstung im Austausch gegen Zensur</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Lokalen Medien werden Finanzmittel und professionelle Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug wird von ihnen eine redaktionelle Ausrichtung verlangt, die den Interessen des chinesischen Regimes entspricht. Dies betrifft auch zensierte Themen, wie dies etwa auf den Salomonen zu beobachten ist.</span></p>
<p><b>4 – Berichterstattung in lokalen Sprachen</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Bei staatlichen chinesischen Medien ist ein Anstieg der fremdsprachigen Angebote zu beobachten. Ein Beispiel ist etwas CGTN, das mittlerweile in 160 Ländern sendet, darunter in Frankreich, der Türkei oder Afghanistan. Damit soll die Propaganda Pekings weiter verbreitet und die von China begangenen Menschenrechtsverletzungen verschleiert werden.</span></p>
<p><b>5 – Druck auf ausländische Medien durch Botschaften</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Chinesische Botschaften und ihre Diplomaten haben unlängst unabhängige Medien angegriffen und die persönlichen Daten von Journalistinnen und Journalisten veröffentlicht, die über den Einfluss Pekings recherchierten, etwa in den Philippinen oder in Dänemark. Solche Aktionen kommen einer Diskreditierung journalistischer Arbeit sowie einer Einschüchterung von Medienschaffenden gleich. </span></p>
<p><b>6 – Fortbildungsprogramme und Mediengipfel</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">China organisiert vollständig finanzierten Reisen und «Fortbildungsprogrammen» sowie Mediengipfeln für Journalistinnen und Journalisten, um die chinesische Propaganda sowie das chinesische Narrativ zu fördern, während gleichzeitig grundlegende journalistische Prinzipien untergraben werden. Solche Fälle wurden etwa in Argentinien oder auf den Fidschi-Inseln beobachtet.</span></p>
<p><b>7 – Transnationale Repression</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">China hält nicht nur 120 Medienschaffende auf seinem Staatsgebiet fest, sondern nimmt auch unabhängige Medien und Medien der Diaspora weltweit ins Visier, darunter uigurische und Hongkonger Medientitel mit Sitz in den USA und im Vereinigten Königreich.</span></p>
<p><b>8 – Propagandisten und Influencer </b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Staatsnahe chinesische Institutionen organisieren zunehmend gesponserte Reisen für ausländische YouTuber und TikTok-Creator, während staatliche Medien Programme für Influencer ins Leben rufen, um ihre Propaganda zu verbreiten und ein breiteres, jüngeres Publikum zu erreichen. Dies wurde in Deutschland, Nigeria und Neuseeland beobachtet.</span></p>
<p><b>9 – Investitionen und Werbung </b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">China investiert massiv in Werbung in den Medien und in sozialen Netzwerken. In Taiwan hat das chinesische Unternehmen Wubianjie massiv in die Verbreitung von Desinformationsinhalten auf Facebook sowie auf Threads </span><a href="https://rsf.org/fr/how-chinese-marketing-network-quietly-injects-political-narratives-taiwanese-lifestyle-content" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">investiert</span></a><span style="font-weight: 400;">, insbesondere in politisch sensiblen und instabilen Zeiten. In Südafrika hat ein Medienunternehmen, an dem zwei mit dem chinesischen Staat verbundene Investoren zu 20 % beteiligt sind, die Kolumne eines Journalisten gestrichen, nachdem dieser über die Verfolgung der Uiguren in China geschrieben hatte.</span></p>
<p><b>10 – Verstärkung gleichgesinnter Propaganda</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Chinesische Staatsmedien wie CGTN verstärken die Verbreitung von Inhalten russischer Staatsmedien wie Sputnik und RT und verbreiten insbesondere deren Propaganda bezüglich der gross angelegten Invasion der Ukraine durch Russland weiter.</span></p>
<p><b>Alle Artikel des Propaganda-Monitors aus der chinesischen und russischen Ausgabe sind auf der </b><a href="https://rsf.org/fr/propagandamonitor" target="_blank" rel="noopener"><b>Mini-Website </b></a><b>des Projekts verfügbar. Diese Berichte werden auf der Grundlage der Untersuchungen von RSF weiterhin regelmässig veröffentlicht und erweitert.</b></p>
<p><b>China belegt in der </b><a href="https://rsf.org/index" target="_blank" rel="noopener"><b>globalen Rangliste der Pressefreiheit von RSF</b></a><b> Platz 178 von 180 Ländern und Gebieten.</b></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vier Jahre nach «Frau, Leben, Freiheit»: Das Regime in Iran bereitet eine neue Offensive gegen die Presse vor</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/vier-jahre-nach-frau-leben-freiheit-das-regime-in-iran-bereitet-eine-neue-offensive-gegen-die-presse-vor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:36:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Die im vergangenen August gegen die unabhängige Journalistin Yalda Moaiery verhängte, äusserst harte Freiheitsstrafe von 15 Jahren stellt eine neue Eskalation bei der Einschränkung der Pressefreiheit im Iran dar. Vier Jahre nach der «Frau, Leben, Freiheit»-Bewegung und der darauf folgenden brutalen Unterdrückung des Journalismus im Land steht das Regime kurz davor, ein neues repressives Gesetz [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die im vergangenen August gegen die unabhängige Journalistin Yalda Moaiery verhängte, äusserst harte Freiheitsstrafe von 15 Jahren stellt eine neue Eskalation bei der Einschränkung der Pressefreiheit im Iran dar. Vier Jahre nach der «Frau, Leben, Freiheit»-Bewegung und der darauf folgenden brutalen Unterdrückung des Journalismus im Land steht das Regime kurz davor, ein neues repressives Gesetz zu verabschieden. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert den iranischen Wächterrat auf, diesen Gesetzesentwurf fallen zu lassen, der sowohl gegen Medienschaffende als auch gegen deren Quellen im Iran gerichtet ist. Derzeit sind im Land mindestens 19 Medienschaffende inhaftiert.</b></p>
<p><b>Yalda Moaiery</b><span style="font-weight: 400;"> hat ihre Vorladung vor Gericht nie erhalten. Nach Angaben der Journalistin schickten die Behörden diese im August per SMS an eine Nummer, die sie selbst gesperrt hatten. Das ist kaum überraschend im Iran, der in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF auf Platz 177 von 180 Ländern rangiert. Seit Dezember 2025 hat das Regime wiederholt </span><a href="https://rsf.org/en/war-iran-journalism-crisis-access-information-restricted-and-reporters-work-amid-bombs" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">den Internetzugang unterbrochen, SIM-Karten von Journalistinnen und Journalisten gesperrt und ihnen unter Androhung von Spionagevorwürfen die Kommunikation mit ausländischen Medien</span></a><span style="font-weight: 400;"> untersagt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">So kam es, dass Yalda Moaiery, eine unabhängige Fotojournalistin, die seit 20 Jahren für verschiedene internationale Medien wie Le Monde, Time oder El País über den Iran und die Region berichtet, am 8. August in absentia zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Der Grund: Sie hatte Anfang 2026 die US-israelische Offensive im Iran fotografisch dokumentiert. «Es gab einen weiteren Gerichtstermin am 1. September», berichtet sie gegenüber RSF aus dem Iran. «Und dieses Mal war ich anwesend. Ich habe versucht, mich zu verteidigen, aber [&#8230;] die Geschworenen haben mir nicht wirklich zugehört.» Im Iran ist die Justiz direkt der Autorität des Obersten Führers unterstellt. Die Islamische Republik könne keine Medienschaffenden dulden, die frei arbeiteten, sagte sie. Moaiery selbst wird vorgeworfen, mit ausländischen Medien zusammengearbeitet zu haben, um das zionistische Regime und die Vereinigten Staaten zu stärken. Am 1. September wurde das Urteil gegen sie bestätigt; nun warten Moaiery auf das Berufungsverfahren.</span></p>
<h5><b>Ein neues Gesetz im Hintergrund</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese hohe Freiheitsstrafe gegen die Journalistin reiht sich ein in ein übergeordnetes, sich verschärfenden Vorgehen gegen den Journalismus im Land, das seit dem Ausbruch der «Frau, Leben, Freiheit»-Proteste im Jahr 2022 eskaliert ist. Die Repression könnte sich durch ein neues, drakonisches Gesetz, das derzeit ausgearbeitet wird, noch weiter verschärfen. In Artikel 22 des sogannenten «Plans zur Bekämpfung ausländischer Einflussnahme» heisst es zum Beispiel: «Die Teilnahme an Interviews mit Medien oder Medienschaffenden, die vom Geheimdienstministerium als feindlich eingestuft wurden [&#8230;], ist verboten.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Gesetzesentwurf würde den bereits bestehenden Einschränkungen, die seit dem Krieg zwischen dem Iran und der israelisch-amerikanischen Koalition im März 2026 implementiert wurden, faktisch einen rechtlichen Anstrich verleihen. In der Praxis wurden entsprechende Äusserungen allerdings bereits jetzt als Straftat eingestuft. Der Gesetzesentwurf würde zudem den Begriff der «Spionage» erweitern und es dadurch erleichtern, Medienschaffende sowie deren Quellen strafrechtlich zu verfolgen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Gesetz wurde am 16. August vom iranischen Parlament verabschiedet. Die darin enthaltenen Bestimmungen müssen aber noch vom Wächterrat beraten werden, bevor sie in Kraft treten können. Ein Termin für die endgültige Entscheidung des Rates aktuell steht noch nicht fest.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«Die empörende Haftstrafe, die gegen Yalda Moaiery verhängt wurde, muss unverzüglich aufgehoben werden. Sie stellt eine Fortsetzung staatlicher Repressionen dar, die sich seit dem Ausbruch der Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» im Jahr 2022 nur noch verschärft haben. Mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten wurden wegen ihrer Berichterstattung darüber festgenommen. 19 von ihnen sitzen nach wie vor hinter Gittern. Das beispiellose Urteil gegen Yalda Moaiery wird nun – sollte es in der Berufung bestätigt werden – nur einen Vorgeschmack darauf geben, was Medienschaffende und ihre Quellen im Iran erwartet, sobald das neue Gesetz verabschiedet werden sollte. Die Gesetzgebung zielt darauf ab, Verhaftungen zu erleichtern und die Selbstzensur zu verstärken und dient lediglich dazu, die illegale Unterdrückung einer Diktatur zu legitimieren. Dies muss verhindert werden. Die Medienschaffenden müssen freigelassen werden, und die Islamische Republik muss aufhören, die nationale Sicherheit als Instrument einzusetzen, um ihre Bevölkerung und ihre Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen zu bringen.»<br />
</span><b>Jonathan Dagher<br />
</b><b>Leiter des Nahost-Büros von RSF</b></p></blockquote>
<h5><b>Zusammenarbeit mit ausländischen Medien soll strafbar werden</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Der neue Gesetzesentwurf geht über die bereits bestehende Gesetzgebung hinaus, die Propaganda gegen den Staat oder die Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat </span><a href="https://rsf.org/en/crackdown-iran-surge-arrests-journalists-covering-protests"><span style="font-weight: 400;">unter Strafe stellt</span></a><span style="font-weight: 400;">. Das Auftreten in Medien, die mit den USA oder Israel in Verbindung stehen, soll darin ausdrücklich unter Strafe gestellt werden. Iranische Staatsangehörige wären darüber hinaus dazu verpflichtet, eine Genehmigung einzuholen, bevor sie auf eine Interviewanfrage eines ausländischen Medienunternehmens eingehen – selbst dann, wenn dieses nicht mit einem Israel oder den USA in Verbindung steht, die beide von der Islamischen Republik als Feinde betrachtet werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der im türkischen Exil lebende iranische Anwalt Mousa Barzin sagt gegenüber RSF: «Anstatt Spionage genau zu definieren, stützt sich das Gesetz auf äusserst weit gefasste Begriffe wie ‹Zusammenarbeit›. Nicht nur Journalistinnen und Journalisten sind betroffen: Jeder Angestellte, jede Ärztin, jeder Pflegefachmann, jede Anwältin oder andere Bürger, der potenziell als Informationsquelle dienen könnte, könnte sich aus Angst vor Sanktionen dafür entscheiden, zu schweigen.»</span></p>
<h5><b>Neunzehn Medienschaffende inhaftiert – Verurteilungen gehen weiter</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit dem gross angelegten Vorgehen gegen Journalistinnen und Journalisten, die über die Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» im Jahr 2022 berichteten, wurden im Iran  mehr als 100 Medienschaffende aufgrund ihrer Arbeit inhaftiert. 19 von ihnen befinden sich nach wie vor in Haft. Andere sind mit langwierigen Gerichtsverfahren konfrontiert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Journalist </span><b>Mehdi Mahmoudian</b><span style="font-weight: 400;">, der am </span><a href="https://rsf.org/en/crackdown-iran-surge-arrests-journalists-covering-protests" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">31. Januar festgenommen worden war</span></a><span style="font-weight: 400;">, wurde am 13. August zu acht Monaten Haft wegen «Propaganda gegen das Regime» verurteilt, lediglich weil er in den sozialen Medien über die Umstände des Krieges berichtet hatte. Sein Kollege, der Blogger </span><a href="https://rsf.org/en/freed-after-8-years-prison-iranian-journalist-must-now-spend-2-years-internal-exile" target="_blank" rel="noopener"><b>Soheil Arabi</b></a><span style="font-weight: 400;">, der 2017 </span><a href="https://rsf.org/en/rsf-tv5monde-prize-goes-polish-reporter-tomasz-piatek-iranian-photographer-soheil-arabi-and-turkish" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Preisträger des RSF-Preises für Pressefreiheit</span></a><span style="font-weight: 400;"> war, wurde drei Tage später zu fünf Jahren Haft verurteilt – wegen «Vereinigung und geheimen Absprachen mit dem Ziel, ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit zu begehen». Andere wurden auf </span><a href="https://rsf.org/en/iran-narges-mohammadi-s-life-danger-urgent-action-needed" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Bewährung freigelassen</span></a><span style="font-weight: 400;">, laufen jedoch weiterhin Gefahr, jederzeit wieder ins Gefängnis zurückgebracht zu werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zu ihnen gehört </span><b>Narges Mohammadi</b><span style="font-weight: 400;">, die iranische Journalistin, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin von 2023, die derzeit aus medizinischen Gründen auf freiem Fuss ist, jedoch weiterhin regelmässig von den Behörden schikaniert und mit Haft bedroht wird.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Repressionen im Iran sind Teil eines weltweiten Trends, bei dem Regierungen die nationale Sicherheit als Vorwand nutzen, um die Pressefreiheit einzuschränken und das Recht auf Information stärker zu kontrollieren. Dies hat </span><a href="https://rsf.org/en/new-rsf-report-national-security-weapon-against-journalism" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">RSF dieses Jahr in einem Bericht dokumentiert</span></a><span style="font-weight: 400;">. Seit Beginn des Krieges im Iran im März 2026 und dessen Auswirkungen auf die gesamte Golfregion haben beispielsweise </span><a href="https://rsf.org/en/censored-war-crackdown-journalists-intensifying-gulf-jordan" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">mehrere Regime in der Region</span></a><span style="font-weight: 400;"> repressive Massnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die Berichterstattung über den Konflikt zu unterbinden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sehen Sie sich Yalda Moaierys Testimonial </span><a href="https://www.youtube.com/shorts/wR9qHihINU0" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">hier </span></a><span style="font-weight: 400;">an.</span></p>
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		<title>Quellenschutz in Gefahr: Breite Medienallianz fordert Ablehnung zweier Vorstösse im Parlament</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/quellenschutz-in-gefahr-breite-medienallianz-fordert-ablehnung-zweier-vorstoesse-im-parlament/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Dem journalistischen Quellenschutz droht eine weitreichende Schwächung. Der Ständerat befindet am 24. September über die Motion 26.4051 und das Postulat 26.4052 seiner Rechtskommission (RK-S). Bei einer Annahme könnten Quellen nicht mehr im gleichen Mass darauf vertrauen, dass ihre Identität geschützt bleibt. Damit stehen eine zentrale Voraussetzung für investigativen Journalismus und die Kontrollfunktion der Medien auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dem journalistischen Quellenschutz droht eine weitreichende Schwächung. Der Ständerat befindet am 24. September über die Motion <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20264051" target="_blank" rel="noopener">26.4051</a> und das Postulat <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20264052" target="_blank" rel="noopener">26.4052</a> seiner Rechtskommission (RK-S). Bei einer Annahme könnten Quellen nicht mehr im gleichen Mass darauf vertrauen, dass ihre Identität geschützt bleibt. Damit stehen eine zentrale Voraussetzung für investigativen Journalismus und die Kontrollfunktion der Medien auf dem Spiel. Eine breite, ad hoc gebildete Allianz aus der Medienbranche fordert deshalb die Ablehnung beider Vorstösse.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein verlässlicher Quellenschutz ist Voraussetzung dafür, dass Informantinnen und </span><span style="font-weight: 400;">Informanten Medien auf Missstände aufmerksam machen. Bereits die Unsicherheit darüber, </span><span style="font-weight: 400;">ob ihre Identität geheim bleibt, kann sie davon abhalten, sich an eine Redaktion zu wenden. </span><span style="font-weight: 400;">Dieser «Chilling Effect» führt dazu, dass Informationen von öffentlichem Interesse gar nicht </span><span style="font-weight: 400;">erst an die Öffentlichkeit gelangen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei ist der Quellenschutz bereits heute nicht absolut. Das geltende Recht kennt einen </span><span style="font-weight: 400;">engen Ausnahmekatalog. Eine zusätzliche Einschränkung ist deshalb weder notwendig </span><span style="font-weight: 400;">noch ausreichend begründet. Gerade Informationen aus Behörden oder Unternehmen </span><span style="font-weight: 400;">können entscheidend sein, um Missstände von erheblichem öffentlichem Interesse </span><span style="font-weight: 400;">aufzudecken.</span></p>
<h5><strong>Auch das Postulat gefährdet den Quellenschutz</strong></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Nicht nur die Motion ist problematisch. Auch das Postulat stellt einen zentralen Grundsatz </span><span style="font-weight: 400;">zur Diskussion: Quellen könnten weniger durch vorgelagerte strafprozessuale Schutzrechte </span><span style="font-weight: 400;">und stattdessen stärker durch nachträgliche Rechtfertigungsgründe geschützt werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Unterschied ist entscheidend: Der heutige Quellenschutz soll verhindern, dass eine </span><span style="font-weight: 400;">Quelle überhaupt enttarnt wird. Im diskutierten Modell könnte sie zuerst ermittelt und </span><span style="font-weight: 400;">identifiziert werden – und sich erst danach gegen eine Bestrafung wehren. Eine einmal </span><span style="font-weight: 400;">erfolgte Enttarnung lässt sich nicht rückgängig machen. Allein diese Aussicht kann </span><span style="font-weight: 400;">potenzielle Quellen abschrecken.</span></p>
<h5><strong>Moderne Redaktionen brauchen umfassenden Schutz</strong></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Praxisfern ist auch die vorgeschlagene Beschränkung des Schutzes auf «unmittelbar </span><span style="font-weight: 400;">erforderliche» Personen. Moderne Redaktionen arbeiten arbeitsteilig. Neben Journalistinnen </span><span style="font-weight: 400;">und Journalisten können etwa Chefredaktionen, Rechtsdienste, IT, Produktion oder </span><span style="font-weight: 400;">Datenjournalismus mit vertraulichen Quelleninformationen in Berührung kommen. </span><span style="font-weight: 400;">Eine engere Abgrenzung schafft Rechtsunsicherheit und erhöht die Gefahr, dass der </span><span style="font-weight: 400;">Quellenschutz über vermeintlich nicht geschützte Mitarbeitende umgangen wird. Auch der </span><span style="font-weight: 400;">Beschlagnahmeschutz muss deshalb orts- und technologieneutral bleiben – unabhängig </span><span style="font-weight: 400;">davon, ob Informationen in einer Redaktion, bei einer Quelle, in einer Cloud oder bei einem </span><span style="font-weight: 400;">Dienstleister liegen.</span></p>
<h5><strong>Breite Allianz gegen Schwächung des Quellenschutzes</strong></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Gegen die beiden Vorstösse hat sich eine breite Allianz aus der Medienbranche ad hoc </span><span style="font-weight: 400;">zusammengeschlossen. Sie umfasst Medienverbände aus allen Sprachregionen, </span><span style="font-weight: 400;">Gewerkschaften, journalistische Organisationen sowie zahlreiche weitere Akteure der </span><span style="font-weight: 400;">Medienbranche unterschiedlicher politischer Couleur. Gemeinsam fordert sie den Ständerat </span><span style="font-weight: 400;">auf, Motion und Postulat abzulehnen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausgangspunkt der politischen Diskussion waren insbesondere Indiskretionen im Umfeld der </span><span style="font-weight: 400;">Covid-Pandemie. Die Aufarbeitung solcher Einzelfälle darf jedoch nicht dazu führen, dass </span><span style="font-weight: 400;">nun der Quellenschutz als Ganzes und damit eine Grundlage journalistischen Schaffens </span><span style="font-weight: 400;">geschwächt wird. Wer Quellen weniger verlässlich schützt, riskiert, dass Missstände künftig </span><span style="font-weight: 400;">im Verborgenen bleiben.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Deutschland: RSF prüft rechtliche Schritte als Reaktion auf die Pläne der AfD für den Rundfunk in Sachsen-Anhalt</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/deutschland-rsf-prueft-rechtliche-schritte-als-reaktion-auf-die-plaene-der-afd-fuer-den-rundfunk-in-sachsen-anhalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 13:18:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Reporter ohne Grenzen (RSF) bereitet sich auf mögliche rechtliche Schritte gegen eine Schwächung der pluralistischen Rundfunkordnung in Sachsen-Anhalt vor. Anlass sind die Ankündigungen der AfD, im Fall einer Regierungsübernahme rundfunkrechtliche Staatsverträge zu kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundlegend umzubauen.  «Wir nehmen die Ankündigungen der AfD ernst und bereiten uns deshalb schon jetzt auf mögliche staatliche [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Reporter ohne Grenzen (RSF) bereitet sich auf mögliche rechtliche Schritte gegen eine Schwächung der pluralistischen Rundfunkordnung in Sachsen-Anhalt vor. Anlass sind die Ankündigungen der AfD, im Fall einer Regierungsübernahme rundfunkrechtliche Staatsverträge zu kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundlegend umzubauen. </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Wir nehmen die Ankündigungen der AfD ernst und bereiten uns deshalb schon jetzt auf mögliche staatliche Eingriffe in die Rundfunkordnung vor“, sagt Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. „Sollte eine künftige Landesregierung die Rundfunkstaatsverträge kündigen und sich abzeichnen, dass die dann entstehende Rundfunkordnung keine umfassende und freie Meinungsbildung mehr erlaubt, werden wir entsprechende rechtliche Schritte einleiten.»</span></p>
<h5><b>Konsequenzen eines ÖRR-Ausstiegs in Sachsen-Anhalt</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">In ihrem Regierungsprogramm kündigt die AfD in Sachsen-Anhalt an: «Die Rundfunkstaatsverträge werden als erste Amtshandlung gekündigt, um echten Reformdruck zu erzeugen!»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die rechtliche Grundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) in Deutschland basiert auf Landesgesetzen und von den Bundesländern geschlossenen Staatsverträgen – insbesondere dem Medienstaatsvertrag (MStV), dem Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag (RFinStV) und dem Rundfunkbeitragsstaatsvertrag (RBStV). Um ihre politischen Pläne umzusetzen, müsste die AfD in Sachsen-Anhalt alle Staatsverträge kündigen, die als rechtliche Grundlage für die Rundfunkordnung dienen. Dies umfasst zwingend den MStV, der den Programmauftrag definiert, und den RFinStV, der die Beitragshöhe festsetzt. Für eine vollständige Reform in Sachsen-Anhalt müsste zudem über eine Kündigung des MDR-Staatsvertrags entschieden werden, was das Ausscheiden des Landes aus der gemeinsamen Mehrländeranstalt zur Folge hätte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die blosse Kündigung der Rundfunkstaatsverträge würde dem MDR nicht von heute auf morgen den Stecker ziehen: Aufgrund einer zweijährigen Kündigungsfrist im MDR-Staatsvertrag bliebe Sachsen-Anhalt zunächst vollwertiges Mitglied der Sendeanstalt. Sollte das Land danach jedoch keine Neuregelung – sei es durch Reform des Staatsvertrags gemeinsam mit Sachsen und Thüringen oder durch Reform des landeseigenen Medienrechts – geschaffen haben, wäre das verfassungswidrig. Denn die Rundfunkordnung eines Landes muss zwingend die vom Bundesverfassungsgericht geforderten Strukturprinzipien garantieren: das Vielfaltsgebot, das Staatsfernegebot sowie eine inhaltlich ausgewogene und sachliche Berichterstattung. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Für den Fall, dass sich abzeichnet, dass diese Prinzipien nicht gewahrt werden, behält sich RSF rechtliche Schritte vor. Denn Bürger*innen in Sachsen-Anhalt müssen sich weiterhin umfassend und frei aus zuverlässigen Informationsquellen informieren können; dieser Anspruch ist über ihre verfassungsrechtliche Informationsfreiheit geschützt.</span></p>
<h5><b>Systematisches Vorgehen gegen das pluralistische, unabhängige Mediensystem</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Hinter den medienpolitischen Forderungen der AfD steht ein systematisches Vorgehen, das weit über die blosse Kritik am ÖRR hinausgeht und auf das Fundament eines pluralistischen, unabhängigen Mediensystems zielt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während der ÖRR als zentrales Feindbild instrumentalisiert wird – der sachsen-anhaltinische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beispielsweise wirft auf TikTok dem ÖRR pauschal die «Manipulation» der Bürger*innen vor – macht die Delegitimierung freier Berichterstattung auch vor privaten Medienhäusern nicht Halt. Etablierte Medien wie der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit werden systematisch mit Kampfbegriffen wie «Kartellpresse», «Systemmedien» oder «Lügenpresse» diffamiert. Wie existenzbedrohend diese Agenda auf lokaler Ebene ist, zeigt sich im Fall des nichtkommerziellen Lokalsenders Radio Corax in Halle. Unter der expliziten Programmschrift «Radio Corax den Geldhahn zudrehen!» brandmarkt die Partei in ihrem Regierungsprogramm den Sender als «Antifa-News», der sich zu einer «antideutschen Terrororganisation» bekenne. Seine Inhalte böten eine Plattform für «linken Fanatismus», «perverse Regenbogenideologie» und «Genderismus». Sie fordert, dem Sender jegliche Förderung über die Landesmedienanstalt zu entziehen sowie sämtliche freien Radios zu überprüfen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hinter der scheinbaren Forderung der AfD nach Meinungsfreiheit – im sachsen-anhaltinischen Regierungsprogramm konkret formuliert als «Medien müssen wieder das ganze Meinungsspektrum abbilden» – steht der Versuch, den freien Diskurs einzuschränken. Wie konsequent die Partei die Berichterstattung unabhängiger Medien durch eigene Botschaften ersetzen will, machte Alice Weidel schon 2018 deutlich: «Unser ambitioniertes Fernziel ist es, dass die Deutschen irgendwann AfD und nicht ARD schauen». Flankiert wird diese Strategie von der Forderung, den Digital Services Act (DSA) zu überprüfen. Die dabei gezielt gestreuten Zensurnarrative verzerren den eigentlichen Zweck staatlicher Digitalregulierung: die Sicherung eines demokratischen, von Hass und Hetze freien digitalen Raums, in dem Bürger*innen zuverlässige Informationen finden können.</span></p>
<h5><strong>Internationale Erfahrungen mahnen zur Vorsicht</strong></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf europäischer Ebene beobachtet RSF seit Jahren, dass <a href="https://rsf.org/en/rsf-publishes-new-report-protect-europe-s-public-media" target="_blank" rel="noopener">öffentlich-rechtliche Medien</a> zu den ersten Zielen von Regierungen gehören, die unabhängigen Journalismus schwächen wollen. Häufig werden zunächst Aufsichtsgremien politisiert, Leitungen ausgetauscht, Finanzierungsgrundlagen geschwächt oder Programmaufträge so verändert, dass redaktionelle Unabhängigkeit und Medienvielfalt verloren gehen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie weit ein solcher Umbau führen kann, zeigte Ungarn: Unter Ministerpräsident Viktor Orbán wurden die zuvor eigenständigen öffentlich-rechtlichen Sender in der staatlichen Medienholding MTVA zentralisiert und zu Propagandainstrumenten der Regierung umgebaut. Auch die Kontrollinstanzen standen unter Regierungseinfluss. Parallel wurden unabhängige private Medien durch die selektive Vergabe staatlicher Werbung, Lizenzentzüge, Übernahmen durch Fidesz-nahe Oligarchen und Diffamierungskampagnen geschwächt. Zuletzt kontrollierten regierungsnahe Akteure rund 80 Prozent der ungarischen Medienlandschaft.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Slowakei erlebt der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Erosion nach ungarischem Vorbild. Die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico löste den bisherigen öffentlich-rechtlichen Sender RTVS im Juni 2024 im Eilverfahren auf und ersetzte ihn durch STVR. Damit eröffnete sie sich neue Möglichkeiten, auf Leitung und redaktionelle Ausrichtung Einfluss zu nehmen. Zugleich wurde die Finanzierung um rund 30 Prozent gekürzt; kritische Medienschaffende wurden entlassen und redaktionelle Spielräume beschnitten. <a href="https://rsf.org/en/slovakia-rsf-and-partners-concerned-about-cracks-independent-oversight-public-broadcaster" target="_blank" rel="noopener">Im August 2026 warnte RSF</a> gemeinsam mit slowakischen Partnerorganisationen zudem vor systematischen Verstössen gegen die gesetzlich vorgeschriebene Unparteilichkeit und Meinungsvielfalt der STVR-Nachrichten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Beispiele aus Europa zeigen, wie schnell aus angeblichen Medienreformen politische Kontrolle werden kann. Deutschland ist gegen solche Entwicklungen nicht immun. Da die Rundfunkordnung hierzulande föderal organisiert ist, tragen die Länder eine besondere Verantwortung: Sie müssen Medienvielfalt, Staatsferne und das Recht der Bürger*innen auf freie Information schützen. Deshalb wird RSF jeden Versuch, die pluralistische Rundfunkordnung in Sachsen-Anhalt auszuhöhlen, genau prüfen.</span></p>
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		<title>Malta: RSF empört über Freispruch im Fall der Journalistin Daphne Caruana Galizia</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/malta-rsf-empoert-ueber-freispruch-im-fall-der-journalistin-daphne-caruana-galizia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2026 14:03:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 2. September sprach das Strafgericht in Valletta den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech, der Verbindungen zur Mafia und zu Politikern unterhalten soll, von den Vorwürfen der « Mittäterschaft » und der « kriminellen Vereinigung »  im Zusammenhang mit der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia frei. Fast zehn Jahre nach dem Verbrechen ist Reporter ohne [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Am 2. September sprach das Strafgericht in Valletta den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech, der Verbindungen zur Mafia und zu Politikern unterhalten soll, von den Vorwürfen der « Mittäterschaft » und der « kriminellen Vereinigung »  im Zusammenhang mit der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia frei. Fast zehn Jahre nach dem Verbrechen ist Reporter ohne Grenzen (RSF) empört über das Ausbleiben einer vollständigen Aufklärung und fordert die maltesische Regierung auf, Massnahmen zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten sowie der Pressefreiheit zu ergreifen.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Fast neun Jahre nachdem Daphne Caruana Galizia durch eine in ihrem Auto platzierte Bombe getötet wurde, sprach die Jury am Strafgericht in Valletta den Geschäftsmann Yorgen Fenech nach zweimonatiger Verhandlung und achtstündiger Beratung von den beiden gegen ihn erhobenen Vorwürfen frei: der Mittäterschaft und der kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit der Ermordung der Investigativjournalistin.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Acht der neun Geschworenen stimmten in beiden Anklagepunkten für einen Freispruch; für eine Verurteilung wären mindestens sechs Stimmen erforderlich gewesen. Der Prozess, an dem RSF <a href="https://rsf.org/en/malta-trial-opens-alleged-mastermind-behind-assassination-journalist-daphne-caruana-galizia" target="_blank" rel="noopener">teilnahm</a>, begann am 1. Juli.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">« Wir sind zutiefst empört. Das Urteil bedeutet, dass es den maltesischen Behörden fast neun Jahre nach der Ermordung von Daphne Caruana Galizia nicht gelungen ist, den Drahtzieher zu identifizieren und zu verurteilen. Wir stehen solidarisch an der Seite der Familie der Journalistin, die zunächst den Verlust von Daphne verkraften musste und anschließend schmerzhaft für Gerechtigkeit kämpfte – nur um nun zu erfahren, dass der Mann, der beschuldigt wurde, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, freigesprochen wurde. Es muss umfassende Gerechtigkeit hergestellt werden. Die maltesischen Behörden müssen zudem endlich die längst überfälligen Massnahmen zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten sowie der Medienfreiheit umsetzen. Das Fehlen solcher Massnahmen hat zum Mord an Daphne Caruana Galizia beigetragen, wie die öffentliche Untersuchung des Verbrechens bereits vor fünf Jahren festgestellt hat. »<br />
</span><b>Pavol Szalai<br />
</b><b>Direktor des RSF-Büros in Prag</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Journalistin wurde am 16. Oktober 2017 getötet, als ihr Auto in der Nähe ihres Hauses in der Ortschaft Bidnija explodierte. Laut einer <a href="https://timesofmalta.com/article/live-trial-yorgen-fenech-enters-day-29.1132252" target="_blank" rel="noopener">Aussage</a> ihres Sohnes, des Journalisten Matthew Caruana Galizia, vor Gericht widmete Daphne Caruana Galizia ihre letzten Tage einer gemeinsamen Recherche mit ihrem Sohn zu mutmasslicher Korruption im Zusammenhang mit dem Electrogas-Projekt, dem Bau eines mit Erdgas betriebenen Kraftwerks.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Yorgen Fenech, einen der wichtigsten Anteilseigner von Electrogas und einen Geschäftsmann mit Verbindungen zur Mafia und zu Politikern, den Mord an Daphne Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben. Grundlage dafür waren Beweise und die Aussage von Melvin Theuma, der gestanden hatte, als Vermittler bei dem Mord fungiert zu haben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Fünf Männer wurden verurteilt, nachdem Theuma 2019 im Austausch für Informationen über den Mord eine Begnadigung erhalten hatte. 2022 <a href="https://rsf.org/en/malta-civil-society-denounces-governments-lack-ambition-and-transparency-press-freedom-reforms-and" target="_blank" rel="noopener">befand</a> das Strafgericht von Malta die Brüder Alfred und George Degiorgio für schuldig, die Bombe in Daphne Caruana Galizias Fahrzeug angebracht und gezündet zu haben. Der dritte Täter, Vincent Muscat, <a href="https://rsf.org/en/malta-developments-murder-case-mark-nascent-steps-towards-justice-daphne-caruana-galizia" target="_blank" rel="noopener">handelte</a> 2021 im Gegenzug für seine Aussage eine reduzierte Strafe aus. Seine Aussage trug zur <a href="https://rsf.org/en/malta-after-new-conviction-murder-daphne-caruana-galizia-rsf-calls-full-justice-and-strong-measures" target="_blank" rel="noopener">Verurteilung</a> von Robert Agius und Jamie Vella im Jahr 2025 wegen der Lieferung des Sprengstoffs bei.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die öffentliche Untersuchung zur Ermordung von Daphne Caruana Galizia, bei der auch RSF <a href="https://rsf.org/en/rsf-set-testify-public-inquiry-assassination-daphne-caruana-galizia-key-witness-found-slit-throat" target="_blank" rel="noopener">aussagte</a>, <a href="https://rsf.org/en/landmark-public-inquiry-report-finds-maltese-state-must-shoulder-responsibility-assassination" target="_blank" rel="noopener">stellte</a> in ihrem 2021 veröffentlichten Bericht fest, dass der Staat « Verantwortung übernehmen » müsse. Die maltesischen Behörden haben es jedoch systematisch <a href="https://cpj.org/2026/04/cpj-partners-urge-malta-to-take-action-on-media-reforms/" target="_blank" rel="noopener">versäumt</a>, die meisten der im Bericht ausgesprochenen Empfehlungen umzusetzen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Malta belegt im <a href="https://rsf.org/index" target="_blank" rel="noopener">RSF-Rangliste der Pressefreiheit 2026</a> Platz 67 von 180 Ländern und Gebieten und liegt damit auf dem fünftschlechtesten Platz unter den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mexiko: Achter ermordeter Journalist in diesem Jahr hatte öffentlich über Drohungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit berichtet</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/mexiko-achter-ermordeter-journalist-in-diesem-jahr-hatte-oeffentlich-ueber-drohungen-im-zusammenhang-mit-seiner-arbeit-berichtet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 08:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Der 35-jährige Fotograf und Lokaljournalist Ricardo Zúñiga Rosas wurde am 29. August in der Gemeinde Tehuitzingo im Bundesstaat Puebla ermordet, nachdem er öffentlich über Drohungen im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit berichtet hatte. Er ist der zweite Medienschaffende, der innerhalb von weniger als zwei Monaten in Puebla ermordet wurde. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der 35-jährige Fotograf und Lokaljournalist Ricardo Zúñiga Rosas wurde am 29. August in der Gemeinde Tehuitzingo im Bundesstaat Puebla ermordet, nachdem er öffentlich über Drohungen im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit berichtet hatte. Er ist der zweite Medienschaffende, der innerhalb von weniger als zwei Monaten in Puebla ermordet wurde. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt den Mord, fordert eine umfassende Untersuchung und ruft Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Bundesbehörden dazu auf, den landesweiten Notfallmechanismus zur Bekämpfung der Gewalt gegen Medienschaffende zu aktivieren, den RSF am 26. August gefordert hatte.</strong></p>
<p><b>Ricardo Zúñiga Rosas</b><span style="font-weight: 400;"> wurde am 29. August in der kleinen Ortschaft Santa Cruz Atopoltitlán in der Gemeinde Tehuitzingo im Bundesstaat Puebla </span><a href="https://www.eluniversalpuebla.com.mx/estado/matan-a-creador-de-contenido-en-tehuitzingo-denuncio-amenazas-tras-criticar-al-gobierno-municipal/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener"><b>erschossen</b></a><span style="font-weight: 400;">. Er ist der achte Reporter in Mexiko, der 2026 aufgrund seiner journalistischen Arbeit getötet wurde &#8211; im Durchschnitt wurde damit ein Journalist pro Monat ermordet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Laut Medienberichten, unter anderem von </span><a href="https://www.eluniversalpuebla.com.mx/estado/matan-a-creador-de-contenido-en-tehuitzingo-denuncio-amenazas-tras-criticar-al-gobierno-municipal/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener"><i><span style="font-weight: 400;">El Universal</span></i></a><span style="font-weight: 400;"> und </span><a href="https://www.jornada.com.mx/noticia/2026/08/30/estados/asesinan-al-creador-de-contenido-ricardo-zuniga-en-puebla-denuncio-amenazas-por-criticar-al-alcalde-priista-de-tehuitzingo" target="_blank" rel="noopener"><i><span style="font-weight: 400;">La Jornada</span></i></a><span style="font-weight: 400;">, kamen zwei Männer auf einem Motorrad zu Productos Zuma, Zúñigas Geschäft für Reinigungsprodukte, in dem sich der Medienschaffende zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Sie betraten das Geschäft und schossen auf ihn. Zúñiga wurde daraufhin in das Krankenhaus von Tehuitzingo gebracht, wo er für tot erklärt wurde.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Lokaljournalist nutzte hauptsächlich seine </span><a href="https://www.facebook.com/ricardo.zuniga.90260" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Facebook-Seite</span></a><span style="font-weight: 400;">, die rund 13’000 Followers hatte, um Fotos und Videos zu veröffentlichen sowie Bürgerbeschwerden und Berichte über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse in Tehuitzingo und anderen Gemeinden der Region per Livestream zu übertragen. Über seinen YouTube-Kanal Richie TV veröffentlichte er ebenfalls Beiträge über lokale öffentliche Bauvorhaben, die Verwendung öffentlicher Gelder und andere Themen von öffentlichem Interesse in der Region.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am 9. Mai </span><a href="https://www.facebook.com/share/p/1DabXCTAJm/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">berichtete</span></a><span style="font-weight: 400;"> Ricardo Zúñiga Rosas auf seiner Facebook-Seite öffentlich, dass er am 3. April einen Anruf von einer unbekannten Person erhalten habe. Diese forderte ihn auf, die Gemeindeverwaltung nicht länger zur Bewirtschaftung der örtlichen Kehrichtdeponie, zur Verwendung öffentlicher Gelder, zu kommunalen Bauvorhaben und zu anderen lokalen politischen Themen zu befragen. Laut seinem Facebook-Beitrag warnte ihn der Anrufer, dass es Konsequenzen für ihn geben würde, sollte er weiterhin über diese Themen berichten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die polizeilichen Ermittlungen zu dem Mord sind bereits im Gange. Die Regierung des Kantons Puebla hat den Mord öffentlich </span><a href="https://x.com/e_consulta/status/2094437504300560711?s=20" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">verurteilt</span></a><span style="font-weight: 400;"> und die Generalstaatsanwaltschaft (FGE) des Kantons Puebla aufgefordert, zu klären, ob Zúñigas journalistische Tätigkeit das Motiv für die Tat war.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">« Die Ermordung von Ricardo Zúñiga Rosas kann nicht als Einzelfall betrachtet werden. Der Journalist, der öffentlich über Drohungen im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit berichtet hatte, wurde nur 23 Tage nachdem RSF und andere Organisationen die Behörden in Puebla dazu aufgefordert hatten, die Ermittlungen und Schutzmassnahmen für Medienschaffende dringend zu verstärken, ermordet. Die Generalstaatsanwaltschaft muss nun ihre Zusagen in konkrete Ergebnisse umsetzen und sowohl aufklären, wer Zúñiga getötet hat, als auch, wer hinter den Drohungen stand, die seinem Mord vorausgingen. »<br />
</span><b>Artur Romeu<br />
</b><b>Direktor, RSF Lateinamerika</b></p></blockquote>
<h5><b>2026: Eine Welle ermordeter Medienschaffender</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Mord an Zúñiga ereignete sich nur drei Tage nach einer </span><a href="https://rsf.org/en/mexico-rsf-and-media-outlets-across-country-call-president-sheinbaum-and-authorities-address" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Kommunikationsaktion von RSF</span></a><span style="font-weight: 400;"> und mehr als 40 Medienunternehmen in ganz Mexiko, in der sie die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Justizbehörden dazu aufforderten, konkrete Massnahmen zum Schutz der gefährdeten Medienschaffenden des Landes zu ergreifen. RSF hatte sich zudem am 6. August mit der Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Puebla, Idamis Pastor Betancourt, getroffen, um gemeinsam mit den Organisationen für Pressefreiheit ARTICLE 19, dem Committee to Protect Journalists (CPJ) und Propuesta Cívica stärkere Schutzmassnahmen für Medienschaffende zu fordern.</span></p>
<p><b>Die sieben weiteren Medienschaffenden, die in diesem Jahr getötet wurden, sind:</b></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/mexico-seventh-journalist-murdered-2026-killing-francisco-alejandro-leyva-exposes-glaring-failures" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Francisco Alejandro Leyva Aguilar</span></a><span style="font-weight: 400;">: Journalist, politischer Kommentator und ehemaliger Direktor des öffentlich-rechtlichen Senders CORTV, der am 22. Juli im Bundesstaat Oaxaca erschossen wurde. Ein Jahr zuvor hatte er offiziell Anzeige erstattet und dabei angegeben, Todesdrohungen erhalten zu haben.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/mexico-sixth-journalist-killed-2026-government-must-urgently-address-violence-against-press" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Josué Martínez Contreras</span></a><span style="font-weight: 400;"> vom Medium Noticias San Martín Texmelucan wurde am 16. Juli 2026 getötet.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/environmental-reporter-alex-serna-fifth-journalist-killed-mexico-january-2026" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Manuel Alejandro Moreno Serna</span></a><span style="font-weight: 400;"> („Alex Serna“) vom Medium Observatorio Ciudadano de la Costa Grande wurde am 3. Juli 2026 getötet.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/mexico-journalist-murdered-veracruz-just-country-opens-2026-world-cup" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Luis Ángel López Valdez</span></a><span style="font-weight: 400;">, Direktor von Reportaje Policiaco Veracruzano, wurde am 11. Juni 2026 ermordet. Er war in das staatliche Schutzprogramm aufgenommen worden.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/mexico-roxana-guzman-third-journalist-murdered-veracruz-2026-rsf-demands-urgent-answers" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Roxana Guzmán Ramírez </span></a><span style="font-weight: 400;">vom Medium Pulso Informativo del Sureste wurde am 2. Juni 2026 entführt. Ihre Leiche wurde Ende Juni gefunden.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/two-journalists-shot-two-days-mexico-protection-measures-still-abysmal-one-world-s-most-dangerous" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Juan David Gámez</span></a><span style="font-weight: 400;"> vom Medium Táctica SS wurde am 18. März 2026 getötet.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><a href="https://rsf.org/en/mexico-rsf-calls-justice-after-killing-carlos-castro-eleventh-journalist-murdered-under-sheinbaum-s" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Carlos Castro</span></a><span style="font-weight: 400;"> vom Medium Código Norte de Veracruz wurde am 8. Januar 2026 getötet. Nachdem er Drohungen erhalten hatte, war er unter staatlichen Schutz gestellt worden. Die Schutzmaßnahmen wurden jedoch 2024 eingestellt, nachdem die Behörden zu dem Schluss gekommen waren, dass die Gefährdung nicht mehr bestand.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Besetztes Westjordanland: Das neue Normal?</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/besetztes-westjordanland-das-neue-normal-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 09:14:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am 3. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am 3. Mai, ausgerechnet am internationalen Tag der Pressefreiheit, wurde sie mitten in der Nacht südlich von Bethlehem von israelischen Soldaten im Zuhause ihres Vaters festgenommen. Seitdem sitzt sie im Gefängnis, ohne Prozess und ohne Gerichtsverhandlung. Möglich ist eine solche Haft aufgrund des israelischen Rechts, welches eine sogenannte Administrativhaft gegen Individuen verhängen darf, von der die Behörden ausgehen, dass sie in Zukunft das Recht brechen könnten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf Basis dieses umstrittenen rechtlichen Instruments hält Israel aktuell über 3&#8217;000 Palästinenserinnen und Palästinenser auf teils unbestimmte Dauer in Haft. Unter ihnen befinden sich auch mindestens 19 Medienschaffende. Islam Amarneh ist eine von ihnen, genauso wie ihr Bruder Osayd, ebenfalls Journalist, der vor genau einem Jahr, am 27. August 2025, inhaftiert wurde. Die beiden Geschwister stellten nach Einschätzung der israelischen Behörden ein Risiko für die nationale Sicherheit Israels dar, weshalb sie auf unbestimmte Dauer festgenommen wurden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Haft der beiden Geschwister steht exemplarisch für den Preis, den die Medienschaffenden im palästinensischen Westjordanland für ihren Beruf bezahlen müssen. RSF hat erst diesen Sommer <a href="https://rsf.org/en/west-bank-israeli-army-escalates-violence-against-palestinian-journalists" target="_blank" rel="noopener">eine ganze Reihe an Übergriffen</a> der Behörden und Armee gegen Medienschaffende dokumentiert. Am 11. Mai ging die israelische Armee im Flüchtlingscamp Qalandia nahe Jerusalem gegen Medienschaffende mit Tränengas und Blendgranaten vor. Am 16. Mai sperrte die israelische Armee den Zugang zum Flüchtlingscamp bei Jenin für Medienschaffende. Am 25. Mai nahm die Polizei in Jerusalem einen 25-jährigen palästinensischen Journalisten bei der Al-Aqsa Moschee in der Altstadt fest und erliess gegen ihn ein Zutrittsverbot zum Moscheenkomplex für sechs Monate. Am 7. Juni eröffnete die israelische Armee gar das Feuer und schoss auf eine Gruppe von Medienschaffenden, die zum Balata-Flüchtlingscamp bei Nablus wollten. Unter ihnen befand sich auch der Fotograf für die US-Agentur Associated Press, Majdi Mohammed Shteih.</p>
<h5 style="font-weight: 400;"><strong>Auch die internationale Presse gerät ins Visier</strong></h5>
<p style="font-weight: 400;">Nebst diesen Übegriffen gegen palästinensische Journalistinnen und Journalisten kam in jüngster Zeit auch die internationale Presse in Israel und im Westjordanland unter zunehmendem Druck von Seiten Israels. Die französische Journalistin Alice Fraussard, die unter anderem für den Westschweizer Fernsehen RTS arbeitet, wurde im Juni am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv <a href="https://rsf-ch.ch/de/franzoesische-journalistin-alice-fraussard-von-israel-an-einreise-ins-westjordanland-gehindert/" target="_blank" rel="noopener">an der Einreise gehindert und des Landes verwiesen</a>. Auch die spanische Journalistin Queralt Castillo durfte im Januar 2026 nicht nach Israel einreisen. Ebenso waren zwischen Juli 2025 und Januar 2026 Einreiseverbote gegen die französische Journalistin Khadija Toufik und gegen den italienischen Journalisten Alessandro Stefanelli <a href="https://rsf.org/en/israel-rsf-condemns-ban-spanish-journalist-queralt-castillo-and-warns-over-mounting-pressure-other" target="_blank" rel="noopener">verhängt</a>.</p>
<p style="font-weight: 400;">Getötet oder ernsthaft verletzt wurden bei all diesen Vorkommnissen zum Glück keine Medienschaffenden. Die Willkür und die Verstösse gegen die Pressefreiheit durch die israelischen Behörden werden dadurch aber nicht weniger harmlos. Im Gegenteil: Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, genauso wie sie dies in anderen Kontexten auch tun. Israel gehört weltweit zu den grössten Gefängnissen für Medienschaffende. Gemäss den Datenerhebungen von Reporter ohne Grenzen sind nur in China, Russland, Myanmar und Belarus noch mehr Medienschaffende inhaftiert als in Israel.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Massnahmen Israels gegen die palästinensischen und internationalen Medienschaffenden im Westjordanland scheinen längst zum neuen Normalzustand geworden zu sein. Angesichts des Krieges Israels im Gazastreifen und der dortigen Zerstörung und der nach wie vor prekären Lage erhält dies international nur noch wenig Beachtung. Dabei stehen die Entwicklungen symptomatisch für die zweite Front im Krieg Israels: Nebst der militärischen Kampagne Israels, den Gazastreifen militärisch zu kontrollieren, ist Netanjahus Regierung ebenso stark darauf erpicht, das Narrativ über den Krieg und Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu kontrollieren. Medienschaffende, die Fakten berichten, die dem israelischen Narrativ widersprechen, sind in dieser Logik nur störend. Im Gazastreifen, wo bereits über 200 Journalistinnen und Journalisten durch israelische Angriffe getötet wurden, scheint dies bereits zur Realität geworden zu sein. Aber genauso auch im Westjordanland. Wir fordern daher, dass diese Praktiken eingestellt werden, dass willkürlich inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden, und dass die Verbündeten Israels in dieser Hinsicht Druck auf den Staat ausüben.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Journalisten einfach verschwinden</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/wenn-journalisten-einfach-verschwinden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 08:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei Reporter ohne Grenzen assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei Reporter ohne Grenzen assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. </strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Verschwunden». In Anführungszeichen. Denn die meisten Fälle von verschwundenen Journalistinnen und Journalisten sind in Wirklichkeit nicht zufällig, sondern gewaltsam – Entführungen oder gar getarnte Ermordungen. </span><a href="https://rsf.org/fr/depuis-10-ans-19-journalistes-victimes-de-disparition-forc%C3%A9e-dans-le-monde" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">In fast der Hälfte aller Fälle ist das der Fall.</span></a><span style="font-weight: 400;"> Diese Feststellung ist umso alarmierender, wenn man bedenkt, dass Regierungen oft selbst daran beteiligt sind. Durch ihr Schweigen zu diesen Inhaftierungen oder gar durch die Verschleierung des Schicksals und des genauen Haftortes der betroffenen Medienschaffenden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Fall des US-Amerikanischen Journalisten Austin Tice ist dabei besonders ergreifend und verdeutlicht diese Vorgehensweise. Er war im Frühjahr 2012 über die Türkei nach Syrien eingereist und berichtete für mehrere amerikanische Medien über den dortigen Bürgerkrieg. Zunächst war er im Norden und im Zentrum Syriens unterwegs; ab Ende Juli 2012 war er dann nur noch einer von wenigen ausländischen Journalisten, denen es gelang, nach Damaskus zu gelangen. Wenige Wochen später, am 14. August, wurde er schliesslich festgenommen, als er vermutlich versuchte, Syrien in Richtung Libanon zu verlassen. Der 14. August dieses Jahres markierte folglich den traurigen 14. Jahrestag seines Verschwindens in Syrien. Trotz einer eingehenden Untersuchung durch RSF-Mitarbeitende, die nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 vor Ort waren, lässt sich bis heute nicht sagen, ob Tice noch am Leben ist. Es gibt keine Beweise dafür. Es gibt aber ebenso auch keine Beweise dafür, dass er in syrischen Gefängnissen ums Leben gekommen ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Leid von Austin Tice hallt weit über die syrischen Grenzen hinaus und erinnert an eine erschreckende Realität in vielen Ländern. Vielerorts verschwinden Medienschaffende auf gewaltsame Weise. Heute führt </span><a href="https://rsf.org/fr/journalistes-disparus-au-mexique-la-lutte-contre-limpunit%C3%A9-%C3%A0-lordre-du-jour-des-nations-unies" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Mexiko</span></a><span style="font-weight: 400;"> die traurige Rangliste der Länder an, wo laut Daten von RSF die meisten Medienschaffenden oft gewaltsam verschwunden sind: Von 28 Journalistinnen und Journalisten fehlt in Mexiko bis heute jede Spur, bei mindestens sechs von ihnen ist RSF sicher, dass sie gewaltsam zum Verschwinden gebracht worden sind. Gleich darauf folgt </span><a href="https://rsf.org/fr/disparus-et-otages-sous-l-%C3%A8re-bachar-al-assad-portraits-de-45-journalistes-et-collaborateurs-de" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Syrien</span></a><span style="font-weight: 400;">, mit 37 seit 1995 vermissten Medienschaffenden. Darunter befinden sich fünf Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Unterscheidung zwischen vermissten Medienschaffenden und solchen, die Opfer eines gewaltsamen Verschwindens sind, beruht auf dem Status der Gewalttat selbst: Ein Journalist gilt als vermisst, wenn nicht bekannt ist, ob er als Geisel genommen wurde, ob er von einem Staat inhaftiert ist oder ob er getötet wurde. Ein Journalist gilt hingegen offiziell als Opfer eines gewaltsamen Verschwindens, wenn sein Verschwinden gemäss dem Völkerrecht durch den Freiheitsentzug durch eine staatliche Behörde (oder eine Gruppe, die in deren Namen, mit deren Unterstützung oder mit deren Einwilligung handelt) gekennzeichnet ist, verbunden mit der Weigerung, diesen Freiheitsentzug anzuerkennen oder das Schicksal und den Aufenthaltsort der betroffenen Person offenzulegen.</span></p>
<p><a href="https://rsf.org/en/barometer" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Das Barometer von RSF</span></a><span style="font-weight: 400;">, das das Verschwinden von Journalistinnen und Journalisten in Echtzeit erfasst, zeigt, dass derzeit weltweit 137 Medienschaffende als vermisst gelten – darunter 46 Fälle, bei denen wir sicher sind, dass es sich um gewaltsames Verschwinden handelt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Fehlen von Wahrheit, das Schweigen der Behörden und die Straflosigkeit gegenüber den Tätern werden als bewusste Instrumente eingesetzt, mit denen Staaten (und Akteure, die in ihrem Namen handeln) den Familien und der Berufsgruppe der Medienschaffenden selbst Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Antworten vorenthalten. Das damit ausgesendete Signal ist deutlich: Das Leben von Journalistinnen und Journalisten hat keinen Wert. Dies entfaltet eine lähmende Wirkung und führt bei einigen zu Selbstzensur.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus diesem Grund war RSF am ersten </span><a href="https://rsf-ch.ch/pres-de-la-moitie-des-journalistes-disparus-dans-le-monde-sont-victimes-de-disparitions-forcees/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Internationalen Kongress gegen das gewaltsame Verschwinden von Personen</span></a><span style="font-weight: 400;"> vertreten, der im Januar 2025 in Genf eröffnet wurde. Dort hat RSF die Staaten aufgefordert, die universelle Ratifizierung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor gewaltsamem Verschwinden zu einer prioritären Angelegenheit zu machen. Es muss festgestellt werden, dass trotz der Bemühungen der Vereinten Nationen das gewaltsame Verschwinden von Medienschaffenden nach wie vor aktuell ist. Der jüngste Fall betrifft Hassan Hamad, einen Radiomoderator bei Blue Nile Radio im Sudan. Er wurde am 13. Mai 2026 von einem </span><a href="https://www.cfjustice.org/sudan-committee-for-justice-documents-the-enforced-disappearance-of-broadcaster-hassan-hamed-hamad-in-blue-nile-state-and-calls-for-disclosure-of-his-fate/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Sicherheitsdienst</span></a><span style="font-weight: 400;"> mit Verbindungen zur Armee im Bundesstaat Blue Nile festgenommen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Medienschaffende verschwinden nicht einfach. Sie werden entführt. Es ist also höchste Zeit, den Schutz von Journalistinnen und Journalisten zu verstärken und die Straflosigkeit zu bekämpfen.</span></p>
<h6><strong>Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz</strong></h6>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Journalisten einfach verschwinden</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/wenn-journalisten-einfach-verschwinden-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 09:51:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-07-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei «Reporter ohne Grenzen» assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Internationaler Tag der Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen». Bei «Reporter ohne Grenzen» assoziieren wir mit diesem Tag, der jeweils auf den 30. August fällt, unmittelbar «verschwundene Journalisten». Wir erweisen ihnen heute unsere Ehrerbietung, weil das Verschwinden von Medienschaffenden nicht nur individuelle Tragödien darstellt, sondern auch uns Recht auf freie Informationen einschränkt, und damit ebenso unsere Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. </strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Verschwunden». In Anführungszeichen. Denn die meisten Fälle von verschwundenen Journalistinnen und Journalisten sind in Wirklichkeit nicht zufällig, sondern gewaltsam – Entführungen oder gar getarnte Ermordungen. </span><a href="https://rsf.org/fr/depuis-10-ans-19-journalistes-victimes-de-disparition-forc%C3%A9e-dans-le-monde" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">In fast der Hälfte aller Fälle ist das der Fall.</span></a><span style="font-weight: 400;"> Diese Feststellung ist umso alarmierender, wenn man bedenkt, dass Regierungen oft selbst daran beteiligt sind. Durch ihr Schweigen zu diesen Inhaftierungen oder gar durch die Verschleierung des Schicksals und des genauen Haftortes der betroffenen Medienschaffenden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Fall des US-Amerikanischen Journalisten Austin Tice ist dabei besonders ergreifend und verdeutlicht diese Vorgehensweise. Er war im Frühjahr 2012 über die Türkei nach Syrien eingereist und berichtete für mehrere amerikanische Medien über den dortigen Bürgerkrieg. Zunächst war er im Norden und im Zentrum Syriens unterwegs; ab Ende Juli 2012 war er dann nur noch einer von wenigen ausländischen Journalisten, denen es gelang, nach Damaskus zu gelangen. Wenige Wochen später, am 14. August, wurde er schliesslich festgenommen, als er vermutlich versuchte, Syrien in Richtung Libanon zu verlassen. Der 14. August dieses Jahres markierte folglich den traurigen 14. Jahrestag seines Verschwindens in Syrien. Trotz einer eingehenden Untersuchung durch RSF-Mitarbeitende, die nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 vor Ort waren, lässt sich bis heute nicht sagen, ob Tice noch am Leben ist. Es gibt keine Beweise dafür. Es gibt aber ebenso auch keine Beweise dafür, dass er in syrischen Gefängnissen ums Leben gekommen ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Leid von Austin Tice hallt weit über die syrischen Grenzen hinaus und erinnert an eine erschreckende Realität in vielen Ländern. Vielerorts verschwinden Medienschaffende auf gewaltsame Weise. Heute führt </span><a href="https://rsf.org/fr/journalistes-disparus-au-mexique-la-lutte-contre-limpunit%C3%A9-%C3%A0-lordre-du-jour-des-nations-unies" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Mexiko</span></a><span style="font-weight: 400;"> die traurige Rangliste der Länder an, wo laut Daten von RSF die meisten Medienschaffenden oft gewaltsam verschwunden sind: Von 28 Journalistinnen und Journalisten fehlt in Mexiko bis heute jede Spur, bei mindestens sechs von ihnen ist RSF sicher, dass sie gewaltsam zum Verschwinden gebracht worden sind. Gleich darauf folgt </span><a href="https://rsf.org/fr/disparus-et-otages-sous-l-%C3%A8re-bachar-al-assad-portraits-de-45-journalistes-et-collaborateurs-de" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Syrien</span></a><span style="font-weight: 400;">, mit 37 seit 1995 vermissten Medienschaffenden. Darunter befinden sich fünf Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Unterscheidung zwischen vermissten Medienschaffenden und solchen, die Opfer eines gewaltsamen Verschwindens sind, beruht auf dem Status der Gewalttat selbst: Ein Journalist gilt als vermisst, wenn nicht bekannt ist, ob er als Geisel genommen wurde, ob er von einem Staat inhaftiert ist oder ob er getötet wurde. Ein Journalist gilt hingegen offiziell als Opfer eines gewaltsamen Verschwindens, wenn sein Verschwinden gemäss dem Völkerrecht durch den Freiheitsentzug durch eine staatliche Behörde (oder eine Gruppe, die in deren Namen, mit deren Unterstützung oder mit deren Einwilligung handelt) gekennzeichnet ist, verbunden mit der Weigerung, diesen Freiheitsentzug anzuerkennen oder das Schicksal und den Aufenthaltsort der betroffenen Person offenzulegen.</span></p>
<p><a href="https://rsf.org/en/barometer" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Das Barometer von RSF</span></a><span style="font-weight: 400;">, das das Verschwinden von Journalistinnen und Journalisten in Echtzeit erfasst, zeigt, dass derzeit weltweit 137 Medienschaffende als vermisst gelten – darunter 46 Fälle, bei denen wir sicher sind, dass es sich um gewaltsames Verschwinden handelt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Fehlen von Wahrheit, das Schweigen der Behörden und die Straflosigkeit gegenüber den Tätern werden als bewusste Instrumente eingesetzt, mit denen Staaten (und Akteure, die in ihrem Namen handeln) den Familien und der Berufsgruppe der Medienschaffenden selbst Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Antworten vorenthalten. Das damit ausgesendete Signal ist deutlich: Das Leben von Journalistinnen und Journalisten hat keinen Wert. Dies entfaltet eine lähmende Wirkung und führt bei einigen zu Selbstzensur.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus diesem Grund war RSF am ersten </span><a href="https://rsf-ch.ch/pres-de-la-moitie-des-journalistes-disparus-dans-le-monde-sont-victimes-de-disparitions-forcees/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Internationalen Kongress gegen das gewaltsame Verschwinden von Personen</span></a><span style="font-weight: 400;"> vertreten, der im Januar 2025 in Genf eröffnet wurde. Dort hat RSF die Staaten aufgefordert, die universelle Ratifizierung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor gewaltsamem Verschwinden zu einer prioritären Angelegenheit zu machen. Es muss festgestellt werden, dass trotz der Bemühungen der Vereinten Nationen das gewaltsame Verschwinden von Medienschaffenden nach wie vor aktuell ist. Der jüngste Fall betrifft Hassan Hamad, einen Radiomoderator bei Blue Nile Radio im Sudan. Er wurde am 13. Mai 2026 von einem </span><a href="https://www.cfjustice.org/sudan-committee-for-justice-documents-the-enforced-disappearance-of-broadcaster-hassan-hamed-hamad-in-blue-nile-state-and-calls-for-disclosure-of-his-fate/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Sicherheitsdienst</span></a><span style="font-weight: 400;"> mit Verbindungen zur Armee im Bundesstaat Blue Nile festgenommen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Medienschaffende verschwinden nicht einfach. Sie werden entführt. Es ist also höchste Zeit, den Schutz von Journalistinnen und Journalisten zu verstärken und die Straflosigkeit zu bekämpfen.</span></p>
<h6><strong>Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz</strong></h6>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Serbien: Steigende Zahl von Medienschaffenden im Exil – eine beispiellose Zunahme in der Region</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/serbien-steigende-zahl-von-medienschaffenden-im-exil-eine-beispiellose-zunahme-in-der-region/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 15:22:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Serbien ist das einzige Land in der Region Balkon / EU, aus dem Journalistinnen und Journalisten aus berufsbedingten Gründen das Land verlassen mussten. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die darum EU auf, nicht länger die Augen vor der schwindenden Medienfreiheit beim EU-Beitrittskandidaten zu verschliessen. Trotz ihrer Flucht sehen sie sich weiterhin Bedrohungen ausgesetzt. Der Journalist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Serbien ist das einzige Land in der Region Balkon / EU, aus dem Journalistinnen und Journalisten aus berufsbedingten Gründen das Land verlassen mussten. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die darum EU auf, nicht länger die Augen vor der schwindenden Medienfreiheit beim EU-Beitrittskandidaten zu verschliessen.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz ihrer Flucht sehen sie sich weiterhin Bedrohungen ausgesetzt. Der Journalist </span><b>Marko Vidojković</b><span style="font-weight: 400;">, Kolumnist bei der Tageszeitung </span><i><span style="font-weight: 400;">Danas </span></i><span style="font-weight: 400;">und Moderator des Podcasts «Dobar, loš, zao» (Gut, böse, hässlich), verliess Serbien bereits im Jahr 2023. Er hatte damals </span><a href="https://www.pen-international.org/cases/marko-vidojkovi" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Morddrohungen</span></a><span style="font-weight: 400;"> erhalten, nachdem er bereits Ziel einer öffentlichen Verleumdungskampagne unter der Führung von Präsident Aleksandar Vučić geworden war. Erst am 16. August 2026 wurden laut Angaben des </span><a href="https://en.nuns.rs/ijas-immediately-identify-and-prosecute-those-threatening-journalists-biljana-stepanovic-marko-vidojkovic-and-nenad-kulacin/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Verbandes unabhängiger Journalisten Serbiens</span></a><span style="font-weight: 400;"> (IJAS) erneut Aufrufe zu seiner Ermordung laut. Die polizeilichen Ermittlungen zu den Drohungen gegen Vidojković haben bislang zu keinem Ergebnis geführt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Marko Vidojković</span> <span style="font-weight: 400;">ist nach Angaben von RSF einer von sechs serbischen Journalisten, die inzwischen aus dem Exil heraus arbeiten. Einer von ihnen verliess das Land im Jahr 2024, vier weitere verliessen Serbien in diesem Jahr.</span></p>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«Abgesehen von vereinzelten Fällen ist Serbien das einzige Land in der Region Balkan/EU, in dem Medienschaffende zunehmend ihre Heimat verlassen müssen, um sicher arbeiten zu können. Dies ist das Ergebnis der systematischen Unterdrückung des Journalismus durch die serbische Regierung und der von ihr geförderten Straflosigkeit für Verbrechen an Journalistinnen und Journalisten. Die Verbesserung der Medienfreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für die EU-Integration Serbiens, dennoch fliehen mehr und mehr serbische Journalisten in die EU. Die EU-Kommission und die EU-Mitgliedstaaten müssen aufhören, mit Serbien über dessen Beitritt zu verhandeln, während sie weiterhin so tun, als ob nichts geschehen sei.»</span></i><i><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></i><b>Pavol Szalai </b><b><br />
</b><strong>Direktor, RSF-Büro Prag</strong></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Der jüngste Fall eines exilierten Journalisten betrifft </span><b>Aleksandar Radić.</b><span style="font-weight: 400;"> Der freischaffende Journalist ist auf Militärangelegenheiten spezialisiert und berichtete im Jahr 2025 als einer der ersten, dass bei regierungskritischen Demonstrationen in Belgrad am 15. März 2025 wahrscheinlich </span><span style="font-weight: 400;">sogenannte </span><span style="font-weight: 400;">Schallwaffen gegen die Teilnehmenden eingesetzt worden sei. </span><b>Dabei handelt es sich um nicht-tödliche Waffen, die unter enorm hohem Druck Schallwellen abfeuern, die so laut sind, dass sie bei den Betroffenen starke Schmerzen auslösen.</b><span style="font-weight: 400;"> Radićs</span> <span style="font-weight: 400;">Berichte deckten sich mit anderen </span><a href="https://balkaninsight.com/2025/03/17/serbian-govt-denies-using-sonic-weapon-to-cause-panic-at-mass-protest/bi/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Medienberichten</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Oberstaatsanwaltschaft in Belgrad untersucht seither, ob diese Darstellung erfunden wurde. Radić wurde zu einem «Informationsgespräch» festgehalten; anschliessend veröffentlichten regierungsnahe Medien Überwachungsaufnahmen von ihm und seiner minderjährigen Tochter, ebenso wie seine privaten Nachrichten mit anderen Journalisten. Aufgrund von Drohungen mit politischen Angriffen und einer möglichen Verhaftung verliess Aleksandar Radić Serbien Ende Juni 2026. Am 17. Juli </span><a href="https://www.eurasiareview.com/20072026-serbian-interior-ministry-accuses-military-analyst-over-sound-cannon-claim/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">reichte das Innenministerium eine Strafanzeige</span></a><span style="font-weight: 400;"> gegen ihn ein, in der ihm die Vorbereitung von Handlungen gegen die verfassungsmässige Ordnung und die Sicherheit Serbiens sowie die Weitergabe von geheimen Informationen vorgeworfen wurde.</span></p>
<h5><b>Die Spirale der Gewalt gegen Medienschaffende</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF kennt die Identitäten und die EU-Aufnahmeländer der anderen im Exil lebenden Journalistinnen und Journalisten, hat sich jedoch aus Sicherheitsgründen dazu entschieden, diese Informationen nicht zu veröffentlichen. Die besagten Medienschaffenden wurden, nachdem sie Machtmissbrauch und Korruption aufgedeckt und für nationale und lokale Medien kritisch über die serbische Regierung berichtet hatten, Verleumdungskampagnen ausgesetzt. Diese wurden von der Regierung angeheizt und von regierungsnahen Medien verstärkt. Ausserdem sahen sich die betroffenen Medienschaffenden mit willkürlichen Massnahmen der Strafverfolgungsbehörden, missbräuchlichen Klagen, Morddrohungen und sogar körperlicher Gewalt konfrontiert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein </span><a href="https://ipi.media/report-a-dangerous-spiral-of-violence-against-journalists-in-serbia/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">aktueller Bericht zur Medienfreiheit in Serbien</span></a><span style="font-weight: 400;">, der von RSF mitunterzeichnet wurde, verurteilt die Gewaltspirale, von der die gesamte Medienbranche in Serbien betroffen ist. RSF führte den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić im Jahr 2025 in der Liste der «</span><a href="https://rsf.org/en/2025-press-freedom-predators" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Feinde der Pressefreiheit</span></a><span style="font-weight: 400;">» auf.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Obwohl die EU-Kommission im Juli in ihrem </span><a href="https://commission.europa.eu/publications/2026-rule-law-report-communication-and-country-chapters_en?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Bericht zur Rechtsstaatlichkeit </span></a><span style="font-weight: 400;">zum Schluss kam, dass sich «die Sicherheit von Medienschaffenden in Serbien weiter verschlechtert» habe, schlug sie noch im selben Monat vor, die Beitrittsverhandlungen mit Serbien um weitere Kapitel zu ergänzen. Sie war der Ansicht, dass das allgemein erforderliche Schwelle der Rechtstaatlichkeit in Serbien erreicht worden sei. Acht Mitgliedstaaten erhoben allerdings unter Berufung auf die Rechtsstaatlichkeit Einwände und blockierten damit faktisch die Eröffnung der neuen Verhandlungskapitel.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Serbien belegt in der </span><a href="https://rsf.org/index" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">RSF-Rangliste der Pressefreiheit 2026</span></a><span style="font-weight: 400;"> Platz 104 von 180 Ländern und Gebieten und damit den letzten Platz unter den 40 Ländern der EU-Balkan-Zone.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Besetztes Westjordanland: Das neue Normal?</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/besetztes-westjordanland-das-neue-normal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-07-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Editorial Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Editorial</h2>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Blendgranaten, Tränengas, scharfe Munition, Haft: Das Vorgehen der israelischen Behörden und Armee gegen palästinensische Medienschaffende im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem ist von Härte und Willkür geprägt. Dagegen regt sich international nur wenig Widerstand. </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Islam Amarneh ist eine 31-jährige Journalistin aus dem Westjordanland und arbeitet eigentlich für die feministische palästinensische Nachrichtenagentur Nawa. Doch am 3. Mai, ausgerechnet am internationalen Tag der Pressefreiheit, wurde sie mitten in der Nacht südlich von Bethlehem von israelischen Soldaten im Zuhause ihres Vaters festgenommen. Seitdem sitzt sie im Gefängnis, ohne Prozess und ohne Gerichtsverhandlung. Möglich ist eine solche Haft aufgrund des israelischen Rechts, welches eine sogenannte Administrativhaft gegen Individuen verhängen darf, von der die Behörden ausgehen, dass sie in Zukunft das Recht brechen könnten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf Basis dieses umstrittenen rechtlichen Instruments hält Israel aktuell über 3&#8217;000 Palästinenserinnen und Palästinenser auf teils unbestimmte Dauer in Haft. Unter ihnen befinden sich auch mindestens 19 Medienschaffende. Islam Amarneh ist eine von ihnen, genauso wie ihr Bruder Osayd, ebenfalls Journalist, der vor genau einem Jahr, am 27. August 2025, inhaftiert wurde. Die beiden Geschwister stellten nach Einschätzung der israelischen Behörden ein Risiko für die nationale Sicherheit Israels dar, weshalb sie auf unbestimmte Dauer festgenommen wurden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Haft der beiden Geschwister steht exemplarisch für den Preis, den die Medienschaffenden im palästinensischen Westjordanland für ihren Beruf bezahlen müssen. RSF hat erst diesen Sommer <a href="https://rsf.org/en/west-bank-israeli-army-escalates-violence-against-palestinian-journalists" target="_blank" rel="noopener">eine ganze Reihe an Übergriffen</a> der Behörden und Armee gegen Medienschaffende dokumentiert. Am 11. Mai ging die israelische Armee im Flüchtlingscamp Qalandia nahe Jerusalem gegen Medienschaffende mit Tränengas und Blendgranaten vor. Am 16. Mai sperrte die israelische Armee den Zugang zum Flüchtlingscamp bei Jenin für Medienschaffende. Am 25. Mai nahm die Polizei in Jerusalem einen 25-jährigen palästinensischen Journalisten bei der Al-Aqsa Moschee in der Altstadt fest und erliess gegen ihn ein Zutrittsverbot zum Moscheenkomplex für sechs Monate. Am 7. Juni eröffnete die israelische Armee gar das Feuer und schoss auf eine Gruppe von Medienschaffenden, die zum Balata-Flüchtlingscamp bei Nablus wollten. Unter ihnen befand sich auch der Fotograf für die US-Agentur Associated Press, Majdi Mohammed Shteih.</p>
<h5 style="font-weight: 400;"><strong>Auch die internationale Presse gerät ins Visier</strong></h5>
<p style="font-weight: 400;">Nebst diesen Übegriffen gegen palästinensische Journalistinnen und Journalisten kam in jüngster Zeit auch die internationale Presse in Israel und im Westjordanland unter zunehmendem Druck von Seiten Israels. Die französische Journalistin Alice Fraussard, die unter anderem für den Westschweizer Fernsehen RTS arbeitet, wurde im Juni am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv <a href="https://rsf-ch.ch/de/franzoesische-journalistin-alice-fraussard-von-israel-an-einreise-ins-westjordanland-gehindert/" target="_blank" rel="noopener">an der Einreise gehindert und des Landes verwiesen</a>. Auch die spanische Journalistin Queralt Castillo durfte im Januar 2026 nicht nach Israel einreisen. Ebenso waren zwischen Juli 2025 und Januar 2026 Einreiseverbote gegen die französische Journalistin Khadija Toufik und gegen den italienischen Journalisten Alessandro Stefanelli <a href="https://rsf.org/en/israel-rsf-condemns-ban-spanish-journalist-queralt-castillo-and-warns-over-mounting-pressure-other" target="_blank" rel="noopener">verhängt</a>.</p>
<p style="font-weight: 400;">Getötet oder ernsthaft verletzt wurden bei all diesen Vorkommnissen zum Glück keine Medienschaffenden. Die Willkür und die Verstösse gegen die Pressefreiheit durch die israelischen Behörden werden dadurch aber nicht weniger harmlos. Im Gegenteil: Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, genauso wie sie dies in anderen Kontexten auch tun. Israel gehört weltweit zu den grössten Gefängnissen für Medienschaffende. Gemäss den Datenerhebungen von Reporter ohne Grenzen sind nur in China, Russland, Myanmar und Belarus noch mehr Medienschaffende inhaftiert als in Israel.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Massnahmen Israels gegen die palästinensischen und internationalen Medienschaffenden im Westjordanland scheinen längst zum neuen Normalzustand geworden zu sein. Angesichts des Krieges Israels im Gazastreifen und der dortigen Zerstörung und der nach wie vor prekären Lage erhält dies international nur noch wenig Beachtung. Dabei stehen die Entwicklungen symptomatisch für die zweite Front im Krieg Israels: Nebst der militärischen Kampagne Israels, den Gazastreifen militärisch zu kontrollieren, ist Netanjahus Regierung ebenso stark darauf erpicht, das Narrativ über den Krieg und Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu kontrollieren. Medienschaffende, die Fakten berichten, die dem israelischen Narrativ widersprechen, sind in dieser Logik nur störend. Im Gazastreifen, wo bereits über 200 Journalistinnen und Journalisten durch israelische Angriffe getötet wurden, scheint dies bereits zur Realität geworden zu sein. Aber genauso auch im Westjordanland. Wir fordern daher, dass diese Praktiken eingestellt werden, dass willkürlich inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden, und dass die Verbündeten Israels in dieser Hinsicht Druck auf den Staat ausüben.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von Melitopol ins russische Gefängnis: Sechs ukrainische Medienschaffende sind seit drei Jahren in Haft</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/von-melitopol-ins-russische-gefaengnis-sechs-ukrainische-medienschaffende-sind-seit-drei-jahren-in-haft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 11:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor genau drei Jahren, am 20. August 2023, wurden sieben ukrainische Medienschaffende aus der besetzten Stadt Melitopol im Südosten der Ukraine von den russischen Streitkräften willkürlich festgenommen. Nur einer der sieben wurde seitdem freigelassen. Die sechs weiteren Journalistinnen und Journalisten verharren trotz der Unrechtmässigkeit ihrer Verurteilungen, trotz Misshandlungen, und trotz fehlender Gerichtsverhandlungen weiterhin in den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Vor genau drei Jahren, am 20. August 2023, wurden sieben ukrainische Medienschaffende aus der besetzten Stadt Melitopol im Südosten der Ukraine von den russischen Streitkräften willkürlich festgenommen. Nur einer der sieben wurde seitdem freigelassen. Die sechs weiteren Journalistinnen und Journalisten verharren trotz der Unrechtmässigkeit ihrer Verurteilungen, trotz Misshandlungen, und trotz fehlender Gerichtsverhandlungen weiterhin in den Gefängnissen des Kremls. RSF macht deshalb zum dritten Jahrestag der Razzia erneut auf ihre Lage aufmerksam und fordert ihre unverzügliche Freilassung.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Er kann es in seinen Briefen nicht direkt schreiben, aber anhand seiner Andeutungen verstehen wir, dass er Misshandlungen ausgesetzt ist.» Das schreibt Artur Hershon besorgt über seinen Bruder </span><b>Vladyslav Hershon.</b><span style="font-weight: 400;"> Als Administrator des lokalen ukrainischen Telegram-Kanals </span><i><span style="font-weight: 400;">Melitopol Tse Ukraina </span></i><span style="font-weight: 400;">wurde dieser vor genau drei Jahren </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">von der russischen Armee verhaftet</span></a><span style="font-weight: 400;">. Zuvor hatte er regelmässig über den Alltag in der von Russland besetzten Stadt Melitopol im Südosten der Ukraine berichtet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zunächst war Vladyslav Hershon in der russischen Oblast Rostow im Südwesten des Landes inhaftiert gewesen. Laut den Angaben seines Bruders wurde er dort täglich geschlagen. Dieses Jahr wurde er dann in ein Gefängnis östlich von Moskau, in der Stadt Wladimir, verlegt. Der heute 28-Jährige Journalist wurde 2025 wegen seiner journalistischen Tätigkeit und wegen «Spionage» und «Terrorismu» </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">zu 15 Jahren Haft verurteilt</span></a><span style="font-weight: 400;">. Im Gefängnis leidet er nun unter einer Nierenerkrankung sowie unter starkem Juckreiz, wie sein Bruder Artur mitteilt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vladyslav Hershon ist aber bei weitem nicht der Einzige in einer solchen prekären Situation. Fünf seiner sechs Kollegen und Kolleginnen, die gemeinsam mit ihm am 20. August 2023 in Melitopol </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">festgenommen wurden</span></a><span style="font-weight: 400;">, befinden sich ebenfalls noch immer in Haft. Sie hatten vor ihrer Verhaftung mit zwei lokalen Nachrichtenkanälen auf Telegram, Melitopol tse Ukraina sowie RIA-Pivden, zusammengearbeitet und wurden mittlerweile zu grösstenteils hohen Haftstrafen verurteilt.</span></p>
<p><b>Bis zu 26 Jahre Haft</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Verurteilung der sechs Medienschaffenden hatte Strafen zwischen 14 und 26 Jahren zur Folge. Erst im vergangenen April wurde </span><b>Oleksandr Malyshev,</b><span style="font-weight: 400;"> der Administrator des Telegram-Kanals Melitolop tse Ukraina, wegen «terroristischer Anschläge» sowie wegen «Spionage» zu 26 Jahren Haft verurteilt. Es handelt sich dabei um die schwerste Strafe, die seit der grossangelegten Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 gegen einen Journalisten verhängt wurde. Malyshev ist in der Haftanstalt Nr. 3 in Nowotscherkassk in der Oblast Rostow im Südwesten Russlands inhaftiert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Einige Monate zuvor, im November, war sein Kollege </span><b>Maksym Rupchov</b><span style="font-weight: 400;">, seinerseits wegen «Verrats» und «Beteiligung an einer terroristischen Organisation», zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Informationen von RSF wurde Rupchov fast 3&#8217;000 Kilometer von Melitopol entfernt nach Charp in Jamal im Norden Russlands verlegt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch etwas davor, Im Oktober, wurde </span><b>Yana Suvorova</b><span style="font-weight: 400;"> wegen «Terrorismus» und «Spionage» zu </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">14 Jahren Haft verurteilt</span></a><span style="font-weight: 400;">. Sie ist mit 21 Jahren die Jüngste der Gruppe und befindet sich heute im Gefängnis Nr. 2 in Taganrog, das für die Misshandlung ukrainischer Häftlinge bekannt ist, und wo auch die </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">ukrainische Journalistin </span><b>Viktoria Roschyna</b></a><span style="font-weight: 400;"> inhaftiert war, bevor sie in Haft gestorben ist. RSF hat das in Vergangenheit </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">bereits dokumentiert</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><b>Weiterhin ungewisses Schicksal</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Unsicherheit herrscht weiterhin hinsichtlich des Schicksals des Administrators des Telegram-Kanals des lokalen Nachrichtenmediums </span><i><span style="font-weight: 400;">RIA-Pivden</span></i><span style="font-weight: 400;"> – ehemals </span><i><span style="font-weight: 400;">RIA-Melitopol</span></i><span style="font-weight: 400;"> – </span><b>Heorhiy Levtchenko</b><span style="font-weight: 400;">. Im September 2025 wurde er wegen «Hochverrats» zu 16 Jahren Haft </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">verurteilt</span></a><span style="font-weight: 400;">. Einige Monate nach seinem Prozess wurde er in das Gefängnis Nr. 2 in Simferopol auf der besetzten Krim verlegt. Damals erklärte er, in Moskau Berufung einlegen zu wollen. Nach den RSF vorliegenden Informationen bestätigte der Oberste Gerichtshof der Russischen Föderation sein Urteil im Juni 2026 allerdings. Levtchenkos derzeitiger Haftort ist nicht bekannt, wie die Direktorin von </span><i><span style="font-weight: 400;">RIA-Pivden, </span></i><b>Svitlana</b> <b>Zalizetska, </b><span style="font-weight: 400;">mitteilt: «Wir prüfen derzeit Informationen, wonach Heorhiy möglicherweise in die Republik Altai in Russland verlegt worden sein könnte, um dort seine Strafe zu verbüssen.» Allerdings seien die Möglichkeiten begrenzt, um verlässliche Informationen über seinen Haftort zu erhalten, wie die ukrainische Journalistin sagt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Von den besagten Medienschaffenden ist zudem </span><b>Anastasia Hloukhovska</b><span style="font-weight: 400;">, die bis zur gross angelegten russischen Invasion im Jahr 2022 als Journalistin für </span><i><span style="font-weight: 400;">Ria-Pivden </span></i><span style="font-weight: 400;">tätig war, die Einzige, die weder strafrechtlich verfolgt noch verurteilt wurde. Sie sitzt seit drei Jahren in Isolationshaft, ihr Aufenthaltsort konnte dennoch ermittelt werden: Von RSF befragte Zeugen </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">bestätigten ihre Anwesenheit</span></a><span style="font-weight: 400;"> im Gefängnis Nr. 3 in Kisel, Tausende von Kilometern östlich der Ukraine.</span></p>
<p><b>Die Hoffnung auf einen Gefangenenaustausch</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Familien der inhaftierten Journalistinnen und Journalisten aus Melitopol setzen ihre Hoffnungen auf einen Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und Russland, der die Rückkehr ihrer Angehörigen ermöglichen würde. Ein Präzedenzfall nährt dabei diese Hoffnung: </span><b>Mark Kaliush</b><span style="font-weight: 400;">, Administrator von </span><i><span style="font-weight: 400;">Melitopol Tse Ukraina, </span></i><span style="font-weight: 400;">der ebenfalls am 20. August 2023 festgenommen wurde, wurde vor fast genau einem Jahr, am 24. August 2025, </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">im Rahmen eines Austauschs freigelassen</span></a><span style="font-weight: 400;">, ebenso wie der Reporter </span><b>Dmytro Kyliuk</b><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Ukraine habe zwar im Rahmen von Austauschverhandlungen mit Russland eine Liste von Journalistinnen und Journalisten erstellt, sagte der ukrainische Menschenrechtsaktivist Dmytro Lubinets </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">an einer Pressekonferenz am 12. August dieses Jahres</span></a><span style="font-weight: 400;">. Doch Artur, der Bruder von Vladyslav Hershon, erinnert daran, dass das grösste Hindernis für die Freilassung seines Burders nach wie vor das Nachbarland Russland sei.</span></p>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«Drei Jahre nach ihrer willkürlichen Verhaftung sind sechs ukrainische Medienschaffende aus Melitopol noch immer Opfer des repressiven Systems des Kremls. Nichts rechtfertigt ihre fortdauernde Inhaftierung in russischen Gefängnissen unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen, zum Teil ohne jegliche Auskunft über ihren genauen Haftort. RSF fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung sowie die Freilassung aller von Russland inhaftierten Medienschaffenden.</span></i></p>
<p><b>Pauline Maufrais</b><b><br />
</b><span style="font-weight: 400;">Regionalbeauftragte für die Ukraine bei RSF</span></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Bis dato hat RSF mindestens </span><a href="https://rsf.org/fr/enqu%C3%AAte-rsf-sur-les-traces-des-journalistes-disparus-de-melitopol" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">27 ukrainische Medienschaffende</span></a><span style="font-weight: 400;"> erfasst, die von Moskau inhaftiert wurden. </span><span style="font-weight: 400;">Die Anfragen von RSF an die russischen Behörden bezüglich dieses Falls blieben bislang unbeantwortet.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Syrien: Der US-Amerikanische Journalist Austin Tice wird seit genau 14 Jahren vermisst</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/syrien-der-us-amerikanische-journalist-austin-tice-wird-seit-genau-14-jahren-vermisst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 08:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor eineinhalb Jahren weckte der Sturz des syrischen Diktators Bashar al-Assad in den USA die Hoffnung, dass der US-Amerikanische Reporter Austin Tice, der im August 2012 in Syrien verhaftet worden war, vielleicht noch lebend gefunden werden könnte. Die Suche nach ihm hat aber kaum Fortschritte gemacht. Reporter ohne Grenzen (RSF) hat seit dem Regimewechsel Ende [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Vor eineinhalb Jahren weckte der Sturz des syrischen Diktators Bashar al-Assad in den USA die Hoffnung, dass der US-Amerikanische Reporter Austin Tice, der im August 2012 in Syrien verhaftet worden war, vielleicht noch lebend gefunden werden könnte. Die Suche nach ihm hat aber kaum Fortschritte gemacht. Reporter ohne Grenzen (RSF) hat seit dem Regimewechsel Ende 2024 dreimal vor Ort in Syrien recherchiert. Dabei konnte RSF bestätigen, dass Assads Regierung Austin Tice mindestens bis Anfang 2013 gefangen hielt. Was danach mit ihm passiert ist, bleibt bis heute unklar.</b></p>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«Bei unseren Bemühungen, die Gefangenschaft von Austin Tice zu rekonstruieren, hat RSF keine konkreten Beweise dafür gefunden, dass er noch immer festgehalten wird. Es gibt aber auch keinen schlüssigen Beweis dafür, dass er getötet oder hingerichtet wurde. Solange noch Hoffnung besteht, müssen die US-amerikanischen und syrischen Behörden ihre Bemühungen verstärken, ihn zu finden. Wahrscheinlich kennen nur sehr wenige Menschen die Wahrheit. Aber noch haben sich nicht alle dazu geäussert.»</span></i><i><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></i><b>Arnaud Froger</b><b><br />
</b><b>Leiter der RSF-Rechercheabteilung</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir mussten uns als Patienten ausgeben, die medizinischen Rat suchten, um auch nur ein paar bruchstückhafte Informationen über </span><b>Austin Tice</b><span style="font-weight: 400;"> zu bekommen. Es war Februar 2026, mitten in Damaskus, und die Aufregung, die der Sturz des Regimes von Bashar al-Assad etwas mehr als ein Jahr zuvor ausgelöst hatte, war noch nicht abgeklungen. Genauso wenig wie das Misstrauen. Jahrzehntelange Diktatur und </span><a href="https://rsf.org/en/assad-s-war-journalists-inside-syria-s-surveillance-machine" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Massenüberwachung</span></a><span style="font-weight: 400;"> hatten ihre Spuren im Land hinterlassen. Die Leute redeten nicht ohne Weiteres. Zeugen aus der Assad-Ära, die den ehemaligen Diktator möglicherweise kompromittieren könnten, waren schwer zu finden. Einige waren auf der Flucht. Andere versteckten sich in ihren Dörfern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Arzt aus einer Praxis in der syrischen Hauptstadt war bereit, sich mit uns zu treffen. Seinen Namen hatten wir schon einige Monate zuvor erfahren. Er stand auf einer kurzen Liste von Zivilpersonen, die möglicherweise direkten Kontakt zu Austin Tice gehabt hatten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit seiner Festnahme am 14. August 2012 gibt es keinen Beweis dafür, dass der amerikanische Journalist Austin Tice, der unter anderem als Korrespondent für die </span><i><span style="font-weight: 400;">Washington Post</span></i><span style="font-weight: 400;"> arbeitete, noch am Leben ist. Die einzige Ausnahme ist ein Video, das einige Wochen später veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei um eine plumpe Inszenierung des Assad-Regimes, die den Eindruck erwecken sollte, der Reporter werde von einer Dschihadistengruppe festgehalten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Versuch, die Gefangenschaft von Austin Tice zu rekonstruieren, ist eine lange, mühsame Aufgabe. Wer dieses Rätsel lösen will, muss sich in das undurchsichtige Labyrinth des syrischen Geheimdienstapparats begeben und dabei stets auf der Hut vor Lügnern und Betrügern sein. Sie sind viel zahlreicher als diejenigen Personen, die dem US-Reporter tatsächlich begegnet sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kaum waren wir angekommen, war dem Arzt klar, dass der Termin nicht mit einem medizinischen Rezept enden würde. Wir waren nicht krank. Wir wollten nur Informationen. Er willigte trotz der anfänglichen Täuschung ein, uns zu erzählen, was er über Tice wusste.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zwischen Ende 2012 und Anfang 2013 traf er Austin Tice dreimal. Der Journalist wurde heimlich in einem kleinen Büro auf dem Stützpunkt der Republikanischen Garde nordwestlich von Damaskus festgehalten. Dessen Kommandant, General Bassam al-Hassan, gehörte zum engsten Kreis um Bashar al-Assad. Der Arzt, der uns Anfang 2026 gegenüber sass, war damals der Leibarzt des Generals gewesen.</span></p>
<h5><b>«Er hat Zeitschriften gelesen»</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Eines Tages brachte eine Patrouille einen ausländischen Patienten ins Spital. Der Arzt wusste nichts über ihn, nicht mal seinen Namen, sagte er. Der Patient, den er später als Austin Tice identifizierte, war 32 Jahre alt. Er war zuvor vier Monate lang vom syrischen Regime festgehalten worden und litt unter starken Bauchschmerzen. Der Arzt ordnete eine Blutuntersuchung an, die er unter dem Namen seiner Pflegerin registrierte, um keine Spuren zu hinterlassen. Die Ergebnisse zeigten nichts Ernstes und deuteten auf eine Lebensmittelvergiftung hin.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In den folgenden Tagen meldete sich das Büro des Generals zweimal beim Arzt und bat ihn, den Journalisten in seiner provisorischen Zelle zu besuchen. «Er las Zeitschriften», erinnerte sich der Arzt. «Es war nichts Ernstes an ihm zu erkennen; nichts, was zu seinem Tod hätte führen können.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Arzt hat Austin Tice daraufhin nie wieder gesehen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">General Bassam al-Hassan, der später im Libanon Zuflucht suchte, </span><a href="https://edition.cnn.com/2025/10/28/politics/al-hassan-austin-tice-update"><span style="font-weight: 400;">erzählte</span></a><span style="font-weight: 400;"> dem US-Sender </span><i><span style="font-weight: 400;">CNN </span></i><span style="font-weight: 400;">im Oktober 2025</span><span style="font-weight: 400;">, dass Bashar al-Assad ihm Anfang 2013 befohlen habe, den Journalisten hinrichten zu lassen. Viele an dem Fall Beteiligte haben diese Darstellung der Ereignisse angezweifelt, sie wurde nie bestätigt. Nach Informationen von RSF blieben Durchsuchungen und Überprüfungen, die das FBI im September 2025 an den vom General genannten Orten durchführte, ergebnislos.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was war also tatsächlich mit dem US-amerikanischen Journalisten passiert?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Austin Tice reiste im Frühjahr 2012 von der Türkei aus nach Syrien ein und berichtete für mehrere US-Medien über den dortigen Bürgerkrieg, der damals bereits im zweiten Jahr war. Zunächst berichtete er aus Nord- und Zentralsyrien. Ab Ende Juli gehörte er zu den ganz wenigen ausländischen Journalisten – vielleicht sogar zum einzigen zu dieser Zeit –, denen es gelang, nach Damaskus zu gelangen. Am 14. August wurde er verhaftet, vermutlich als er versuchte, Syrien über den Libanon zu verlassen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die ersten Monate seiner Gefangenschaft sind mittlerweile gut dokumentiert. Er wurde von regimetreuen Kräften verhaftet. Nachdem er im Oktober 2012 kurzzeitig fliehen konnte, wurde er wieder gefasst und direkt an Bassam al-Hassan übergeben, der ihn mindestens bis Anfang 2013 unter seiner Kontrolle hielt. Die Erkenntnisse darüber, was nach dieser Zeit geschah, sind weitaus lückenhafter.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Jahr 2025 gelangte RSF an eine schwarze Liste des Assad-Regimes, auf der 148 Journalisten aufgeführt waren, die «illegal nach Syrien eingereist» waren. Die Liste tauchte in einem Memo der Allgemeinen Geheimdienstdirektion vom 4. März 2013 auf. Der Name Austin Tice ist darin enthalten, doch das Dokument enthält keine weiteren Informationen zu seinem Status, obwohl er bereits acht Monate zuvor verhaftet worden war.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das syrische Regime hat nie offiziell zugegeben, den Journalisten festzuhalten – auch nicht während der seltenen Gespräche auf höchster Ebene mit US-Vertretern. Im August 2020 traf sich Roger Carstens, der US-Sonderbeauftragte des Präsidenten für Geiselfragen, mit Syriens einflussreichem Vizepräsidenten für Sicherheitsangelegenheiten, Ali Mamlouk. Damaskus stellte hohe Forderungen an Carstens: den Abzug der US-Truppen aus Syrien, die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen sowie die Aufhebung der Sanktionen. Die Gespräche scheiterten schnell. Sie führten weder zur Freilassung von Austin Tice, noch lieferten sie den Nachweis, dass er noch am Leben war.</span></p>
<h5><b>Der Sturz von Assad: eine verpasste Chance für die USA</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Laufe der Jahre hat das FBI eine umfangreiche Sammlung von Informationen und Augenzeugenberichten zum Fall zusammengetragen, von denen ein Grossteil äusserst schwer zu überprüfen ist. Als das Regime von Bashar al-Assad im Dezember 2024 stürzte, kamen US-Behörden zu dem Schluss, dass Austin Tice «wahrscheinlich am Leben ist, wenn auch mit geringer Sicherheit». Das sagte ein Diplomat, der direkt an dem Fall gearbeitet hatte und den RSF im Dezember 2025 in Washington interviewte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Da unter den US-Politikern und Sicherheitsbehörden heftige Rivalitäten herrschten und der Übergang zwischen der Biden- und der Trump-Regierung gerade im Gange war, warteten die Amerikaner 12 Tage, bevor sie nach Damaskus einreisten. Eine Ewigkeit. Dort angekommen, blieben sie nicht länger als 24 Stunden. Der Einsatz kam viel zu spät und war viel zu kurz, um einen so komplexen Fall aufzuklären. Das Unterfangen muss daher als Fehlschlag gewertet werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Von den sieben möglichen Haftorten, die die US-Ermittler vorrangig besuchen wollten, konnte nur der erste durchsucht werden: ein privater Komplex, der von Bassam al-Hassan genutzt wurde und gegenüber dem Gelände der Republikanischen Garde liegt. Die vor Ort entnommenen DNA-Proben und die dort sichergestellten Dokumente lieferten keine Hinweise. Wurde Austin Tice inmitten des Chaos, das durch den Zusammenbruch des Regimes ausgelöst wurde, verlegt? Könnte er noch am Leben sein und an einem anderen Ort festgehalten werden? Wir wissen es nicht.</span></p>
<h5><b>Die Hisbollah-Piste</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Obwohl die neuen Machthaber in Syrien versprochen haben, Licht in den Fall zu bringen, haben sie bis heute kaum etwas über die von ihnen ergriffenen Massnahmen oder allfällige Fortschritte preisgegeben. Dieses Schweigen ist beunruhigend. Nach Informationen von RSF hat sich kein glaubwürdiger Gesprächspartner an US-Beamte gewandt, um das Schicksal des Journalisten Austin Tice zu besprechen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dessen Familie richtet ihren Blick nun auf den Iran. Mehrere Quellen aus dem Umfeld von Bassam al-Hassan haben <a href="https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/13/austin-tice-syria-assad-search/" target="_blank" rel="noopener">laut der </a></span><i><span style="font-weight: 400;">Washington Post</span></i><span style="font-weight: 400;"> die Hisbollah – die libanesische schiitische Bewegung, die mit Damaskus verbündet ist und von Teheran unterstützt wird – als die Gruppe identifiziert, die Austin Tice möglicherweise 2013 in Gewahrsam genommen hat. Auch die neuen syrischen Behörden gehen dieser Spur nach, wie eine Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen, die RSF in Damaskus interviewt hat, mitteilte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Die Antworten sind da draussen, aber vielleicht existieren sie mittlerweile nur noch in den Erinnerungen von einer Handvoll Männer», sagte eine US-Quelle, die jahrelang an dem Fall gearbeitet hat. Um das vierzehnjährige Schweigen zu brechen und die Wahrheit ans Licht zu bringen, muss einer von ihnen bereit sein, auszusagen.</span></p>
<p><strong>Arnaud Froger</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Afghanistan: Was fünf Jahre Taliban-Herrschaft für den Journalismus im Land bedeuten</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/afghanistan-was-fuenf-jahre-taliban-herrschaft-fuer-den-journalismus-im-land-bedeuten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 14:16:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit die Taliban im August 2021 in Kabul die Macht übernommen haben, haben sie mehr als zwanzig nationale Richtlinien erlassen, die darauf abzielen, die Pressefreiheit auszuhöhlen. Ebenso haben sie eine lange Liste von Provinzverordnungen mit dem gleichen Ziel veröffentlicht. Der Journalismus wird damit noch weiter eingeschränkt. Kritik am Regime ist verboten, Frauen sind mit weitreichenden [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Seit die Taliban im August 2021 in Kabul die Macht übernommen haben, haben sie mehr als zwanzig nationale Richtlinien erlassen, die darauf abzielen, die Pressefreiheit auszuhöhlen. Ebenso haben sie eine lange Liste von Provinzverordnungen mit dem gleichen Ziel veröffentlicht. Der Journalismus wird damit noch weiter eingeschränkt. Kritik am Regime ist verboten, Frauen sind mit weitreichenden Einschränkungen konfrontiert, politische Debatten wurden unterbunden und die Ausstrahlung von Bildern lebender Wesen ist verboten. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert ein Ende dieser Repressionen.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Medienlandschaft in Afghanistan wird erstickt, ein </span><a href="https://rsf.org/en/afghanistan-disturbing-escalating-censorship-suffocating-free-press" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Netz aus Richtlinien</span></a><span style="font-weight: 400;">, Dekreten und Anordnungen, die mündlich von de-facto-Ministerien weitergegeben werden schränken die Arbeit der Presse massiv ein. Im Januar 2026 wurde eine weitere Grenze überschritten, als das Regime still und leise eine neue Strafprozessordnung für die Gerichte erliess. Diese kam nur dank einer undichten Stelle ans Licht. Diese neue Strafprozessordnung erwähnt die Presse zwar nicht direkt, aber sie bietet Medienschaffenden auch keinen Schutz und nimmt sie nicht von den darin aufgelisteten Bestimmungen aus, sodass Journalistinnen und Journalisten nach wie vor rechtlichen Drohungen und schweren Strafen bis hin zu Freiheitsentzug ausgesetzt sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das neue Gesetz sieht Gefängnisstrafen und Auspeitschungen vor, wenn man die Führung de</span><span style="font-weight: 400;">s Islamischen Emirats Afghanistan beleidigt (Arti</span><span style="font-weight: 400;">kel 23: 20 Peitschenhiebe und sechs Monate Gefängnis) oder den obersten Führer der Taliban (Artikel 19: 39 Peitschenhiebe und ein Jahr Gefängnis). Damit wird jegliche Kritik an den Behörden praktisch unter Strafe gestellt. Ausserdem werden Kontakte zu Regierungsgegnern bestraft, da das Gesetz (insbesondere Artikel 24) vorschreibt, solche Kontakte den Behörden zu melden. Vage Definitionen von «Rebellion», «Subversion» und «Ketzerei» gehen mit harten Strafen einher und geben dem Regime eine mächtige neue rechtliche Waffe an die Hand, um Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen zu bringen.</span></p>
<blockquote><p><i><span style="font-weight: 400;">«In fünf Jahren haben die Taliban Afghanistan systematisch in ein Informationsgefängnis verwandelt. Jede neue Anweisung schränkt den Handlungsspielraum für Medienschaffende und unabhängige Medien weiter ein. Das Verbot von Kritik an den Taliban ist nun gesetzlich verankert, wodurch die Zensur offiziell festgeschrieben wurde. Journalistinnen wurden praktisch aus dem Verkehr gezogen, Debatten wurden zum Schweigen gebracht, und jede unabhängige Stimme wird strafrechtlich verfolgt. Die De-facto-Behörden streben die absolute Kontrolle über den Informationsfluss an und kriminalisieren Medienschaffende systematisch. RSF fordert die Aufhebung aller Bestimmungen, die die Pressefreiheit im Land einschränken. Hunderte afghanische Medienschaffende wurden bereits gezwungen, aus dem Land zu fliehen, um der Unterdrückung zu entkommen, ihr Leben zu retten und ihre Arbeit fortzusetzen. Sowohl Transit- als auch Aufnahmeländer müssen das Ausmass dieser Repressionen und die Gefahr erkennen, die eine Ausweisung oder Zwangsrückführung für diese Medienschaffenden darstellen. Diese Länder müssen ihren Schutz gewährleisten, unter anderem durch die einfachere Erteilung von Visa.</span></i><i><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></i><b>Célia Mercier</b><b><br />
</b><b>RSF-Referentin für Südasien</b></p></blockquote>
<h5><b>2020–2026: Elf Massnahmen, mit denen die Taliban ihren Einfluss auf den Journalismus verstärken</b></h5>
<p><b>19. September 2021</b><span style="font-weight: 400;"> — Die «</span><a href="https://rsf.org/en/afghanistan-11-journalism-rules-imposed-taliban-open-way-censorship-and-arbitrary-decisions-rsf" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">11 Regeln des Journalismus</span></a><span style="font-weight: 400;">», herausgegeben vom de-facto-Medien- und Informationszentrum (GMIC) des Ministeriums für Information und Kultur.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wichtigste Einschränkungen:</span></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Inhalte, die dem Islam widersprechen, dürfen nicht veröffentlicht werden.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Medienberichte dürfen nationale Persönlichkeiten nicht beleidigen.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Berichte, die nicht von offiziellen Stellen überprüft oder bestätigt wurden, sind mit Vorsicht zu behandeln.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Inhalte, die die öffentliche Meinung oder die Moral negativ beeinflussen könnten, müssen vermieden werden.</span></li>
<li><span style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Detaillierte Berichterstattung muss mit dem GMIC-Büro abgestimmt werden.</span></span>&nbsp;</li>
</ul>
<p><b>25. September 2021</b> — Das Ministerium für Information und Kultur verbietet jegliche Bezugnahme auf die Taliban-Regierung unter einem anderen Namen als dem «Islamischen Emirat Afghanistan».</p>
<p><b>22. November 2021</b> — Das Ministerium für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters erlässt eine Anweisung, wonach Journalistinnen und Journalisten keine Experten interviewen dürfen, die den Taliban kritisch gegenüberstehen. Ebensowenig dürfen sie diese nicht zu Fernsehdebatten einladen.</p>
<p><b>November 2021 </b><span style="font-weight: 400;">— Für weibliche TV-Moderatorinnen wird eine Kleiderordnung </span><a href="https://x.com/RSF_inter/status/1462739075778195459" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">erlassen</span></a><span style="font-weight: 400;">, die vom Ministerium für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters im Sinne «islamischer Werte» verfügt wurde. Gemäss der </span><a href="https://rsf.org/en/rsf-condemns-taliban-s-attempt-cover-afghan-women-journalists-faces" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Richtlinie</span></a><span style="font-weight: 400;"> müssen Frauen, die im Fernsehen auftreten, ihr Gesicht bedecken, sodass nur ihre Augen sichtbar sind.</span></p>
<p><b>März 2022 </b><span style="font-weight: 400;">— Das Ministerium für Information und Kultur </span><a href="https://www.voanews.com/a/taliban-bans-voa-rfe-rl-radio-in-afghanistan/6856697.html" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">verbietet</span></a><span style="font-weight: 400;"> die Ausstrahlung von Inhalten der von den USA finanzierten Sender </span><i><span style="font-weight: 400;">Voice of America </span></i><span style="font-weight: 400;">(</span><i><span style="font-weight: 400;">VOA</span></i><span style="font-weight: 400;">) oder </span><i><span style="font-weight: 400;">Radio Free Europe/Radio Liberty</span></i><span style="font-weight: 400;"> (</span><i><span style="font-weight: 400;">RFE/RL</span></i><span style="font-weight: 400;">). Es begründet dies mit einer «Missachtung journalistischer Grundsätze» ebendieser Medien, </span><a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2022/12/02/taliban-bans-radio-broadcasts-of-radio-free-europe-radio-liberty-in-afghanistan_6006328_4.html?srsltid=AfmBOorR4J5oSPBmHMDCKvI_mrssnXS-hmlSeimcDe3tq9nYW-6b8p_-" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">so ein Vertreter des Taliban-Informationsministeriums</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><b>20. Juli 2022</b> — «Kritik» an politischen Amtsträgern wird laut einer Erklärung des obersten Führers der Taliban, Mullah Haibatullah Akhundzada, als <a href="https://x.com/Zabehulah_M33/status/1550154759209893888?s=20&amp;t=EXNYqe1SBeTjfB29t4JL7w" target="_blank" rel="noopener">dem islamischen Recht zuwiderlaufend</a> erklärt.</p>
<p><b>April 2024 </b><span style="font-weight: 400;">– Das Justizdepartement kündigt die Aufhebung des Pressegesetzes von 2015 an.</span></p>
<p><b>21. Juli 2024</b> – Ein neues Gesetz zur «Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters» wird Ende Juli vom obersten Führer unterzeichnet.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wichtigste Einschränkungen:</span></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Der Text verbietet die Ausstrahlung jeglicher Bilder, die Lebewesen zeigen. Das Verbot wurde seither in </span><a href="https://kabulnow.com/2026/01/taliban-ban-broadcast-of-images-of-living-beings-in-kapisa/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">mehr als zwanzig Provinzen</span></a><span style="font-weight: 400;"> durchgesetzt.</span></li>
</ul>
<p><b>21. September 2024</b> – Das Ministerium für Information und Kultur erlässt neue <a href="https://web.archive.org/web/20240923165604/https://afjc.media/english/index.php/events/press-release/taliban-imposes-stricter-regulations-on-afghan-media-raising-concerns-over-press-freedom" target="_blank" rel="noopener">Einschränkungen für Rundfunkveranstalter</a> im Land.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wichtigste Einschränkungen:</span></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Live-Sendungen zu politischen Themen sind verboten.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Medien dürfen nur Gäste einladen, die auf einer von den Taliban genehmigten Liste von «Experten» stehen.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Es ist verboten, die Gesetze und die Politik der Taliban auf Sendung zu kritisieren.</span></li>
</ul>
<p><b>März 2025 </b><span style="font-weight: 400;">— Die Provinzdirektion für Information und Kultur in Kandahar erlässt «</span><a href="https://afjc.media/english/index.php/news/inside-afghanistan/southern-province/kandahar/women-s-voices-banned-and-title-mandate-for-leadership-in-kandahar" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Wesentliche Richtlinien für Radiosender in Kandahar</span></a><span style="font-weight: 400;">».</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wichtigste Einschränkungen:</span></p>
<ul>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Radiosendungen und Berichte dürfen den Taliban-Führer ausschliesslich als «Amir al-Mu&#8217;minin» (Befehlshaber der Gläubigen) und das Regime nur als «Islamisches Emirat» bezeichnen.</span></li>
<li style="font-weight: 400;" aria-level="1"><span style="font-weight: 400;">Frauenstimmen sind in Radiosendungen strengstens verboten.</span></li>
</ul>
<p><b>Januar 2026 </b><span style="font-weight: 400;">— Eine neue Strafprozessordnung für die Gerichte wird vom obersten Führer der De-facto-Behörden erlassen. Die Ordnung ist ein neues, dauerhaftes Rechtsinstrument, das den Taliban-Richtern weitreichende, unkontrollierte und breit auslegbare Befugnisse zur Unterdrückung regimekritischer Stimmen gewährt.</span></p>
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