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	<title>Reporter ohne Grenzen</title>
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		<title>Korrespondentin im Libanon: «Der Alltag mit Drohnen über dem Kopf ist zermürbend»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 08:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Journalistin Sophie Woeldgen berichtet seit 2020 aus dem Libanon über das Geschehen im Nahen Osten. Zuerst arbeitete sie für das Online-Medium Heidi.news, heute arbeitet sie als freie Journalistin hauptsächlich für die Westschweizer Zeitung Le Temps sowie für Le Soir (Belgien) und La Tribune du Dimanche (Frankreich). Im Interview gibt sie uns Einblicke in den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Journalistin Sophie Woeldgen berichtet seit 2020 aus dem Libanon über das Geschehen im Nahen Osten. Zuerst arbeitete sie für das Online-Medium Heidi.news, heute arbeitet sie als freie Journalistin hauptsächlich für die Westschweizer Zeitung Le Temps sowie für Le Soir (Belgien) und La Tribune du Dimanche (Frankreich). Im Interview gibt sie uns Einblicke in den Berufsalltag einer Korrespondentin in der Region: Gezielte Angriffe auf Medienschaffende, prekäre Arbeitsbedingungen für freischaffende Journalistinnen, sowie die psychische Belastung im Alltag, der vom permanenten Summen der Drohnen geprägt ist. </b></p>
<p><b>Sie berichten aus einem hochbrisanten Gebiet, insbesondere aus dem Südlibanon, der von der israelischen Armee als Kampfzone eingestuft wird. Wie schafft man es, unter solchen Bombardements zu arbeiten?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist viel schwieriger, über diesen Krieg zu berichten als über die früheren Phasen des Konflikts. Zwar wurde bereits 2024 Issam Abdallah, ein Journalist bei Reuters, durch Artilleriefeuer getötet und die AFP-Fotografin Christina Assi schwer verletzt. Dabei waren sie eindeutig als «Presse» gekennzeichnet und befanden sich auf einer freien Strasse, die wir alle benutzten. Die Ermittlungen haben gezeigt, dass es sich um einen gezielten Angriff handelte. Für uns Journalistinnen und Journalisten stellte sich daraufhin die Frage: Sollen wir weiterhin unsere Pressekennzeichnungen tragen und damit riskieren, ins Visier zu kommen? Oder sollen wir uns besser in Zivil bewegen, um uns unter die Menge zu mischen? Das ist ein ständiges Dilemma. Seit Oktober 2023 wurden im Libanon etwa zwanzig Journalisten getötet.</span></p>
<p><b>Wie sieht eine typische Woche als Journalistin im Libanon aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist etwas kompliziert, da ich viel unterwegs bin, aber es hängt vom Kontext ab. Es kommt ganz darauf an, ob man sich in einer Phase der Eskalation, eines hochintensiven Krieges oder in ruhigeren Phasen befindet. Als Korrespondentin besteht die Verpflichtung, jederzeit reagieren zu können. Natürlich plane ich Interviews und Treffen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, Beziehungen zu knüpfen und Hintergrundinformationen zu erhalten. Diese Arbeit steht weniger im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschehen, liefert aber Stoff für Artikel und trägt zum Verständnis des Landes bei. Daneben gibt es die dringenden Einsätze: Wenn an einem Ort etwas passiert, steige ich ins Auto und fahre hin. Das kann um 6 Uhr morgens sein, am frühen Nachmittag, am anderen Ende des Landes oder an einem Sonntag. Diese Reaktionsfähigkeit ist absolut zentral.</span></p>
<p><b>Im Gegensatz zu anderen Korrespondenten haben Sie sich dafür entschieden, ohne Fixer vor Ort zu arbeiten. Warum?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Genau darin liegt die Stärke einer lokalen Korrespondentin: Man nimmt sich die Zeit, ein eigenes Netzwerk mit direkten Kontakten aufzubauen. Wenn es die Situation erfordert, kann ich meine Quellen direkt anrufen, um zu erfahren, ob eine Strasse offen, gesperrt oder gefährlich ist. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt: Fixer verlangen extrem hohe Honorare. Fernsehsender oder grosse US-Medien zahlen Summen, die wir als Printjournalisten nicht aufbringen können. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass man ohne Vermittler eine andere, menschlichere Beziehung zu den Menschen vor Ort aufbauen kann.</span></p>
<p><b>Hat die Gewalt gegen Medienschaffende und Zivilpersonen in den letzten Monaten zugenommen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt natürlich schreckliche Beispiele, wie das von Amal Khalil, einer Kollegin, mit der ich zusammengearbeitet habe. Sie und ihre Kollegin befanden sich direkt hinter einem Auto, als dieses von einer Drohne getroffen wurde. Sie suchten sofort Zuflucht in einem Gebäude, das wiederum von einem israelischen Kampfflugzeug getroffen wurde. Das Rote Kreuz und die libanesische Armee versuchten, einzugreifen, um sie zu bergen, wurden jedoch von der israelischen Armee beschossen. Die Sperrung des Zugangs dauerte sechs Stunden. Als das Rote Kreuz endlich herankommen konnte, war Amal bereits ihren Verletzungen erlegen. Als Europäer geniessen wir einen relativen Schutz, doch unsere libanesischen Kolleginnen und Kollegen stehen an vorderster Front. Im Süden ist eine systematische, gezielte Bekämpfung von Rettungskräften und Medienschaffenden zu beobachten. In diesem Jahr, angesichts der massiven Evakuierungen, ist jedes Fahrzeug, das in Bewegung ist, zu einem Ziel geworden. Unsere Handlungsspielräume sind minimal und erfordern das Eingehen grosser Risiken.</span></p>
<p><b>Wie bewerten Sie angesichts einer solchen Gefahr diese Risiken? Sehen Sie in Bezug auf die Sicherheit einen Unterschied zu Ihren festangestellten Kollegen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Sicherheit vor Ort ist sehr unbeständig, sie ändert sich innerhalb weniger Minuten. Einige meiner festangestellten Kollegen müssen für jeden Einsatz die Genehmigung eines Sicherheitsbeauftragten einholen, der in Paris oder anderswo stationiert ist. Für mich ist diese Vorgehensweise kontraproduktiv. Vor Ort beobachtet man eine Ruhepause direkt, stellt fest, dass gerade keine Drohne in der Luft ist, weiss, wen man treffen wird. Da muss man die Gelegenheit beim Schopf packen. Das Warten auf Genehmigungen von Vorgesetzten aus der Ferne blockiert dies. Die Risikoeinschätzung aus einem Pariser Büro </span><span style="font-weight: 400;">hat nichts mit der Realität vor Ort zu tun. Aber es gibt kein Nullrisiko.</span></p>
<p><b>Das heisst?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Gefahr im Liban</span><span style="font-weight: 400;">on besteht heute nicht darin, von einem Splitter getroffen zu werden und darauf zwei Monate krankgeschrieben zu werden. Aus Gesprächen mit medizinischem Personal weiss man, dass die Überlebenschancen bei einem Drohnenangriff auf ein Auto praktisch gleich null sind. Die Frage wird dann zu einer rein journalistischen: Ich gehe nicht vor Ort, nur um dorthin gegangen zu sein. Die Abwägung muss streng sein: Rechtfertigen die Informationen, die ich erhalten werde, dieses spezifische Risiko? Wenn das redaktionelle Ziel entscheidend ist, dann nehme ich dieses Risiko in Kauf. Mit der Erfahrung entwickelt man auch Reflexe, man lernt, das Verhalten einer Drohne über unseren Köpfen zu analysieren oder sich in den Schatten zu begeben. Denn man weiss, dass man in der Sonne viel besser sichtbar ist.</span></p>
<p><b>Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen festangestellten Medienschaffenden und freiberuflichen Korrespondentinnen wie Ihnen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das eigentliche Grundproblem ist der gravierende Mangel an Mitteln und die systemische Unterbezahlung freiberuflicher Korrespondenten. Um ehrlich zu sein, verdiene ich weniger als den Genfer Mindestlohn. Ich komme gerade so über die Runden, weil ich keine Kinder habe, aber es ist eine zermürbende Arbeit, sieben Tage die Woche, seit Monaten. Und die Mehrheit meiner freiberuflichen Kollegen verdient noch viel weniger als ich. Meine Situation ist nicht die prekärste, da ich weiss, dass mich einige Medien unterstützen. Ich fühle mich in dieser Hinsicht sicher, aber eine solche prekäre Lage treibt uns zu eher grösseren Risiken und Gefahren. Das bedeutet etwa auch, auf einen Psychologen zu verzichten, weil das zu teuer ist. Um einen Artikel verkaufen zu können, sehen sich manche Freiberufler gezwungen, unverhältnismässige Risiken einzugehen. Ich sehe Kollegen, die Zwangsstörungen entwickeln, unter Schlaflosigkeit leiden, extrem nervös werden – bis zu dem Punkt, an dem sie den Beruf komplett aufgeben. In der Schweiz bietet der Status als Freiberufler absolut keine Sicherheit. Wenn ich morgen ein gesundheitliches Problem habe, stellt sich sofort die Frage: Wie lange kann ich finanziell durchhalten, bevor ich wieder arbeiten muss?</span></p>
<p><b>Sie leben derzeit in Beirut. Wie sieht Ihr Alltag aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kurz vor unserem Gespräch musste ich alle Fenster meiner Wohnung schliessen, weil eine Drohne über meinem Wohnhaus kreiste. Sonst wäre das Summen so laut, dass Sie mich nicht hören könnten. Ich habe das Glück, in einem christlichen Viertel zu wohnen, das von direkten Bombardements verschont bleibt. Aber die psychologische Kriegsführung ist allgegenwärtig. Der Konflikt hat sich in letzter Zeit verschärft, doch schon seit Monaten sind wir unvorhersehbaren Bombardements und einer permanenten Anspannung ausgesetzt. Der Alltag mit Drohnen über dem Kopf ist zermürbend. Die Lautstärke dieser Fluggeräte ist ohrenbetäubend und dringt körperlich in einen ein: Wenn die Drohne sehr tief herabfliegt und stundenlang in der Luft verharrt, spüre ich, wie mein Herzschlag schneller wird und sich meine Muskeln anspannen. Die Nachbarn regen sich auf, die Kinder weinen, die Tiere geraten in Panik. Mein Vater, der mir immer sagte, ich würde übertreiben, hat mich letztes Jahr besucht. Nach zwei Tagen mit ununterbrochenem Drohnenlärm wurde er fast wahnsinnig und konnte nicht verstehen, wie man diese ständige Verletzung des Luftraums ertragen kann. Im Libanon ist dieser ständige Lärm leider zur Normalität geworden. </span></p>
<p><b>Beeinträchtigt diese Erschöpfung die Qualität Ihrer Arbeit?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das erfordert enorme Energie. Ich liebe dieses Land und seine Bewohner von ganzem Herzen, und es ist eine bewusste Entscheidung meinerseits, hier zu sein. Aber nach wochenlangen Bombardements gibt es Momente, in denen ich einfach nur nach Hause gehen, zur Ruhe kommen und unter normalen Bedingungen Journalismus betreiben möchte – dort, wo es durchgehend Strom gibt, wo Ruhe herrscht und wo man ordentlich essen und schlafen kann. Wenn ich in die Schweiz zurückkehre, ordnen sich die Gedanken in meinem Kopf ganz klar, einfach weil ich schlafen konnte. Die Denkfähigkeit ist beeinträchtigt, wenn ein Grossteil der täglichen Energie für reine Überlebensmechanismen benötigt wird. </span></p>
<p><b>Sie haben Ihr Vertrauensnetzwerk vor Ort erwähnt, aber wie ist die allgemeine Einstellung der Bevölkerung gegenüber Journalisten? Stellen Sie Misstrauen fest oder hat sich die Lage in den letzten Jahren verändert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich habe die israelische Armee erwähnt, aber es gibt auch die Hisbollah, die im Südlibanon kämpft. Sie überwachen unsere Positionen und Bewegungen sehr genau. Es ist immer noch möglich, sich zurechtzufinden, aber das erfordert viel Mühe, Kontakte und Geduld. Wenn ein Versuch am ersten Tag scheitert, muss man es am nächsten Tag erneut versuchen, in der Hoffnung, nicht auf die Person zu stossen, die den Weg versperrt. Das ist eine ständige Herausforderung, aber genau das macht den Beruf auch so faszinierend. Im Iran und in Teilen Syriens kommt man zum Beispiel nicht um einen Fixer herum, was die Freiheit einschränkt. Er schuldet den Behörden Rechenschaft und riskiert Ärger, wenn die journalistische Arbeit zu forsch oder kritisch ausfällt. In Jordanien sind die Kontrollen streng, und der Norden Israels ist für Journalisten fast vollständig abgesperrt. Die gesamte Region unterliegt einer umfassenden Zugangsbeschränkung.</span></p>
<h6><strong>Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz</strong></h6>
<p><em>(Titelbild: Alexandra Henry. Auf dem Foto: Sophie Woeldgen fotografiert Panzer in der Nähe des Kontrollpunkts, der nach Kobane am Euphrat führt. Die Strasse war Ende Januar 2026 von Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erobert worden.)</em></p>
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		<item>
		<title>Welle von Klagen gegen Heidi.news: RSF wendet sich an die UN-Sonderberichterstatterin Irene Khan</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/welle-von-klagen-gegen-heidi-news-rsf-wendet-sich-an-die-un-sonderberichterstatterin-irene-khan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 12:46:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Westschweizer Medium Heidi.news sieht sich seit mehreren Monaten mit einer beispiellosen Welle gerichtlich angeordneter Veröffentlichungsverbote konfrontiert. Vier investigative Artikel des Journalisten Antoine Harari waren Gegenstand von nicht weniger als 45 Anordnungen auf superprovisorische – ein Instrument des Schweizer Zivilrechts, das es einer Person oder einem Unternehmen ermöglicht, teilweise sogar ohne Anhörung der gegnerischen Partei [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="clearfix text-formatted field field--name-field-chapo field--type-text-long field--label-hidden field__item">
<p><strong>Das Westschweizer Medium Heidi.news sieht sich seit mehreren Monaten mit einer beispiellosen Welle gerichtlich angeordneter Veröffentlichungsverbote konfrontiert. Vier investigative Artikel des Journalisten Antoine Harari waren Gegenstand von nicht weniger als 45 Anordnungen auf superprovisorische – ein Instrument des Schweizer Zivilrechts, das es einer Person oder einem Unternehmen ermöglicht, teilweise sogar ohne Anhörung der gegnerischen Partei ein gerichtliches Verbot der Veröffentlichung bestimmter Inhalte zu erwirken. Der Ausgang der Verfahren bleibt ungewiss. Sollten die Kläger Recht bekommen, wären die Folgen für die Pressefreiheit in der Schweiz besorgniserregend. Angesichts dieser Situation hat sich RSF an die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit gewandt.</strong></p>
<p>Im Frühjahr widmete der Journalist Antoine Harari vom Westschweizer Online-Medium <i>Heidi.news</i> den Aktivitäten des Genfer Geschäftsmanns Abdallah Chatila eine <a href="https://www.heidi.news/explorations/le-fabuleux-destin-d-abdallah-chatila" target="_blank" rel="noopener"><u>Artikelserie</u></a>, im Zusammenhang mit der Übernahme der Schweizer Tochtergesellschaft einer russischen Bank, gegen die europäische und Schwerizer Sanktionen verhängt worden waren.</p>
<p>Zur Finanzierung dieser Übernahme nahm Abdallah Chatila 140 Millionen Schweizer Franken auf, mit dem Versprechen, die Bank zu «entrussifizieren». Doch laut der Recherche von<i>Heidi.news</i> sollen mehrere Gläubiger, die diese Kredite gewährt haben, enge Verbindungen zu Wladimir Putins Russland unterhalten, und einige von ihnen sollen selbst von Sanktionen betroffen sein.</p>
<h5><strong>Die Gläubiger bringen <i>Heidi.news</i> nun Ärger ein</strong></h5>
<p><i>Heidi.news</i> veröffentlichte die Namen dieser Gläubiger, da diese Informationen nach Ansicht der Redaktion eindeutig im öffentlichen Interesse lagen. Die Recherche deckte nämlich Aspekte auf, die den Aufsichtsbehörden FINMA und SECO offenbar entgangen waren. Diese Veröffentlichung führte jedoch zu 45 gerichtlichen Anordnungen von superprovisorischen Massnahmen. Die Anträge wurden von sieben Anwälten gestellt, die insgesamt 15 natürliche und juristische Personen vertreten. Provisorische und superprovisorische Massnahmen sind ein Instrument des Schweizer Zivilrechts, das es Privatpersonen oder Unternehmen ermöglicht, rechtlich gegen sie betreffende journalistische Inhalte vorzugehen, wenn sie der Ansicht sind, dass ihnen dadurch ein «schwerer Nachteil» entstehen könnte.</p>
<p>In der Schweiz werden diese Massnahmen immer wieder gegen Medien eingesetzt, um sie dazu zu zwingen, bestimmte Elemente aus ihren Veröffentlichungen zu entfernen, wie beispielsweise Namen oder konkrete Informationen. Sie können von einem Gericht angeordnet werden, ohne dass die gegnerische Partei zuvor zwingend angehört werden muss. Die Grenze zwischen einer legitimen Anwendung dieser Verfahren und willkürlicher Zensur ist dabei besonders schmal. Dies gilt umso mehr seit der jüngsten Änderung der Rechtsgrundlage durch das Schweizer Parlament. In der früheren Fassung des Gesetzes musste die klagende Partei einen «besonders schweren Nachteil» nachweisen. Seit 2025 reicht nun ein «schwerer Schaden» aus, ohne dass dieser «besonders» schwerwiegend sein muss. Eine scheinbar geringfügige Gesetzesänderung, die jedoch erhebliche Folgen für die Pressefreiheit hat.</p>
<p>Für den Chefredakteur von <i>Heidi.news</i>, Serge Michel, stehen die Motive der Kläger ausser Frage. Gegenüber RSF sagt er: «Es geht nicht darum, zu belegen, dass Heidi.news falsche oder persönlichkeitsverletzende Informationen veröffentlicht habe, die einen schweren Schaden verursacht hätten, wie es das Zivilgesetzbuch vorsieht. Es geht vielmehr darum, uns durch offensichtlich missbräuchliche Knebelverfahren zum Schweigen zu bringen. Diese Flut von einstweiligen Verfügungen ist absurd.»</p>
<p>Laut Serge Michel hätten einige Kläger sogar persönlich Klage gegen <i>Heidi.news</i> eingereicht, während sie gleichzeitig im Namen der Unternehmen, deren alleinige Eigentümer sie sind, ebenfalls klagten, um parallele Verfahren zum gleichen Gegenstand anzustrengen. Diese Praxis vervielfacht offensichtlich den Arbeitsaufwand sowie die Anwaltskosten für die Redaktion von <i>Heidi.news</i>. Sie verdeutlicht zudem den willkürlichen und missbräuchlichen Charakter dieser Verfahren.</p>
<blockquote><p><i>«RSF Schweiz kritisiert seit langem das Rechtsdefizit, welches provisorische Massnahmen in der Schweiz darstellen. Die Welle von Klagen gegen </i>Heidi.news<em> veranschaulicht den massiven Einsatz von solchen Knebelverfahren gegen eine kleine Redaktion perfekt. Der bestehende rechtliche Rahmen erleichtert unserer Meinung nach in übermässigem Mass Klagen gegen journalistische Inhalte, die als störend empfunden werden. Wir fordern das Parlament zudem auf, sich endlich mit der Frage der solcher Verfahren zu befassen.»</em></p>
<p><b>Denis Masmejan<br />
</b>Generalsekretär von RSF Schweiz</p></blockquote>
<h5><strong>Superprovisorische Massnahmen: eine Lücke im schweizerischen Rechtsrahmen</strong></h5>
<p><i>Heidi.news</i> ist nicht das einzige Medium, das mit solchen superprovisorischen Massnahmen konfrontiert ist; auch andere Schweizer Medientitel sind davon betroffen. In den letzten Jahren wurden superprovisorische Massnahmen insbesondere gegen das <a href="https://www.rts.ch/audio-podcast/2025/audio/la-rts-obtient-la-suspension-des-mesures-superprovisionnelles-concernant-l-affaire-denis-vipret-28982890.html" target="_blank" rel="noopener">RTS</a>, gegen Tamedia oder auch gegen den Blick angeordnet. <a href="https://www.humanrights.ch/fr/rechercher/mesures-provisionnelles-medias-liberte-expression-danger-suisse" target="_blank" rel="noopener"><u>Das Problem ist wohlbekannt.</u></a></p>
<p>Für <i>Heidi.news</i> stellen die neun im Kanton Genf angesetzten Gerichtsverhandlungen bereits jetzt eine erhebliche Belastung dar, sowohl in zeitlicher wie auch in finanzieller Hinsicht. Sollten die Kläger Recht bekommen, würden die Verfahrenskosten und Anwaltshonorare diese Belastung noch deutlich erhöhen.</p>
<p>Die negativen Auswirkungen solcher superprovisorischen Massnahmen sind unbestreitbar, bekräftigt Serge Michel: «Das Risiko der Selbstzensur steigt. Aber wir lassen uns weder beeinflussen noch einschüchtern.» Die Redaktion bereitet gar die Fortsetzung ihrer Recherche über Abdallah Chatila vor, doch aufgrund der laufenden Gerichtsverfahren steht der Veröffentlichungstermin noch nicht fest.</p>
<p><i>Heidi.news</i> hat zudem <a href="https://secure.avaaz.org/community_petitions/fr/les_membres_du_parlement_suisse_protegeons_la_liberte_de_la_presse_en_suisse/?tkXJMkb" target="_blank" rel="noopener"><u>im Mai eine Petition gestartet</u></a>, in der das Parlament aufgefordert wird, ein Gesetz gegen SLAPP-Klagen einzuführen oder, falls dies nicht möglich ist, Mechanismen zu schaffen, die verhindern, dass Medien auf diese Weise in ihrer Arbeit behindert werden. Beispielsweise durch ein zweistufiges Verfahren, mit dem festgestellt werden kann, ob eine Klage begründet ist oder ob es sich um eine missbräuchliche Klage handelt.</p>
<h5><strong>RSF engagiert sich gegen SLAPP-Klagen</strong></h5>
<p>Eine vergleichbare Regelung gibt es bereits in der EU und und im Vereinigten Königreich, nicht jedoch in der Schweiz. Aus diesem Grund engagiert sich die Schweizer Sektion von RSF in Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Medienorganisationen und zivilgesellschaftlichen NGOs im Rahmen der <a href="https://www.allianz-gegen-slapp.ch/"><u>Schweizer Allianz gegen SLAPP</u></a>, um gegen diese Fehlentwicklung vorzugehen und die Öffentlichkeit sowie die politischen Entscheidungsträger für dieses Problem zu sensibilisieren.</p>
<h5><strong>Auch die UNO-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, wurde mit der Angelegenheit befasst</strong></h5>
<p>RSF hat zudem die Redaktion von <i>Heidi.news</i> unterstützt und deren Vorstoss bei der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit, Irene Khan, befürwortet. Ziel ist es, dieses Thema, das in der Schweiz angesichts der aktuellen Gesetzgebung besonders besorgniserregend ist, auf die höchste Ebene der zuständigen internationalen Gremien zu bringen</p>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Presse in Hongkong leidet seit sechs Jahren unter dem drakonischen National Security Law</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/die-presse-in-hongkong-leidet-seit-sechs-jahren-unter-dem-drakonischen-national-security-law-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 15:22:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute vor genau sechs Jahren, am 30. Juni 2020, wurde in Hong Kong durch die Regierung Xi Jinpings in Peking das einschneidende und drakonische Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Law) verabschiedet. Seitdem gilt in der Sonderverwaltungszone Hongkong sämtliche öffentliche Äusserung oder kundgetane Absicht, Hongkong von China abzuspalten, als Straftat. Das Gesetz kann dabei so [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute vor genau sechs Jahren, am 30. Juni 2020, wurde in Hong Kong durch die Regierung Xi Jinpings in Peking das einschneidende und drakonische Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Law) verabschiedet. Seitdem gilt in der Sonderverwaltungszone Hongkong sämtliche öffentliche Äusserung oder kundgetane Absicht, Hongkong von China abzuspalten, als Straftat. Das Gesetz kann dabei so weit ausgelegt werden, dass dessen Folgen für die Hongkonger Demokratiebewegung sowie für die Medien und die Pressefreiheit bis heute schwerwiegend sind. Zahlreiche Medien mussten in den vergangenen sechs Jahren den Betrieb einstellen, Redaktionsräume wurden von den Sicherheitskräften durchsucht. Und prominente Medienschaffende und Medienunternehmer wie Jimmy Lai oder Patrick Lam wurden auf Basis fingierter Anklagepunkte inhaftiert und mundtot gemacht. Mindestens 19 Medienschaffende wurden seit 2020 in Hongkong inhaftiert, einige davon sind noch immer nicht frei.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der wohl bekannteste ist Jimmy Lai. Seit über fünfeinhalb Jahren, </span><a href="https://rsf.org/en/2000-days-behind-bars-time-running-out-jimmy-lai" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">seit über 2000 Tagen</span></a><span style="font-weight: 400;">, sitzt er in Hongkong willkürlich hinter Gittern, ein substanzieller Teil davon in Einzelhaft. Erst im Dezember 2025 wurde ein neuerlicher Schuldspruch gegen Lai gefällt: 20 Jahre Haft. Ihm werden Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften sowie die Veröffentlichung aufrührerischer Inhalte im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit als Herausgeber der Zeitung «Apple Daily» vorgeworfen. Das eigentliche Urteil wurde erst im Februar 2026 gefällt, es ist das bislang härteste Verdikt, das auf Basis des National Security Laws gegen einen Journalisten in Hongkong verhängt wurde.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Für ähnlich viel Aufsehen sorgte 2024 der Prozess gegen die beiden Journalisten der früheren Zeitung «Stand News», Patrick Lam und Chung Pui-kuen. Die Redaktion von «Stand News» war bereits Ende 2021 von Sicherheitskräften gestürmt worden, sodass die Zeitung ihren Betrieb einstellen musste. Die Anklagepunkte gegen Lam und Pui-kuen fielen im Urteil 2024 zwar nicht unter das National Security Law, «Stand News» war zuvor aber zum Risiko für die nationale Sicherheit Hongkongs erklärt worden. Lam und Pui-kuen wurden wegen Aufruhr und Staatsgefährdung zu elf respektive 21 Monaten Haft verurteilt – auf Basis des Hongkonger Grundgesetzes, des Hong Kong Basic Laws.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Prozesse gegen Lai sowie gegen Lam und Pui-kuen stehen exemplarisch für den drastischen Rückgang der Pressefreiheit in Hongkong in den vergangenen Jahren. 2010 belegte Hongkong in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF noch Platz 34 von 180 erfassten Ländern und Territorien. 2019 lag die Sonderverwaltungszone bereits auf Rang 73. Und heute sind die Probleme derart gross geworden, dass Hongkong nur noch auf Rang 140 liegt. Die Lage der Pressefreiheit gilt insgesamt als sehr ernst und es handelt sich um einen der stärksten Rückgänge der Pressefreiheit, den RSF in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beobachtet hat. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF hat die Vorgänge in der Sonderverwaltungszone stets eng begleitet und dabei das harsche Vorgehen der Behörden selbst erlebt. Diese gehen nicht nur gegen Medienschaffende vor, sondern auch gegen NGOs wie Reporter ohne Grenzen selbst. Die RSF-Mitarbeiterin Aleksandra Bielakowska wurde 2024 am Flughafen Hongkong unter diffusen Vorwänden </span><a href="https://rsf.org/en/hong-kong-rsf-representative-detained-and-deported-attempt-monitor-jimmy-lai-s-national-security" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">gar für einige Stunden inhaftiert, an der Einreise gehindert und anschliessend deportiert</span></a><span style="font-weight: 400;">. Die Arbeit und Anwesenheit von RSF beunruhigte die Behörden in Hongkong offenbar zu sehr, als dass sie Bielakowska tatenlos hätten einreisen lassen können.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz des Gesetzes zur nationalen Sicherheit und trotz der immer härteren Repression gegen die Presse liessen und lassen sich die Medienschaffenden in Hongkong nicht brechen. Patrick Lam von «Stand News» liess 2024 in seiner </span><a href="https://x.com/hkdc_us/status/1829119010694181301" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Stellungnahme nach dem Urteil gegen ihn und Chung Pui-kuen</span></a><span style="font-weight: 400;"> verlauten: «Wir deckten Wahrheiten auf, die sonst verborgen geblieben wären, selbst wenn es schwierig war. Wir setzten uns für Machtlose und Minderheiten ein, trotz Angriffen und Verurteilungen. Wir dokumentierten so viel wie möglich über den Alltag in Hongkong. Wir wollten die Geschichten niederschreiben, bevor sie verschwanden. Doch wir alle wussten: Unsere Freiheit nahm ab. Trotzdem entschieden sich viele, zu bleiben, aufzustehen und den begrenzten Raum zu nutzen.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und Jimmy Lais Sohn Sebastien sagte im Februar 2026 </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=W15ZWKTWIkg" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">gegenüber US-amerikanischen Medien</span></a><span style="font-weight: 400;">, dass sein Vater bei der Urteilsverkündung im Februar stoisch ruhig geblieben sei. Er habe gar gelächelt, «als Akt des Widerstandes». Das habe Sebastien Lai Kraft gegeben. China habe damit vielleicht Jimmy Lai physisch ins Gefängnis gesteckt, nicht aber seinen Kampfgeist, betonte Sebastien. Dieser Kampfgeist kam für Jimmy Lai zwar mit einem sehr hohen Preis, dem Preis seiner Freiheit. Und doch dient er als Inspiration für die verbleibende noch freie Presse in der Region, als Anhaltspunkt und Ansporn. Denn die Freiheiten, die noch bleiben, müssen genutzt und gesichert werden. Sonst werden auch diese vollends verschwinden.</span></p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
<p><em>(Titelbild: Keystone-SDA)</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Korrespondentin im Libanon: «Der Alltag mit Drohnen über dem Kopf ist zermürbend»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/korrespondentin-im-libanon-der-alltag-mit-drohnen-ueber-dem-kopf-ist-zermuerbend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 15:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-06-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Journalistin Sophie Woeldgen berichtet seit 2020 aus dem Libanon über das Geschehen im Nahen Osten. Zuerst arbeitete sie für das Online-Medium Heidi.news, heute arbeitet sie als freie Journalistin hauptsächlich für die Westschweizer Zeitung Le Temps sowie für Le Soir (Belgien) und La Tribune du Dimanche (Frankreich). Im Interview gibt sie uns Einblicke in den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Journalistin Sophie Woeldgen berichtet seit 2020 aus dem Libanon über das Geschehen im Nahen Osten. Zuerst arbeitete sie für das Online-Medium Heidi.news, heute arbeitet sie als freie Journalistin hauptsächlich für die Westschweizer Zeitung Le Temps sowie für Le Soir (Belgien) und La Tribune du Dimanche (Frankreich). Im Interview gibt sie uns Einblicke in den Berufsalltag einer Korrespondentin in der Region: Gezielte Angriffe auf Medienschaffende, prekäre Arbeitsbedingungen für freischaffende Journalistinnen, sowie die psychische Belastung im Alltag, der vom permanenten Summen der Drohnen geprägt ist. </b></p>
<p><b>Sie berichten aus einem hochbrisanten Gebiet, insbesondere aus dem Südlibanon, der von der israelischen Armee als Kampfzone eingestuft wird. Wie schafft man es, unter solchen Bombardements zu arbeiten?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist viel schwieriger, über diesen Krieg zu berichten als über die früheren Phasen des Konflikts. Zwar wurde bereits 2024 Issam Abdallah, ein Journalist bei Reuters, durch Artilleriefeuer getötet und die AFP-Fotografin Christina Assi schwer verletzt. Dabei waren sie eindeutig als «Presse» gekennzeichnet und befanden sich auf einer freien Strasse, die wir alle benutzten. Die Ermittlungen haben gezeigt, dass es sich um einen gezielten Angriff handelte. Für uns Journalistinnen und Journalisten stellte sich daraufhin die Frage: Sollen wir weiterhin unsere Pressekennzeichnungen tragen und damit riskieren, ins Visier zu kommen? Oder sollen wir uns besser in Zivil bewegen, um uns unter die Menge zu mischen? Das ist ein ständiges Dilemma. Seit Oktober 2023 wurden im Libanon etwa zwanzig Journalisten getötet.</span></p>
<p><b>Wie sieht eine typische Woche als Journalistin im Libanon aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist etwas kompliziert, da ich viel unterwegs bin, aber es hängt vom Kontext ab. Es kommt ganz darauf an, ob man sich in einer Phase der Eskalation, eines hochintensiven Krieges oder in ruhigeren Phasen befindet. Als Korrespondentin besteht die Verpflichtung, jederzeit reagieren zu können. Natürlich plane ich Interviews und Treffen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, Beziehungen zu knüpfen und Hintergrundinformationen zu erhalten. Diese Arbeit steht weniger im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschehen, liefert aber Stoff für Artikel und trägt zum Verständnis des Landes bei. Daneben gibt es die dringenden Einsätze: Wenn an einem Ort etwas passiert, steige ich ins Auto und fahre hin. Das kann um 6 Uhr morgens sein, am frühen Nachmittag, am anderen Ende des Landes oder an einem Sonntag. Diese Reaktionsfähigkeit ist absolut zentral.</span></p>
<p><b>Im Gegensatz zu anderen Korrespondenten haben Sie sich dafür entschieden, ohne Fixer vor Ort zu arbeiten. Warum?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Genau darin liegt die Stärke einer lokalen Korrespondentin: Man nimmt sich die Zeit, ein eigenes Netzwerk mit direkten Kontakten aufzubauen. Wenn es die Situation erfordert, kann ich meine Quellen direkt anrufen, um zu erfahren, ob eine Strasse offen, gesperrt oder gefährlich ist. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt: Fixer verlangen extrem hohe Honorare. Fernsehsender oder grosse US-Medien zahlen Summen, die wir als Printjournalisten nicht aufbringen können. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass man ohne Vermittler eine andere, menschlichere Beziehung zu den Menschen vor Ort aufbauen kann.</span></p>
<p><b>Hat die Gewalt gegen Medienschaffende und Zivilpersonen in den letzten Monaten zugenommen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt natürlich schreckliche Beispiele, wie das von Amal Khalil, einer Kollegin, mit der ich zusammengearbeitet habe. Sie und ihre Kollegin befanden sich direkt hinter einem Auto, als dieses von einer Drohne getroffen wurde. Sie suchten sofort Zuflucht in einem Gebäude, das wiederum von einem israelischen Kampfflugzeug getroffen wurde. Das Rote Kreuz und die libanesische Armee versuchten, einzugreifen, um sie zu bergen, wurden jedoch von der israelischen Armee beschossen. Die Sperrung des Zugangs dauerte sechs Stunden. Als das Rote Kreuz endlich herankommen konnte, war Amal bereits ihren Verletzungen erlegen. Als Europäer geniessen wir einen relativen Schutz, doch unsere libanesischen Kolleginnen und Kollegen stehen an vorderster Front. Im Süden ist eine systematische, gezielte Bekämpfung von Rettungskräften und Medienschaffenden zu beobachten. In diesem Jahr, angesichts der massiven Evakuierungen, ist jedes Fahrzeug, das in Bewegung ist, zu einem Ziel geworden. Unsere Handlungsspielräume sind minimal und erfordern das Eingehen grosser Risiken.</span></p>
<p><b>Wie bewerten Sie angesichts einer solchen Gefahr diese Risiken? Sehen Sie in Bezug auf die Sicherheit einen Unterschied zu Ihren festangestellten Kollegen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Sicherheit vor Ort ist sehr unbeständig, sie ändert sich innerhalb weniger Minuten. Einige meiner festangestellten Kollegen müssen für jeden Einsatz die Genehmigung eines Sicherheitsbeauftragten einholen, der in Paris oder anderswo stationiert ist. Für mich ist diese Vorgehensweise kontraproduktiv. Vor Ort beobachtet man eine Ruhepause direkt, stellt fest, dass gerade keine Drohne in der Luft ist, weiss, wen man treffen wird. Da muss man die Gelegenheit beim Schopf packen. Das Warten auf Genehmigungen von Vorgesetzten aus der Ferne blockiert dies. Die Risikoeinschätzung aus einem Pariser Büro </span><span style="font-weight: 400;">hat nichts mit der Realität vor Ort zu tun. Aber es gibt kein Nullrisiko.</span></p>
<p><b>Das heisst?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Gefahr im Liban</span><span style="font-weight: 400;">on besteht heute nicht darin, von einem Splitter getroffen zu werden und darauf zwei Monate krankgeschrieben zu werden. Aus Gesprächen mit medizinischem Personal weiss man, dass die Überlebenschancen bei einem Drohnenangriff auf ein Auto praktisch gleich null sind. Die Frage wird dann zu einer rein journalistischen: Ich gehe nicht vor Ort, nur um dorthin gegangen zu sein. Die Abwägung muss streng sein: Rechtfertigen die Informationen, die ich erhalten werde, dieses spezifische Risiko? Wenn das redaktionelle Ziel entscheidend ist, dann nehme ich dieses Risiko in Kauf. Mit der Erfahrung entwickelt man auch Reflexe, man lernt, das Verhalten einer Drohne über unseren Köpfen zu analysieren oder sich in den Schatten zu begeben. Denn man weiss, dass man in der Sonne viel besser sichtbar ist.</span></p>
<p><b>Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen festangestellten Medienschaffenden und freiberuflichen Korrespondentinnen wie Ihnen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das eigentliche Grundproblem ist der gravierende Mangel an Mitteln und die systemische Unterbezahlung freiberuflicher Korrespondenten. Um ehrlich zu sein, verdiene ich weniger als den Genfer Mindestlohn. Ich komme gerade so über die Runden, weil ich keine Kinder habe, aber es ist eine zermürbende Arbeit, sieben Tage die Woche, seit Monaten. Und die Mehrheit meiner freiberuflichen Kollegen verdient noch viel weniger als ich. Meine Situation ist nicht die prekärste, da ich weiss, dass mich einige Medien unterstützen. Ich fühle mich in dieser Hinsicht sicher, aber eine solche prekäre Lage treibt uns zu eher grösseren Risiken und Gefahren. Das bedeutet etwa auch, auf einen Psychologen zu verzichten, weil das zu teuer ist. Um einen Artikel verkaufen zu können, sehen sich manche Freiberufler gezwungen, unverhältnismässige Risiken einzugehen. Ich sehe Kollegen, die Zwangsstörungen entwickeln, unter Schlaflosigkeit leiden, extrem nervös werden – bis zu dem Punkt, an dem sie den Beruf komplett aufgeben. In der Schweiz bietet der Status als Freiberufler absolut keine Sicherheit. Wenn ich morgen ein gesundheitliches Problem habe, stellt sich sofort die Frage: Wie lange kann ich finanziell durchhalten, bevor ich wieder arbeiten muss?</span></p>
<p><b>Sie leben derzeit in Beirut. Wie sieht Ihr Alltag aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kurz vor unserem Gespräch musste ich alle Fenster meiner Wohnung schliessen, weil eine Drohne über meinem Wohnhaus kreiste. Sonst wäre das Summen so laut, dass Sie mich nicht hören könnten. Ich habe das Glück, in einem christlichen Viertel zu wohnen, das von direkten Bombardements verschont bleibt. Aber die psychologische Kriegsführung ist allgegenwärtig. Der Konflikt hat sich in letzter Zeit verschärft, doch schon seit Monaten sind wir unvorhersehbaren Bombardements und einer permanenten Anspannung ausgesetzt. Der Alltag mit Drohnen über dem Kopf ist zermürbend. Die Lautstärke dieser Fluggeräte ist ohrenbetäubend und dringt körperlich in einen ein: Wenn die Drohne sehr tief herabfliegt und stundenlang in der Luft verharrt, spüre ich, wie mein Herzschlag schneller wird und sich meine Muskeln anspannen. Die Nachbarn regen sich auf, die Kinder weinen, die Tiere geraten in Panik. Mein Vater, der mir immer sagte, ich würde übertreiben, hat mich letztes Jahr besucht. Nach zwei Tagen mit ununterbrochenem Drohnenlärm wurde er fast wahnsinnig und konnte nicht verstehen, wie man diese ständige Verletzung des Luftraums ertragen kann. Im Libanon ist dieser ständige Lärm leider zur Normalität geworden. </span></p>
<p><b>Beeinträchtigt diese Erschöpfung die Qualität Ihrer Arbeit?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das erfordert enorme Energie. Ich liebe dieses Land und seine Bewohner von ganzem Herzen, und es ist eine bewusste Entscheidung meinerseits, hier zu sein. Aber nach wochenlangen Bombardements gibt es Momente, in denen ich einfach nur nach Hause gehen, zur Ruhe kommen und unter normalen Bedingungen Journalismus betreiben möchte – dort, wo es durchgehend Strom gibt, wo Ruhe herrscht und wo man ordentlich essen und schlafen kann. Wenn ich in die Schweiz zurückkehre, ordnen sich die Gedanken in meinem Kopf ganz klar, einfach weil ich schlafen konnte. Die Denkfähigkeit ist beeinträchtigt, wenn ein Grossteil der täglichen Energie für reine Überlebensmechanismen benötigt wird. </span></p>
<p><b>Sie haben Ihr Vertrauensnetzwerk vor Ort erwähnt, aber wie ist die allgemeine Einstellung der Bevölkerung gegenüber Journalisten? Stellen Sie Misstrauen fest oder hat sich die Lage in den letzten Jahren verändert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich habe die israelische Armee erwähnt, aber es gibt auch die Hisbollah, die im Südlibanon kämpft. Sie überwachen unsere Positionen und Bewegungen sehr genau. Es ist immer noch möglich, sich zurechtzufinden, aber das erfordert viel Mühe, Kontakte und Geduld. Wenn ein Versuch am ersten Tag scheitert, muss man es am nächsten Tag erneut versuchen, in der Hoffnung, nicht auf die Person zu stossen, die den Weg versperrt. Das ist eine ständige Herausforderung, aber genau das macht den Beruf auch so faszinierend. Im Iran und in Teilen Syriens kommt man zum Beispiel nicht um einen Fixer herum, was die Freiheit einschränkt. Er schuldet den Behörden Rechenschaft und riskiert Ärger, wenn die journalistische Arbeit zu forsch oder kritisch ausfällt. In Jordanien sind die Kontrollen streng, und der Norden Israels ist für Journalisten fast vollständig abgesperrt. Die gesamte Region unterliegt einer umfassenden Zugangsbeschränkung.</span></p>
<h6><strong>Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz</strong></h6>
<p><em>(Titelbild: Alexndra Henry. Auf dem Foto: Sophie Woeldgen fotografiert Panzer in der Nähe des Kontrollpunkts, der nach Kobane am Euphrat führt. Die Strasse war Ende Januar 2026 von Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erobert worden.)</em></p>
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		<title>Die Presse in Hongkong leidet seit sechs Jahren unter dem drakonischen National Security Law</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/die-presse-in-hongkong-leidet-seit-sechs-jahren-unter-dem-drakonischen-national-security-law/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 12:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-06-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute vor genau sechs Jahren, am 30. Juni 2020, wurde in Hong Kong durch die Regierung Xi Jinpings in Peking das einschneidende und drakonische Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Law) verabschiedet. Seitdem gilt in der Sonderverwaltungszone Hongkong sämtliche öffentliche Äusserung oder kundgetane Absicht, Hongkong von China abzuspalten, als Straftat. Das Gesetz kann dabei so [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute vor genau sechs Jahren, am 30. Juni 2020, wurde in Hong Kong durch die Regierung Xi Jinpings in Peking das einschneidende und drakonische Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Law) verabschiedet. Seitdem gilt in der Sonderverwaltungszone Hongkong sämtliche öffentliche Äusserung oder kundgetane Absicht, Hongkong von China abzuspalten, als Straftat. Das Gesetz kann dabei so weit ausgelegt werden, dass dessen Folgen für die Hongkonger Demokratiebewegung sowie für die Medien und die Pressefreiheit bis heute schwerwiegend sind. Zahlreiche Medien mussten in den vergangenen sechs Jahren den Betrieb einstellen, Redaktionsräume wurden von den Sicherheitskräften durchsucht. Und prominente Medienschaffende und Medienunternehmer wie Jimmy Lai oder Patrick Lam wurden auf Basis fingierter Anklagepunkte inhaftiert und mundtot gemacht. Mindestens 19 Medienschaffende wurden seit 2020 in Hongkong inhaftiert, einige davon sind noch immer nicht frei.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der wohl bekannteste ist Jimmy Lai. Seit über fünfeinhalb Jahren, </span><a href="https://rsf.org/en/2000-days-behind-bars-time-running-out-jimmy-lai" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">seit über 2000 Tagen</span></a><span style="font-weight: 400;">, sitzt er in Hongkong willkürlich hinter Gittern, ein substanzieller Teil davon in Einzelhaft. Erst im Dezember 2025 wurde ein neuerlicher Schuldspruch gegen Lai gefällt: 20 Jahre Haft. Ihm werden Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften sowie die Veröffentlichung aufrührerischer Inhalte im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit als Herausgeber der Zeitung «Apple Daily» vorgeworfen. Das eigentliche Urteil wurde erst im Februar 2026 gefällt, es ist das bislang härteste Verdikt, das auf Basis des National Security Laws gegen einen Journalisten in Hongkong verhängt wurde.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Für ähnlich viel Aufsehen sorgte 2024 der Prozess gegen die beiden Journalisten der früheren Zeitung «Stand News», Patrick Lam und Chung Pui-kuen. Die Redaktion von «Stand News» war bereits Ende 2021 von Sicherheitskräften gestürmt worden, sodass die Zeitung ihren Betrieb einstellen musste. Die Anklagepunkte gegen Lam und Pui-kuen fielen im Urteil 2024 zwar nicht unter das National Security Law, «Stand News» war zuvor aber zum Risiko für die nationale Sicherheit Hongkongs erklärt worden. Lam und Pui-kuen wurden wegen Aufruhr und Staatsgefährdung zu elf respektive 21 Monaten Haft verurteilt – auf Basis des Hongkonger Grundgesetzes, des Hong Kong Basic Laws.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Prozesse gegen Lai sowie gegen Lam und Pui-kuen stehen exemplarisch für den drastischen Rückgang der Pressefreiheit in Hongkong in den vergangenen Jahren. 2010 belegte Hongkong in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF noch Platz 34 von 180 erfassten Ländern und Territorien. 2019 lag die Sonderverwaltungszone bereits auf Rang 73. Und heute sind die Probleme derart gross geworden, dass Hongkong nur noch auf Rang 140 liegt. Die Lage der Pressefreiheit gilt insgesamt als sehr ernst und es handelt sich um einen der stärksten Rückgänge der Pressefreiheit, den RSF in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beobachtet hat. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF hat die Vorgänge in der Sonderverwaltungszone stets eng begleitet und dabei das harsche Vorgehen der Behörden selbst erlebt. Diese gehen nicht nur gegen Medienschaffende vor, sondern auch gegen NGOs wie Reporter ohne Grenzen selbst. Die RSF-Mitarbeiterin Aleksandra Bielakowska wurde 2024 am Flughafen Hongkong unter diffusen Vorwänden </span><a href="https://rsf.org/en/hong-kong-rsf-representative-detained-and-deported-attempt-monitor-jimmy-lai-s-national-security" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">gar für einige Stunden inhaftiert, an der Einreise gehindert und anschliessend deportiert</span></a><span style="font-weight: 400;">. Die Arbeit und Anwesenheit von RSF beunruhigte die Behörden in Hongkong offenbar zu sehr, als dass sie Bielakowska tatenlos hätten einreisen lassen können.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz des Gesetzes zur nationalen Sicherheit und trotz der immer härteren Repression gegen die Presse liessen und lassen sich die Medienschaffenden in Hongkong nicht brechen. Patrick Lam von «Stand News» liess 2024 in seiner </span><a href="https://x.com/hkdc_us/status/1829119010694181301" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Stellungnahme nach dem Urteil gegen ihn und Chung Pui-kuen</span></a><span style="font-weight: 400;"> verlauten: «Wir deckten Wahrheiten auf, die sonst verborgen geblieben wären, selbst wenn es schwierig war. Wir setzten uns für Machtlose und Minderheiten ein, trotz Angriffen und Verurteilungen. Wir dokumentierten so viel wie möglich über den Alltag in Hongkong. Wir wollten die Geschichten niederschreiben, bevor sie verschwanden. Doch wir alle wussten: Unsere Freiheit nahm ab. Trotzdem entschieden sich viele, zu bleiben, aufzustehen und den begrenzten Raum zu nutzen.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und Jimmy Lais Sohn Sebastien sagte im Februar 2026 </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=W15ZWKTWIkg" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">gegenüber US-amerikanischen Medien</span></a><span style="font-weight: 400;">, dass sein Vater bei der Urteilsverkündung im Februar stoisch ruhig geblieben sei. Er habe gar gelächelt, «als Akt des Widerstandes». Das habe Sebastien Lai Kraft gegeben. China habe damit vielleicht Jimmy Lai physisch ins Gefängnis gesteckt, nicht aber seinen Kampfgeist, betonte Sebastien. Dieser Kampfgeist kam für Jimmy Lai zwar mit einem sehr hohen Preis, dem Preis seiner Freiheit. Und doch dient er als Inspiration für die verbleibende noch freie Presse in der Region, als Anhaltspunkt und Ansporn. Denn die Freiheiten, die noch bleiben, müssen genutzt und gesichert werden. Sonst werden auch diese vollends verschwinden.</span></p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
<p><em>(Titelbild: Keystone-SDA)</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Verdoppelung in fünf Jahren: Medienschaffende aus immer mehr Ländern müssen zunehmend aus dem Exil arbeiten</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/verdoppelung-in-fuenf-jahren-medienschaffende-aus-immer-mehr-laendern-muessen-zunehmend-aus-dem-exil-arbeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 09:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlichte Reporter ohne Grenzen (RSF) eine Karte des Exils von Journalistinnen und Journalisten. Darin enthalten sind die seit 2021 von RSF im Exil unterstützten Medienschaffenden. Dabei zeigt sich: In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl Länder, aus denen Medienschaffende fliehen mussten, verdoppelt. Mehr als 1’400 Journalistinnen und Journalisten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlichte Reporter ohne Grenzen (RSF) eine Karte des Exils von Journalistinnen und Journalisten. Darin enthalten sind die seit 2021 von RSF im Exil unterstützten Medienschaffenden. Dabei zeigt sich: In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl Länder, aus denen Medienschaffende fliehen mussten, verdoppelt. Mehr als 1’400 Journalistinnen und Journalisten aus mindestens 65 Ländern wollen heute auch im Exil ihrer Arbeit als Journalist oder Journalistin nachgehen. Doch ihre Tätigkeit ist teils mit grossen Gefahren sowie mit restriktiven Aufnahme- und Einwanderungspraktikten verbunden. </strong></p>
<p><iframe style="width: 100%; height: 600px;" title="Interactive or visual content" src="https://routes-de-l-exil.data.rsf.org/?lang=en" frameborder="0" scrolling="no" sandbox="allow-same-origin allow-forms allow-scripts allow-downloads allow-popups allow-popups-to-escape-sandbox allow-top-navigation-by-user-activation"></iframe></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Die Routen des Exils der von RSF unterstützten Medienschaffenden zeichnen jedes Jahr eine globale Kartografie der Repression. Anlässlich des Weltflüchtlingstags zieht RSF eine ernüchternde Bilanz, die die Erkenntnisse der Rangliste der Pressefreiheit von 2026 widerspiegelt: In den letzten fünf Jahren wurden 1’468 Reporterinnen und Reporter aus mehr als 60 Ländern von RSF unterstützt, weil sie vor Drohungen, Haft oder gar dem Tod fliehen mussten. Und mit der Flucht endet das Leid der Medienschaffenden nicht, da Erpressung, Ausweisungen oder administrative Schikanen weiterhin zu ihrem Alltag gehören. Staaten müssen exilierten Journalistinnen und Journalisten einen effektiven Schutz bieten. Sei das durch Garantien, sie nicht wieder zurückzuweisen, durch Notfall-Visa, durch dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen, durch Programme zur Neuansiedlung oder durch Unterstützung bei der Wiederaufnahme ihrer Arbeit. Denn nur so kann das Recht auf verlässliche Informationen auch im Exil verteidigt werden.»</span></p>
<p><b>Vianney Loriquet</b><b><br />
</b><b>Datenjournalist und Verantwortlicher der Rangliste der Pressefreiheit bei RSF</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Zwischen 2021 und 2025 hat der Weg ins Exil ganze Teile des unabhängigen Journalismus in vielen Ländern getroffen: 677 Medienschaffende flohen aus Afghanistan, 160 aus Russland, 101 aus Myanmar, und hunderte weitere aus sechzig anderen Ländern.</span><b></b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Einige davon gelangten über Umwege in die Schweiz. Entsprechend hat die Schweizer Sektion von RSF in den vergangenen Jahren ebenfalls einige Medienschaffenden im Exil unterstützt, die aus ihrer Heimat aufgrund von Verfolgung oder Gefahr des eigenen Lebens fliehen mussten. Die Unterstützung für sie ist möglich dank des eigens dafür eingerichteten Unterstützungs- und Solidaritätsfonds. In den letzten Jahren konnte RSF Schweiz dadurch mehrere Medienschaffende unterstützen, unter anderem aus den kurdischen Regionen der Türkei, aus Belarus oder aus Syrien.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Phänomen des Journalismus im Exil weitet sich dabei weltweit aus und ist nicht regional beschränkt. </span><span style="font-weight: 400;">Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich die Zahl der betroffenen Länder verdoppelt – von 19 im Jahr 2021 auf 40 im Jahr 2025. Im selben Zeitraum blieb die Zahl der ins Exil gezwungenen Medienschaffenden, welche Unterstützung von RSF erhalten haben, auf einem hohen Niveau: 235 im Jahr 2021 und 243 im Jahr 2025. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Verschlechterung der Sicherheitslage in vielen Ländern der Welt sowie die damit einhergehenden politischen Krisen sind mithin ein Grund für die Zunahme der Länder, aus denen Medienschaffende ins Exil fliehen mussten.</span></p>
<h5><b>Subsahara-Afrika: Verschlechterung der Sicherheitslage in der Sahelzone und in der Region der Grossen Seen</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Wiederaufnahme der Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) hat in jüngster Zeit mehr Menschen, auch Medienschaffende, zur Flucht gezwungen. Im Jahr 2025 flohen 21 Journalistinnen und Journalisten dank Unterstützung von RSF aus dem Land, die meisten von ihnen nach Burundi und Uganda. Und in der Sahelzone erstreckt sich das Phänomen inzwischen auf eine wachsende Liste von Ländern: Etwa auf Mali, Tschad, Guinea oder Burkina Faso bis in den Senegal.</span></p>
<h5><b>Lateinamerika: Klima politischer und krimineller Gewalt</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">In Latein- und Südamerika ist eine besorgniserregende Dynamik zu beobachten: Instabile Institutionen, autoritäre Regime wie in El Salvador oder Venezuela sowie wachsender Druck der Kartelle auf den unabhängigen Journalismus tragen zu einem Klima politischer und krimineller Gewalt bei. Seit dem 1. Januar 2026 wurden bereits 15 Journalistinnen und Journalisten in Mexiko, Kolumbien und Guatemala getötet. Um ein ähnliches Schicksal zu vermeiden, haben sich in der Region Dutzende Journalistinnen und Journalisten ins Exil begeben. Diese Fälle lassen sich jedoch oft kaum quantifizieren, da RSF in solch instabilen Kontexten nur einen Teil des Phänomens erfassen kann.</span></p>
<h5><b>Repression, Ausweisungen, Inhaftierungen: die Eskalation des afghanischen Exils</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Afghanistan ist seit dem Fall von Kabul am 15. August 2021 zum globalen Epizentrum des Exils von Journalistinnen und Journalisten geworden. Innerhalb von fünf Jahren sind 677 afghanische Journalistinnen und Journalisten mit Unterstützung von RSF aus dem Land geflohen. Das sind fast die Hälfte aller von RSF erfassten Fälle </span><span style="font-weight: 400;">weltweit</span><span style="font-weight: 400;">. Auf über 28 Länder verstreut, verkörpern die afghanischen Medienschaffenden heute eine der grössten Exil-Bewegungen in der jüngeren Geschichte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Laut den Zahlen des Assistance-Desks von RSF erreichten die Abwanderungs- und Fluchtbewegungen bereits 2022 ihren Höhepunkt. Damals wurden 183 afghanische Journalistinnen und Journalisten ins Exil gezwungen. Die Nachwirkungen davon sind weiterhin spürbar. Im Jahr 2025 mussten erneut 82 Journalistinnen und Journalisten das Land verlassen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch auch in dem Land, in dem sie Zuflucht gefunden haben, sind viele dieser Journalistinnen und Journalisten nicht in Sicherheit. Viele landen im benachbarten Pakistan. Dort wurde 2023 im Kontext der Spannungen zwischen der pakistanischen Regierung und dem Taliban-Regime in Afghanistan afghanische Geflüchtete in grossem Ausmass wieder abgeschoben. Mindestens rund fünfzig Medienschaffende <a href="https://rsf.org/fr/pakistan-l-exil-bris%C3%A9-des-journalistes-afghans-renvoy%C3%A9s-vers-le-cauchemar-taliban-pendant-que-le" target="_blank" rel="noopener">gewaltsam wieder nach Afghanistan zurückgeschickt</a>. Die Aufenthaltsgenehmigungen der afghanischen Exilierten werden kaum noch verlängert, wodurch sie in die Illegalität gedrängt werden.</span><b style="color: #333333; font-size: 16px;"></b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein afghanischer Journalist im pakistanischen Exil in Islamabad berichtete bereits im März 2026 gegenüber RSF: «Nachdem ich einen ganzen Tag in einem pakistanischen Polizeigewahrsam verbracht hatte, wurde ich gezwungen, 115’000 pakistanische Rupien </span><span style="font-weight: 400;">[rund 330 CHF Franken]</span><span style="font-weight: 400;"> zu zahlen, um meine Abschiebung zu vermeiden und meine Freilassung zu erwirken. Anfang Februar forderte mich der Vermieter meines Hauses auf, die Wohnung zu verlassen.»</span><b style="color: #333333; font-size: 16px;"></b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In Afghanistan setzt das Taliban-Regime seine strikte Kontrolle über den öffentlichen Raum derweil fort. <a href="https://rsf.org/barometre" target="_blank" rel="noopener">Laut Datenvon RSF</a> werden im Land weiterhin fünf Journalistinnen und Journalisten offiziell gefangen gehalten. Für afghanische Medienschaffende wird der Handlungsspielraum von Jahr zu Jahr kleiner: Entweder sie geben ihren Beruf als Journalist oder Journalistin auf, oder sie begeben sich ins Exil, oder sie riskieren eine Inhaftierung.</span><b style="color: #333333; font-size: 16px;"></b></p>
<h5><b>Myanmar: Die Junta will die Presse zum Schweigen bringen</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch in Myanmar ist die Lage dramatisch.</span><span style="font-weight: 400;"> In vier Jahren wurden mehr als einhundert von RSF unterstützte Journalistinnen und Journalisten gezwungen, das Land zu verlassen. Seit dem Militärputsch im Februar 2021 <a href="https://rsf.org/fr/birmanie-quatre-ans-apr%C3%A8s-le-coup-d-%C3%A9tat-le-documentaire-de-rsf-d%C3%A9voile-la-r%C3%A9sistance-des" target="_blank" rel="noopener">führt die myanmarische Militärjunta eine unerbittliche Repression gegen die Presse</a>. Sieben Medienschaffende sowie Verteidiger der Pressefreiheit wurden dabei gar getötet. Insgesamt haben rund 300 myanmarische Journalistinnen und Journalisten im benachbarten Thailand Zuflucht gefunden. Die Bedingungen für diese Exilierten sind aber prekär: Die Mehrheit arbeitet für niedrige Löhne, ohne rechtlichen Status und ohne Krankenversicherung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Reaktion darauf hat RSF mehr als 350 myanmarische Journalistinnen und Journalisten unterstützt. Einerseits vor Ort im Land selbst, andererseits im Exil. Letzteres wurde insbesondere möglich durch das <a href="https://rsf.org/fr/en-pleine-guerre-civile-le-programme-rsf-pour-la-libert%C3%A9-de-la-presse-en-birmanie-soutenu-plus-de" target="_blank" rel="noopener">Myanmar Press Freedom Project</a>, das 2024 von Thailand aus gestartet wurde.</span></p>
<h5><b>Russland: Der Kreml verfolgt Medienschaffende über die Landesgrenzen hinaus</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Der gross angelegte Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 markierte einen tiefgreifenden Bruch. Der Kreml hat in dieser Zeit auch sein Vorgehen gegen die unabhängige Presse im Land stark verschärft. 78 ins Exil geflüchtete Medienschaffende aus Russland erhielten damals Unterstützung von RSF. Im Jahr zuvor, 2021, waren es erst vier gewesen. Seit 2021 hat RSF insgesamt 160 russische Journalistinnen und Journalisten auf ihrem Weg ins Exil unterstützt. Die Gesamtzahl der Medienschaffenden, die das Land verlassen mussten, lag jedoch bereits 2023 <a href="https://rsf.org/fr/rsf-exhorte-les-etats-europ%C3%A9ens-%C3%A0-renforcer-leur-soutien-au-journalisme-russe-ind%C3%A9pendant-3" target="_blank" rel="noopener">laut einem Bericht von The Fix und dem JX Fund</a> – einem von RSF gegründeten Unterstützungsfonds für Exiljournalismus – zehnmal höher.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der unabhängige Journalismus ist aus Russland mittlerweile fast vollständig verschwunden. Russische Exilmedien werden dadurch zu einem der letzten Kanäle freier Information für die russische Bevölkerung. <a href="https://rsf.org/fr/rapport-jx-fund-les-m%C3%A9dias-russes-en-exil-un-rempart-fragile-que-l-europe-doit-soutenir-d-urgence" target="_blank" rel="noopener">Laut einem weiteren Bericht vom JX Fund und von The Fix aus dem Jahr 2025</a> sind aktuell 63 unabhängige russische Medien aus dem Ausland aktiv. Und dies trotz der wirtschaftlich prekären Lage und trotz des anhaltenden Drucks des Kremls. Der Bericht schätzt die Reichweite dieser Medien auf 6 bis 9 % der erwachsenen russischen Bevölkerung, also auf mehrere Millionen Menschen. Russland scheut aber nicht davor zurück, auch diese Medien zum Schweigen zu bringen und verlagert seine Repression inzwischen auch über die eigenen Landesgrenzen hinweg aus. Zwischen Februar 2022 und September 2025 wurden 66 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit verhaftet oder in Abwesenheit verurteilt, <a href="https://rsf.org/fr/exil%C3%A9s-condamn%C3%A9s-traqu%C3%A9s-comment-la-russie-exporte-sa-r%C3%A9pression-judiciaire-contre-pr%C3%A8s-de-70" target="_blank" rel="noopener">wie Daten zeigen, die RSF mit denen von Justice for Journalists (JFJ)</a> abgeglichen hat.</span></p>
<h5><b>Ägypten, Türkei: Aufnahme ohne Schutz der Pressefreiheit</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Länder wie Ägypten oder der Türkei nehmen einerseits Medienschaffenden, die vor Konfliktgebieten in der Region fliehen, auf. Gleichzeitig begeben sich aus diesen beiden Ländern verfolgte Medienschaffende aufgrund verschärfter Unterdrückung selbst ins Exil. In Ägypten ist diese Ambivalenz besonders klar: Seit 2021 haben dort mindestens 31 von RSF unterstützte Medienschaffende, vor allem aus dem Sudan sowie aus den palästinensischen Gebieten, Zuflucht gefunden. Einige <a href="https://rsf.org/fr/soudan-les-m%C3%A9dias-en-exil-fragiles-canaux-d-information-sur-une-guerre-oubli%C3%A9e" target="_blank" rel="noopener">sudanesische Medien</a> berichten weiterhin aus Ägypten. Insgesamt sollen mehr als 300 Journalistinnen und Journalisten vor dem Krieg im Sudan nach Ägypten geflohen sein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Medien kämpfen jedoch nach wie vor gegen Zensur seitens der sudanesischen Regierung, die dabei von Akteuren in Ägypten unterstützt wird. Ein Journalist des Senders Sudania 24 berichtete RSF im Jahr 2025: «Das Team unseres Senders, insbesondere der Moderator der Sendung, wurde weiterhin unter Druck gesetzt, eine Stellungnahme der sudanesischen Armee zu veröffentlichen. Weiter sind auch Einschüchterungen, Ausweisungen aus dem Land, ja gar Diffamierungskampagnen oder Morddrohungen an der Tagesordnung.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Gleichzeitig sind im selben Zeitraum mindestens elf Medienschaffende aus Ägypten geflohen. Unter der Militärdiktatur von Präsident Abdel Fattah al-Sisi bleibt das Land eines der grössten Gefängnisse der Welt für Journalistinnen und Journalisten, trotz vereinzelten Freilassungen wie derjenigen des Bloggers und Journalisten <a href="https://rsf.org/fr/%C3%A9gypte-le-journaliste-anglo-%C3%A9gyptien-alaa-abdel-fattah-enfin-lib%C3%A9r%C3%A9" target="_blank" rel="noopener">Alaa Abdel Fattah</a> im Jahr 2025. 18 weitere Medienschaffende sind aber nach wie vor in Ägypten inhaftiert – nur, weil sie ihrer Arbeit als Journalist oder Journalistin nachgegangen sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch in der Türkei zeigt sich eine ähnliche Dynamik. Als regionaler Aufnahmepool für Geflüchtete haben sich dort seit 2021 mindestens 46 exilierte Journalistinnen und Journalisten aus Afghanistan, Palästina oder Syrien niedergelassen. <a href="https://rsf.org/fr/turquie-la-r%C3%A9pression-anti-presse-du-pr%C3%A9sident-erdogan-n-pas-de-fronti%C3%A8re" target="_blank" rel="noopener">Medienschaffende in der Türkei ist jedoch kaum an eine unabhängie Ausübung des Berufs zu denken</a>. Gemäss den Daten des Assistance-Desks von RSF sind zwischen 2021 und 2025 mindestens zehn Medienschaffende aus der Türkei geflohen. Die reale Zahl liegt allerdings wohl deutlich höher.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«Wenn Medienschaffende gezwungen sind, aus dem eigenen Land zu fliehen, endet ihre Bedrohung durch das Exil nicht. Prekäre Lebensumstände, Isolation sowie transnationale Repression gehen meist mit administrativen und sprachlichen Schwierigkeiten im Aufnahmeland einher. Dennoch liefern diese Medienschaffende weiterhin unverzichtbare Arbeit, oft unter Einsatz ihrer Sicherheit oder ihres Lebens. Ihnen Schutz zu gewähren und die Fortsetzung ihrer journalistischen Tätigkeit zu ermöglichen, ist nicht nur eine humanitäre Verpflichtung. Es ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die Verteidigung des Rechts auf Information und für den Erhalt einer demokratischen Debatte. Die Staaten tragen die Verantwortung, ihnen Aufnahme-, Schutz- und Integrationsbedingungen zu bieten, die dieser Herausforderung angemessen sind.»</span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span><b>Victoria Lavenue</b><b><br />
</b><b>Leiterin des Assistance-Desks von RSF</b><b></b></p></blockquote>
<h5><b>Exiljournalismus als Bollwerk gegen Desinformation</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF gibt nun zehn Empfehlungen für Länder heraus, die exilierte Journalistinnen und Journalisten aufnehmen. Diese sind in drei Hauptbereiche unterteilt: rechtlicher Schutz, finanzielle Unterstützung und Kapazitätsaufbau.</span></p>
<h6><b>RECHTLICHEN SCHUTZ STÄRKEN</b></h6>
<p><span style="font-weight: 400;">1.</span><span style="font-weight: 400;">Langzeitvisa gewähren, um gefährdeten Medienschaffenden sowie ihren Familien einen sofortigen, erneuerbaren Schutz zu bieten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">2.</span><span style="font-weight: 400;">Die Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen und langfristigen Arbeitserlaubnissen erleichtern, damit exilierte Journalistinnen und Journalisten sich besser im Aufnahmeland niederlassen und ihre Tätigkeit dort wieder aufnehmen können. Insbesondere dann, wenn eine baldige Rückkehr in ihr Herkunftsland unwahrscheinlich ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">3.Warnmechanismen bei der Polizei einrichten, die es bedrohten Journalistinnen und Journalisten ermöglichen, sich im Falle transnationaler Repression zu melden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">4.Eine Gesetzgebung verabschieden, die digitale Plattformen dazu verpflichtet, gegen gezielte Online-Belästigung gegen Medienschaffende vorzugehen, um exilierte Medienschaffende vor transnationaler Repression und Missbrauch zu schützen.</span></p>
<h6><strong>SOUTENIR LA VIABILITÉ FINANCIÈRE</strong></h6>
<p><span style="font-weight: 400;">5.Bestehende Programme wie den «Journalism in Exile Fund» finanzieren, um den Übergang von projektbasierten Finanzierungen hin zu einer strukturellen und nachhaltigen Betriebsfinanzierung für Exilmedien zu fördern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">6.Die Registrierung von Exilmedien erleichtern und Steuerbefreiungen sowie öffentliche Subventionen für Exilmedien in ihren ersten Entwicklungsjahren vorsehen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">7.Medienzentren finanzieren und fördern, die Exilmedien Infrastruktur anbieten, beispielsweise Co-Working-Spaces, Produktionsmittel und <a href="https://rsf.org/fr/un-du-projet-voix-en-exil-cfi-la-mdj-rsf-et-singa-organisent-l-%C3%A9v%C3%A9nement-ensemble-pour-la" target="_blank" rel="noopener">Mentoring-Programme</a>. So, wie das Programm «Voix en exil» in Frankreich.</span></p>
<h6><strong>RENFORCER LES CAPACITÉS DES MÉDIAS EN EXIL</strong></h6>
<p><span style="font-weight: 400;">8.Die Entwicklung und gemeinsame Nutzung von Technologien unterstützen, die Zensurmassnahmen umgehen können, wie etwa das <a href="https://rsf.org/fr/bouquet-satellitaire-svoboda" target="_blank" rel="noopener">Satellitenpaket Svoboda</a> oder das Projekt <a href="https://rsf.org/fr/collateral-freedom" target="_blank" rel="noopener">Collateral Freedom</a> von RSF. Dadurch kann Exilmedien geholfen werden, die staatliche Zensur in ihren Herkunftsländern zu durchbrechen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">9.Exilmedien dazu ermutigen, sich einem Zertifizierungsprozess ihrer redaktionellen Praktiken zu unterziehen – insbesondere durch die Einhaltung internationaler Standards wie der <a href="https://journalismtrustinitiative.org/" target="_blank" rel="noopener">Journalism Trust Initiative</a> –, um sie vor externem Druck zu schützen, der ihre journalistische Integrität gefährden könnte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">10.Weiterbildungsprogramme finanzieren, die es exilierten Medienschaffenden ermöglichen, ihre Kompetenzen in Bereichen wie Cybersicherheit, rechtliche und finanzielle Verwaltung, Open-Source-Recherche, Reichweitenmessung usw. weiterzuentwickeln.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>In den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine wird der Zugang zu Informationen zur immer grösseren Herausforderung</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/in-den-von-russland-besetzten-gebieten-der-ukraine-wird-der-zugang-zu-informationen-zur-immer-groesseren-herausforderung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 10:14:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Kreml hat in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten in der Ostukraine soziale Netzwerke sowie nicht-russische Messenger-Dienste teilweise oder vollständig blockiert. Digital weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten, versuchen die Bewohnerinnen und Bewohner der Region dennoch, die Zensur zu umgehen, um mit der Aussenwelt in Kontakt zu bleiben und sich über unabhängige Quellen jenseits der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Kreml hat in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten in der Ostukraine soziale Netzwerke sowie nicht-russische Messenger-Dienste teilweise oder vollständig blockiert. Digital weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten, versuchen die Bewohnerinnen und Bewohner der Region dennoch, die Zensur zu umgehen, um mit der Aussenwelt in Kontakt zu bleiben und sich über unabhängige Quellen jenseits der russischen Propaganda zu informieren. Reporter ohne Grenzen (RSF) hat mit Menschen gesprochen, für die der Zugang zu unabhängigen Informationen nur noch heimlich und im Versteckten möglich ist.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«An einem Tag funktionieren das Internet und Telegram, am nächsten nicht mehr», sagt Ihor*, der in den von Russland besetzten Gebieten der Ostukraine lebt. Um sich zu informieren, ist er auf Dienste angewiesen, die kaum zugänglich sind. Seine Familienangehörigen im Zentrum und im Westen der Ukraine haben hingegen Zugang zu einer vielfältigen Medienlandschaft. Er nicht.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit der gross angelegten Invasion der Ukraine im Jahr 2022 werden Plattformen und Messenger-Dienste der US-amerikanischen Unternehmen wie Facebook, Instagram, X, YouTube und Signal teilweise oder </span><a href="https://rsf.org/en/kremlin-steps-online-censorship-order-silence-last-opposition-voices-ahead-presidential-election" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">vollständig zensiert</span></a><span style="font-weight: 400;">. Gleiches gilt für den zum japanischen Unternehme</span><span style="font-weight: 400;">n Rakuten Group ge</span><span style="font-weight: 400;">hörende Dienst Viber. Das jüngste Ziel der Zensur ist sogar Telegram: Der vom russischen Unternehmer Pawel Durow gegründete Messenger-Dienst wird </span><a href="https://carnegieendowment.org/ru/russia-eurasia/politika/2026/03/russia-internet-telegram-restrictions" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">seit dem vergangenen Frühjahr blockiert</span></a><span style="font-weight: 400;">, weil er beim Kreml in Ungnade gefallen ist. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Moskau hat den digitalen Raum in Russland sowie in den ost- und südukrainischen Gebieten schrittweise abgeschottet und durch </span><a href="https://rsf.org/en/ukraine-s-occupied-territories-kremlin-s-messaging-app-max-building-digital-iron-curtain" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">eigene Anwendungen wie den staatlich geförderten Messenger-Dienst </span><b>Max</b></a> <span style="font-weight: 400;">gefördert</span><b>. </b><span style="font-weight: 400;">RSF hat bereits früher darüber berichtet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Verbotene ukrainische Medien wurden darüber hinaus durch kremlfreundliche </span><a href="https://rsf.org/en/investigation-mysterious-alexander-malkevich-kremlin-propagandist-ukraine" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Online-Portale der Desinformation</span></a><span style="font-weight: 400;"> ersetzt, etwa die Medienholding </span><b>ZaMedia</b><span style="font-weight: 400;">, die 2022 vom russischen Unternehmer Alexander Malkevitsch gegründet wurde. Hinzu kommt die Ansiedlung russischer Medien wie der staatlichen Rundfunkgesellschaft VGTRK, die etwa in der besetzten Stadt Donezk ein Büro eröffnet hat. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Bewohnerinnen und Bewohner der unter russischer Kontrolle stehenden Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja, Cherson sowie der Krim mussten darum ihre Nutzungsgewohnheiten anpassen, um weiterhin Zugang zu vielfältigen und unabhängigen Informationen behalten zu können. </span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«RSF verurteilt die vom Kreml in den besetzten Gebieten orchestrierte Informationssperre. Sie ist dem in Russland üblichen Vorgehen nachempfunden. Die Bevölkerung ist dabei gezwungen, sich im Verborgenen zu informieren – in der Hoffnung, dass die eingesetzten Umgehungsstrategien wie VPNs nicht von einem Tag auf den anderen wirkungslos werden. Es ist inakzeptabel, dass ganze Bevölkerungsgruppen heute auf diese Weise von verlässlichen Informationsquellen abgeschnitten und in ihrem eigenen Land mit russischer Propaganda überhäuft werden.»<br />
</span><b>Pauline Maufrais, Leiterin des Ukraine-Desks bei RSF<br />
</b><b>Vincent Berthier, Leiter des Büros für Technologie und Journalismus bei RSF</b></p></blockquote>
<h5><b>Digitale Kolonisierung in den besetzten Gebieten </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die </span><a href="https://rsf.org/en/ukraine-s-colonisation-begins-its-internet" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">digitale Kolonisierung durch Russland</span></a><span style="font-weight: 400;"> beginnt bereits bei der Telefonnummer: Die Bewohnerinnen und Bewohner der besetzten Gebiete wurden schrittweise gezwungen, ihre ukrainischen SIM-Karten aus der Zeit vor der Besatzung zugunsten russischer oder lokaler Anbieter aufzugeben. Nur so konnten sie weiterhin erreichbar bleiben und Zugang zu bestimmten Verwaltungsdiensten erhalten. </span><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Ich musste zwei russische SIM-Karten kaufen, ich habe das als Zwang und nicht als freie Entscheidung erlebt</span><span style="font-weight: 400;">»</span><span style="font-weight: 400;">, berichtet Maryana, eine seit 2014 im besetzten Gebiet der Krim lebende Bewohnerin. «Generell versuchen wir, jede Umstellung auf alles Russische so lange wie möglich hinauszuzögern», erklärt Tetyana aus Donezk, das seit 2014 teilweise besetzt ist. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ihor aus Luhansk musste sich ebenfalls anpassen. In seinem Fall funktionierten weder ukrainische noch russische SIM-Karten. Er sah sich gezwungen, eine lokale Karte zu nutzen. </span><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Hier funktionieren nicht alle russischen Karten, ich musste mir eine LNR-SIM-Karte kaufen</span><span style="font-weight: 400;">»</span><span style="font-weight: 400;">, erzählt er und bezieht sich damit auf die «Volksrepublik Luhansk» – die Region, die seit 2014 von Russland unterstützt und 2022 vom Kreml völkerrechtswidrig als annektiert erklärt wurde. </span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span></p>
<h5><b>Von einem Messenger-Dienst zum anderen, je nach Restriktionen </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Messaging-Apps und soziale Netzwerke von nicht-russischen Unternehmen, die lange Zeit den Zugang zu Informationen und den Kontakt zur Aussenwelt ermöglichten, wurden nach und nach blockiert. </span><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Zuerst Viber, dann WhatsApp und schliesslich Facebook</span><span style="font-weight: 400;">»</span><span style="font-weight: 400;">, zählt Ihor auf. </span><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Heute gibt es praktisch keinen Messenger-Dienst mehr, der wirklich funktioniert.</span><span style="font-weight: 400;">» </span><span style="font-weight: 400;">Die Bevölkerung suche nach Möglichkeiten, mit ihren Angehörigen in der freien Ukraine in Kontakt zu bleiben. Und diese erzwungene Isolation hinterlässt Spuren. </span><span style="font-weight: 400;">«</span><span style="font-weight: 400;">Es ist traurig. Wir tun alles, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, aber nichts funktioniert richtig</span><span style="font-weight: 400;">»</span><span style="font-weight: 400;">, sagt Ihor.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um diesem eklatanten Defizit entgegenzuwirken, verlassen sich die Menschen teilweise auf die Unterstützung ihrer Angehörigen ausserhalb der besetzten Gebiete. «Wenn mir bestimmte Informationen fragwürdig erscheinen, schicke ich sie an meine Familienmitglieder, die Zugang zu mehr Informationen haben», erklärt Tetyana aus Donezk. Dies geschieht häufig, denn die besetzten Gebiete werden </span><a href="https://euvsdisinfo.eu/russias-information-grip-on-ukraines-occupied-territories/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">von kremlfreundlichen oder direkt von Russland kontrollierten Informationsquellen überflutet</span></a><span style="font-weight: 400;">, während unabhängige Medien </span><a href="https://rsf.org/en/ten-years-russian-occupation-crimea-decade-repression-local-independent-journalism" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">blockiert wurden</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Maryana auf der Krim ist das teilweise zugängliche Telegram trotz der darin enthaltenen zahlreichen prorussischen Propaganda-Netzwerke weiterhin ihre wichtigste Informationsquelle. Ihor wiederum berichtet, dass er das chinesische soziale Netzwerk TikTok nutzt. Dies ist offiziell nicht verboten, auch wenn der Zugang trotz VPN instabil bleibt. Dort findet Ihor zumindest einige Informationen, wie er sagt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Svitlana Zalizetska, die in Saporischschja lebende Chefredakteurin des ukrainischen Mediums RIA-PIVDEN, kommuniziert regelmässig mit Menschen in den besetzten Gebieten der Ostukraine. Sie bestätigt gegenüber RSF, dass der Austausch häufig «nur in eine Richtung» möglich ist. Die Bevölkerung in den besetzten Gebieten könne die Menschen in der freien Ukraine anrufen, nicht aber umgekehrt. Die Sperren erfordern laut Zalizetska zudem ein hohes Mass an Flexibilität: «Man muss ständig nach neuen Messenger-Diensten suchen und Kommunikationsregeln entwickeln, die der tatsächlichen Sicherheitslage entsprechen.» </span></p>
<h5><b>VPNs als vermeintliche Lösung</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Um die Sperren zu umgehen, rüsten sich die Bürgerinnen und Bürger mit technischen Hilfsmitteln aus. VPNs (Virtual Private Networks) verschleiern die IP-Adressen der Nutzerinnen und Nutzer und ermöglichen es ihnen, sich mit Servern ausserhalb der Reichweite der russischen Zensur zu verbinden. Die Zahl der VPN-Downloads ist seit Beginn der Besetzung der Regionen in der Ukraine sprunghaft angestiegen. Google Trends dokumentiert diese hohe Nachfrage auf VPN-Dienste seit der Besetzung. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In den Oblasten Cherson und Saporischschja erreichten die Suchanfragen nach VPNs bereits im Juli 2022 ihren Höhepunkt, als die russischen Besetzer versuchten, den Zugang zu VPNs und zu sozialen Netzwerken zu blockieren.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die beliebtesten Suchanfragen zeigen die Dringlichkeit der Lage: «VPN herunterladen» oder auch «kostenloses VPN». In der Region Donezk wurde der Höhepunkt im August 2024 erreicht, als die YouTube-Übertragungsgeschwindigkeit infolge einer Verwaltungsentscheidung der russischen Behörden </span><a href="https://rsf.org/en/russia-slows-youtube-s-playback-speed-jeopardising-right-information" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">stark eingeschränkt wurde</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<h5><b>Risiko und geringe Stabilität bleiben bestehen</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">VPNs, die auf gängigen Plattformen wie Google Play gefunden werden, funktionieren aufgrund der Blockade häufig nur eingeschränkt. Ihor berichtet: «Vor Kurzem habe ich einen neuen VPN-Dienst gefunden, der aber nur jeden zweiten Tag funktioniert.» Die Nutzung eines VPN bleibt damit ein riskantes Unterfangen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit dem 1. September 2025 verschärft Moskau die Repressionen dagegen. Die Werbung für VPNs kann nun mit hohen Geldstrafen geahndet werden: bis zu 80’000 Rubel (rund</span><span style="font-weight: 400;"> 880 CHF) für Privatpersonen </span><span style="font-weight: 400;">und 500’000 Rubel (kna</span><span style="font-weight: 400;">pp 5’400 CHF) für juristisch</span><span style="font-weight: 400;">e Personen. Auch die Nutzung eines VPN zum Zugriff auf Inhalte, die vom Kreml als «extremistisch» eingestuft werden – wozu zahlreiche unabhängige journalistische Berichterstattungen über den Krieg gehören – wird mit einer Geldstrafe von 5’0</span><span style="font-weight: 400;">00 Rubel (rund 54 CHF) geahndet</span><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<h5><b>Eine kritischere Sicht auf den digitalen Raum</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Zensur und die Einschränkungen in Russland haben die Bevölkerung für das Thema Online-Sicherheit sensibilisiert. «Ich achte heute mehr auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, auf Überprüfung der Verbindungen und bin insgesamt vorsichtiger», sagt Maryana. Der russische Messenger-Dienst Max überzeugt in dieser abgeschotteten digitalen Blase nicht – auch wenn er vom Kreml mit </span><a href="https://rsf.org/en/ukraine-s-occupied-territories-kremlin-s-messaging-app-max-building-digital-iron-curtain" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Nachdruck als Ersatz für blockierte Apps und Messaging-Dienste beworben wurde</span></a><span style="font-weight: 400;">. «Die Bewertungen sind sehr schlecht», berichtet Ihor. Und Maryana bestätigt: Sofern es möglich ist, installieren die Menschen die App auf einem anderen Telefon, das sie nicht viel benutzen. Ein Rückschlag im Unterfangen des Kremls, digitale Kontrolle über die Ostukraine zu erlangen.</span></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">*Aus Sicherheitsgründen wurden alle Interviewten anonymisiert und die Namen der Städte nicht genannt.</span></i></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frankreich: eine beispiellose Entscheidung der Regulierungsbehörde Arcom gegen den Sender CNews</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/frankreich-eine-beispiellose-entscheidung-der-regulierungsbehoerde-arcom-gegen-den-sender-cnews/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 10:10:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Die französische Regulierungsbehörde für audiovisuelle und digitale Inhalte Arcom zeigt sich endlich entschlossen und mahnt den französischen Nachrichtensender CNews im Anschluss an eine Beschwerde von RSF ab. Der Grund: CNews habe gegen die gesetzlichen Verpflichtungen hinsichtlich des Pluralismus verstossen und in seinen Sendeinhalten ein «strukturelles Ungleichgewicht» gehabt. RSF begrüsst diese Entscheidung. Sie wird einerseits den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die französische Regulierungsbehörde für audiovisuelle und digitale Inhalte Arcom zeigt sich endlich entschlossen und mahnt den französischen Nachrichtensender CNews im Anschluss an eine Beschwerde von RSF ab. Der Grund: CNews habe gegen die gesetzlichen Verpflichtungen hinsichtlich des Pluralismus verstossen und in seinen Sendeinhalten ein «strukturelles Ungleichgewicht» gehabt. RSF begrüsst diese Entscheidung. Sie wird einerseits den Verantwortlichkeiten der Regulierungsbehörde gerecht und berücksichtigt gleichzeitig das Ausmass der offensichtlichen, anhaltenden und gewollten Verstösse im Programm von CNews.</strong></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«Die Entscheidung, weniger als ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl, zeigt, dass die Regulierungsbehörde Arcom das Ausmass dessen erkannt hat, was auf dem Sender CNews geschah. Und sie zeigt die Gefahr für verlässliche Information und die öffentliche Debatte auf. Die Arcom setzt den Machenschaften von CNews einen Riegel vor und übernimmt – anders als in der Eskalation der vergangenen Jahre – ihre Verantwortung und setzt nun die nötigen Mittel ein. Die Analysen der Regulierungsbehörde decken sich mit den Untersuchungen von RSF und kommen zum gleichen, unmissverständlichen Befund über den einseitigen Charakter der Programme sowie nur nur sekundäre Rolle der Fakten in den Sendeinhalten. Wir setzen uns seit 2021 für die Einhaltung des Pluralismus auf den Kanälen von CNews ein und waren ein wichtiger Impulsgeber für eine wirksame Regulierung – von der Entscheidung des Staatsrats im Februar 2024 bis zu dieser beispiellosen Entscheidung im Juni 2026. RSF wird das Verhalten des Senders weiterhin aufmerksam beobachten und behält sich das Recht vor, erneut die Arcom anzurufen und CNews sanktionieren zu lassen, sollte das Recht nicht eingehalten werden.»</span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span><b>Thibaut Bruttin</b><b><br />
</b><b>Generaldirektor von RSF</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">In ihrer Entscheidung vom 15. Juni 2026 stellt die französische Behörde für audiovisuelle und digitale Kommunikation (Arcom) ein vernichtendes Urteil fest. Nach der Analyse von 168 Stunden Programm auf CNews im März 2025, die Gegenstand der <a href="https://rsf.org/en/how-french-channel-cnews-cheating-its-way-out-new-pluralism-rules-broadcasters" target="_blank" rel="noopener">Untersuchung</a> und der <a href="https://rsf.org/fr/d%C3%A9faut-de-pluralisme-sur-la-cha%C3%AEne-fran%C3%A7aise-cnews-rsf-saisit-l-arcom" target="_blank" rel="noopener">Beschwerde</a> von RSF waren, kommt die Regulierungsbehörde zu folgendem Schluss: Drei Viertel der Beiträge drücken nur «mit wenigen Nuancen» dieselbe Sichtweise aus. Noch schwerwiegender sei laut Arcom, dass abweichende Standpunkte «isoliert bleiben und in einigen Fällen sogar abgewertet werden».</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Inhaltlich hat die Arcom – ebenso wie RSF – eine starke redaktionelle Konzentration und eine sehr einseitige Behandlung der Themen festgestellt. Der Islam etwa wird ohne echte Gegenpositionen «als Bedrohung für die französische Gesellschaft» dargestellt; Migration erscheint als entscheidender Faktor für den Anstieg der Unsicherheit; in Gerichtsberichten zeigen sich eine Überrepräsentation bestimmter Deutungen; die stark linksgerichtete Partei </span><i><span style="font-weight: 400;">La France insoumise</span></i><span style="font-weight: 400;"> von Jean-Luc Mélenchon wird besonders scharf angegriffen, ohne nennenswerte Gegenpositionen; und auch der Krieg in der Ukraine wird «weitgehend einseitig» behandelt, um die französische Unterstützung zu kritisieren. </span></p>
<h5><b>Fakten werden Kommentaren nachgelagert</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Arcom hebt zudem in gleicher Weise wie RSF hervor, dass gerade die Art und Weise, wie die Debatten auf dem Sender aufgebaut sind, massgeblich zu einem einseitigen Blick auf das aktuelle Geschehen beiträgt. Die Darstellung und Einordnung der eigentlichen Fakten nehme hingegen nur  einen sekundären Platz ein im Vergleich zu den Kommentaren ein. Die Diskussionen im Studio führen meist zu einer «Behandlung der Nachrichten, die sich mit den weitgehend einheitlichen Kommentaren vermischt». In dieser Hinsicht stellt die Arcom fest, dass sich die Moderatorinnen und Moderatoren durch ihre Leitartikel als «Meinungsmacher für die einzunehmende Perspektive zum jeweiligen Thema» positionieren. Gleichzeitig schränken sie die Redezeit für Gäste ein, die die Aussagen relativieren oder eine abweichende Meinung vertreten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Entscheidung der Arcom erfolgt im Anschluss an eine <a href="https://rsf.org/fr/d%C3%A9faut-de-pluralisme-sur-la-cha%C3%AEne-fran%C3%A7aise-cnews-rsf-saisit-l-arcom" target="_blank" rel="noopener">Beschwerde</a>, die RSF am 15. Januar 2026 eingereicht hatte. In dieser über hundert Seiten umfassenden Klage zeigte RSF auf, wie der Sender der Canal+-Gruppe, die im Besitz des rechtsgerichteten Milliardärs Vincent Bolloré liegt, dauerhaft und gezielt von den von der <a href="https://www.arcom.fr/en/find-out-more/legal-area/legal-resources/deliberation-no-2024-15-july-17-2024-respect-principle-plurality-schools-thought-and-opinion-service-editors" target="_blank" rel="noopener">Arcom festgelegten Kriterien</a> zur Gewährleistung des internen Pluralismus abweicht – als einziger der vier primären französischen Nachrichtensender BFMTV, CNews, France Info, LCI. </span></p>
<h5><b>Ein Ausweichen beim politischen Pluralismus </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Drei unabhängige Untersuchungen – jene von RSF sowie je eine von den Redaktionen <a href="https://www.mediapart.fr/journal/culture-et-idees/261225/temps-de-parole-les-grosses-ficelles-de-cnews-que-l-arcom-n-pas-vues" target="_blank" rel="noopener">Mediapart</a> und <a href="https://www.liberation.fr/checknews/on-a-regarde-un-mois-de-cnews-la-chaine-dinfo-favorise-bien-la-droite-et-lextreme-droite-sur-son-antenne-20251210_LJ2PY7MQLRBDJCWIS3NYZLGYQ4/" target="_blank" rel="noopener">Libération</a> – waren zum Schluss gekommen, dass es bei CNews eine klare Umgehung der Regeln zum Pluralismus der Redezeiten politischer Persönlichkeiten gibt. Insbesondere die sehr starke Überrepräsentation der Linken in der Nacht (wenn kaum jemand die Programme von CNews konsumiert) sowie einer Überrepräsentation der Rechten und der extremen Rechten zur Hauptsendezeit auf CNews fielen dabei auf. Trotzdem hat die Regulierungsbehörde Arcom seine Einschätzung in diesem Punkt nicht überarbeitet. Dieses Ausweichen ist umso besorgniserregender, weil diese Praxis auch nach dem März 2025 fortgesetzt wurde, als RSF die Untersuchung zu den Sendeinhalten von CNews durchführte und die entsprechende Beschwerde einreichte. Darüber hinaus führt die Arcom ein zweistufiges System ein, indem sie sie den politischen Pluralismus künstlich vom Meinungspluralismus trennt. Das dürfte die Regulierung in diesem Bereich unnötig verkomplizieren. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die aktuelle Entscheidung der Arcom erfolgt im Anschluss auf die Abmahnung der Arcom vom 11. Juni, bei der sie die beiden öffentlich-rechtlichen Sender France Inter und France Info aufforderte, den politischen Pluralismus stärker zu berücksichtigen. Die beiden Entscheidungen beruhen zwar nicht auf der gleichen Grundlage, aber ihr fast gleichzeitiges Erscheinen könnte dazu führen, Verwirrung oder falsche Symmetrien entstehen zu lassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Regulierungsbehörde war bei France Inter und France Info der Ansicht, dass die rechtsextreme Partei </span><i><span style="font-weight: 400;">Rassemblement National </span></i><span style="font-weight: 400;">von Januar bis März 2026 in den Sendezeiten tagsüber unterrepräsentiert war. Radio France räumte den <a href="https://www.radiofrance.fr/franceinter/podcasts/l-info-de-france-inter/une-situation-conjoncturelle-repond-radio-france-apres-la-mise-en-demeure-de-l-arcom-pour-sous-representation-du-rn-1204101" target="_blank" rel="noopener">Fehler</a> anschliessend ein, sprach von einer «konjunkturellen Situation» und erklärte, dass die Redaktion «vollständig dem Pluralismus verpflichtet ist und vollständige Transparenz anwendet».</span></p>
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		<item>
		<title>Palantir unterliegt der Republik vor Gericht: Wichtiges Signal für die Pressefreiheit</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/palantir-unterliegt-der-republik-vor-gericht-wichtiges-signal-fuer-die-pressefreiheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 12:11:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[In 22 von 23 Punkten gewinnt die Republik vor dem Zürcher Handelsgericht gegen den US Tech-Konzern Palantir. Dieser hatte Anfang Jahr gegen die Republik geklagt, die gemeinsam mit dem WAV Recherchekollektiv im Dezember 2025 zwei Artikel über die Machenschaften von Palantir in der Schweiz veröffentlicht hatte. Palantir wollte daraufhin eine ausufernde Gegendarstellung in der Republik [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-weight: 400;">In 22 von 23 Punkten gewinnt die Republik vor dem Zürcher Handelsgericht gegen den US Tech-Konzern Palantir. Dieser hatte Anfang Jahr gegen die Republik geklagt, die gemeinsam mit dem WAV Recherchekollektiv im Dezember 2025 zwei Artikel über die Machenschaften von Palantir in der Schweiz veröffentlicht hatte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Palantir wollte daraufhin eine ausufernde Gegendarstellung in der Republik publizieren, was ihr die Redaktion verweigerte. Daraufhin klagte Palantir gegen die kleine unabhängige Redaktion aus Zürich. Das Zürcher Handelsgericht hat nun vergangene Woche ein für die Pressefreiheit sehr erfreuliches Urteil gefällt. In 22 von 23 Punkten konnte sich die Republik gegen den US Tech-Konzern behaupten. Das Gericht gab Palantir in nur einem Punkt Recht.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hätte Palantir in seiner Klage auf Gegendarstellung gegen die Republik im vorliegenden Fall mehrheitlich oder vollumfänglich Recht erhalten, wären die Implikationen für die Pressefreiheit – zumindest für Schweizer Medien – problematisch gewesen. Gegendarstellungen sollen in der öffentlichen Debatte zwar einen wichtigen Platz haben. Im Fall von Palantir diente das beantragte Recht auf Gegendarstellung in erster Linie kommunikativen Zwecken. Hätte die Zürcher Justiz dem Antrag stattgegeben, hätte ihr Entscheid einen gewissen Druck auf die Schweizer Medien ausgeübt, künftig nur noch in dem vom amerikanischen Unternehmen gewünschten Ton über Palantir zu berichten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In dieser Hinsicht ist das Urteil des Zürcher Handelsgerichts sehr erfreulich. RSF Schweiz begrüsst den positiven Ausgang dieser für die Republik und das WAV Recherchekollektiv langwierigen und ressourcenintensiven Rechtsaffäre. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig. Aber es zeigt, dass solide, faktenbasierte und unabhängige Berichterstattung über mächtige Konzerne wie Palantir klar von öffentlichem Interesse ist und in einer Demokratie wie der Schweiz zwingend Platz haben muss. Und es zeigt sich ebenfalls, dass es sich lohnt, dafür einzustehen. </span></p>
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		<item>
		<title>Französische Journalistin Alice Fraussard von Israel an Einreise ins Westjordanland gehindert</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/franzoesische-journalistin-alice-fraussard-von-israel-an-einreise-ins-westjordanland-gehindert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 12:20:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Dreissig Minuten nach ihrer Ankunft am 10. Juni am Flughafen Ben Gurion in Israel wurde die französische Journalistin Alice Froussard von der israelischen Polizei festgenommen, verhört und anschliessend des Landes verwiesen. Die Mitarbeiterin von Radio France Internationale (RFI), die unter anderem auch für das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS als Korrespondentin für die Region arbeitet, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="clearfix text-formatted field field--name-field-chapo field--type-text-long field--label-hidden field__item">
<p><b><strong>Dreissig Minuten nach ihrer Ankunft am 10. Juni am Flughafen Ben Gurion in Israel wurde die französische Journalistin Alice Froussard von der israelischen Polizei festgenommen, verhört und anschliessend des Landes verwiesen. Die Mitarbeiterin von <em>Radio France Internationale (RFI)</em>, die unter anderem auch für das Westschweizer Radio und Fernsehen <em>RTS</em> als Korrespondentin für die Region arbeitet, wollte vom Flughafen Ben Gurion eigentlich ins Westjordanland weiterreisen. </strong></b><b><strong>RSF bekundet seine uneingeschränkte Solidarität mit der Journalistin, die seit vielen Jahren aus und über das Westjordanland arbeitet. Die Massnahme Israels zeugt von besonderer Schwere und offenbart den Willen Israels, die Berichterstattung der ausländischen Presse über das Westjordanland zu behindern.</strong></b></p>
<p>Ist nach der Blockade für ausländische Medien in Gaza nun das Westjordanland an der Reihe? Die israelischen Behörden haben die  ausländische Journalistin Alice Fraussard am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv zurückgewiesen, obwohl sie über alle erforderlichen Dokumente verfügte, um in das Land einzureisen, so wie sie dies bereits seit Jahren tut.</p>
<p>Die freiberufliche französische Journalistin <b>Alice Froussard, </b>Korrespondentin im Westjordanland für mehrere französischsprachige Medien, darunter auch für das Westschweizer<em> RTS</em>, landete am Mittwoch, dem 10. Juni, um 22 Uhr in Israel. Danach wollte sie wie üblich im Rahmen eines offiziellen journalistischen Auftrags für <i>Radio France International</i> (<i>RFI</i>) nach Ramallah im besetzten Westjordanland reisen. Um 22:30 Uhr wurde sie laut Informationen von RSF von Grenzbeamten festgenommen, verhört und mehr als 10 Stunden später nach Frankreich zurückgeschickt.</p>
<p>Das offizielle Einreiseverbot, das von der Grenzschutzbehörde ausgestellt wurde, und das RSF vorliegt, führt folgende Gründe für die Verweigerung einer Einreise an: «Erwägungen der öffentlichen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung» sowie «Erwägungen im Zusammenhang mit der Verhinderung illegaler Einwanderung» an. Dabei hatte die Journalistin über alle erforderlichen Unterlagen, ein Visum und einen offiziellen Vertrag mit <i>RFI </i>verfügt. In einem zusätzlichen Schreiben wurde zusätzlich festgelegt, dass Alice Froussard vor jeder zukünftigen Einreise nach Israel vorab einen Antrag stellen muss. Weiter stand darin: «Die oben genannte Person wird gemäss Artikel 10(A) des Gesetzes so bald wie möglich aus Israel ausgewiesen und bis dahin an einem dafür vorgesehenen Ort festgehalten.»</p>
<blockquote><p><em>«Die Ausweisung von Alice Froussard aus Israel ist nicht zu rechtfertigen. Die erfahrene Korrespondentin, die seit Jahren über das Westjordanland berichtet, gehört zu denjenigen Medienschaffenden, die den Mut haben, in die besetzten palästinensischen Gebiete zu reisen, um dort mit ihren palästinensischen Kolleginnen imd Kollegen zusammenzuarbeiten. Sie tut dies trotz der wachsenden Sicherheitsrisiken, denen sie ausgesetzt sind. Die Weigerung, sie ihren Beruf ausüben zu lassen, zeigt, wie weit die israelischen Behörden bereit sind zu gehen, um der internationalen Öffentlichkeit Informationen aus den palästinensischen Gebieten vorzuenthalten. Während sie seit fast drei Jahren eine Medienblockade über Gaza verhängen, behindern sie nun die Berichterstattung über das Westjordanland noch stärker. Wir bekunden unsere Solidarität mit Alice Froussard, verurteilen ihre Ausweisung und fordern die israelischen Behörden auf, dieses absurde Verbot, das gegen alle Normen des Völkerrechts verstösst, unverzüglich aufzuheben.»</em></p>
<p>Jonathan Dagher<br />
Leiter des Nahost-Büros von RSF</p></blockquote>
<p><b><strong>Nach der Ausweisung folgt die Verleumdung</strong></b></p>
<p>Der israelische Minister für Diaspora und Bekämpfung des Antisemitismus, Amichai Chikli, hat die Ausweisung Froussards <a href="https://x.com/AmichaiChikli/status/2064975299737993533"><u>auf X begrüsst</u></a> und dabei gegenüber der Journalistin offensichtlich unbegründete Vorwürfe der «Unterstützung der Hamas» erhoben. Laut der israelischen Nachrichtenseite I24News soll die Empfehlung, Froussard auszuweisen auf Anraten des Generaldirektors eben dieses Ministeriums für Diaspora und Bekämpfung des Antisemitismus erfolgt sein. I24News schreibt unter anderem: «Die Behörden werfen ihr insbesondere vor, bestimmte israelische Gesetze als ‚drakonisch‘ bezeichnet zu haben und des weiteren behauptet zu haben, das israelische Justizsystem behandle nicht alle gleich und stelle ein Beispiel für ‚Apartheid‘ dar, sowie im Zusammenhang mit dem Massaker vom 7. Oktober erklärt zu haben, dass ‚der Angriff in seinem Kontext betrachtet werden müsse‘.»</p>
<p><em>RFI</em> prangerte in einer Erklärung die Zurückweisung der Journalistin bei ihrer Ankunft in Israel an. Diese Zurückweisung sei, wie die <em>RFI-</em>Leitung betont, «vor dem Hintergrund wachsender Schwierigkeiten für Medienschaffende bei der Berichterstattung über das Geschehen in der Region» erfolgt.</p>
<p><b><strong>Politische Vergeltungsmassnahmen?</strong></b></p>
<p>Das Einreiseverbot für Alice Froussard erfolgte einen Tag nach der Ankündigung des französischen Aussenministers Jean-Noël Barrot, dem israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich wegen Anstiftung zur Gewalt und der Propagierung der Annexion des Westjordanlands ein Aufenthaltsverbot in Frankreich zu erteilen. Eine mögliche Gleichsetzung des französischen Staates mit einer unabhängigen französischen Journalistin wurde durch eine weitere Erklärung von Minister Amichai Chikli noch deutlicher. Während die französische Botschaft in Jerusalem am Donnerstag ihre Empörung über die Ausweisung von Alice Froussard zum Ausdruck brachte, reagierte Amichai Chikli mit einer Ansprache an Präsident Macron und Jean-Noël Barrot, um die von Frankreich verhängten Sanktionen anzuprangern.</p>
<p><b><strong>Zunehmender Druck auf die internationale Presse</strong></b></p>
<p>RSF hatte bereits vor einigen Wochen auf den <a href="https://rsf.org/fr/isra%C3%ABl-rsf-d%C3%A9nonce-linterdiction-d-entr%C3%A9e-sur-le-territoire-de-la-journaliste-espagnole-queralt" target="_blank" rel="noopener"><u>zunehmenden Druck Israels auf die internationale Presse</u></a> hingewiesen, nachdem der spanischen Journalistin <strong>Queralt Castillo</strong> die Einreise verweigert und die Visa der französischen Journalistin <strong>Khadija Toufik</strong> sowie des italienischen Journalisten <strong>Alessandro Stefanelli</strong> widerrufen worden waren. Diese Einreiseverbote verstärken den Druck auf die palästinensischen Journalistinnen und Journalisten im Westjordanland, die selbst seit Jahren im Visier der israelischen Streitkräfte stehen und sich Verhaftungen, Einschüchterungen und Gewalt, ja sogar Mord konfrontiert sehen – so, wie im Fall von <strong>Shireen Abu Akleh</strong><b>,</b> der Korrespondentin von<i> Al Jazeera,</i> die am 11. Mai 2022 während einer Reportage von einem israelischen Scharfschützen getötet wurde.</p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kolumbien: Journalist trotz staatlichem Schutz ermordet</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/kolumbien-journalist-trotz-staatlichem-schutz-ermordet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2026 12:42:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Ermordung des kolumbianischen Journalisten Cristian Hernando Herrera Nariño, der am Samstag, dem 6. Juni, in Cúcuta an der Grenze zu Venezuela erschossen wurde. Der ehemalige Gerichtsreporter der Medien La Opinión und Q’hubo Cúcuta hatte bis zu seinem Tod die digitalen Medien Cúcuta Real und Cúcuta al Rojo Vivo geleitet. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die Ermordung des kolumbianischen Journalisten Cristian Hernando Herrera Nariño, der am Samstag, dem 6. Juni, in Cúcuta an der Grenze zu Venezuela erschossen wurde. Der ehemalige Gerichtsreporter der Medien <i>La Opinión</i> und <i>Q’hubo Cúcuta </i>hatte bis zu seinem Tod die digitalen Medien <i>Cúcuta Real</i> und <i>Cúcuta al Rojo Vivo</i> geleitet. Als Korrespondent der <i>Fundación para la Libertad de Prensa – FLIP</i> (Stiftung für Pressefreiheit) berichtete er über organisierte Kriminalität, Drogenhandel, Schmuggel, Korruption und bewaffnete Gewalt in einer der gefährlichsten Regionen des Landes und war wiederholt bedroht worden. RSF fordert die Behörden nun auf, bei den Ermittlungen seine journalistische Arbeit sowie die Umstände seines staatlichen Schutzes zu berücksichtigen. Er ist bereits der zweite Journalist, der seit Jahresbeginn im Land getötet wurde. </strong></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«RSF spricht den Angehörigen von Cristian Herrera sein tiefes Beileid aus. Der renommierte Journalist stand eigentlich unter staatlichem Schutz. Seine Ermordung muss im Zusammenhang mit den wiederholten Drohungen gegen ihn untersucht werden, ebenso mit seinem zweimaligen Exils sowie einem Attentatsversuch, dem er entkommen war. RSF fordert eine rasche und unabhängige Untersuchung, die Identifizierung und strafrechtliche Verfolgung der Täter und Auftraggeber sowie eine Überprüfung der Angemessenheit der ihm gewährten Schutzmassnahmen. Ausserdem sind Sicherheitsgarantien für bedrohte Journalistinnen und Journalisten im Departamento Norte de Santander, insbesondere für Cristian Herreras enge Kolleginnen und Kollegen nötig. Diese sind ebenfalls Bedrohungen ausgesetzt. Cristian Herrera ist bereits der zweite Journalist, der 2026 in Kolumbien ermordet wurde, und bereits der neunte seit Beginn der Amtszeit von Präsident Gustavo </span><span style="font-weight: 400;">Petro im Jahr 2022.»<br />
</span><b>Artur Romeu<br />
</b><b>Direktor des Lateinamerika-Büros von RSF</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">50-jährig und Vater von zwei Kindern, stand Cristian Herrera seit 2014 unter dem staatlichen Schutzprogramm Kolumbiens. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg hatte er Drohungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit gemeldet sowie gar ein Attentat im Jahr 2017 <a href="https://rsf-es.org/colombia-los-periodistas-cristian-herrera-y-andres-gonzalez-logran-escapar-de-un-intento-de-asesinato/" target="_blank" rel="noopener">überlebt</a>. Zudem musste Herrera das das Land zweimal verlassen: zunächst nach Chile und später nach Spanien, wo er gemeinsam mit seiner Familie im Rahmen eines <a href="https://rsf-es.org/espana-solidaridad-tranquilidad-y-fuerzas-para-continuar-lo-que-el-programa-de-acogida-de-rsf-espana-aporta-a-los-periodistas-participantes/" target="_blank" rel="noopener">temporären Relokalisierungsprogramms von RSF</a> für bedrohte Journalistinnen und Journalisten lebte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Journalist und ehemalige Gerichtsreporter für </span><i><span style="font-weight: 400;">La Opinión</span></i><span style="font-weight: 400;"> und </span><i><span style="font-weight: 400;">Q’hubo Cúcuta</span></i><span style="font-weight: 400;"> leitete die Online-Medien </span><i><span style="font-weight: 400;">Cúcuta Real</span></i><span style="font-weight: 400;"> und </span><i><span style="font-weight: 400;">Cúcuta al <a href="https://www.facebook.com/profile.php?id=61564008867754#" target="_blank" rel="noopener">Rojo</a> Vivo</span></i><span style="font-weight: 400;">. Zudem arbeitete er mit </span><i><span style="font-weight: 400;">Noticias Cúcuta 75</span></i><span style="font-weight: 400;"> zusammen und war Korrespondent sowie Vorstandsmitglied der <a href="https://flip.org.co/pronunciamientos" target="_blank" rel="noopener">FLIP</a>, einem Partner von RSF in der Region.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Er wurde am Samstag, dem 6. Juni, in Cúcuta getötet, als er sich mit seiner Familie aufhielt. «Sie haben ihn vor unseren Augen getötet», sagte seine Ehefrau Karla Gabriela Niño Claro. Ihrer Aussage zufolge soll sich der Angreifer nach den Schüssen auf Herrera kurz entfernt und sie angesehen haben, während sie ihre Tochter aufforderte, zurückzuweichen. Dies aus Angst, er könnte auch auf sie schiessen. Laut der Nationalen Schutzbehörde (Unidad Nacional de Protección – <a href="https://x.com/unpcolombia/status/2063390270566089114?s=48" target="_blank" rel="noopener">UNP</a>), die sich auf der Plattform X </span><a href="https://x.com/UNPColombia/status/2063390270566089114?s=20" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">äusserte</span></a><span style="font-weight: 400;">, befand sich der Journalist zum Zeitpunkt des Angriffs in einem von der Institution bereitgestellten Fahrzeug. Die UNP erklärte zudem, dass das Fehlen von Begleitschutz zu diesem Zeitpunkt auf «einem ausdrücklichen und freiwilligen Wunsch des Journalisten» beruht habe. Zum Tötungsdelikt wurde eine Untersuchung eingeleitet. Das Büro der Ombudsperson <a href="https://x.com/defensoriacol/status/2063343260135833993?s=46&amp;t=viD_VYG38FeptJiG8Pt9MA" target="_blank" rel="noopener">forderte die Staatsanwaltschaft</a> auf, die journalistischen Themen, über die Cristian Herrera berichtet hatte, die Risiken, denen er ausgesetzt war, sowie den Kontext der Gewalt in den Regionen Norte de Santander und Catatumbo zu untersuchen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Karla Gabriela Niño Claro beschreibt ihren Ehemann als «passionierten» Journalisten, der sich stets der Information und der Wahrhaftigkeit verpflichtet fühlte, selbst unter den schwierigsten Bedingungen. «Um seiner Liebe zur Pressefreiheit, seiner Arbeit und seinem Engagement gerecht zu werden, bitte ich darum, dass sein Fall weiterverfolgt wird und dass Cristian in Kolumbien nicht einfach zu einem weiteren Fall wird», erklärte sie. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">«Cristian war eines der grössten Vorbilder für die Liebe zum Journalismus in Norte de Santander», berichtet José Ignacio Arango, Gründer von </span><i><span style="font-weight: 400;">Noticias Cúcuta 75</span></i><span style="font-weight: 400;"> und Kollege von Cristian Herrera, der selbst unter staatlichem Schutz steht und <a href="https://rsf.org/fr/colombie-les-menaces-contre-les-journalistes-dinvestigation-sintensifient-malgr%C3%A9-les-efforts-de" target="_blank" rel="noopener">bedroht</a> ist. «Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung kannte er die Risiken, die die Arbeit in einer Region wie dieser beinhaltete. Aber das hat ihn nie aufgehalten. «El Gordo», wie ihn seine Freunde liebevoll nannten, hinterlässt ein Vermächtnis für Journalistinnen und Journalisten und wird immer einen wichtigen Teil der Pressegeschichte unserer Stadt darstellen.» </span></p>
<h5><b>Neun Journalistinnen und Journalisten wurden seit 2022 in Kolumbien getötet</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Cúcuta ist das wichtigste urbane Zentrum des Departament Norte de Santander, zu dem auch die Region Catatumbo gehört. Diese Region ist durch die Präsenz bewaffneter Gruppen, Drogenhandel, Schmuggel, illegale Grenzübertritte und Auseinandersetzungen um die territoriale Kontrolle geprägt. Im Juli 2024 teilte die Polizei von Cúcuta mit, dass von 25 ins Visier genommenen kriminellen Banden im Rahmen von Operationen noch 17 in der Stadt aktiv seien. Die Ermordung von Cristian Herrera erfolgt einen Monat nach derjenigen des Journalisten <a href="https://rsf.org/fr/colombie-rsf-condamne-l-assassinat-de-mateo-p%C3%A9rez-rueda-et-alerte-sur-le-silence-impos%C3%A9-%C3%A0-la-presse" target="_blank" rel="noopener">Mateo Pérez Rueda</a>, Direktor des digitalen Mediums </span><i><span style="font-weight: 400;">El Confidente</span></i><span style="font-weight: 400;">, in Antioquia. Cristian Herrera ist damit bereits der zweite Journalist, der 2026 in Kolumbien ermordet wurde, und der neunte seit Beginn der Regierung von Präsident Gustavo Petro im August 2022.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>USA: Das Pentagon schränkt den Zugang für unabhängige Medienschaffende weiter ein</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/usa-das-pentagon-schraenkt-den-zugang-fuer-unabhaengige-medienschaffende-weiter-ein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 08:08:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist die jüngste Eskalation einer anhaltenden Kampagne des Weissen Hauses, die darauf abzielt, den unabhängigen Journalismus einzuschränken: Journalistinnen und Journalisten haben von nun an keinen Zugang mehr zur Pressestelle des Pentagons, des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Unter der Leitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth sehen sich Medienschaffende, die über das Pentagon berichten, mit weiteren Hindernissen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="clearfix text-formatted field field--name-field-chapo field--type-text-long field--label-hidden field__item">
<p><strong>Es ist die jüngste Eskalation einer anhaltenden Kampagne des Weissen Hauses, die darauf abzielt, den unabhängigen Journalismus einzuschränken: Journalistinnen und Journalisten haben von nun an keinen Zugang mehr zur Pressestelle des Pentagons, des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Unter der Leitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth sehen sich Medienschaffende, die über das Pentagon berichten, mit weiteren Hindernissen konfrontiert: Zugangsbeschränkungen, Einschränkungen bei der Akkreditieren und beim Fotografieren sowie generell mangelnde Transparenz. All diese Massnahmen der Regierung schränken die unabhängige Berichterstattung über das US-Militär systematisch ein. Dabei wäre diese unerlässlich, um die Öffentlichkeit über die Aktivitäten der Regierung auf dem Laufenden zu halten.</strong></p>
<p>Anfang dieser Woche erklärte das Pentagon seine Pressestelle zu einer sogenannten «<a href="https://apnews.com/article/pentagon-media-restrictions-trump-hegseth-91bae8b82d16b96091f31518cc4d4c72" target="_blank" rel="noopener"><u>Einrichtung für klassifizierte Informationen</u></a>» («<i>sensitive Compartmented Information Facility»</i> oder SCIF). Damit verwehrt das Verteidigungsministerium Medienschaffenden den Zugang zu einem Bereich, der lange Zeit für den Austausch zwischen Reportern und Vertretern des Verteidigungsministeriums genutzt wurde. Die Verantwortlichen im Pentagon haben diese Entscheidung als routinemässige Sicherheitsmassnahme dargestellt. Aber es ist offensichtlich, dass es sich dabei nur um den neuesten Schritt einer ganzen Reihe von Einschränkungen handelt, die unter Verteidigungsminister Pete Hegseth eingeführt wurden. Orte, an denen sich Medienschaffende aufhalten dürfen, Personen, mit denen sie ungestört und vertraulich sprechen können, Informationen, die sie recherchieren und für ihre Recherchen verwenden dürfen sowie generell die Art und weise, wie sie über die Aktivitäten der Militärführung berichten dürfen, wurden alle nach und nach eingeschränkt. Diese Massnahmen deuten gesamthaft auf einen Trend hin, der den Zugang unabhängiger Medienschaffender zu einer der mächtigsten militärischen Institutionen der Welt schrittweise einschränkt.</p>
<blockquote><p><em>«Die grotesken Versuche von Verteidigungsminister Pete Hegseth, den objektiven Journalismus mundtot zu machen, haben jüngst ein neues Tief erreicht. Mit seinem Versuch, Medienschaffende zur Unterzeichnung von Treueeiden zu zwingen, ist gescheitert. Zudem hat er sich über unvorteilhafte Pressefotos von sich beschwert. Nun geht er aber so weit, die Presse aus seinem eigenen Pressebüro zu werfen. Keine dieser Einschränkungen scheint für sich allein betrachtet wirklich einschneidend zu sein. In ihrer Gesamtheit stellen diese Massnahmen aber einen systematischen Versuch dar, die unabhängige Kontrolle über das Pentagon zu schwächen. Die Öffentlichkeit kann Institutionen nicht zur Rechenschaft ziehen, wenn Journalistinnen und Journalisten nach und nach der Zugang verwehrt wird, den sie benötigen, um über deren Aktivitäten zu berichten.»</em></p>
<p><b>Ben Grazda<br />
</b>Leiter der Advocacy-Abteilung im Nordamerika-Büro von RSF</p></blockquote>
<h5><strong>Zugangsbeschränkungen: Mauern im Pentagon errichten</strong></h5>
<p>Der erste und sichtbarste Teil dieser Reihe von Massnahmen war die schrittweise Einschränkung des physischen Zugangs für Medienschaffenden im Pentagon. Im Mai 2025 ordnete Pete Hegseth <a href="https://media.defense.gov/2025/May/23/2003721693/-1/-1/1/UPDATED-PHYSICAL-CONTROL-MEASURES-FOR-PRESS-MEDIA-ACCESS-WITHIN-THE-PENTAGON.PDF" target="_blank" rel="noopener"><u>neue physische Kontrollmassnahmen</u></a> an, die den Zugang akkreditierter Journalistinnen und Journalisten zu Bereichen des Pentagons einschränkten, zu denen sie bisher immer Zutritt gehabt hatten. Seit dieser neuen Regelung müssen Medienschaffenden eine offizielle Genehmigung einholen oder in Begleitung sein, um Bereiche zu betreten, die zuvor für Pressevertreter frei zugänglich waren. Das Pentagon begründete diese Änderungen als notwendig, um unbefugte Weitergaben von Informationen  zu verhindern. In den Augen der Journalistinnen und Journalisten stellte das allerdings eine erhebliche Einschränkung für ihre gewohnte Berichterstattung dar.</p>
<p>Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit innerhalb der Räumlichkeiten des Verteidigungsministeriums wurden danach weiter verschärft, was die Medienschaffenden zum Handeln veranlasste.</p>
<p>Im Dezember 2025 <a href="https://www.reuters.com/legal/government/new-york-times-sues-pentagon-over-press-access-2025-12-04/" target="_blank" rel="noopener"><u>klagte der Journalist Julian E. Barnes</u></a> gegen diese Massnahme, die im Oktober 2025 durch eine strengere Akkreditierungsmassnahme nur noch verschärft worden war. Barnes ist ein auf internationale Sicherheitsfragen spezialisierter und renommierter Reporter der <i>New York Times.</i> Er argumentierte, dass die Massnahmen des Pentagons die verfassungsmässig geschützte Informationsbeschaffung beeinträchtige. Im März 2026 entschied ein Bundesrichter, dass einige dieser Einschränkungen die Arbeit der Medien tatsächlich rechtswidrig behinderten. Der Rechtsstreit ging am 18. Mai 2026 weiter, als die New York Times <a href="https://apnews.com/article/pentagon-press-access-new-york-times-lawsuit-df3330d202a87f41f25effc9ab96abab" target="_blank" rel="noopener"><u>zum zweiten Mal</u></a> innerhalb von fünf Monaten Klage einreichte und eine Regelung anfocht, wonach Journalistinnen und Journalisten im gesamten Gebäude von Beamten begleitet werden müssen.</p>
<h5><strong>Einschränkung des Informationszugangs: Die tägliche Berichterstattung ist zu einem Sicherheitsproblem geworden</strong></h5>
<p>Zu den physischen Barrieren kamen weitere Massnahmen hinzu, die den Zugang zu Informationen einschränken sollten. Im September 2025 führte das Pentagon eine neue Richtlinie mit dem Titel <a href="https://www.nytimes.com/interactive/2025/09/20/us/pentagon-press-restrictions.html" target="_blank" rel="noopener">«Media In-Brief»</a> ein. Diese verlangte von Medienschaffenden, die eine Akkreditierung erhalten wollten, Einschränkungen hinsichtlich der Beschaffung und Verwendung «nicht autorisierter» Informationen zu akzeptieren.</p>
<p>Die Kontroverse nahm schnell an Fahrt auf. Im Oktober 2025 weigerten sich zahlreiche Journalistinnen und Journalisten grosser Medien, die Erklärung zu unterzeichnen, und <a href="https://apnews.com/article/pentagon-press-access-hegseth-trump-restrictions-5d9c2a63e4e03b91fc1546bb09ffbf12" target="_blank" rel="noopener"><u>gaben ihre Akkreditierungen</u></a> beim Pentagon aus Protest zurück. Die Medien argumentierten, dass diese Richtlinie die verfassungsmässig geschützte Informationsbeschaffung gefährde und Unsicherheiten darüber schaffe, welche Informationen Medien rechtmässig recherchieren, speichern oder in ihrer Berichterstattung verwenden dürften.</p>
<p>Der Vorfall markierte einen bedeutenden Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Pentagon und der Presse. Anstatt Journalistinnen und Journalisten als unabhängige Wächter im Dienste des öffentlichen Interesses und der Demokratie zu behandeln, stellte die Politik des US-Verteidigungsministeriums gängige Berichterstattungspraktiken als potenzielle Sicherheitsrisiken dar, die eine verstärkte Überwachung und Kontrolle erforderten.</p>
<h5><strong>Neugestaltung der akkreditierten Presse</strong></h5>
<p>Das Pentagon hat des weiteren die Zusammensetzung der akkreditierten Presse vor Ort selbst verändert. Im Februar 2025 wurden mehrere langjährige Medienvertreter aus den Arbeitsbereichen des Pentagons ausgeschlossen. Stattdessen wurde ein <a href="https://www.reuters.com/world/us/trumps-pentagon-says-it-will-rotate-out-some-media-offices-2025-02-01/" target="_blank" rel="noopener">Rotationssystem</a> eingeführt, das neuen Medien den Zugang zum Gebäude ermöglichte. Die Verantwortlichen im Pentagon stellten diese Änderungen als Bemühung dar, den Zugang zu diversifizieren und die mediale Beteiligung zu erweitern. Kritiker argumentierten jedoch, dass diese Politik die institutionelle Berichterstattung in einer Zeit, in der eine strenge Überprüfung militärischer Angelegenheiten notwendiger denn sei, schwäche.</p>
<p>Im März 2026, nach der Veröffentlichung weit verbreiteter Fotos, die bei früheren Auftritten von Pete Hegseth aufgenommen worden waren, <a href="https://www.washingtonpost.com/business/2026/03/11/hegseth-press-briefings-photos-iran/"><u>wurden unabhängige Pressefotografen vion den Pressekonferenzen des Pentagons ausgeschlossen</u></a>, an denen Pete Hegseth teilnahm. Die Verantwortlichen des Pentagons dementierten Berichte, wonach diese Entscheidung mit Unzufriedenheit über ein «unvorteilhaftes» Bild von Pete Hegseth zusammenhänge.</p>
<p>Es gilt zu betonen, dass die Pressefotografie eine zentrale Rolle hinsichtlich der öffentlichen Rechenschaftspflicht spielt, da der Fotojournalismus ein zentraler Gegenpol zur Regierung darstellt, die penibel darum bemüht ist, ihr eigenes Image zu gestalten und zu beschönigen.</p>
</div>
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		<title>Sie berichten von der Fussball-WM 2026? Dann sollten Sie sich auf deutlich mehr als Fussball gefasst machen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 09:49:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2026 findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Das grösste Sportereignis des Jahres wird voraussichtlich Tausende Medienschaffende aus der ganzen Welt in die USA, nach Mexiko und nach Kanada locken. Wenige Tage vor Beginn des Turniers erinnert RSF daran, dass sich Medienschaffende auf ein zunehmend komplexes Arbeitsumfeld vorbereiten müssen. Verstärkte Überwachung, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2026 findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Das grösste Sportereignis des Jahres wird voraussichtlich Tausende Medienschaffende aus der ganzen Welt in die USA, nach Mexiko und nach Kanada locken. Wenige Tage vor Beginn des Turniers erinnert RSF daran, dass sich Medienschaffende auf ein zunehmend komplexes Arbeitsumfeld vorbereiten müssen. Verstärkte Überwachung, verschärfte Grenzkontrollen und insbesondere wachsende Sorgen um die Pressefreiheit in Mexiko und in den USA prägen das Bild.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie bei jeder Berichterstattung in einem sensiblen Umfeld sollten sich Medienschaffende, die von vor Ort über die Fussball-WM berichten werden, sorgfältig vorbereiten. Die USA haben in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF 2026 </span><a href="https://rsf.org/fr/pays-%C3%A9tats-unis" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">einen neuen historischen Tiefststand </span></a><span style="font-weight: 400;">erreicht, und </span><a href="https://rsf.org/fr/pays-mexique" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Mexiko</span></a><span style="font-weight: 400;"> zählt noch immer zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten weltweit. Und auch in Kanada, das in der Rangliste der Pressefreiheit zwar </span><a href="https://rsf.org/fr/pays-canada"><span style="font-weight: 400;">deutlich besser abschneidet</span></a><span style="font-weight: 400;"> als die USA und Mexiko, müssen Journalistinnen und Journalisten, die dort etwa über </span><a href="https://rsf.org/fr/canada-rsf-d%C3%A9nonce-larrestation-de-savanna-craig-et-les-m%C3%A9thodes-dintimidation-employ%C3%A9es-par-la" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Demonstrationen</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder andere innenpolitische Themen berichten, wachsam bleiben und dürfen die Risiken vor Ort nicht unterschätzen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie im Hinterkopf behalten sollten, bevor Sie Ihre Koffer packen:</span></p>
<h5><b>Anpfiff: Vor der Anreise </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die US-Grenzbehörden verfügen über einen grossen Ermessensspielraum, um Personen gegebenenfalls die Einreise zu verweigern, eingehende Kontrollen durchzuführen oder Reisende gar vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen. Entsprechend sind viele ausländische Medienschaffende bereits vor ihrer Abreise gewissen Risiken ausgesetzt. Selbst dann, wenn sie über ein gültiges Visum, eine Akkreditierung für die WM und eine ESTA-Einreisegenehmigung verfügen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Medienschaffende sollten ihre Rechte an der Grenze kennen und ihre Redaktionen unbedingt über ihre Reisepläne informieren. Zudem sind Notfallpläne und Absicherungen für den Fall von unvorhergesehenen Befragungen oder gar Inhaftierungen einzurichten. Auch empfiehlt es sich, bereits vor der Abreise rechtliche Ansprechpartner zu identifizieren und zu kontaktieren. Medienschaffende, die regelmässig über sensible Themen wie Politik, Migration, Proteste oder internationale Beziehungen berichten, können einer verstärkten Überwachung seitens der US-Behörden ausgesetzt sein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Da das Turnier in drei Ländern stattfindet, müssen Medienschaffende vor ihrer Anreise die Ein- und Wiedereinreisebestimmungen jedes Landes sowie die jeweiligen Bedingungen für die Berichterstattung vor Ort prüfen und kennen. In Mexiko etwa benötigen Journalistinnen und Journalisten ausserhalb der grossen städtischen Zentren allenfalls zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. In Kanada und vor allem in den USA sollten sie sich zudem über mögliche </span><a href="https://www.cbc.ca/news/canada/toronto/toronto-police-protest-ban-9.7139973" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Einschränkungen bei öffentlichen Versammlungen</span></a><span style="font-weight: 400;"> sowie über die </span><a href="https://www.aljazeera.com/opinions/2026/5/21/canada-is-using-its-borders-to-police-palestine-solidarity" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Vorgehensweise der lokalen Polizei</span></a><span style="font-weight: 400;"> informieren.</span></p>
<h5><b>VAR-Hinweis: Sie könnten überwacht werden</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Digitale Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung journalistischer Arbeit. Die US-Behörden etwa können an der Grenze elektronische Geräte kontrollieren, darunter Ihre Smartphones, Laptops und andere Geräte. Gleichermassen können sie Nachrichten, E-Mails und Aktivitäten in den Sozialen Medien prüfen. RSF empfiehlt Medienschaffenden darum, sensible Daten vor der Reise von ihren Geräten zu löschen, sich von nicht benötigten Konten abzumelden und biometrische Authentifizierungsmethoden wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu deaktivieren. Des weiteren sollten sie ihre Social-Media-Beiträge und Aktivitäten vor der Abreise überprüfen, da gewisse Visa- und Einreiseverfahren inzwischen auch digitale Kontrollen umfassen. Diese können je nach Fall zu zusätzlichen Befragungen führen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir empfehlen Ihnen, zusätzlich die Artikel zum Thema digitale Sicherheit zu lesen, die auf der </span><a href="https://resources.rsf.org/fr/digital-safety/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Ressourcen-Website von RSF</span></a><span style="font-weight: 400;"> aufzufinden sind. RSF Schweiz hat zudem jüngst einen </span><a href="https://rsf-ch.ch/wp-content/uploads/2026/06/Guide-securite-numerique-pour-les-journalistes-version-finale.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Leitfaden zur digitalen Sicherheit</span></a><span style="font-weight: 400;"> für Medienschaffende herausgebracht. Darin finden Sie praktische Tipps, wie Sie Ihre elektronischen Geräte absichern und sich an gute digitale Hygiene halten können.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Weltmeisterschaft findet in urbanen, stark überwachten Gebieten statt, in denen die Sicherheitskräfte bei Grossveranstaltungen standardmässig auf Videoüberwachung, Drohnen, automatische Gesichtserkennung sowie auf Technologien zur Standortverfolgung von Mobiltelefonen zurückgreifen können. In Mexiko sollten Medienschaffende, die ausserhalb des Turniersettings über </span><a href="https://rsf.org/fr/deux-attaques-par-balles-contre-des-journalistes-en-deux-jours-au-mexique-faisant-un-tu%C3%A9-des" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">organisierte Kriminalität</span></a><span style="font-weight: 400;">, Migration, Korruption oder über lokale Sicherheitskräfte berichten, zusätzliche Massnahmen zugunsten ihrer Anonymität, für ihre Kommunikation sowie für den Quellenschutz ergreifen. In Kanada könnten Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen oder politisch sensible Ereignisse berichten, </span><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-26/apple-google-blast-canada-s-plan-to-expand-police-data-powers" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">verstärkt digital überwacht</span></a><span style="font-weight: 400;"> werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Medienschaffende, die über Proteste am Rande der Weltmeisterschaft berichten, sollten sich vergegenwärtigen, dass eine Eskalation der Gewalt und mögliche Zusammenstösse möglich sein können. Lesen Sie dazu die </span><a href="https://resources.rsf.org/fr/safety-tips-for-journalists-covering-protests/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Tipps von RSF zum Thema</span></a><span style="font-weight: 400;">, um sich bestmöglich auf die Berichterstattung vorzubereiten und die damit verbundenen Risiken zu minimieren.</span></p>
<h5><b>Rote Karte: Medienschaffende als mögliches Ziel</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine offizielle Presseakkreditierung soll Journalistinnen und Journalisten eigentlich dabei helfen, ihren Beruf sicher auszuüben. In den vergangenen Jahren wurden jedoch in den USA wiederholt Medienschaffende trotz gültiger Akkreditierung gelegentlich festgenommen, in Gewahrsam genommen, mit Bussgeldern belegt oder in ihrer Arbeit behindert, während sie </span><a href="https://rsf.org/fr/les-attaques-contre-les-journalistes-dans-le-minnesota-concluent-la-premi%C3%A8re-ann%C3%A9e-du-second-mandat" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">über Demonstrationen und Polizeieinsätze berichteten</span></a><span style="font-weight: 400;">. Angesichts der erwarteten </span><a href="https://resources.rsf.org/travel-advisory-for-journalists-ahead-of-u-s-fifa-world-cup/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Intensivierung der Aktivitäten der ICE-Behörde</span></a><span style="font-weight: 400;"> (Immigration and Customs Enforcement) wird ausländischen Medienschaffenden dringend empfohlen, ihre Ausweispapiere während der Arbeit stets bei sich zu tragen. Dies gilt insbesondere angesichts des Risikos von Racial Profiling sowie angesichts der gezielten Kontrolle von Minderheiten oder vulnerablen Bevölkerungsgruppen während des Turniers.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausserdem sollten Medienschaffende zwingend sicherstellen, dass sie über die für die Berichterstattung über die WM erforderlichen Visa verfügen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen, Einwanderungskontrollen, Polizeieinsätze zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder politisch sensible Proteste im Zusammenhang mit dem Turnier berichten, müssen auf verstärkte Spannungen mit den Sicherheitskräften gefasst sein. RSF empfiehlt ihnen, sich vor ihren Einsätzen vor Ort mit den lokalen Gesetzen zu Versammlungen, mit Akkreditierungsregelungen sowie mit den Protokollen zum Umgang mit der Polizei vertraut zu machen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In Mexiko sollten Medienschaffende besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie ausserhalb der Austragungsorte über Ereignisse berichten oder wenn ihre Recherchen zusätzlich organisierte Kriminalität, Korruption oder lokale Politik betreffen. Mexiko bleibt auch 2026 eines der gefährlichsten Länder für Journalistinnen und Journalisten – viele lokale Medienschaffende sehen sich aufgrund ihrer Arbeit regelmässig mit Bedrohungen, Einschüchterungen und Gewalt konfrontiert. Ausländische Reporterinnen und Reporter sollten eng mit vertrauenswürdigen lokalen Kontakten zusammenarbeiten und unnötige Risiken in ihnen unbekannten Gebieten vermeiden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch für die Berichterstattung in Kanada ist eine gewisse Vorbereitung nötig. Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen oder umstrittene öffentliche Versammlungen berichten, können mit polizeilichen Einschränkungen, dem Risiko von Festnahmen oder anderen Massnahmen konfrontiert werden, die den Zugang der Medien in der Nähe von Sicherheitszonen und öffentlichen Versammlungsorten einschränken. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF fordert Medienschaffende in allen drei Gastgeberländern dazu auf, Verstösse gegen die Pressefreiheit während der Weltmeisterschaft zu melden.</span></p>
<h5><b>Aufwärmphase: Nehmen Sie sich Zeit, sich vorzubereiten</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Vorbereitung von Medien auf das sportliche Grossereignis beschränkt sich nicht darauf, Flugtickets zu buchen und die eigene Ausrüstung bereitzustellen. Sie sollten ihre Reiseroute ihren Redaktionen oder Ansprechpartnern mitteilen, rechtliche Unterstützung für den Notfall organisieren, verschlüsselte Backups der wichtigsten Dokumente anlegen und Notfallpläne für den Fall erstellen, dass ihre Geräte beschlagnahmt werden oder sie selbst festgenommen werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Arbeitsumfeld, das Verhalten der jeweiligen Polizeikorps, die Rechtsordnung sowie allgemeine Notfallmechanismen können in den drei Austragungsländern von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich sein. Das Herstellen von vertrauenswürdigen lokalen Kontakten bereits vor der Ankunft am jeweiligen Einsatzort kann für Reporterinnen und Reporter dabei sehr hilfreich sein, um Risiken zu minimieren und in dynamischen Situationen mit unbekannten rechtlichen, sprachlichen oder sicherheitstechnischen Herausforderungen richtig zu handeln.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">RSF ruft alle Medienschaffenden, die während der FIFA-WM 2026 Verstösse gegen die Pressefreiheit erleben oder beobachten, dazu auf, solche Ereignisse zu dokumentieren und RSF zu melden. Das können Zugangsbeschränkungen, Einschüchterungen, übermässige Gewaltanwendung, Überwachung oder willkürliche Festnahmen sein.</span></p>
<h5><b>Fairplay – auf dem Feld sowie für die Medien</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Weltmeisterschaft sollte in erster Linie ein Fussballereignis bleiben – und gleichermassen ein verbindendes Sportereignis. Medienschaffende, die das Turnier vor Ort begleiten, sollten sich auf das Spiel und die damit verbundenen Ereignisse konzentrieren können und nicht auf Risiken durch Einschüchterung oder Eingriffe in ihre berufliche Arbeit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Fussball verdient Fairplay. Und Medien verdienen die Freiheit, ihn sicher zu begleiten und sicher darüber berichten zu können.</span></p>
<p><b>Weitere Informationen finden Sie auf unserer </b><a href="https://resources.rsf.org" target="_blank" rel="noopener"><b>Website mit tiefgreifenden Ressourcen</b></a><b>. Bei Fragen oder wenn Sie Verstösse gegen die Pressefreiheit melden möchten, können Sie RSF spezifisch unter </b><a href="mailto:worldcup@rsf.org" target="_blank" rel="noopener"><b>worldcup@rsf.org</b></a><b> kontaktieren. </b></p>
<p><b>Weitere Ressourcen: </b></p>
<p><a href="https://fifa.gan-compliance.com/p/Case?locale=en-GB" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Meldeportal</span></a><span style="font-weight: 400;"> der </span><b>Fifa</b><span style="font-weight: 400;"> für Verstösse </span></p>
<p><a href="https://resources.rsf.org/travel-advisory-for-journalists-ahead-of-u-s-fifa-world-cup/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Reisehinweise</span></a><span style="font-weight: 400;"> von </span><b>RSF sowie der ACLU</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><a href="https://freedom.press/digisec/blog/reporting-on-the-world-cup-defend-your-devices/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Hinweise zur digitalen Sicherheit</span></a><span style="font-weight: 400;"> der </span><b>Freedom of the Press Foundation</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><a href="https://www.nlg.org/kyr-booklet/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Broschüre «Know Your Risks»</span></a><span style="font-weight: 400;"> der </span><b>National Lawyers Guild</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Medien in den USA: «Die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen werden noch lange nachhallen»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/medien-in-den-usa-die-auswirkungen-der-aktuellen-entwicklungen-werden-noch-lange-nachhallen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 14:29:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[In der diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit von RSF belegen die USA – wie bereits 2025 – einen neuen historischen Tiefstand. Auf Platz 64 von 180 erfassten Ländern schafft es die älteste Demokratie der Welt nicht einmal mehr ins vordere Drittel der Rangliste. Was bedeutet das für den Journalismus im Land? Der US-Journalist Gabe Bullard, der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In der diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit von RSF belegen die USA – wie bereits 2025 – einen neuen historischen Tiefstand. Auf Platz 64 von 180 erfassten Ländern schafft es die älteste Demokratie der Welt nicht einmal mehr ins vordere Drittel der Rangliste. Was bedeutet das für den Journalismus im Land? Der US-Journalist Gabe Bullard, der seit 2023 in der Schweiz lebt, gibt Einblicke.</b></p>
<p><b>Seit Jahren ist in den USA ein Rückgang der Pressefreiheit zu beobachten, nicht erst seit Trump. Wie blicken Sie auf diese Entwicklungen?</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Was mir Sorge bereitet, ist dass sich die Medien in den USA zu wenig gemeinsam wehren gegen die Massnahmen und Einschränkungen, die Trump gegen den Journalismus im Land verhängt. Der Zutritt zum Pentagon wurde erschwert, auch weil sich viele Medien – zurecht – den neuen Auflagen widersetzt haben. Zudem wurde der Presse-Pool um Trump massiv verändert. Aber wenn Trump die Medien an einer seiner vielen Pressekonferenzen einmal mehr beleidigt, nehmen das die anwesenden Journalistinnen und Journalisten meist einfach so hin. Sie wehren sich zu wenig und zu wenig kollektiv gegen dieses pressefeindliche Vorgehen. Das beunruhigt mich, selbst als Beobachter aus der Ferne. Dazu kommt die wirtschaftlich sehr schwierige Lage, die dazu führt, dass Medien weniger Mittel zur Verfügung haben und sich schneller einmal gefügig machen bzw. weniger Risiken in ihrer Berichterstattung auf sich nehmen.</span></p>
<p><b>Was meinen Sie damit?</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Immer mehr Redaktionen gehen den sowieso schon trendigen Geschichten nach, bei denen sie besser abschätzen können, ob und wie stark sie die Leserschaft interessieren. Ausserdem haben sie – in den USA teils noch mehr als in Europa – ihr Geschäftsmodell stark um die digitalen Plattformen herum aufgebaut und achten darauf, ihre Inhalte so zu verbreiten, dass sie von den Algorithmen weiterverbreitet werden. Man könnte fast von einer Kapitulation vor den Sozialen Medien sprechen: Newsrooms produzieren oft kürzere Texte, peppigere Videos, vertikale und mobile-optimierte Inhalte – das alles mit dem Versuch, das eigene Publikum nicht zu verlieren.</span></p>
<p><b>Und funktioniert das?</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Nicht wirklich. Mobile-optimierte Inhalte und vertikale Videos allein bringen wenig. Vergessen wir nicht, der Druck ist sowieso schon hoch. Die Trump-Regierung gängelt die Presse laufend und die Abneigung gegenüber der Presse ist gross. Das führt in meinen Augen dazu, dass sich noch mehr Menschen von den Nachrichten abwenden. Ausserdem beobachten wir seit Jahren die Tendenz bei vielen Amtsträgern und Politikerinnen, dass sie Fehlverhalten abstreiten oder als Fake News abstempeln. Was früher für einen Skandal oder gar einen Rücktritt gesorgt hätte, wird heute schnell vergessen. Die Medien verlieren so ihre Kontrollfunktion. Ein vertikales, mobile-optimiertes Video allein kann dieses Problem nicht lösen.</span></p>
<p><b>Seit 2023 leben Sie in der Schweiz und arbeiten von hier aus als freier Journalist. Davor haben Sie lokale und nationale News für diverse US-Redaktionen gemacht, auch für öffentlich-rechtliche Radio-Stationen. Könnten Sie die Arbeit von damals in den USA heute noch so ausüben?</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Ja und nein. Einige Stellen, die ich früher innehatte, existieren heute gar nicht mehr und mussten aufgrund drastischer Budgetkürzungen weggespart werden. Einige der Radiosendungen, für die ich früher arbeitete, haben sich heute hin zu Social Media gewandt, in der Hoffnung, dort ein breiteres Publikum zu erreichen – mit mässigem Erfolg. Gleichzeitig habe ich auch im Lokaljournalismus, etwa in Kentucky, gearbeitet. Dort entstehen neue, aufregende Projekte. Aber natürlich, der Druck ist massiv. Dennoch: Wenn neue Projekte in der US-Medienlandschaft entstehen, dann sehe ich das vor allem auf lokaler Ebene. Dort ist auch die Nachfrage nach News, die die Bevölkerung vor Ort unmittelbar betreffen, gross. Und es geht dabei nicht immer um die neuesten Tweets von Trump und seiner Regierung, sondern um lokal relevante Entwicklungen.</span></p>
<p><b>Gerade die lokalen Radiostationen, die öffentlich-rechtlich organisiert sind, stehen in den USA aber unter besonders grossem Druck.</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Als ich selbst noch für den öffentlich-rechtlichen Radio arbeitete, bemühten wir sowie andere Sender uns stets darum, das Budget aus Bundesmitteln zu reduzieren und damit die finanzielle Abhängigkeit aus Washington DC zu senken. Bei einigen Radiosendern führte das zum Glück dazu, dass sie nicht ganz so stark von den Kürzungen, die Trump letztes Jahr veranlasste, betroffen waren. Gleichzeitig konnten einige Sender, die eine lokal starke Nachfrage haben, mehr private Spenden verzeichnen. Die Frage ist nur, wie nachhaltig eine solche Finanzierung ist. Die Auswirkungen der aktuellen Entscheidungen werden für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten so oder so noch sehr lange nachhallen.</span></p>
<p><b>Was sind unmittelbare Lösungen, die lokale Sender aufgrund dieses wachsenden wirtschaftlichen Drucks ergriffen haben?</b></p>
<p><b></b><span style="font-weight: 400;">Vor allem einige lokale Radiostationen haben sich derart beraten lassen und versuchen nun als Konkurrenz zu den kommerziellen Sendern aufzutreten. Ich halte das für eine schlechte Idee, vor allem läuft das dem Kernauftrag von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten entgegen. Beim Sender in Kentucky, bei dem ich früher arbeitete, haben wir gesehen, dass öffentliche Radiosender wie unserer kein Image von «Eliten»-Medien haben, die an den Bedürfnissen der Leute vorbeireden. Im Gegenteil, die Nachfrage war da, und wir konnten sie als nicht-kommerzieller Sender bedienen.</span></p>
<p><b>Das sind ähnliche Diskussionen und Argumente, wie wir sie auch hier in der Schweiz mit Blick auf öffentliche-rechtliche Medien beobachten.<br />
</b><b></b><span style="font-weight: 400;">Absolut. In dieser Hinsicht habe ich auch die Halbierungsinitiative am 8. März aufmerksam verfolgt und war hocherfreut über den Ausgang. Die USA und die Schweiz lassen sich natürlich nicht eins zu eins miteinander vergleichen, aber ich würde behaupten, dass eine ähnliche Abstimmung über das Budget öffentlich-rechtlicher Medien in den USA in ähnlicher Weise zugunsten der Medien ausgefallen wäre. Aber das sind natürlich nur Mutmassungen. Was ich abgesehen davon bemerkenswert und geschickt fand, war, wie stark die Gegner der Initiative hierzulande auf US-Reizfiguren wie Elon Musk und Donald Trump Bezug nahmen.</span></p>
<p><b>Inwiefern?</b><b></b>Es ist längst bekannt, was Musk mit Twitter gemacht hat. Und wie stark sich bei Trump und Musk Kommunikations- und Medienplattformen mit der Politik vermischt haben. Der Einfluss solcher Leute auf die Medien in den USA ist enorm, und das ist riskant. Insofern war es sehr geschickt, im Vorfeld der Halbierungsinitiative diesen Link herzustellen und davor zu warnen.</p>
<p><b>Warum sind Sie 2023, noch unter der Biden-Regierung, in die Schweiz ausgewandert?</b><b></b><span style="font-weight: 400;">Es waren vor allem private Gründe. Aber schon in den Jahren zuvor hatte ich mich gefragt, wie gross der Einfluss meiner Arbeit noch war, angesichts des wachsenden Drucks und Stresses. Die Medien deckten Fehlverhalten von wichtigen Personen auf, machten deren Machenschaften öffentlich, doch die behielten alle ihren Job. Vergleichbare Fälle hätten früher noch einen viel grösseren Einfluss gehabt. Insofern war 2023 ein guter Moment, um mich diesbezüglich neu zu orientieren und in die Schweiz zu kommen. Als freier Journalist befasse ich mich noch immer intensiv mit den Medien, auch mit denjenigen in den USA. Aber ich habe nun mehr Möglichkeiten, mir Gedanken darüber zu machen, wie die Medien und die Medienindustrie funktionieren und wie sie nachhaltig bestehen können.</span></p>
<p><b>Wie hat sich ihr Blick auf den Journalismus und die Pressefreiheit seitdem verändert?</b><b></b><span style="font-weight: 400;">Ich hielt eine freie Presse sowie lokale und investigative journalistische Arbeit schon immer für essenziell. Wenn ich die heutige Entwicklung im Blick habe, hat sich das nur noch verstärkt. Die grössten Herausforderungen, gerade auch angesichts massiver Budgetkürzungen, liegen im Geschäftsmodell. Medien, in den USA sowie andernorts, müssen ihrem Publikum glaubhaft machen, worin ihre Relevanz liegt – insbesondere, wenn sie von Politikerinnen und Politikern denunziert und von Teilen der Öffentlichkeit geradezu ignoriert werden. Sie müssen experimentieren, neues wagen, was natürlich ausreichend Mittel und Kreativität benötigt. Aber immer neue und nochmals neue Business-Strategien mit KI-Zusammenfassungen, noch kürzeren Artikeln und so weiter, auf die sich viele Medien jeweils stürzen, werden das Problem allein nicht lösen in nicht lösen.</span></p>
<h6><b>VALENTIN RUBIN, POLICY &amp; ADVOCACY MANAGER RSF SCHWEIZ</b></h6>
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		<item>
		<title>Beträchtliche Lücken beim digitalen Schutz von Medienschaffenden und ihren Quellen</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/betraechtliche-luecken-beim-digitalen-schutz-von-medienschaffenden-und-ihren-quellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 09:32:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-05-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[Überall auf der Welt – auch in der Schweiz – sind Medienschaffende nur unzureichend vor Cyberrisiken geschützt. Die Telefone, Computer und E-Mail-Konten von Journalistinnen und Journalisten sind im Grossen und Ganzen Einfallstore, die von Aussenstehenden mit böswilligen Absichten, aber auch von Polizei- oder Geheimdienstmitarbeitern viel zu leicht überwunden werden können. Auf diese Feststellung waren sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Überall auf der Welt – auch in der Schweiz – sind Medienschaffende nur unzureichend vor Cyberrisiken geschützt. Die Telefone, Computer und E-Mail-Konten von Journalistinnen und Journalisten sind im Grossen und Ganzen Einfallstore, die von Aussenstehenden mit böswilligen Absichten, aber auch von Polizei- oder Geheimdienstmitarbeitern viel zu leicht überwunden werden können. Auf diese Feststellung waren sich die beiden Referenten eines Workshops einig, den RSF Schweiz beim letzten Presstival angeboten hat – dem Westschweizer Journalismusfestival, das in seiner zweiten Ausgabe am Pfingstwochenende zwei Tage lang in Biel stattfand.</strong></p>
<p>Nicolas Diaz, Leiter für digitale Sicherheit im internationalen Sekretariat von RSF in Paris, und Sascha Buchbinder, Investigativjournalist bei Saldo/K-Tipp in Zürich, Vorstandsmitglied der Schweizer Sektion von RSF und ehemaliger Leiter für operative Sicherheit für die Investigativredaktionen der SRG, haben beide betont, wie wichtig Cybersicherheit für Medienschaffende ist. Die Gefahr drohe dabei nicht nur Journalistinnen und Journalisten, die in autoritären Regimes berichten oder illegale Aktivitäten untersuchen. Medienschaffende, die in demokratischen Ländern wie der Schweiz tätig sind, sind zwar weniger gefährdet, aber das Risiko besteht auch dort. Der Berufsstand täte gut daran, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, nur weil die Medienschaffenden in einem «sicheren» Land arbeiten.</p>
<p>Das Problem ist, dass die Redaktionen noch nicht genügend Massnahmen ergreifen, um ihre Mitarbeitenden gegen digitale Risiken zu schulen und zu schützen. Und die Grundausbildung der Medienschaffenden in diesem Bereich scheint noch lückenhaft zu sein. Hier müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um das Schutzniveau zu erhöhen.</p>
<p>Dabei geht es übrigens nicht nur um die Sicherheit der Journalistinnen und Journalisten selbst, sondern auch um die ihrer Quellen – und zwar sowohl in risikobehafteten Kontexten als auch in scheinbar sicheren Situationen. Man denke nur an die jüngsten gross angelegten Ermittlungen der Waadtländer Staatsanwaltschaft, die die Quelle der Indiskretion ermitteln wollte, welche es bestimmten Medien ermöglicht hatte, Informationen über den im Fall des «Steuerschilds» in Auftrag gegebenen Expertenbericht zu veröffentlicht. Der Fall erschüttert den Kanton noch heute. Wichtig dabei:  Wenn die Medien nicht die notwendigen Massnahmen ergreifen, setzen sie ihre Quellen einem Risiko aus und laufen Gefahr, dass diese sie nicht mehr informieren.</p>
<p>Die Schweizer Sektion von RSF hat deswegen jüngst eine <a href="https://rsf-ch.ch/wp-content/uploads/2026/06/Guide-securite-numerique-pour-les-journalistes-version-finale.pdf">kleine Broschüre herausgegeben, die grundlegende Empfehlungen zu Cybersicherheit </a>enthält, die je nach dem Grad der Gefahr, der die Medienschaffenden ausgesetzt sind, zu befolgen sind. Noch liegt die Broschüre in dieser Form nur auf französisch vor. Wir sind uns bewusst, dass dies nur ein Anfang ist, aber wir sind überzeugt, dass dringend gehandelt werden muss. Denn ein wirksamer Schutz der Pressefreiheit besteht nur dann, wenn die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten, die vertraulich bleiben muss, auch tatsächlich vertraulich bleibt.</p>
<p><b>Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz</b></p>
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		<title>Medien in den USA: «Die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen werden noch lange nachhallen»</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/die-auswirkungen-der-aktuellen-entwicklungen-werden-noch-lange-nachhallen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 06:49:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter 2026-05-DE]]></category>
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					<description><![CDATA[In der diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit von RSF belegen die USA – wie bereits 2025 – einen neuen historischen Tiefstand. Auf Platz 64 von 180 erfassten Ländern schafft es die älteste Demokratie der Welt nicht einmal mehr ins vordere Drittel der Rangliste. Was bedeutet das für den Journalismus im Land? Der US-Journalist Gabe Bullard, der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>In der diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit von RSF belegen die USA – wie bereits 2025 – einen neuen historischen Tiefstand. Auf Platz 64 von 180 erfassten Ländern schafft es die älteste Demokratie der Welt nicht einmal mehr ins vordere Drittel der Rangliste. Was bedeutet das für den Journalismus im Land? Der US-Journalist Gabe Bullard, der seit 2023 in der Schweiz lebt, gibt Einblicke.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Seit Jahren ist in den USA ein Rückgang der Pressefreiheit zu beobachten, nicht erst seit Trump. Wie blicken Sie auf diese Entwicklungen?<br />
</strong>Was mir Sorge bereitet, ist dass sich die Medien in den USA zu wenig gemeinsam wehren gegen die Massnahmen und Einschränkungen, die Trump gegen den Journalismus im Land verhängt. Der Zutritt zum Pentagon wurde erschwert, auch weil sich viele Medien – zurecht – den neuen Auflagen widersetzt haben. Zudem wurde der Presse-Pool um Trump massiv verändert. Aber wenn Trump die Medien an einer seiner vielen Pressekonferenzen einmal mehr beleidigt, nehmen das die anwesenden Journalistinnen und Journalisten meist einfach so hin. Sie wehren sich zu wenig und zu wenig kollektiv gegen dieses pressefeindliche Vorgehen. Das beunruhigt mich, selbst als Beobachter aus der Ferne. Dazu kommt die wirtschaftlich sehr schwierige Lage, die dazu führt, dass Medien weniger Mittel zur Verfügung haben und sich schneller einmal gefügig machen bzw. weniger Risiken in ihrer Berichterstattung auf sich nehmen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was meinen Sie damit?<br />
</strong>Immer mehr Redaktionen gehen den sowieso schon trendigen Geschichten nach, bei denen sie besser abschätzen können, ob und wie stark sie die Leserschaft interessieren. Ausserdem haben sie – in den USA teils noch mehr als in Europa – ihr Geschäftsmodell stark um die digitalen Plattformen herum aufgebaut und achten darauf, ihre Inhalte so zu verbreiten, dass sie von den Algorithmen weiterverbreitet werden. Man könnte fast von einer Kapitulation vor den Sozialen Medien sprechen: Newsrooms produzieren oft kürzere Texte, peppigere Videos, vertikale und mobile-optimierte Inhalte – das alles mit dem Versuch, das eigene Publikum nicht zu verlieren.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Und funktioniert das?<br />
</strong>Nicht wirklich. Mobile-optimierte Inhalte und vertikale Videos allein bringen wenig. Vergessen wir nicht, der Druck ist sowieso schon hoch. Die Trump-Regierung gängelt die Presse laufend und die Abneigung gegenüber der Presse ist gross. Das führt in meinen Augen dazu, dass sich noch mehr Menschen von den Nachrichten abwenden. Ausserdem beobachten wir seit Jahren die Tendenz bei vielen Amtsträgern und Politikerinnen, dass sie Fehlverhalten abstreiten oder als Fake News abstempeln. Was früher für einen Skandal oder gar einen Rücktritt gesorgt hätte, wird heute schnell vergessen. Die Medien verlieren so ihre Kontrollfunktion. Ein vertikales, mobile-optimiertes Video allein kann dieses Problem nicht lösen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Seit 2023 leben Sie in der Schweiz und arbeiten von hier aus als freier Journalist. Davor haben Sie lokale und nationale News für diverse US-Redaktionen gemacht, auch für öffentlich-rechtliche Radio-Stationen. Könnten Sie die Arbeit von damals in den USA heute noch so ausüben?<br />
</strong>Ja und nein. Einige Stellen, die ich früher innehatte, existieren heute gar nicht mehr und mussten aufgrund drastischer Budgetkürzungen weggespart werden. Einige der Radiosendungen, für die ich früher arbeitete, haben sich heute hin zu Social Media gewandt, in der Hoffnung, dort ein breiteres Publikum zu erreichen – mit mässigem Erfolg. Gleichzeitig habe ich auch im Lokaljournalismus, etwa in Kentucky, gearbeitet. Dort entstehen neue, aufregende Projekte. Aber natürlich, der Druck ist massiv. Dennoch: Wenn neue Projekte in der US-Medienlandschaft entstehen, dann sehe ich das vor allem auf lokaler Ebene. Dort ist auch die Nachfrage nach News, die die Bevölkerung vor Ort unmittelbar betreffen, gross. Und es geht dabei nicht immer um die neuesten Tweets von Trump und seiner Regierung, sondern um lokal relevante Entwicklungen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Gerade die lokalen Radiostationen, die öffentlich-rechtlich organisiert sind, stehen in den USA aber unter besonders grossem Druck.<br />
</strong>Als ich selbst noch für den öffentlich-rechtlichen Radio arbeitete, bemühten wir sowie andere Sender uns stets darum, das Budget aus Bundesmitteln zu reduzieren und damit die finanzielle Abhängigkeit aus Washington DC zu senken. Bei einigen Radiosendern führte das zum Glück dazu, dass sie nicht ganz so stark von den Kürzungen, die Trump letztes Jahr veranlasste, betroffen waren. Gleichzeitig konnten einige Sender, die eine lokal starke Nachfrage haben, mehr private Spenden verzeichnen. Die Frage ist nur, wie nachhaltig eine solche Finanzierung ist. Die Auswirkungen der aktuellen Entscheidungen werden für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten so oder so noch sehr lange nachhallen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was sind unmittelbare Lösungen, die lokale Sender aufgrund dieses wachsenden wirtschaftlichen Drucks ergriffen haben?<br />
</strong>Vor allem einige lokale Radiostationen haben sich derart beraten lassen und versuchen nun als Konkurrenz zu den kommerziellen Sendern aufzutreten. Ich halte das für eine schlechte Idee, vor allem läuft das dem Kernauftrag von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten entgegen. Beim Sender in Kentucky, bei dem ich früher arbeitete, haben wir gesehen, dass öffentliche Radiosender wie unserer kein Image von «Eliten»-Medien haben, die an den Bedürfnissen der Leute vorbeireden. Im Gegenteil, die Nachfrage war da, und wir konnten sie als nicht-kommerzieller Sender bedienen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Das sind ähnliche Diskussionen und Argumente, wie wir sie auch hier in der Schweiz mit Blick auf öffentliche-rechtliche Medien beobachten.<br />
</strong>Absolut. In dieser Hinsicht habe ich auch die Halbierungsinitiative am 8. März aufmerksam verfolgt und war hocherfreut über den Ausgang. Die USA und die Schweiz lassen sich natürlich nicht eins zu eins miteinander vergleichen, aber ich würde behaupten, dass eine ähnliche Abstimmung über das Budget öffentlich-rechtlicher Medien in den USA in ähnlicher Weise zugunsten der Medien ausgefallen wäre. Aber das sind natürlich nur Mutmassungen. Was ich abgesehen davon bemerkenswert und geschickt fand, war, wie stark die Gegner der Initiative hierzulande auf US-Reizfiguren wie Elon Musk und Donald Trump Bezug nahmen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Inwiefern?<br />
</strong>Es ist längst bekannt, was Musk mit Twitter gemacht hat. Und wie stark sich bei Trump und Musk Kommunikations- und Medienplattformen mit der Politik vermischt haben. Der Einfluss solcher Leute auf die Medien in den USA ist enorm, und das ist riskant. Insofern war es sehr geschickt, im Vorfeld der Halbierungsinitiative diesen Link herzustellen und davor zu warnen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum sind Sie 2023, noch unter der Biden-Regierung, in die Schweiz ausgewandert?<br />
</strong>Es waren vor allem private Gründe. Aber schon in den Jahren zuvor hatte ich mich gefragt, wie gross der Einfluss meiner Arbeit noch war, angesichts des wachsenden Drucks und Stresses. Die Medien deckten Fehlverhalten von wichtigen Personen auf, machten deren Machenschaften öffentlich, doch die behielten alle ihren Job. Vergleichbare Fälle hätten früher noch einen viel grösseren Einfluss gehabt. Insofern war 2023 ein guter Moment, um mich diesbezüglich neu zu orientieren und in die Schweiz zu kommen. Als freier Journalist befasse ich mich noch immer intensiv mit den Medien, auch mit denjenigen in den USA. Aber ich habe nun mehr Möglichkeiten, mir Gedanken darüber zu machen, wie die Medien und die Medienindustrie funktionieren und wie sie nachhaltig bestehen können.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Wie hat sich ihr Blick auf den Journalismus und die Pressefreiheit seitdem verändert?<br />
</strong>Ich hielt eine freie Presse sowie lokale und investigative journalistische Arbeit schon immer für essenziell. Wenn ich die heutige Entwicklung im Blick habe, hat sich das nur noch verstärkt. Die grössten Herausforderungen, gerade auch angesichts massiver Budgetkürzungen, liegen im Geschäftsmodell. Medien, in den USA sowie andernorts, müssen ihrem Publikum glaubhaft machen, worin ihre Relevanz liegt – insbesondere, wenn sie von Politikerinnen und Politikern denunziert und von Teilen der Öffentlichkeit geradezu ignoriert werden. Sie müssen experimentieren, neues wagen, was natürlich ausreichend Mittel und Kreativität benötigt. Aber immer neue und nochmals neue Business-Strategien mit KI-Zusammenfassungen, noch kürzeren Artikeln und so weiter, auf die sich viele Medien jeweils stürzen, werden das Problem allein nicht lösen in nicht lösen.</p>
<h6><strong>Valentin Rubin, Policy &amp; Advocacy Manager RSF Schweiz</strong></h6>
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		<item>
		<title>RSF Schweiz verurteilt das Vorgehen der Polizei gegen zwei Journalisten bei Klimaschutz-Aktionen in Payerne und Luzern</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/rsf-schweiz-verurteilt-das-vorgehen-der-polizei-gegen-zwei-journalisten-bei-den-klimademonstrationen-in-payerne-und-luzern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 14:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei zwei Aktionen der Klimaaktivistengruppe «Act Now!» im Mai kam es zu zwei Zwischenfällen zwischen der Polizei und Medienschaffenden. Ein Journalist wurde gezwungen, seine Aufnahmen zu löschen, während ein anderer vorübergehend mit Handschellen festgehalten wurde. RSF Schweiz warnt vor solchen Eingriffen und fordert die Sicherheitskräfte auf, bei Einsätzen, an denen Medienschaffende beteiligt sind, Verhältnismässigkeit walten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bei zwei Aktionen der Klimaaktivistengruppe «Act Now!» im Mai kam es zu zwei Zwischenfällen zwischen der Polizei und Medienschaffenden. Ein Journalist wurde gezwungen, seine Aufnahmen zu löschen, während ein anderer vorübergehend mit Handschellen festgehalten wurde. RSF Schweiz warnt vor solchen Eingriffen und fordert die Sicherheitskräfte auf, bei Einsätzen, an denen Medienschaffende beteiligt sind, Verhältnismässigkeit walten zu lassen.</strong></p>
<p><em>Titelbild: Symbolbild</em></p>
<p>Im Laufe des Monats Mai fanden an verschiedenen Orten in der Schweiz Protestaktionen der Schweizer Klimabewegung „Act Now!“ statt. Die Aktivisten organisierten unter anderem Sit-ins an Tankstellen, um Autofahrer und Tankstellenbetreiber für den Klimawandel zu sensibilisieren. Im Militärmuseum von Payerne übergossen sich die Aktivisten zudem mit schwarzer Farbe.</p>
<p>Bei zwei dieser Aktionen kam es zu Zwischenfällen zwischen den Sicherheitskräften und den vor Ort anwesenden Journalisten. Im Militärmuseum von Payerne wurde der Fotojournalist Bénédict Bettermann, der für die Fotoagentur Alto Press über das Ereignis berichtete, von der Polizei angehalten, kontrolliert und gezwungen, einige seiner Fotos und Videos zu löschen. Der Fotojournalist Raimond Lüppken machte seinerseits eine ähnliche Erfahrung, als er am Donnerstag, dem 14. Mai, über ein Sit-in von «Act Now!» an einer Tankstelle in Kriens (LU) berichtete, ebenfalls für die Fotoagentur Alto Press.</p>
<p>Raimond Lüppken hat sich in verschiedenen Medien zu dem Vorfall geäussert. Er machte geltend, dass die Polizeibeamten ihm das Filmen und Fotografieren untersagt hätten, obwohl das Sit-in an einer öffentlichen Tankstelle stattfand. Der Journalist wollte daraufhin seinen Presseausweis vorzeigen, um klarzustellen, dass er nicht zum Aktivistenkollektiv gehörte, sondern als Journalist über die Aktion berichtete. Dazu kam er gemäss eigenen Angaben jedoch nicht mehr. Er wurde von der Polizei prompt zurückgedrängt, seine Kamera fiel zu Boden und er wurde sogar für einen kurzen Moment mit Handschellen gefesselt.</p>
<p>RSF Schweiz verurteilt das Vorgehen, das Raimond Lüppken erdulden musste. Die Tatsache, dass ein Journalist in der Schweiz von der Polizei unverhältnismässig behandelt und sogar kurzzeitig mit Handschellen gefesselt wird, gibt Anlass zur Sorge. Doch dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art im Kanton Luzern. Bereits 2021 hatten Polizeibeamte in Luzern Pfefferspray gegen einen Journalisten eingesetzt, der im Gesicht getroffen wurde. Dieser Vorfall hatte zu einem Dialog zwischen der Luzerner Polizei und dem Berufsverband Impressum geführt, der jedoch offensichtlich noch keine handfesten Ergebnisse gebracht hat. Zumindest im Fall von Raimond Lüpken soll die Polizei sogar angekündigt haben, Anzeige gegen ihn zu erstatten, weil er den Anweisungen nicht Folge geleistet habe. Auf Anfrage von RSF Schweiz verweist die Luzerner Kantonspolizei auf das laufende Verfahren und lehnt jeden weiteren Kommentar ab.</p>
<p>Bei den Ereignissen, die sich am 6. Mai im Musée de l&#8217;aviation militaire (Militärluftfahrtsmuseum) in Payerne zugetragen haben, wurde der Fotojournalist Bénédict Bettermann angehalten, durchsucht und die Speicherkarte seiner Kamera beschlagnahmt. Anschliessend wurde er von der Freiburger Kantonspolizei (das Museum liegt auf Freiburger Kantonsgebiet) unter dem Vorwand, er gehöre zur Gruppe der Aktivisten, auf die Wache gebracht. Dort blieb er etwa drei bis vier Stunden und wurde schliesslich gezwungen, die Bilder und Videos zu löschen, auf denen Polizisten zu sehen waren, wie er angibt.</p>
<p>Bénédict Bettermann berichtete RSF Schweiz, er habe vergeblich versucht, seine Identität als Journalist nachzuweisen, indem er eine Bescheinigung seines Arbeitgebers, der Agentur Alto Press – derselben, für die auch Raimond Lüpken im Einsatz in Kriens war – sowie einen Presseausweis vorlegte. Die Freiburger Polizei teilte RSF Schweiz ihrerseits mit, dass «der Journalist vor Ort nicht eindeutig als solcher zu erkennen war; er trug keine Presseweste und konnte keinen gültigen Presseausweis vorweisen». Zu Identifizierungszwecken und zur Klärung des Sachverhalts sei er daher auf die Wache mitgenommen worden. Die Polizei weist zudem darauf hin, dass sie «die Bedeutung der journalistischen Arbeit anerkennt und sich bemüht, diese Freiheit mit den Anforderungen an Sicherheit und öffentliche Ordnung in Einklang zu bringen». Was die Fotos angeht, merkt sie an, das Thema mit dem Betroffenen «besprochen zu haben».</p>
<p>Es scheint tatsächlich so, als hätte der Fotojournalist nicht den in der Schweiz üblichen Presseausweis bei sich gehabt, sondern einen anderen Ausweis. Nichtsdestotrotz war seine Arbeit vor Ort eindeutig journalistischer Natur, diese Tatsache schien leicht festzustellen zu sein, und als Medienprofi hatte er das Recht, das Vorgehen der Polizei zu filmen und zu fotografieren, und hätte nicht gezwungen werden dürfen, Bilder oder Videos zu löschen.</p>
<blockquote><p><em>«RSF Schweiz verurteilt die zeitweilige Festnahme des Fotojournalisten Raimond Lüppken. Wir erinnern daran, dass das verfassungsmässig garantierte Redaktionsgeheimnis alle Informationen und Daten umfasst, die im Rahmen journalistischer Arbeit gesammelt werden, und dass die Polizei keinen Zugriff darauf verlangen und keine Elemente daraus löschen darf. Ausserdem ist es allgemein anerkannt, dass ein Polizeieinsatz im öffentlichen Raum frei gefilmt und fotografiert werden darf. Dieser Grundsatz darf nicht in Frage gestellt werden.»</em></p>
<p><strong>Denis Masmejan<br />
</strong>Generalsekretär von RSF Schweiz</p></blockquote>
<p>RSF Schweiz verweist zudem auf den Nationalen Aktionsplan, der gemeinsam vom Mediensektor und dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) für die Jahre 2023 bis 2027 erarbeitet wurde. Dieses Dokument formuliert Ziele zum Schutz des Journalistenberufs und zur Gewährleistung seiner Rechte und Sicherheit. Es listet insbesondere Schutzmassnahmen auf, die die Sicherheit von Medienschaffenden bei Demonstrationen, Protestaktionen und Grossveranstaltungen gewährleisten sollen. In diesem Zusammenhang fordert RSF Schweiz die Ordnungskräfte auf, den Grundsatz der Verhältnismässigkeit im Umgang mit Medienschaffenden strikt einzuhalten sowie deren Rechte zu berücksichtigen und zu respektieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Iran: Das Internet ist auch nach über 80 Tagen noch immer ausgeschaltet</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/iran-das-internet-ist-auch-nach-ueber-80-tagen-noch-immer-ausgeschaltet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[rsfsuisse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 10:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[RSF und das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) sind zutiefst besorgt über die landesweite Internetabschaltung im Iran, die den Medienschaffenden des Landes seit nunmehr über 80 Tagen in Folge jeglichen Kontakt zur Aussenwelt verwehrt. Was als Versuch der Informationskontrolle begann, hat sich zu einem anhaltenden Angriff auf die Pressefreiheit und zu einem täglichen Kampf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="clearfix text-formatted field field--name-field-chapo field--type-text-long field--label-hidden field__item">
<p><b>RSF und das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) sind zutiefst besorgt über die landesweite Internetabschaltung im Iran, die </b><a href="https://cpj.org/2026/04/how-middle-east-journalists-report-during-internet-blackouts/" target="_blank" rel="noopener"><b><u>den Medienschaffenden des Landes</u></b></a><strong> seit nunmehr über 80 Tagen in Folge jeglichen Kontakt zur Aussenwelt verwehrt. Was als Versuch der </strong><a href="https://cpj.org/2026/02/iran-tightens-media-crackdown-with-raids-financial-pressure/" target="_blank" rel="noopener"><b><u>Informationskontrolle</u></b></a> begann,<b> hat sich zu einem anhaltenden Angriff auf die Pressefreiheit und zu einem täglichen Kampf für die lokalen Reporterinnen und Reporter entwickelt, die versuchen, weiterhin im Land zu arbeiten.</b></p>
<p>Laut dem unabhängigen Überwachungsdienst <a href="https://x.com/netblocks/status/2056279162206220652" target="_blank" rel="noopener"><u>NetBlocks</u></a> geht diese Sperre nun in die 12. Woche und ist damit <a href="https://www.themiddleeastuncovered.com/p/the-longest-internet-shutdown-in" target="_blank" rel="noopener"><u>die längste und strengste, die jemals im Iran verzeichnet wurde.</u></a> CPJ und RSF warnen, dass diese digitale Barriere den Iran eine Blackbox verwandelt hat, die die Behörden bewusst geschaffen haben, um <a href="https://www.openglobalrights.org/weaponizing-internet-shutdowns-in-iran-the-emerging-risk-of-crimes-against-humanity/" target="_blank" rel="noopener"><u>ihre stille und unerbittliche Kampagne gegen die Medien des Landes</u></a> zu verschleiern.</p>
<blockquote><p><em>«Indem die iranische Regierung den Internetzugang seit fast drei Monaten unterbunden hat, hat sie ein erschreckendes operatives Vakuum geschaffen, in dem der Presse ihre grundlegendste Verteidigung abhanden kommt: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wir erleben einen bewussten Versuch, die Schikanen, Drohungen und willkürlichen Verhaftungen lokaler Medienschaffender ausserhalb des Landes unsichtbar zu machen – und damit der Öffentlichkeit ihr Grundrecht auf Information vorzuenthalten.»</em></p>
<p><strong>Sara Qudah<br />
</strong>Regionaldirektorin des CPJ</p></blockquote>
<p>Für die wenigen unabhängigen Medienschaffenden und Redaktionen, die noch versuchen, im Iran zu arbeiten, verunmöglicht die Sperrung des Internetzugangs eine sichere und zuverlässige Berichterstattung fast gänzlich. Ohne sichere Messaging-Apps oder gar eine zuverlässige Internetverbindung können Medienschaffende weder ihre Quellen sicher kontaktieren, noch Informationen vor Ort überprüfen, noch ihre Artikel ins Ausland senden. Diese Sperre erschwert nicht nur ihre Arbeit massiv, sondern sie schützt vielmehr die Behörden vor jeglicher Kontrolle und Überwachung.</p>
<blockquote><p>«Das vom iranischen Regime verhängte Informationsvakuum erstickt das Land, seine Medienschaffenden sowie seine Bürgerinnen und Bürger. Indem es das Internet abschaltet, die verbleibenden Online-Aktivitäten von Journalistinnen und Journalisten überwacht und Medienschaffende weiterhin bedroht, stürzt das Regime das Land in Dunkelheit und schützt sich so vor jeglicher Rechenschaftspflicht. Die iranische Öffentlichkeit hat ebenso wie die internationale Gemeinschaft ein Recht auf freie, zuverlässige und pluralistische Informationen aus dem Land. Das Abschalten des Internets ist ein direkter Angriff auf dieses Recht und muss sofort aufgehoben werden.»</p>
<p><b>Jonathan Dagher<br />
</b>Leiter des Nahost-Büros von RSF</p></blockquote>
<p>In den letzten Monaten haben die Behörden <a href="https://cpj.org/2026/03/press-freedom-violations-in-the-middle-east-during-the-iran-war/" target="_blank" rel="noopener"><u>im ganzen Land</u></a> stillschweigend Journalistinnen und Journalisten festgenommen, bedroht und vorgeladen – wohl wissend, dass diese Übergriffe <a href="https://rsf.org/fr/guerre-en-iran-acc%C3%A8s-restreint-%C3%A0-l-information-reporters-sous-les-bombes-le-journalisme-face-%C3%A0-la" target="_blank" rel="noopener"><u>unbemerkt bleiben und nicht gemeldet</u></a> würden.</p>
<p>Indem sie der Bevölkerung den Zugang zum Internet verwehrt, hat die Regierung die Bürgerinnen und Bürger auf die Rolle blosser Beobachter ihres eigenen Landes reduziert und den Medienschaffenden gleichzeitig ihren einzigen wirklichen Schutz genommen: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und die internationale Unterstützung. Durch die <a href="https://rsf.org/fr/black-out-m%C3%A9diatique-en-iran-au-moins-un-m%C3%A9dia-suspendu-et-aucun-signal-des-autres-r%C3%A9dactions" target="_blank" rel="noopener"><u>Unterbrechung des Internets</u></a> ist es für internationale Organisationen zur Verteidigung der Pressefreiheit extrem schwierig zu erfahren, was vor sich geht: Sowohl für das CPJ als auch für RSF ist es schwieriger denn je geworden, Verhaftungen zu bestätigen, die Sicherheit von Medienschaffenden zu überprüfen und Angriffe zu dokumentieren.</p>
<p>Diese Informationslücke ist besonders gefährlich für die <a href="https://cpj.org/2026/03/cpj-calls-for-immediate-release-of-jailed-journalists-in-iran-amid-escalating-conflict/" target="_blank" rel="noopener"><u>inhaftierten Journalisten</u></a> im Iran, wie zum Beispiel den iranisch-amerikanischen Journalisten <a href="https://cpj.org/data/people/reza-valizadeh/"><strong>Reza Valizadeh</strong></a>, der nach wie vor im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten wird. Da die Kommunikation eingeschränkt ist, wissen wir nur wenig über seinen Gesundheitszustand oder seine rechtliche Lage. Und internationale Organisationen können nicht wirksam eingreifen, um ihn zu schützen.</p>
<p>RSF und das CPJ fordern die iranischen Behörden darum dringend auf:</p>
<ul>
<li>den uneingeschränkten Internetzugang im ganzen Land sofort wiederherzustellen und alle digitalen Beschränkungen aufzuheben;</li>
<li>die ständigen Drohungen, die gerichtlichen Schikanen und die willkürliche Inhaftierung von Medienschaffenden, die ihren Beruf ausüben, zu beenden;</li>
<li>alle Journalistinnen und Journalisten, die wegen ihrer Arbeit inhaftiert sind, unverzüglich freizulassen und internationalen Beobachtern zu ermöglichen, den Gesundheits- und Sicherheitszustand jedes inhaftierten Medienmitarbeiters zu beurteilen.</li>
</ul>
<p>Die Welt darf nicht tatenlos zusehen und zulassen, dass die digitale Dunkelheit als Deckmantel dient, um die Presse zum Schweigen zu bringen. CPJ und RSF fordern die Menschenrechtsinstitutionen der Vereinten Nationen sowie Regierungen weltweit auf, Teheran für diese beispiellosen Verstösse zur Rechenschaft zu ziehen.</p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>In Israels Gefängnissen: Die unmenschlichen Methoden der Armee und des Shin Bet gegen Journalist:innen aus Gaza</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/in-israels-gefaengnissen-die-unmenschlichen-methoden-der-armee-und-des-shin-bet-gegen-journalistinnen-aus-gaza/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 10:25:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
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					<description><![CDATA[Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die Aussagen von fünf palästinensischen Journalisten aus Gaza gesammelt, die nach dem 7. Oktober 2023 in Israel inhaftiert wurden. Darunter befinden sich der Kameramann der Produktionsfirma Ain Media, Alaa al-Sarraj, der Leiter des lokalen Büros der Zeitung Al-Araby Al-Jadeed, Diaa al-Kahlout, der Reporter des Senders Palestine Today, Shady Abu Sedo, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die Aussagen von fünf palästinensischen Journalisten aus Gaza gesammelt, die nach dem 7. Oktober 2023 in Israel inhaftiert wurden. Darunter befinden sich der Kameramann der Produktionsfirma Ain Media, Alaa al-Sarraj, der Leiter des lokalen Büros der Zeitung Al-Araby Al-Jadeed, Diaa al-Kahlout, der Reporter des Senders Palestine Today, Shady Abu Sedo, sowie der lokale Verantwortliche der palästinensischen Tageszeitung Al-Quds, Emad al-Ifranji. Sie berichten von gezielten Festnahmen, Verhören im Zusammenhang mit ihrer journalistischen Tätigkeit sowie grausamen Misshandlungen durch ihre israelischen Gefängniswärter. Die Organisation prangert wiederholte unmenschliche Handlungen an, die von der israelischen Armee und dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet gegen palästinensische Journalistinnen und Journalisten verübt worden seien. </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Zeit, in der <strong>Shady Abu Sedo</strong> Reportagen drehte, scheint heute einem anderen Leben anzugehören. Dabei liegt seine letzte Reportage erst auf den 18. März 2024 zurück. An diesem Tag befindet sich der Kameramann des Senders Palestine Today im Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza, um Opfer israelischer Bombardierungen zu interviewen, die fünf Monate zuvor als Reaktion auf die Angriffe des bewaffneten Flügels der Hamas vom 7. Oktober 2023 begonnen hatten. Nachdem er sich als Journalist zu erkennen gegeben hatte, wurde Shady Abu Sedo von Soldaten festgenommen und ab diesem Zeitpunkt während 572 Tagen auf dem Militärstützpunkt Sde Teiman festgehalten, der 30 Kilometer vom Gazastreifen entfernt in der Negev-Wüste liegt, anschliessend in den Gefängnissen Ofer und Ketziot-Al Naqab.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Ende dieses eineinhalbjährigen Abgrunds aus Folter und Entbehrungen, Verhören und Gewalt, die teilweise mit seiner beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang standen, ist er im Alter von 36 Jahren durch traumatische Erfahrungen und körperliche Folgeschäden gezeichnet, die es ihm unmöglich machen, seine Arbeit wieder aufzunehmen. «Weil du deine Kamera im Al-Shifa-Krankenhaus zurückgelassen hast, werde ich dir das Auge ausstechen», hatte ihm einer seiner Peiniger angekündigt – in Bezug auf den Ort seiner Festnahme –, bevor er ihn brutal ins Gesicht schlug. Sein rechtes Auge hat tatsächlich sein Sehvermögen verloren. Die im Gefängnis erlittene Krätze plagt ihn weiterhin, zudem leidet er nun an Epilepsie, Schlaflosigkeit und Anorexie. «Nach dem, was ich gesehen habe, kann ich nicht mehr zu Hause zwischen vier Wänden bleiben oder den Himmel ansehen, ohne einen Anfall zu bekommen. Wenn ich keine Beruhigungsmittel nehme, fange ich plötzlich an zu schreien», erklärt der überlebende Reporter, der am <a href="https://rsf.org/fr/palestine-sur-19-journalistes-d%C3%A9tenus-arbitrairement-en-deux-ans-isra%C3%ABl-en-lib%C3%A8re-seulement-trois" target="_blank" rel="noopener">11. Oktober 2025 freigelassen wurde. </a></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Keiner der fünf von Reporter ohne Grenzen (RSF) befragten Journalisten (einer von ihnen bat aus Angst vor Repressalien durch die israelische Armee um Anonymität) konnte seine berufliche Tätigkeit nach der Haft fortsetzen. Wo es sich nicht um schwere körperliche und psychische Verletzungen während der Inhaftierung handelt, sind die durch die Bombardierungen der israelischen Armee verursachten Zerstörungen der Grund dafür. Nach seiner Freilassung fand Shady Abu Sedo sein Haus nicht wieder, das durch die israelische Luftwaffe getroffen worden war. «Ich habe mein Haus, mein Auto und mein gesamtes Reportagematerial im Wert von über 50.000 Dollar [rund 39 500 Franken] verloren», erklärt <strong>Alaa al-Sarraj</strong>, der vom 16. November 2023 bis zum 11. Oktober 2025 insgesamt 692 Tage in Haft war. «Aber ich kann wieder bei null anfangen», versichert der 35-jährige Journalist, der bei der Produktionsfirma Ain Media arbeitet, deren gesamtes Archiv an Reportagen zerstört wurde. Zwei ihrer Journalist:innen wurden zudem von der israelischen Armee <a href="https://rsf.org/fr/guerre-isra%C3%ABl-gaza-la-liste-de-journalistes-tu%C3%A9s-dans-l-exercice-de-leurs-fonctions-en-palestine-en" target="_blank" rel="noopener">getötet</a>, während ein weiterer <a href="https://rsf.org/fr/rsf-demande-la-lib%C3%A9ration-des-journalistes-palestiniens-d%C3%A9tenus-arbitrairement-par-les-forces-0" target="_blank" rel="noopener">inhaftiert</a> ist und zwei seit dem 7. Oktober 2023 als <a href="https://rsf.org/fr/disparus-le-7-octobre-2023-%C3%A0-gaza-qu-est-il-arriv%C3%A9-aux-journalistes-nidal-al-wahidi-et-haytham" target="_blank" rel="noopener">vermisst</a> gelten. </span></p>
<h5><b>Presseausweis in der Hand </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie Shady Abu Sedo berichten auch die vier anderen von Reporter ohne Grenzen (RSF)  interviewten Medienschaffenden, dass sie der israelischen Armee bei ihrer Festnahme im Gazastreifen ausdrücklich mitgeteilt hätten, Journalist zu sein – deren Arbeit gemäss internationalem Recht in Kriegsgebieten geschützt werden muss. Für Alaa al-Sarraj geschah dies am Kontrollpunkt Netzarim, der von der israelischen Armee auf der Salah-al-Din-Strasse eingerichtet wurde, um die Bevölkerung im Zentrum des belagerten Gebiets zu kontrollieren. Am 16. November 2023 erklärt er: «Ich wurde vor Ort verhört, habe bestätigt, dass ich Journalist bin, und genau daraufhin wurde ich festgenommen.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im folgenden Monat hielt <strong>Diaa al-Kahlout</strong>, damals Leiter des Gaza-Büros der in Katar ansässigen internationalen Tageszeitung Al-Araby Al-Jadeed (auf Englisch The New Arab), sogar seinen Presseausweis hoch, während er seinen Beruf mehrfach gegenüber israelischen Soldaten angab, die ihn am 7. Dezember 2023 in Beit Lahya im Norden des Gazastreifens gewaltsam festnahmen. «Das ist egal», soll einer von ihnen zunächst geantwortet haben, bevor der Journalist unter mehrere Hundert gefangene Männer gebracht wurde – entkleidet und gefesselt, wie ein von einem israelischen Soldaten aufgenommenes <a href="https://www.theguardian.com/world/video/2023/dec/08/footage-palestinian-men-stripped-to-underwear-after-detention-in-gaza-video" target="_blank" rel="noopener">Video</a> belegt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während der gesamten Festnahme und seines Transports wird der damals 37-jährige Journalist von den ihn begleitenden Soldaten sowie von einem Offizier, der dem Shin Bet, dem israelischen Inlandsgeheimdienst, angehören soll, geschlagen und verhört. Sie befragen ihn zu seinen Artikeln, zu angeblichen Verbindungen zu Mitgliedern der Hamas sowie zum Eigentümer seines Mediums. Als er versucht, sich zu erklären, klebt ihm ein Soldat den Mund zu. «Ich habe jede Hoffnung verloren», erinnert er sich an diesen Moment – den letzten, bevor er «in einen Lastwagen geworfen» und gewaltsam auf israelisches Gebiet gebracht wurde. </span></p>
<h5><b>« Ich kenne dich, du bist Journalist »</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Emad al-Ifranji</strong> muss sich seinerseits nicht vorstellen. Als er in der Nacht des 18. März 2024 im Al-Shifa-Krankenhaus festgenommen wird, wo er sich aufhielt, um Strom und Internetverbindung für seine Arbeit zu nutzen, wird der heute 57-jährige Direktor der palästinensischen Tageszeitung Al-Quds in Gaza von dem ihn festnehmenden israelischen Soldaten sofort erkannt. «Ich kenne dich, du bist ein erfahrener Journalist», soll dieser ihm gesagt haben, so das Zeugnis von Emad al-Ifranji, der weiter berichtet: «Ich habe geantwortet, dass das stimmt, er hat mich brutal aus dem Gebäude der Ambulanzabteilung gezerrt, und dort begann die Reise.»</span></p>
<h5><b>Von Sde Teiman nach Ofer, Ketziot und Nafah </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieser Abstieg in die Hölle des israelischen Gefängnissystems beginnt in den Baracken von Sde Teiman. «Ab diesem Moment verlierst du deinen Namen und wirst zu einer Nummer», berichtet Emad al-Ifranji, der – wie Shady Abu Sedo – 572 Tage in Haft verbringen wird. Alle fünf von Reporter ohne Grenzen (RSF) interviewten Journalisten wurden zunächst auf dieser Militärbasis im Süden Israels inhaftiert, die von <a href="https://www.btselem.org/publications/202408_welcome_to_hell" target="_blank" rel="noopener">israelischen</a> und <a href="https://www.amnesty.fr/actualites/palestiniens-et-palestiniennes-victimes-de-detention-arbitraire-et-de-torture/" target="_blank" rel="noopener">internationalen</a> Menschenrechtsorganisationen als Folterlager bezeichnet wird. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausgeliefert an ihre Gefängniswärter berichten die Journalisten von Gewalt, Demütigungen und Entbehrungen. Ihre Aussagen haben die permanente Angst vor willkürlichen Prügelattacken gemeinsam, während sie durchgehend mit verbundenen Augen festgehalten werden. Die daraus resultierenden Knochenbrüche werden systematisch unbehandelt gelassen, was schmerzhafte und oft irreversible Komplikationen nach sich zieht. Die ihnen zugemessene Nahrungsmenge und Schlafdauer halten sie gerade so am Leben, nur um die Schläge und Beleidigungen der lachenden Soldaten zu überstehen. Einige wurden Zeugen der Tötung von Mitgefangenen oder der Vergewaltigung eines anderen Häftlings durch einen Hund. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf Sde Teiman folgen für vier der befragten Journalisten die Gefängnisse Ofer in der Nähe von Ramallah im besetzten Westjordanland, wo eine Militäreinheit für Gefangene aus Gaza eingerichtet wurde, sowie Ketziot-Al Naqab nahe der ägyptischen Sinai-Grenze. Im Fall von Alaa al-Sarraj kommt zuvor noch das Gefängnis Nafha im Süden des Negev hinzu. In all diesen Einrichtungen bleiben Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen an den Gefangenen die Norm. Nur Diaa al-Kahlout wurde nach 33 Tagen Gewalt sowie grausamen und unmenschlichen Behandlungen auf der israelischen Militärbasis freigelassen. </span></p>
<h5><b>Verhöre durch Aman und den Shin Bet </b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer aus Sde Teiman entkommen ist, spricht von einer Maschine zur «Unterwerfung von Menschen», erinnert einer der fünf überlebenden Journalisten. Als zentrales Element dieser Foltermechanik machen die dort praktizierten brutalen Verhöre Journalist:innen zu besonderen Zielscheiben. So wurde Shady Abu Sedo, bevor er dem Offizier vorgeführt wurde, der sich an seinem rechten Auge verging, stundenlang in den «Kühlschrank» gebracht – eine zwei mal ein Meter grosse Zelle mit Klimaanlage, «die dir die Knochen durchbeisst». Anschliessend wurde er nach eigenen Angaben von einem Offizier des Aman, des militärischen Geheimdienstes, gezielt zu seiner Arbeit befragt: ob er im Norden des Gazastreifens gefilmt habe, ob er sich am 7. Oktober 2023 dort auf Reportage befand, ob er Journalist:innen kenne, die die Angriffe der Hamas-Kämpfer begleitet hätten. «Ich habe alle Journalisten getötet, und die, die ich nicht töten konnte, habe ich hierhergebracht», soll der Vernehmende schliesslich gesagt haben – so die Erinnerung von Shady Abu Sedo, der in den folgenden Tagen im «Disco»-Gebäude von Sde Teiman festgehalten wurde, das darauf ausgelegt ist, Gefangene durch rund um die Uhr laufende, ohrenbetäubende Musik zur Erschöpfung zu bringen. Auch ein weiterer von Reporter ohne Grenzen (RSF) interviewter Journalist wurde dieser Foltermethode ausgesetzt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn nahezu alle Häftlinge in Sde Teiman solchen Verhören unterzogen wurden, insbesondere zu den israelischen Geiseln befragt, so wurden Journalist:innen laut Alaa al-Sarraj vor allem mit «technischen Fragen konfrontiert, die sich auf die journalistische Arbeit im Gazastreifen konzentrieren». Er selbst sei zu seinem akademischen Werdegang und seinem beruflichen Netzwerk befragt worden: Ärzt:innen des Al-Shifa-Krankenhauses, Politiker, politische Organisationen sowie seine Kolleg:innen in Gaza. «Sie haben mir auch Fragen gestellt, die man als strategisch bezeichnen könnte», so Alaa al-Sarraj weiter.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In ihren jeweiligen leitenden Positionen in den Medien wurden Emad al-Ifranji und Diaa al-Kahlout von Aman und dem Shin Bet mindestens vier solcher extrem gewaltsamen Verhöre unterzogen – ein Zeichen der besonderen Aufmerksamkeit, die Journalist:innen zuteilwurde, um Informationen zu sammeln, die von den israelischen Behörden im Kontext des Konflikts als taktisch relevant eingestuft werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im März 2024, in den ersten Wochen seiner Inhaftierung in Sde Teiman, wurde Emad al-Ifranji in zwei getrennten Verhören im Abstand von rund zehn Tagen zu einem Interview befragt, das er dreizehn Jahre zuvor geführt hatte: ein Gespräch mit dem Hamas-Führer im Gazastreifen Yahya Sinwar, der damals von der israelischen Armee gesucht wurde, die ihn als Organisator der Angriffe vom 7. Oktober 2023 betrachtete und ihn deshalb am 16. Oktober 2024 tötete.</span></p>
<h5><b>« Illegale Kämpfer » nach israelischem Recht</b></h5>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Richter des Gerichts von Beerscheba haben die verlängerte Inhaftierung von Zivilpersonen, die vom israelischen Geheimdienst als Journalist:innen identifiziert wurden, mit einem juristischen Anstrich versehen. In raschen Anhörungen per Videokonferenz oder Telefon und ohne Rechtsbeistand hat das zuständige Bezirksgericht im Süden Israels, das auf Grundlage eines Gesetzes von 2002 über «illegale Kämpfer» handelt, das nach dem 7. Oktober 2023 überarbeitet wurde und auf Tausende Gefangene aus Gaza Anwendung findet, wiederholt die Fortsetzung ihrer unbefristeten Haft genehmigt. «Es wird davon ausgegangen, dass, wenn eine inhaftierte Person der Definition eines Journalisten entspricht, dies dem Gericht zur Kenntnis gebracht wird; wir verfügen jedoch über keine spezifischen Informationen dazu», erklärt das israelische Justizministerium. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie im Fall ihrer Anwendung gegen Journalist:innen basiert dieses Gesetz auf einem Begriff, der laut einem <a href="https://documents.un.org/doc/undoc/gen/g07/149/30/pdf/g0714930.pdf" target="_blank" rel="noopener">UN-Bericht</a> von 2007 «undefiniert und daher missbrauchsanfällig sowie unvereinbar mit dem Legalitätsprinzip» ist. Es ermögliche, so eine auf das israelische Gefängnissystem für Palästinenser:innen spezialisierte Anwältin, die «Festnahme dieser Tausenden Gefangenen aus Gaza sowie ihre unbefristete Inhaftierung auf Grundlage geheimer Informationen zu rechtfertigen». </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vier Soldaten halten Emad al-Ifranji während seiner ersten Anhörung mit vorgehaltenen Waffen in Schach, ihre Laserzielvorrichtungen auf sein Gesicht gerichtet – ein Umstand, von dem das Justizministerium angibt, «keine Kenntnis» zu haben. Während die Sitzung weniger als fünf Minuten dauert, gelingt es Emad al-Ifranji, die Richter daran zu erinnern, dass er «nach internationalem Recht und der Vierten Genfer Konvention geschützt ist». «Wie kann ich ein illegaler Kämpfer sein, ich bin Journalist», verteidigt sich Shady Abu Sedo seinerseits vor einem Richter in Beerscheba per Webcam. Die Antwort fällt unmissverständlich aus: «Sie gehören zur terroristischen palästinensischen Presse.»</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Einige Tage vor ihrer Freilassung wurden diese Journalisten vom israelischen Militärgeheimdienst vorgeladen, der üblicherweise eine letzte Einschüchterungsmassnahme gegen die Gefangenen durchführt. Einige von ihnen berichten, ausdrücklich davor gewarnt worden zu sein, ihre journalistische Tätigkeit wieder aufzunehmen. </span></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">«Die geschilderten Fakten sind belastend für die israelischen Behörden – sowohl für die Armee als auch für den Shin Bet und die Justiz. Diese Journalist:innen wurden in Kenntnis ihres Berufs und in einigen Fällen gerade wegen dieses Berufs festgenommen. Ihre Tätigkeit diente als Rechtfertigung für Verhöre, die Folter gleichkommen, im Rahmen einer willkürlichen Inhaftierung, die durch Richter legalisiert wurde. Diese wiederholten Handlungen zeugen von einer systematischen Verfolgung von Journalist:innen in Palästina mit dem Ziel, die mediale Berichterstattung über die von Israel begangenen Rechtsverletzungen zu verhindern. Reporter ohne Grenzen (RSF)  fordert weiterhin die sofortige Freilassung aller von Israel willkürlich inhaftierten palästinensischen Journalist:innen.»</span><span style="font-weight: 400;"><br />
</span><b>Martin Roux</b><b><br />
</b><b>Leiter des Krisenbüros von Reporters sans frontières</b></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf Anfrage von Reporter ohne Grenzen (RSF) zu den Aussagen der fünf inhaftierten Journalisten erklärt die israelische Armee, sie gehe «nicht gezielt gegen Journalist:innen vor» und weist trotz der sich häufenden belastenden Beweise «die Vorwürfe systematischer Misshandlungen von Gefangenen, insbesondere von Journalist:innen, zurück». Der Shin Bet hat die Fragen von Reporter ohne Grenzen (RSF) nicht beantwortet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Laut Reporter ohne Grenzen (RSF) befinden sich <a href="https://rsf.org/fr/rsf-demande-la-lib%C3%A9ration-des-journalistes-palestiniens-d%C3%A9tenus-arbitrairement-par-les-forces-0" target="_blank" rel="noopener">19 palästinensische Journalist:innen</a> weiterhin willkürlich in Haft durch die israelischen Behörden. Zwei von ihnen wurden, wie die in diesem Artikel genannten Zeugenaussagen, nach dem 7. Oktober 2023 im Gazastreifen festgenommen:<strong> Hani Issa</strong>, Chefredakteur von Quds Net, und <strong>Amjad Arafat</strong>, Reporter bei der Produktionsfirma Ain Media. Der renommierte palästinensische Reporter <strong>Ali Samoudi</strong> aus Dschenin im Norden des besetzten Westjordanlands wurde am 30. April 2026 nach einem Jahr ungerechter Haft freigelassen. Am Tag seiner Freilassung erklärte er, während seiner Inhaftierung fast 60 Kilogramm verloren zu haben und wies auf die Misshandlungen durch die israelischen Behörden hin.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Serienweise Veröffentlichungsverbote gegen Heidi.news: Unterzeichnen Sie die Petition!</title>
		<link>https://rsf-ch.ch/de/serienweise-veroeffentlichungsverbote-gegen-heidi-news-unterzeichnen-sie-die-petition/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin-rsf2]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:29:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[actualité]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Online-Medium aus der Romandie Heidi.news ist von einer beunruhigenden Reihe sogenannter superprovisorischer Massnahmen betroffen, einem einschneidenden Instrument der Zivilprozessordnung, das die sofortige Entfernung von Informationen und Artikeln ermöglicht. Reporter ohne Grenzen Schweiz kritisiert dessen missbräuchliche Anwendung seit Jahren. (Illustration: Pitch Comment) Heidi.news gibt an, für einen einzigen Artikel 39 superprovisorische Verfügungen von vier Richterinnen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Online-Medium aus der Romandie <a href="https://www.heidi.news/" target="_blank" rel="noopener">Heidi.news</a> ist von einer beunruhigenden Reihe sogenannter superprovisorischer Massnahmen betroffen, einem einschneidenden Instrument der Zivilprozessordnung, das die sofortige Entfernung von Informationen und Artikeln ermöglicht. Reporter ohne Grenzen Schweiz kritisiert dessen missbräuchliche Anwendung seit Jahren. (Illustration: Pitch Comment)</strong></p>
<p><a href="https://www.heidi.news/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Heidi.news</span></a><span style="font-weight: 400;"> gibt an, für einen einzigen Artikel 39 superprovisorische Verfügungen von vier Richterinnen und Richtern erhalten zu haben, beantragt von sieben Anwälten, die 15 Unternehmen und Persönlichkeiten vertreten. Daraus ergeben sich insgesamt neun getrennte Anhörungen vor Gericht, die für Mai und Juni 2026 vorgesehen sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der zugrundeliegende Artikel thematisierte Kredite an die M3-Gruppe des Geschäftsmanns Abdallah Chatila in Genf. Diese Kreditbeträge waren für den Kauf der Schweizer Tochtergesellschaft der russischen Sberbank bestimmt, die seit der Invasion der Ukraine unter Sanktionen steht. Laut <a href="https://www.heidi.news/" target="_blank" rel="noopener"><span class="hover:entity-accent entity-underline inline cursor-pointer align-baseline"><span class="whitespace-normal">Heidi.news</span></span></a> stand ein wesentlicher Teil dieser Mittel in Verbindung mit russischen Interessen, was Abdallah Chatila in Gesprächen mit den Journalistinnen und Journalisten der Westschweizer Redaktion stets bestritten hat.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Thema ist eindeutig von öffentlichem Interesse. Und diese zivilrechtlichen Verfahren gegen das Medium aus Genf bestätigen erneut die Missbräuche, die im Zusammenhang mit superprovisorischen Massnahmen stattfinden und die Pressefreiheit missachten. Dieses rechtliche Instrument, das 2022 zusätzlich verschärft wurde, ist in der Schweiz das wichtigste Mittel für sogenannte Einschüchterungsklagen, (sogenannte SLAPP, Strategic Lawsuits Against Public Participation), gegen die die Europäische Union erste Massnahmen ergriffen hat. In der Schweiz wird die Gefahr, die von solchen Klagen ausgeht, jedoch weiterhin stark unterschätzt oder sogar geleugnet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das darf nicht so weitergehen. Anlässlich der Veröffentlichung unserer </span><a href="https://rsf-ch.ch/de/die-rangliste-der-pressefreiheit-ist-auf-dem-tiefsten-stand-seit-ihrer-einfuehrung-vor-25-jahren/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Rangliste der Pressefreiheit</span></a><span style="font-weight: 400;"> am 30. April diesen Jahres hat RSF Schweiz erneut die Notwendigkeit betont, das </span><a href="https://rsf-ch.ch/wp-content/uploads/2026/04/RSF_Communique-Suisse_Website_DE_2026.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Gesetz zu ändern</span></a><span style="font-weight: 400;">, damit solche Missbräuche nicht mehr vorkommen können. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Helfen Sie uns, die Botschaft in der Öffentlichkeit und bei den gewählten Vertreterinnen und Vertretern zu verbreiten, indem Sie die von </span><a href="https://www.heidi.news/" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Heidi.news</span></a><span style="font-weight: 400;"> gestartete Petition unterzeichnen.</span></p>
<p><a href="https://secure.avaaz.org/community_petitions/fr/les_membres_du_parlement_suisse_protegeons_la_liberte_de_la_presse_en_suisse/?tkXJMkb" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-weight: 400;">Zum Unterschreiben klicken Sie auf diesen Link.</span></a></p>
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