Die «Nowaja Gaseta», über 30 Jahre lang ein Symbol für unabhängigen Journalismus in Russland, gab am 30. Oktober bekannt, dass sie aufgrund des unerbittlichen Vorgehens des Kremls gegen die freie Presse am 9. November ihren gesamten Betrieb einstellen muss. Reporter ohne Grenzen (RSF) verbreitet nun die am Freitag von der Redaktion veröffentlichte Erklärung weiter und bekundet seine unerschütterliche Unterstützung mit der Zeitung.
Lesen Sie die Erklärung der «Novaja Gazeta» auf Englisch.
«Hatte Wladimir Putin die Absicht, die «Nowaja Gaseta» zu einem Symbol für seine Unterdrückung der freien Presse zu machen? Jedenfalls wird die «Nowaja Gaseta» weiterhin, jetzt und auch in Zukunft, das Symbol für freien, pluralistischen und kritischen Journalismus in Russland bleiben – und ein Vorbild für die gesamte Branche weltweit darstellen. Die Zeitung hat über drei Jahrzehnte lang den Zorn der Regierung auf sich gezogen und bot Anlass zum Stolz für ihr Land. Kein Rückschlag hat jemals ihrer Entschlossenheit Abbruch getan, nach jedem Sturm stand die Redaktion wieder auf. Nun hat die «Nowaja Gazeta» angekündigt, ihren Betrieb in Russland einzustellen. Doch die Zeitung wird nie aufhören, uns zu inspirieren. Wir sind «Nowaja Gazeta». Und wir sind viele.»
Thibaut Bruttin
RSF-Generaldirektor
«Nowaja Gaseta» gegen den Kreml
Die Zeitung «Nowaja Gaseta» ist zu einem der bekanntesten Opfer der Unterdrückung der freien Presse in Russland geworden. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 wurden sechs ihrer Mitarbeitenden ermordet, darunter die renommierte Journalistin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober 2006 getötet wurde.
Das unabhängige Medium hat seine Arbeit auch nach dem 24. Februar 2022, trotz der Vollinvasion Russlands in der Ukraine, fortgesetzt. Doch sie sah sich unerbittlichen Angriffen des zunehmend rücksichtslosen und repressiven Kremls ausgesetzt: Die Redaktion verlor ihre Print- und Online-Lizenz, war mit massiven rechtlichen Schikanen konfrontiert, ihr ehemaliger Chefredaktor wurde 2023 als «ausländischer Agent» eingestuft. Und erst am 15. Oktober wurde ihr aktueller Chefredaktor Sergej Sokolow temporär festgenommen. Es war dies der letzte Vorfall gegen die Redaktion, bevor der Betrieb endgültig eingestellt werden musste.