Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die 20-jährige Haftstrafe aufs Schärfste, die gegen den Gründer der Tageszeitung Apple Daily, Jimmy Lai, verhängt wurde. Das Urteil wurde aufgrund falscher Anschuldigungen verhängt und kommt einem Todesurteil gleich. Jimmy Lai, eine weltweite Ikone im Kampf für die Pressefreiheit, ist bereits seit fünf Jahren unter prekären Bedingungen inhaftiert, sein Gesundheitszustand hat sich in dieser Zeit rapide verschlechtert. RSF ruft nun das Vereinigte Königreich sowie die Regierungen weltweit dazu auf, sich für die sofortige und bedingungslose Freilassung von Jimmy Lai einzusetzen, damit er endlich nach Hause zu seiner Familie zurückkehren kann.

Jimmy Lai wurde zusammen mit sechs ehemaligen Führungskräften von Apple Daily vor Gericht gestellt. Der Geschäftsführer Cheung Kim-hung wurde zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, der Chefredaktor Ryan Law Wai-kwong zu zehn Jahren, der leitende Redaktor Lam Man-chung zu zehn Jahren, der Mitherausgeber Chan Pui-man zu sieben Jahren, der Redaktionsleiter der englischen Ausgabe Fung Wai-kong zu zehn Jahren und der Redaktor für Leitartikel Yeung Ching-kee zu sieben Jahren und drei Monaten. Zwei weitere Mitangeklagte, der prodemokratische Aktivist Chan Tsz-wah und der Aktivist Andy Li, wurden zu sechs Jahren und drei Monaten bzw. sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Andy Li soll dabei in einer Hochsicherheitspsychiatrie in Hongkong festgehalten werden.

«Heute wird der Pressefreiheit in Hongkong der Todesstoss versetzt. Wir sind empört über die harten Strafen gegen Jimmy Lai und die Führungskräfte von Apple Daily. Dieses Gerichtsurteil unterstreicht den völligen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong und die tiefe Verachtung der Behörden für den unabhängigen Journalismus. Von der Verhaftung von Jimmy Lai über seinen Prozess bis hin zu seiner Verurteilung war dieses Gerichtsverfahren nichts als eine Farce. Demokratien wie das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten müssen aufhören, der Normalisierung der Beziehungen zu China Vorrang einzuräumen. Stattdessen müssen sie Druck auf das chinesische Regime und die Behörden in Hongkong ausüben, um die Freilassung von Jimmy Lai und allen anderen inhaftierten Medienschaffenden zu erreichen. Wir haben bereits erlebt, wie der Verfechter der Pressefreiheit Liu Xiaobo aufgrund unzureichenden internationalen Drucks im Gefängnis starb. Wir dürfen nicht zulassen, dass Jimmy Lai nun das gleiche Schicksal ereilt. Seine Verurteilung darf nicht zu einem Todesurteil werden.»
Thibaut Bruttin
Generaldirektor von RSF

Jimmy Lai, Preisträger des RSF-Preises für Pressefreiheit im Jahr 2020, befindet sich seit Dezember 2020 in Haft. Er unterliegt einer strengen Isolationshaft und darf täglich nur 50 Minuten in einem Metallkäfig «Sport treiben». Dies hat zu einer starken Verschlechterung seines Gesundheitszustands geführt. Seine Familie berichtete zudem, dass seine Fingernägel abgefallen seien, seine Zähne verfault seien und er stark an Gewicht verloren habe.

RSF führt seit dem Tag seiner Verhaftung eine unermüdliche Kampagne für die Freilassung von Jimmy Lai. Im Jahr 2023 reiste das RSF-Team nach Hongkong, um der Eröffnung des Prozesses gegen den Medienunternehmer beizuwohnen. Im Jahr 2024 wurde gar eine Vertreterin von RSF in Gewahrsam genommen und aus Hongkong ausgewiesen, als sie zu einer Anhörung im Rahmen seines Prozesses reiste. Im Januar 2026 schrieb RSF an den britischen Premierminister Keir Starmer und bat ihn, bei seinem Besuch in China auf die Freilassung von Jimmy Lai zu drängen. Und bereits im August 2025 schlugen RSF und eine Koalition von 72 NGOs Alarm wegen der Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Im Juni 2025 veröffentlichten RSF und eine Gruppe ehemaliger Medienschaffender der Zeitung Apple Daily, die heute alle im Exil leben, eine Sonderausgabe dieser Zeitung, um diesem renommierten Medium Tribut zu zollen.

Seit 2020 hat die Regierung von Hongkong mindestens 28 Medienschaffende strafrechtlich verfolgt, von denen acht derzeit inhaftiert sind. Hongkong belegt aktuell Platz 140 der Rangliste der Pressefreiheit von RSF, nachdem es innerhalb von nur zwei Jahrzehnten vom 18. Platz abgestürzt ist. China belegt Platz 178 von 180 untersuchten Ländern und Gebieten.

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