ROG Schweiz ist konsterniert: Die Schweiz unterstützt eine Erklärung zum Tod von Jamal Khashoggi nicht

ROG Schweiz ist konsterniert: Die Schweiz unterstützt eine Erklärung zum Tod von Jamal Khashoggi nicht

Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz ist konsterniert über den Entscheid der Schweiz, sich einer Erklärung nicht anzuschliessen, die am Donnerstag im UNO-Menschenrechtsrat in Genf abgegeben wurde. Der Text wurde von 36 Staaten eingereicht. Er fordert Saudi-Arabien auf, die Umstände der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul vollumfänglich aufzuklären und alle internationalen Untersuchungen zu diesem Fall unterstützen.

Denis Masmejan, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz, bezeichnet den entsprechenden Entscheid von Bundesrat Ignazio Cassis als «schockierend und unverständlich». Der Entscheid steht im Widerspruch zum Engagement, das die Schweiz bei anderen Gelegenheiten für eine kompromisslose Pressefreiheit zeigt, die als unerlässliches Instrument für das Funktionieren einer Demokratie verstanden wird.

Die Haltung der Schweiz ist umso besorgniserregender, als sie auf die Erklärungen von Bundespräsident Präsident Ueli Maurer im vergangenen Januar folgt, wonach die Beziehungen zu Saudi-Arabien nun normalisiert werden sollten.

Der Text, der am Donnerstag von einer grossen Gruppe von Staaten – darunter sämtliche 28 EU-Staaten – unter isländischer Führung verabschiedet wurde, fordert Saudi-Arabien auch auf, saudische Menschenrechtsaktivisten freizulassen, die willkürlich festgenommen wurden, darunter mehrere Frauen.

 

ROG verurteilt Morddrohungen gegen einen Schweizer Journalisten

ROG verurteilt Morddrohungen gegen einen Schweizer Journalisten

Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz ist tief besorgt über die Morddrohungen, die gegen Arnaud Bédat, der als Journalist für «L’Illustré» arbeitet, ausgesprochen wurden. Diese inakzeptablen Drohungen sind eine Folge von Recherchen über Andriy Pavelko, den Präsidenten des ukrainischen Fussballverbandes, die Bédat unlängst publiziert hat. Sie müssen strikt verurteilt werden. ROG Schweiz fordert die zuständigen Justiz- und Polizeibehörden auf, mit grosser Entschlossenheit zu reagieren und den absoluten Schutz des Journalisten zu gewährleisten.

In seinen Artikeln für «L’Illustré» hob Arnaud Bédat ein Darlehen von 4 Millionen Euro hervor, das der Präsident des ukrainischen Fussballverbandes (FFU), Andriy Pavelko, im Namen des Ukrainischen Fussballverbandes von der Union Europäischer Fussballverbände (UEFA) mit Sitz in Nyon (VD) erhalten hat. Im vergangenen November wurde der Journalist von einem Fremden mit ukrainischer Telefonnummer angerufen; der Anrufer sprach explizite Morddrohungen gegen Bédat aus.

Beunruhigt durch diese Drohungen, reichte Bédat eine Strafanzeige bei der Schweizerischen Generalstaatsanwaltschaft ein. Diese leitete sie an die jurassischen Behörden weiter, die dafür zuständig seien. Nach Angaben Bédats entspricht die Telefonnummer, unter der die Drohungen ausgestossen wurden, einer der Nummern von Andriy Pavelko – der unlängst als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees gewählt wurde.

Trotz seiner sehr langen Erfahrung als Investigativjournalist räumt Bédat ein, dass solche Bedrohungen «schwieriger zu ertragen sind, als man sich vorstellen kann». Er hat die Schweizer Behörden formell darum ersucht, ihn zu schützen.

Solche Bedrohungen – in der Schweiz extrem selten – sind inakzeptabel und stellen eine schwere Verletzung der Informationsfreiheit dar. ROG Schweiz fordert die zuständigen schweizerischen Justiz- und Polizeibehörden auf, in dieser Angelegenheit die erforderliche Sorgfalt walten zu lassen und für den betreffenden Journalisten absolute Sicherheit zu gewährleisten.

In einem Umfeld, das von einem Anstieg der Gewalt gegen Journalisten auf der ganzen Welt geprägt ist – sie hat laut dem jüngsten ROG-Jahresbericht im Jahr 2018 ein beispielloses und besorgniserregendes Niveau erreicht – arbeiten Schweizer Medienschaffende in einem bisher besonders günstigen Umfeld: In der jüngsten Rangliste der Informationsfreiheit von ROG belegt die Schweiz Platz 5 von 180 Ländern.

Es ist wichtig, dass dieses Klima erhalten bleibt, und deshalb ist es notwendig, Drohungen gegen Schweizer Journalisten mit aller Entschlossenheit anzuprangern und zu verfolgen.

photoFORUM «Fotografieren in Extremsituationen» mit ROG

photoFORUM «Fotografieren in Extremsituationen» mit ROG

Am Samstag 12. Februar findet anlässlich der photoSCHWEIZ 19 in Zürich-Oerlikon eine photoFORUM-Veranstaltung zum Thema «Fotografieren in Extremsituationen» statt, bei der auch Reporter ohne Grenzen Schweiz und Amnesty International Schweiz präsent sind.

Eigentlich hätte der türkische Fotojournalist Cagdas Erdogan an diesem Abend Gast sein sollen – doch leider kann er sein Land momentan nicht verlassen. Erdogan, der unter anderem Aufstände und militärische Operationen in der Türkei dokumentiert hat, hat den Veranstaltern aber eine Video-Botschaft zukommen lassen. Ausserdem werden seine Bilder in einer Slide-Show gezeigt.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird der Schweizer Fotojournalist Alex Kühni über seine Erfahrungen und seine fotografische Arbeit im Libanon, im Irak, in Zentralasien, im Gazastreifen und in der Ukraine berichten.

Datum: Samstag, 12. Januar
Veranstaltungsbeginn: 17 Uhr
Ort: Halle 622, Therese-Giehse-Strasse 10 (hinter dem Bahnhof Oerlikon)
Eintrittspreis: 25 Franken (45 Franken inklusive Werkschaueintritt)

 

«Reportagen für die Informationsfreiheit»

«Reportagen für die Informationsfreiheit»

Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz gibt alle zwei Jahre ein Album mit Reportagen heraus. Die im Oktober erschienene neue Ausgabe von «Les grands reportages pour la liberté de l’information / Reportagen für die Informationsfreiheit» bringt herausragenden Journalismus in Bild und Text und zeigt, wie wichtig die Informationsfreiheit ist.

Von Syrien bis zum Iran, von Ägypten bis Ecuador oder Venezuela: «Reportagen für die Informationsfreiheit» erzählt Geschichten aus einer verwundeten Welt. Die eindrücklichen Bilder – mehr als die Hälfte der Fotografen sind Schweizer –, zeigen uns die Realität in Ländern, die von Konflikten erschüttert werden oder in denen Autokraten demokratische Rechte und Freiheiten mit Füssen treten. Aber die Menschen wehren sich. So kämpft etwa die indigene Bevölkerung Ecuadors gegen die Ölkonzerne, die in ihr Land eindringen, ägyptische Frauen wehren sich gegen ihre Marginalisierung in der patriarchalischen Gesellschaft, und venezolanische Jugendliche erheben sich gegen einen korrupten Präsidenten, der das Land in den Ruin getrieben hat. Der Reportagenband berichtet auch vom Bürgerkrieg im Südsudan, vom Konflikt in Syrien und der kollektiven Amnesie, die uns als dessen Zuschauer befallen hat. Eine kleine Aufheiterung bieten die unvergleichlichen Bilder von «entsorgten» Lenin-Statuen in der Ukraine.

Der vorliegende Band gehört zu einer Reihe von Alben, die ROG Schweiz bereits bisher herausgegeben hat. Und wie bisher haben die Fotografinnen und Fotografen, die Autorinnen und Autoren ROG ihre Arbeit grosszügig gratis zur Verfügung gestellt.

Das Album stellt auch einen wesentlichen Teil der weltweiten Arbeit von ROG vor, mit Auszügen aus unseren Berichten über Länder, in denen Regierungen versuchen, die Informationsfreiheit zu überwachen und zu zensieren. Ein Artikel analysiert die Mechanik des «perfekten Shitstorms» am Beispiel von Twitter. Ein weiterer erklärt ein grosses Projekt von ROG, die «Journalism Trust Initiative», das darauf abzielt, Desinformation durch einen Selbstregulierungsmechanismus der Medien zu bekämpfen.

«Les grands reportages pour la liberté de l’information / Reportagen für die Informationsfreiheit» ist zweisprachig (Französisch mit deutscher Übersetzung), wird in Buchhandlungen und an Kiosken verkauft. Mit dem Kauf des Albums unterstützen Sie den Einsatz von ROG Schweiz für die Informationsfreiheit; die Einnahmen aus dem Verkauf bilden einen wichtigen Pfeiler unserer Finanzierung.

Sie können «Les grands reportages pour la liberté de l’information / Reportagen für die Informationsfreiheit» in unserem Online Shop (Shop – oder direkter Link) oder auch unter info@rsf-ch.ch oder buesser@rsf-ch.ch bestellen.

 

ROG-Veranstaltungshinweis 11. November: Deniz Yücel an der BuchBasel

ROG-Veranstaltungshinweis 11. November: Deniz Yücel an der BuchBasel

Am Literaturfestival BuchBasel wird auch ROG Schweiz präsent sein – an einer Veranstaltung mit dem deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel.

Vom 9. bis 11. November findet in Basel das Internationale Literaturfestival BuchBasel statt: 100 Veranstaltungen zur Literatur – darunter die Verleihung des Schweizer Buchpreises.

Zu Gast an der BuchBasel sind am Sonntag, 11. November, um 14 Uhr in Unionssaal des Basler Volkshauses Deniz Yücel und Doris Akrap. Der deutsch-türkische Journalist Yücel war von Februar 2017 bis Februar 2018 wegen angeblicher «Terrorpropaganda» in der Türkei inhaftiert, die taz-Journalistin Akrap organisierte zusammen mit dem Freundeskreis #FreeDeniz Solidaritätsaktionen für ihn. Die beiden sprechen unter dem Titel «Taksim ist überall» über die Erfahrungen von Haft und Solidarität sowie die Entwicklungen in der Türkei. Moderiert wird das Gespräch von ROG-Schweiz-Beirat Res Strehle. ROG Schweiz wird auch mit einem Stand präsent sein.
(Eintritt: 15/12 Franken)

Veranstaltungshinweis 22. November: ROG Schweiz am JournalismusTag

Veranstaltungshinweis 22. November: ROG Schweiz am JournalismusTag

Am 22. November findet in Winterthur der JournalismusTag.18 des Vereins Qualität im Journalismus statt – ROG Schweiz wird dabei sein.

Keynotes, Debatten, Referate, Podien, Werkstattberichte zum Journalismus und selbst Medienministerin und Bundesrätin Doris Leuthard wird vor Ort sein – das bietet der JournalismusTag.18.
Auch die Gefahren, denen sich Medienschaffende bei heiklen Recherchen aussetzen, die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten sind Thema, in einer Veranstaltung von 14.30 bis 15.30 Uhr mit der ROG-Schweiz-Beirätin Josefa Haas.
ROG Schweiz ist mit einem Stand präsent – schauen Sie doch vorbei.

ROG Schweiz zur “Selbstbestimmungsinitiative”

ROG Schweiz zur “Selbstbestimmungsinitiative”

Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz hat sich bereits 2015 zur SVP-Initiative „Schweizer Recht statt fremde Richter” geäussert, die nun zur Abstimmung gelangt. ROG sprach sich dezidiert dagegen aus, bezeichnete sie als “Frontalangriff auf unsere Grundrechte” und hat sich deshalb auch dem Bündnis “Schutzfaktor M” bzw. “Allianz der Zivilgesellschaft” als Partnerorganisation angeschlossen.

ROG-Medienmitteilung zur “Selbstbestimmungsinitiative” von März 2015:

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor 25 Jahren engagiert sich die Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen (ROG) in einer innenpolitischen Auseinandersetzung. Sie stellt sich nämlich entschlossen gegen die „Selbstbestimmungsinitiative“ der SVP, welche das Schweizer Recht über das internationale Recht stellen will.

Nach Einschätzung von ROG Schweiz stellt diese Initiative eine grosse Gefahr für das Wohlergehen der Schweiz, ihre Position in der Welt und für unsere Grundrechte dar. Denn die SVP greift damit direkt die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) an. Diese ist für Journalisten und andere, die im Bereich Information tätig sind, ein unverzichtbares Bollwerk zur Verteidigung der Menschenrechte, insbesondere der Informationsfreiheit.

ROG ruft seine Mitglieder und Sympathisanten dazu auf, die Initiative nicht zu unterzeichnen und sich aktiv dagegen auszusprechen.

Wir brauchen Ihre Unterstützung!

Wir brauchen Ihre Unterstützung!

ROG Schweiz gibt alle zwei Jahre einen Fotoband mit dem Titel «Les Grands Reportages pour la liberté de l’information. Reportagen für die Informationsfreiheit» heraus. Der neue Band ist seit dem 16. Oktober 2018 erhältlich. Wir wollen dafür eine Crowdfunding-Aktion starten, um einen Teil der Produktions- und Vertriebskosten zu decken.

Das Album enthält ein halbes Dutzend Reportagen von aussergewöhnlicher Qualität, darunter Bilder und Texte zu wichtigen Themen des aktuellen Weltgeschehens. Es geht darum, Hintergrundinformationen zu liefern, die in der aktuellen Presse rar geworden sind.

Unsere Alben werden in der ganzen Schweiz vertrieben. Sie machen ROG Schweiz und seine Mission sichtbar: die Freiheit, überall auf der Welt zu informieren und informiert zu werden, zu fördern und zu verteidigen.

Um die Finanzierungsphase des Projekts starten zu können, brauchen wir zuerst einmal möglichst viele Fans dafür auf der Plattform lokalhelden.ch.

Um Fan zu werden, klicken Sie auf diesen Link
www.lokalhelden.ch/album-rog-schweiz-2018
(Registrierung über ein Facebook-Konto oder auf der Plattform).

Vielen Dank dafür, dass Sie Fan werden und den Aufruf teilen!

China-Besuch von Bundesrat Schneider-Ammann: kein Visum für “Le Temps”-Journalist

China-Besuch von Bundesrat Schneider-Ammann: kein Visum für “Le Temps”-Journalist

Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz verurteilt entschieden die Diskriminierung von Frédéric Koller, einem für „Le Temps“ tätigen Journalisten, und spricht von einer ernsthaften Beeinträchtigung der Pressefreiheit.

Vom 5. bis 9. September reist Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit einer Delegation von Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft nach China. Der „Le Temps“-Journalist Frédéric Koller erhielt für diese Reise des Bundesrates kein Visum – ohne Erklärung.
Dieser Prozess ist nicht neu. Bereits im Februar hatte ROG die Belästigung von Auslandskorrespondenten angeprangert. In einer Erklärung forderte die Organisation die chinesischen Behörden auf, die Behinderung der Arbeit ausländischer Journalisten einzustellen. In seinem letzten im Februar 2018 veröffentlichten Bericht beschreibt der Club of Foreign Correspondents of China eine sehr deutliche Verschlechterung der Situation.
Die Erpressung bei der Visaverlängerung, ein klassisches Druckmittel, nimmt zu: 15 Prozent der Befragten berichten davon, dreimal mehr als im Vorjahr. 6 Prozent der Befragten sind sogar direkt von Zwangsausweisung bedroht, eine Zahl, die sich ebenfalls verdreifacht hat.
Auch die Verweigerung von Akkreditierungen nimmt zu. Am 25. Oktober wurden führende internationale Medien (BBC, The Economist, The Financial Times, The Guardian, The New York Times, Yomiuri Shimbun, Sankei Shimbun, Libération und Voice of America) daran gehindert, den Ständigen Ausschuss des Politischen Büros abzudecken – offiziell “aus Platzgründen”.
Ausländische Journalisten stehen bereits unter einem heimtückischeren Druck: dem Druck auf ihre Informationsquellen und auf die logistische Unterstützung. Ein Viertel der Befragten berichtet, dass einige ihrer Kontaktpersonen belästigt, verhaftet oder zur Befragung geladen wurden. Auch wenn die Behörden wegsehen, wollen immer weniger Chinesen in Kontakt mit der ausländischen Presse treten, aus Angst vor Sanktionen.