Überall auf der Welt – auch in der Schweiz – sind Medienschaffende nur unzureichend vor Cyberrisiken geschützt. Die Telefone, Computer und E-Mail-Konten von Journalistinnen und Journalisten sind im Grossen und Ganzen Einfallstore, die von Aussenstehenden mit böswilligen Absichten, aber auch von Polizei- oder Geheimdienstmitarbeitern viel zu leicht überwunden werden können. Auf diese Feststellung waren sich die beiden Referenten eines Workshops einig, den RSF Schweiz beim letzten Presstival angeboten hat – dem Westschweizer Journalismusfestival, das in seiner zweiten Ausgabe am Pfingstwochenende zwei Tage lang in Biel stattfand.
Nicolas Diaz, Leiter für digitale Sicherheit im internationalen Sekretariat von RSF in Paris, und Sascha Buchbinder, Investigativjournalist bei Saldo/K-Tipp in Zürich, Vorstandsmitglied der Schweizer Sektion von RSF und ehemaliger Leiter für operative Sicherheit für die Investigativredaktionen der SRG, haben beide betont, wie wichtig Cybersicherheit für Medienschaffende ist. Die Gefahr drohe dabei nicht nur Journalistinnen und Journalisten, die in autoritären Regimes berichten oder illegale Aktivitäten untersuchen. Medienschaffende, die in demokratischen Ländern wie der Schweiz tätig sind, sind zwar weniger gefährdet, aber das Risiko besteht auch dort. Der Berufsstand täte gut daran, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, nur weil die Medienschaffenden in einem «sicheren» Land arbeiten.
Das Problem ist, dass die Redaktionen noch nicht genügend Massnahmen ergreifen, um ihre Mitarbeitenden gegen digitale Risiken zu schulen und zu schützen. Und die Grundausbildung der Medienschaffenden in diesem Bereich scheint noch lückenhaft zu sein. Hier müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um das Schutzniveau zu erhöhen.
Dabei geht es übrigens nicht nur um die Sicherheit der Journalistinnen und Journalisten selbst, sondern auch um die ihrer Quellen – und zwar sowohl in risikobehafteten Kontexten als auch in scheinbar sicheren Situationen. Man denke nur an die jüngsten gross angelegten Ermittlungen der Waadtländer Staatsanwaltschaft, die die Quelle der Indiskretion ermitteln wollte, welche es bestimmten Medien ermöglicht hatte, Informationen über den im Fall des «Steuerschilds» in Auftrag gegebenen Expertenbericht zu veröffentlicht. Der Fall erschüttert den Kanton noch heute. Wichtig dabei: Wenn die Medien nicht die notwendigen Massnahmen ergreifen, setzen sie ihre Quellen einem Risiko aus und laufen Gefahr, dass diese sie nicht mehr informieren.
Die Schweizer Sektion von RSF hat deswegen jüngst eine kleine Broschüre herausgegeben, die grundlegende Empfehlungen zu Cybersicherheit enthält, die je nach dem Grad der Gefahr, der die Medienschaffenden ausgesetzt sind, zu befolgen sind. Noch liegt die Broschüre in dieser Form nur auf französisch vor. Wir sind uns bewusst, dass dies nur ein Anfang ist, aber wir sind überzeugt, dass dringend gehandelt werden muss. Denn ein wirksamer Schutz der Pressefreiheit besteht nur dann, wenn die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten, die vertraulich bleiben muss, auch tatsächlich vertraulich bleibt.
Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz