Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die jüngsten Massnahmen, die der Journalistin Zhang Zhan den Zugang zu einem Anwalt und zur Aussenwelt verwehren. Nach ihrer zweiten Verurteilung im September 2025 aufgrund erfundener Anschuldigungen wird ihr nun das Recht verweigert, sich von einem Anwalt ihrer Wahl vertreten zu lassen. Das wiederum beeinträchtigt ihre Möglichkeiten, gegen das ungerechte Urteil Berufung einzulegen.
Nach Informationen von RSF wurde Zhang Zhan letzte Woche der Zugang zu einem Anwalt verweigert. Damit wird sie daran gehindert, mit Hilfe eines unabhängigen Rechtsbeistands gegen das ungerechte Urteil Berufung einzulegen. Bereits am 19. September 2025 wurde sie nach einem Prozess hinter verschlossenen Türen wegen der fingierten Anklage der «Anstiftung zu Streitigkeiten und Unruhen» zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde durch von RSF geprüfte Dokumente bestätigt. Zhang Zhan befindet sich in einem teilweisen Hungerstreik und benötigt dringend angemessene medizinische Versorgung.
Diplomaten aus mindestens sieben Ländern sowie fünf Aktivisten, die den Prozess verfolgen wollten, wurde darüber hinaus der Zutritt zum Gerichtssaal verwehrt; einige von ihnen wurden sogar kurzzeitig festgehalten. Anträge von Anwälten, die sie treffen wollten, wurden seit ihrer zweiten Verurteilung systematisch abgelehnt, und ihre Rechtsvertreter sind ständigen Schikanen seitens der Behörden ausgesetzt.
«Wir sind empört über die Art und Weise, wie die chinesischen Behörden versuchen, Zhang Zhan, eine Symbolfigur der Pressefreiheit in China, einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Als wäre ihre willkürliche Verurteilung nicht schon genug, verweigern sie ihr nun auch das Recht, einen eigenen Anwalt zu wählen. Das schränkt ihre Möglichkeiten, Berufung einzulegen, weiter ein. Zhang Zhan sollte als mutige Journalistin anerkannt werden, die die Welt 2020 zu Beginn der COVID-19-Pandemia auf eine tödliche Gesundheitskrise aufmerksam gemacht hat. Sie sollte nicht inhaftiert sein, während ihr Leben in Gefahr ist. Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, den Druck auf Peking zu verstärken, um die Verfolgung von Zhang Zhan zu beenden, ihre Sicherheit und ihren Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zu gewährleisten und ihre sofortige Freilassung sicherzustellen.»
Aleksandra Bielakowska
Leiterin der Abteilung für Advocacy, RSF Asien-Pazifik
Zhang Zhan, die Preisträgerin des RSF-Preises für Pressefreiheit 2021, ist seit über einem Jahr von der Aussenwelt abgeschnitten, wobei ihr Haftort und ihre Lebensbedingungen geheim gehalten werden. Am Tag ihrer Verhandlung vor dem Volksgericht des Stadtteils Pudong in Shanghai wurde Diplomaten aus mindestens sieben Ländern die Teilnahme daran verwehrt. Am 21. September verurteilten sowohl das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen als auch die Europäische Kommission die Verurteilung von Zhang Zhan und forderten ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.
Zhang wurde am 28. August 2024 in Untersuchungshaft genommen und in die Haftanstalt Pudong gebracht. Es handelt sich dabei bereits um ihre zweite Haftstrafe: Sie war schon im Mai 2020 festgenommen worden, weil sie während der COVID-19-Pandemie aus Wuhan berichtet und mehr als 100 Videos online veröffentlicht hatte. Im Dezember desselben Jahres zu vier Jahren Haft verurteilt, wäre sie bei einem Hungerstreik, den sie aus Protest gegen die erlittenen Misshandlungen durchführte, beinahe gestorben. Im Mai 2024 wurde sie vorläufig frei gelassen. Während ihrer gesamten ersten Haftzeit führte RSF eine Kampagne für ihre Freilassung und prangerte die Misshandlungen an, denen sie im Gefängnis ausgesetzt war.
China, das mit mindestens 120 derzeit inhaftierten Medienschaffende das weltweit grösste Gefängnis für Medienschaffende und Verfechter der Pressefreiheit darstellt, belegte 2025 in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF Platz 178 von 180 Ländern und Gebieten.