Anlässlich ihres Besuchs in Paris Anfang Dezember zur Eröffnung des Kulturfestivals «Le Voyage en Ukraine» («Die Reise in die Ukraine»), das gemeinsam von Frankreich und der Ukraine organisiert wurde, sprach die ukrainische Anwältin und Friedensnobelpreisträgerin von 2022, Oleksandra Matviitchuk mit Reporter ohne Grenzen (RSF). Sie sprach über die Notwendigkeit, Massnahmen zur Freilassung der 26 ukrainischen Journalisten und Journalistinnen zu ergreifen, die vom Kreml willkürlich inhaftiert wurden.
Die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matviitchuk macht unermüdlich auf das Schicksal der vom Kreml inhaftierten ukrainischen Zivilisten aufmerksam, darunter 26 ukrainische Reporter. Die Anwältin und Direktorin der ukrainischen Organisation Centre for Civil Liberties berichtet gegenüber RSF über die Realitäten der Haft in russischen Gefängnissen: Folter, Isolation und systematische Menschenrechtsverletzungen. Die Verhaftungen erfolgen zudem ausserhalb jeglichen rechtlichen Rahmens: «Russland hat kein Recht, Medienschaffende festzuhalten. Dennoch tut es dies», kritisiert sie. Um ihre Freilassung zu erreichen, ist internationale Solidarität unerlässlich. Matviitchuk ruft ausländische Reporterinnen und Reporter dazu auf, sich zu mobilisieren und sich lautstark für die Freilassung ihrer vom Kreml inhaftierten ukrainischen Kolleginnen und Kollegen einzusetzen.
Oleksandra Matviitchuk dokumentiert seit Beginn des Krieges im Jahr 2014 die Verbrechen des Kremls gegen Zivilpersonen. Sie hat mit hunderten von Menschen gesprochen, die aus russischer Gefangenschaft befreit wurden, und wess, dass die Zeit drängt. Aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen haben viele Gefangene ihrer Meinung nach kaum eine Chance, bis zum Ende des Krieges zu überleben. Das Schicksal der ukrainischen Journalistin Victoria Roshchyna ist ein tragisches Beispiel dafür. Sie wurde im August 2023 von den russischen Besatzungstruppen festgenommen, in Isolationshaft gehalten und gefoltert, bevor sie im September 2024 in Gefangenschaft starb. RSF hatte enthüllt, dass Roshchyna kurz vor ihrem Tod nur noch etwa 30 Kilogramm wog. Ihre verstümmelte Leiche wurde mehr als fünf Monate später zurückgegeben, und Putins Russland hat nie eine Erklärung zu ihrem Tod abgegeben.
«Die Freilassung der vom Kreml inhaftierten ukrainischen Medienschaffenden ist eine absolute Dringlichkeit. Sie werden von Gefängnis zu Gefängnis verlegt, geografisch von ihren Familien isoliert, zu ungerechten Strafen verurteilt und unmenschlicher Behandlung ausgesetzt – sie erleben eine Hölle im Gefängnis. RSF fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.»
Pauline Maufrais
Beauftragte für die Ukraine bei RSF
RSF macht die Freilassung der von Russland inhaftierten ukrainischen Medienschaffenden zu einer Priorität. Die Organisation hat daher bereits eine Beschwerde beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag eingereicht, damit dieser die Deportation von mehreren ukrainischen Medienschaffenden untersucht. Zudem haben wir öffentliche Kampagnen organisiert, die auf das Problem hinweisen – insbesondere auch direkt in der Ukraine.