Das Internet und die Telefonleitungen im Iran wurden in der Nacht vom 8. Januar gemäss Informationen von RSF vom iranischen Regime nach landesweiten Protesten abgeschaltet. Durch die Abschottung können Journalistinnen und Journalisten im Land nicht oder kaum mehr mit der Aussenwelt kommunizieren. RSF ist sehr besorgt um die Lage der Medienschaffenden vor Ort, darunter die Friedensnobelpreisträgerin von 2023, Narges Mohammadi, und 23 weitere inhaftierte Reporter. RSF fordert darum die internationale Gemeinschaft auf, sich dafür einzusetzen, dass das iranische Regime den Zugang zu Informationen im Land wiederherstellt.
Seit 20 Uhr am 8. Januar kommen laut Informationen von RSF fast keine Anrufe mehr über Internet-Apps und Telefonleitungen in den und aus dem Iran. «Wenn man versucht anzurufen, wird eine aufgezeichnete Nachricht […] abgespielt», berichtet Amir Rashidi, iranischer Telekommunikationsexperte, auf seinem X-Account. RSF hatte das gleiche Problem, als die Organisation am 9. Januar versuchte, Anrufe mit Kontakten im Land zu tätigen. Auch Nachrichtenseiten und Telegram-Nachrichtensender, die aus dem Iran operieren, können aktuell keine Informationen mehr verbreiten. Nur der Telegram-Kanal Tasnim der Revolutionsgarden, dem bewaffneten Arm des Regimes, welcher direkt dem Obersten Führer Ali Khamenei untersteht, ist seit dem 9. Januar aktiv. Er verbreitet nur offizielle Berichte der Islamischen Republik über die Proteste.
Die Online-Apps, die die iranische Bevölkerung normalerweise nutzt, um diese Einschränkungen zu umgehen, funktionieren ebenfalls nicht mehr. Zum Beispiel die App Yolla, die für internationale Anrufe genutzt werden kann. Sie zeigt aktuell die Meldung: «Aufgrund lokaler Einschränkungen und landesweiter Netzwerkprobleme während des Konflikts können Anrufe in den Iran eingeschränkt oder nicht verfügbar sein.» Einzig eine eingeschränkte Verbindung über den Satelliten Starlink ist in einigen Regionen des Landes noch verfügbar. Berichten zufolge ist die Verbindung aber sehr langsam und instabil. Laut der Beobachtungsstelle für Internetausfälle Netblocks ist das iranische Internet seit dem Abend des 8. Januar komplett gesperrt. Diese Blockade beeinträchtigt auch die Nutzung verschlüsselter Messaging-Apps wie Signal. Dies geht aus Daten hervor, die auf der Website der kollaborativen Beobachtungsstelle OONI veröffentlicht wurden.
Eingeschüchterte Medienschaffende
In den Tagen vor dem 8. Januar erhielten nach Informationen von RSF mindestens sechs Medienschaffende Drohungen vom Geheimdienst der Revolutionsgarden. Diese unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die anonym bleiben wollen, wurden gewarnt, keine Infos über die Protestwelle zu veröffentlichen – mit dem Verweis der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage. Die neuerlichen Proteste finden in der Islamischen seit dem 28. Dezember 2025 statt. Wer darüber berichtet, riskiert eine Gefängnisstrafe.
Symbolträchtige Verhaftungen seit Dezember 2025
Bereits am 12. Dezember 2025 haben die Behörden in der Stadt Mashhad die Journalistin Alieh Motalebzadeh, die Schriftstellerin und freie Journalistin Sepideh Gholian sowie die Menschenrechtsaktivistin, Schriftstellerin, Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi zusammen mit 36 weiteren Personen festgenommen. Sie alle nahmen an der Beerdigung eines bekannten Anwalts teil, der unter mysteriösen Umständen gestorben war. Laut der Free-Narges-Koalition, zu deren Gründungsmitgliedern RSF gehört, soll Narges Mohammadi seitdem in Isolationshaft sitzen. Ihr ist praktisch kein Kontakt zur Aussenwelt erlaubt – sie durfte in den letzten Tagen lediglich einen einzigen Telefonanruf tätigen.
«Ich mache mir grosse Sorgen um meine Mutter und alle anderen, die verhaftet wurden», sagte ihr Sohn Ali Rahmani, der im Exil in Paris lebt. «Die Islamische Republik muss sie sofort freilassen. Ich rufe alle dazu auf, sich für die politischen Gefangenen im Iran einzusetzen und ihre bedingungslose Freilassung zu fordern.» Heute sind 24 Personen inhaftiert, von denen 17 während der letzten Protestwelle am 22. September 2022 verhaftet wurden, nachdem die kurdische Studentin Jina Mahsa Amini gestorben war. Die Ereignisse von damals lästen die Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» aus.
Iran befindet sich in der RSF-Rangliste der Pressefreiheit auf Rang 176 von 180 erfassten Ländern.