Reporter ohne Grenzen (RSF) und die Koalition internationaler Organisationen unter dem Namen #FreeFrenchieMaeCumpio verurteilen den Schuldspruch gegen die investigative Journalistin Frenchie Mae Cumpio aufs Schärfste. Ihr droht nun eine Haftstrafe von 12 bis 18 Jahren aufgrund von Anschuldigungen der «Terrorismusfinanzierung», die, wie eine Untersuchung von RSF ergab, fingiert sind.

Die Journalistin Frenchie Mae Cumpio, die morgen ihren 27. Geburtstag feiert, befindet sich seit ihrer Verhaftung zusammen mit vier Menschenrechtsaktivisten im Februar 2020 in Haft. Der Fall gegen sie gibt Anlass zu grosser Besorgnis: Die Behörden sollen ihr ohne ihr Wissen Waffen untergeschoben haben, die dann bei einer Hausdurchsuchung als Grund für ihre Verhaftung dienten – eine Vermutung, die durch eine Untersuchung von RSF erhärtet werden konnte. Cumpio, die frühere damalige Geschäftsführerin der News-Website Eastern Vista und Moderatorin des Radiosenders Aksyon Radyo-Tacloban DYVL hatte vor Ihrer Verhaftung regelmässig über Missbräuche durch Armee und Polizei in der Region Eastern Visayas im Osten der Philippinen berichtet.

Lesen Sie hier die gemeinsame Erklärung der Koalition #FreeFrenchieMaeCumpio.

RSF und Vertreter der Koalition, bestehend aus AlterMidya, dem Comitee to Protect Journalists (CPJ), Free Press Unlimited (FPU) und der National Union of Journalists of the Philippines (NUJP), waren im Gericht von Tacloban anwesend, um die Urteilsverkündung mitzuverfolgen. An ihrer Seite waren Vertreter der Botschaften der Schweiz, Tschechiens und Neuseelands, die im Rahmen der Media Freedom Coalition (MFC) anwesend waren, sowie Vertreter von fünf weiteren Botschaften, die online teilnahmen.

«Wir sind empört über dieses Urteil. Die Untersuchungen von RSF und die von den Anwälten von Frenchie Mae Cumpio vor Gericht vorgelegten Beweise zeigen eindeutig, dass dieser Fall von Anfang an konstruiert wurde, um sie zu belasten. Frenchies Verurteilung ist ein eklatantes Versagen des philippinischen Justizsystems und offenbart die offensichtliche Missachtung der Pressefreiheit durch die Behörden. Die Philippinen sollten ein internationales Vorbild für den Schutz von Journalisten sein – und kein Land, das diejenigen, die einfach nur ihre Arbeit machen, als «Terroristen» brandmarkt, verfolgt und inhaftiert. Dieses Urteil macht die systemischen Defizite des Landes und die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen deutlich. Wir fordern Präsident Ferdinand Marcos Jr. erneut auf, Massnahmen zu ergreifen, um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen und Frenchie Mae Cumpio unverzüglich freizulassen. Ohne entschlossenes Handeln wird sich nichts gegenüber früheren Regierungen ändern, die die Pressefreiheit nie respektiert haben.»

Aleksandra Bielakowska
Advocacy Managerin, Büro Asien-Pazifik, RSF

Als internationales Symbol für den Kampf um Pressefreiheit erhielt Frenchie Mae Cumpio während ihrer gesamten Haftzeit breite Unterstützung. Im September 2025 schlossen sich 250 renommierte Medienschaffende aus aller Welt, auch aus der Schweiz, der Koalition an und unterzeichneten einen gemeinsamen Brief an den philippinischen Präsidenten Ferdinand «Bongbong» Marcos Jr. Darin forderten sie ihn auf, sich für Frenchies Freilassung einzusetzen, und betonten, dass sie die wichtige Rolle des Journalismus bei der Aufdeckung von Missständen und der Verteidigung der Demokratie verkörpert.

Auch die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit, Irene Khan, forderte Gerechtigkeit für Frenchie Mae Cumpio. Sie traf sich 2024 mit Frenchie Mae Cumpio im Gefängnis von Tacloban und äusserte ihre Empörung über die lange Dauer ihrer Haft. Im Mai 2025 wurde der Fall von Frenchie Mae Cumpio ausserdem in die Liste der «zehn dringendsten Fälle» inhaftierter Journalisten aufgenommen, die von der Koalition One Free Press veröffentlicht wurde.

Frenchie Mae Cumpios Fall veranschaulicht die Praxis des «Red-Tagging» auf den Philippinen, bei der Journalistinnen und Journalisten, die zu für die Regierung sensiblen Themen recherchieren, als «subversiv» oder sogar als «Terroristen» bezeichnet werden.

Die Philippinen belegen 2025 einen schlechten Platz in der Rangliste der Pressefreiheit  von RSF: Platz 116 von 180 Ländern und Territorien. Damit gelten sie als Land, in dem die Pressefreiheit als «schwierig» eingestuft wird.

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