Seit Beginn der Protestwelle im Iran Ende Dezember 2025 wurden mindestens sieben Medienschaffende inhaftiert, darunter Vida Rabbani und Mehdi Mahmoudian, die nach zwei Wochen Haft kürzlich freigelassen wurden. Wir fordern, dass alle verbleibenden inhaftierten Journalistinnen und Journalisten unverzüglich freigelassen werden sollen.

«Der starke Anstieg der Verhaftungen iranischer Journalistinnen und Journalisten ist alarmierend. Noch immer befinden sich fünf Medienschaffende hinter Gittern – in einem der für Journalistinnen und Journalisten grössten Gefängnisse des Nahen Ostens. Iranische Medienfachleute, die oft als «Ausländische Agenten» verunglimpft oder wegen «Verbreitung von Desinformation» oder «Propaganda gegen den Staat» zu hohen Haftstrafen verurteilt werden, sind unbequeme Zeugen der brutalen und willkürlichen Unterdrückung durch das Regime. Dieses will sie nun offensichtlich zum Schweigen bringen. In diesem Kontext braucht die iranische Bevölkerung sowie die Weltöffentlichkeit mehr denn je Journalismus und Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen. Wir fordern das Regime auf, diese Flucht nach vorn zu beenden, auf die Forderung der Bevölkerung nach Achtung ihres Rechts auf Information zu hören und zu diesem Zweck alle in Iran inhaftierten Medienschaffende unverzüglich freizulassen und die Unterdrückung der Presse im Land einzustellen.»

Jonathan Dagher
Leiter des Nahost-Büros von RSF

Seit Beginn der Protestbewegung im Dezember 2025 kam es immer wieder zu Verhaftungen von Journalistinnen und Journalisten: Fast zehn Monate nach ihrer bedingten Freilassung wurde etwa Vida Rabbani am 31. Januar erneut inhaftiert, unter dem Vorwand, sie habe einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die Unterdrückung durch die Sicherheitskräfte im Rahmen der im Dezember letzten Jahres begonnenen Demonstrationen anprangerte. Die Journalistin, die für ihre Berichterstattung über die Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» bekannt ist, wurde am 17. Februar gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 6,5 Milliarden iranischen Rial (fast 4’000 Franken) freigelassen, wie ihr Ehemann auf der Plattform X mitteilte. Rabbani war bereits im September 2022 festgenommen und wegen «Propaganda gegen den Staat» zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, bevor sie im April 2025 freigelassen wurde. Ihr Kollege Mehdi Mahmoudian, der am selben Tag ebenfalls wegen der Unterzeichnung desselben offenen Briefes festgenommen worden war, wurde ebenfalls am 17. Februar unter denselben Bedingungen freigelassen. Mahmoudian, ein unabhängiger Journalist und Blogger, der häufig im Visier des Regimes steht, ist auch Menschenrechtsaktivist und Co-Autor des Films Un simple accident von Jafar Panahi, der 2025 die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes in Frankreich gewann.

Die beiden Medienschaffenden gehören zu den sieben Journalistinnen und Journalisten, die seit Beginn der Proteste inhaftiert worden sind, wie RSF berichtet. Dies in einem Kontext, in dem das Land weiterhin abgeschottet ist und Informationen nur schwer zugänglich sind. Am 2. Februar nahmen die Sicherheitskräfte den Chefredakteur des Magazins Yul, Pedram Alamdari, fest. Am nächsten Tag den Direktor der Nachrichtenwebsite Bi Taarof, Javad Aghajan Nezhad, der nun zu einem Jahr Haft und zwei Jahren Berufsverbot als Journalist verurteilt wurde – weil er angeblich «mit Hilfe von gefälschten und erfundenen Dokumenten Falschinformationen verbreitet» habe. Dies geht aus offiziellen Dokumenten hervor, die der Partnerorganisation von RSF, Defending Free Flow in Iran (DEFFI), vorliegen. DEFFI kämpft im Iran für die Verteidigung der Pressefreiheit.

Am 19. und 27. Januar wurden laut DEFFI zudem der freiberufliche Fotojournalist Artin Ghazanfari sowie der Umweltfotograf und Blogger Fariborz Heydari festgenommen. Letzterer ist insbesondere für seine Fotos von bedrohten Wildtieren im Iran bekannt. Am 31. Januar war dann der unabhängige Journalist Hassan Abbasi in der Stadt Bandar Abbas im Süden des Landes wegen angeblicher «Verbreitung falscher Informationen» an der Reihe. Der Journalist musste mit mit Handschellen und Fussfesseln vor Gericht erscheinen, «als wäre er ein Serienmörder», wie sein Anwalt am 16. Februar auf X erklärte. Dieser berichtete auch, dass Hassan Abbasi Bettwanzenbisse am Rücken aufwies, die er sich in seiner Zelle zugezogen hatte.

Vida Rabbani angegriffen, Narges Mohammadi verurteilt

Bevor sie im Tonekabon-Gefängnis im Norden des Iran inhaftiert wurde, soll die erneut inhaftierte Vida Rabbani laut Angaben ihres Ehemanns Gewalt durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt gewesen sein. «Während sie sich im Haftzentrum des Geheimdienstes der Polizei von Sari befand, wurde sie brutal geschlagen, weil sie sich weigerte, den Hidschab zu tragen», schrieb dieser auf seinem X-Account. Er fügte hinzu: «Die Blutergüsse wurden fotografiert und es wird eine Beschwerde bei den zuständigen Behörden eingereicht.» Seit 2022 und der Unterdrückung der Bewegung «Frauen, Leben, Freiheit» durch das Regime haben mehrere inhaftierte Frauen, darunter auch Journalistinnen, von sexueller oder körperlicher Gewalt durch ihre Wärter berichtet. Eine von ihnen ist Narges Mohammadi, die bei ihrer letzten Festnahme am 12. Dezember 2025 brutal angegriffen wurde. Die Journalistin, Feministin und Friedensnobelpreisträgerin von 2025 wurde am 8. Februar schliesslich erneut zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Laut Informationen, die RSF vom Anwalt von Mohammadis Familie erhalten hat, wurde diese Haftstrafe gar um weitere sechs Jahre sowie in einem zweiten Schritt nochmals um eineinhalb Jahre verlängert.

Zwölf weitere Reporterinnen und Reporter waren laut Zahlen von RSF bereits vor den jüngsten Unruhen inhaftiert. Der Iran belegt in der aktuellen RSF-Rangliste der Pressefreiheit Rang 176 von 180 erfassten Ländern und Gebieten.

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