Der Journalist Francisco Alejandro Leyva Aguilar wurde am 22. Juli im Bundesstaat Oaxaca ermordet. Er ist der siebte Medienschaffende, der 2026 in Mexiko getötet wurde und der zweite in nur einer Woche. Levya Agular hatte bereits im letzten Jahr berichtet, dass er Morddrohungen erhalten habe. RSF verurteilt diesen Mord und fordert eine Untersuchung unter Einbeziehung der Bundesbehörden Mexikos sowie eine öffentliche Erklärung zu den Versäumnissen der staatlichen Institutionen. Denn diese waren über die Gefährdungslage des Journalisten informiert worden.

Francisco Alejandro Leyva Aguilar wurde am 22. Juli in der Gemeinde San Pablo Etla im Bundesstaat Oaxaca im Alter von 60 Jahren erschossen. Der Gouverneur des Bundesstaates, Salomón Jara, verurteilte dieses Verbrechen auf der Plattform X. Er forderte zudem eine Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates und der Generalstaatsanwaltschaft der Republik sowie deren spezialisierte Abteilung für Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit.

«Sieben ermordete Journalisten in etwas mehr als sechs Monaten zeugen von einem schwerwiegenden und anhaltenden Versagen des mexikanischen Staates. Zu den Opfern zählen Journalisten, die Drohungen gemeldet hatten, sowie andere, die Schutz- oder Überwachungsmassnahmen in Anspruch genommen hatten. Die Einleitung einer Untersuchung nach jedem Mord hat weder Leben schützen noch der Gewalt ein Ende setzen können. Das darf nicht länger die einzige Antwort sein. Die mexikanische Regierung muss ihre politische Verantwortung übernehmen, die in jedem einzelnen Fall festgestellten Versäumnisse erklären und einen nationalen Notfallplan vorlegen.»

Artur Romeu
Leiter des Lateinamerika-Büros von RSF

Francisco Alejandro Leyva Aguilar war fast dreissig Jahre lang als Journalist tätig gewesen und leitete zwischen 2016 und 2020 das Netzwerk öffentlich-rechtlicher Fernseh- und Radiosender CORTV (Radio- und Fernsehanstalt von Oaxaca). Zum Zeitpunkt seiner Ermordung veröffentlichte er die Online-Kolumne «El Zumbido del Moscardón» («Das Summen der Fliege»), die von mehreren Medien in Oaxaca übernommen wurde, etwa von Hendirecto und Presente de Oaxaca. Ausserdem betrieb Lavya Aguilar eine Facebook-Seite, auf der er Kolumnen zu politischen Themen veröffentlichte. Diese wurde von mehr als 15’000 Menschen gelesen. Noch am Tag vor seiner Ermordung hatte er auf seinem Facebook-Kanal eine neue Kolumne veröffentlicht, in der er den Gouverneur und mehrere Mitglieder seiner Regierung kritisierte.

Leyva Aguilar war schon zuvor stark bedroht worden

Etwas mehr als ein Jahr zuvor, am 14. Juli 2025, hatte sich Leyva bei der Beauftragten der lokalen Menschenrechtsinstitution von Oaxaca, der «Defensoría de los Derechos Humanos del Pueblo de Oaxaca», gemeldet, um eine Beschwerde wegen erhaltener Morddrohungen einzureichen. Er brachte diese Drohungen mit der Tatsache in Verbindung, dass er im Rahmen der Sendung «Trapitos al Sol», die während offizieller Pressekonferenzen des Gouverneurs von Oaxaca ausgestrahlt worden war, öffentlich diskreditiert worden war. Diese im April 2024 ins Leben gerufene Sendung hatte das erklärte Ziel, Informationen zu widerlegen, die die Landesregierung in Bezug auf die Berichterstattung über sich selbst als falsch oder irreführend ansah. Der Beschwerde zufolge erklärte Leyva Aguilar, dass daraufhin eine Diskreditierungskampagne durch die Medien aber auch Morddrohungen über Online-Kommentare und Telefonate durch unbekannte Personen gefolgt seien. Leyva Aguilar machte die Landesregirung für diese Kampagne verantwortlich. Ausserdem machte er den Gouverneur des Bundesstaates öffentlich für jeglichen ihm möglicherweise zugefügten Schaden mitverantwortlich.

Zwei Tage später reichte er bei der Generalstaatsanwaltschaft der Republik eine Anzeige gegen Salomón Jara, den Gouverneur des Bundesstaates, gegen zwei weitere Beamte der Landesverwaltung sowie gegen alle anderen möglicherweise beteiligten Personen ein. Die Bundesstaatsanwaltschaft leitete darauf Ermittlungen wegen Bedrohung ein, ergriff jedoch keine Schutzmassnahmen. Zwölft Tage spätere leitete sie den Fall an die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Oaxaca weiter. Aus den von RSF eingesehenen Unterlagen geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates den Eingang der Akte erst im November 2025 bestätigte – vier Monate nach Einreichung der Anzeige.

Pro Monat ein Mord an Medienschaffenden

Mit sieben getöteten Journalisten seit Januar 2026 kommt in Mexiko mittlerweile jeden Monat ein Medienschaffender aufgrund seiner Arbeit ums Leben.

  • Josué Martínez Contreras von der Medienplattform Noticias San Martín Texmelucan wurde am 16. Juli 2026 getötet.
  • Manuel Alejandro Moreno Serna (Alex Serna) von der Medienplattform Observatorio Ciudadano de la Costa Grande wurde am 3. Juli 2026 getötet.
  • Luis Ángel López Valdez, Redakteur und Webredakteur bei „Reportaje Policiaco Veracruzano“, wurde am 11. Juni 2026 ermordet. Er stand unter Schutz- und Überwachungsmaßnahmen.
  • Roxana Guzmán Ramírez vom Medienunternehmen Pulso Informativo del Sureste wurde am 2. Juni 2026 entführt und Ende Juni ermordet aufgefunden.
  • Juan David Gámez vom Medienunternehmen Táctica SS wurde am 18. März 2026 getötet.
  • Carlos Castro von der Medienplattform „Código Norte de Veracruz“ wurde am 8. Januar 2026 getötet. Er war nach Drohungen in ein staatliches Schutzprogramm aufgenommen worden, doch die Maßnahmen wurden 2024 ausgesetzt, da die Behörden der Ansicht waren, die Gefahr sei gebannt.

Mexiko belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF 2026 Platz 122 von 180 Ländern. Nur auf den Sicherheitsaspekt bezogen, schneidet das Land gar noch viel schlechter ab: Dort belegt Mexiko den 160. Platz. Das Land bleibt damit für Medienschaffende einer der gefährlichsten und tödlichsten Orte weltweit.

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