Drohnenangriffe, Artilleriefeuer, Entführungen: Auch 2025 wurden ukrainische und internationale Medienschaffende, die über den Krieg Russlands in der Ukraine berichteten, im Rahmen ihrer Arbeit von der russischen Armee angegriffen. Seit dem 24. Februar 2022 hat Reporter ohne Grenzen (RSF) mehr als 175 Fälle dokumentiert, in denen Journalistinnen und Journalisten ins Visier genommen, angegriffen oder gar inhaftiert, entführt oder getötet wurden.
«Internationale und ukrainische Reporter, die seit 2022 trotz der gefährlichen Sicherheitslage unermüdlich über die Ereignisse in der Ukraine berichten, beweisen bemerkenswerten Mut. Die Angriffe Russlands gegen sie lassen nicht nach. Auf der Grundlage von Informationen, die wir von unseren Partnern in der Ukraine, insbesondere dem Institute of Mass Information (IMI), erhalten haben, zählen wir seit Beginn der gross angelegten russischen Invasion vor fast vier Jahren mehr als 175 Medienschaffende, die Opfer russischer Übergriffe geworden sind. Einige davon stellen Kriegsverbrechen dar. Der Schutz dieser Medienschaffenden ist entscheidend, damit sie ihre Informationsarbeit fortsetzen können.»
Pauline Maufrais
Verantwortliche für die Ukraine bei RSF
Bilanz von vier Jahren gross angelegter Invasion
16 Medienschaffende durch russische Streitkräfte getötet
Im Jahr 2025 wurden drei weitere Medienschaffende durch russische FPV-Drohnen (First Person View) getötet. Dabei handelt es sich um kleine Fluggeräte, die mit Sprengstoff und einer Kamera ausgestattet sind, die Livebilder an die Person übermittelt, die die Drohne steuert. Damit steigt die Zahl der seit 2022 im Krieg getöteten Reporterinnen und Reporter, die wegen ihrer Tätigkeit als Journalisten ums Leben kamen, auf 16. 15 von ihnen wurden auf ukrainischem Boden getötet. Eine Journalistin – Victoria Roshchina – starb aufgrund ihrer willkürlichen Inhaftierung auf russischem Boden. Am 3. Oktober 2025 wurde darüber hinaus der französische Fotojournalist Antoni Lallican in Komyshuvakha im Osten der Ukraine von einer russischen Drohne getötet. Zwanzig Tage später kamen die ukrainischen Journalisten Alyona Hramova und Yevhen Karmazine, die für den staatlich finanzierten Fernsehsender Freedom arbeiteten, in Kramatorsk ums Leben. Sie wurden von einer russischen Drohne getötet.
Mindestens 53 Medienschaffende verletzt
RSF hat zudem mindestens 53 ukrainische und ausländische Medienschaffende gezählt, die während ihrer Arbeit verletzt wurden. 2025 wurden die zunehmenden Angriffe russischer FPV-Drohnen an der Front zur grössten Bedrohung für viele Reporterinnen und Reporter. Sie werden von der russischen Armee in der Nähe von Kampfhandlungen, aber auch in weit entfernten Städten oder gar in den Hotels angegriffen, in denen sie unterkommen.
26 ukrainische Medienschaffende weiterhin von Russland inhaftiert
26 ukrainische Medienschaffende werden derzeit noch immer vom Kreml festgehalten. In russischen Gefängnissen oder in den besetzten Gebieten leiden sie unter physischer und psychischer Misshandlung. Im Jahr 2025 wurden drei ukrainische Reporter, Vladyslav Yesypenko, Dmytro Khyliuk und Mark Kaliush, aus russischer Haft entlassen.
26 ukrainische Medienschaffende von Russland festgehalten
Die Haft in Russland kann für die Medienschaffenden lebensgefährlich sein. Der Kreml hat etwa die Umstände des Todes der ukrainischen Journalistin Victoria Roshchyna im September 2024 nach mehr als dreizehn Monaten Haft und Folter noch immer nicht offengelegt. Diese Umstände waren aber schon zuvor im Rahmen einer gemeinsamen Untersuchung von RSF und den ukrainischen Medien Slidstvo.info, Suspilne und Graty aufgedeckt worden.
25 Angriffe auf Fernseh- und Rundfunkmasten
Seit dem 24. Februar 2022 hat RSF 25 Angriffe der russischen Streitkräfte auf Fernseh- und Rundfunkmasten durch Bombardierungen oder Besetzungen dokumentiert, um die Übertragung unabhängiger und zuverlässiger lokaler Informationen zu unterbrechen. Im Jahr 2025 verzeichnete RSF zwei weitere Angriffe auf Fernsehtürme in den Städten Dnipro (Südosten) und Tschernihiw (Norden).
Dutzende Angriffe und versuchte Tötungen
Darüber hinaus zählte RSF in den vergangenen fast vier Jahren zahlreiche weitere Angriffe auf Medienschaffende oder Medieninfrastruktur, die zwar zu keinen Toten oder Verletzten führten, aber dennoch als Übergriff oder versuchter Angriff in die Statistik einfliessen.
333 Medien mussten ihren Betrieb einstellen
Nach Angaben des IMI haben seit dem 24. Februar 2022 mindestens 333 ukrainische Medien ihre Tätigkeit eingestellt. Die Medien im Land wurden zudem weiter geschwächt durch den Zusammenbruch des Werbemarktes und die Einstellung der Hilfe durch die US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID). 2025 kündigte RSF darum die Gründung des Internationalen Fonds für den Wiederaufbau der ukrainischen Medien (IFRUM) in Zusammenarbeit mit acht ukrainischen Organisationen an, um die Medienlandschaft des Landes finanziell zu unterstützen.
10 Klagen wegen Kriegsverbrechen
Seit 2022 hat RSF zehn Klagen beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) sowie zeitgleich bei der ukrainischen Staatsanwaltschaft eingereicht. Darüber hinaus reichten wir zwei Klagen in Frankreich gegen Russland wegen Kriegsverbrechen gegen Medienschaffende und Medien ein.
Die Unterstützung hört auch 2026 nicht auf
Seit dem 24. Februar 2022 wurden in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen wie dem IMI oder dem Lviv Media Forum mehr als 2’100 Medienschaffende und 230 Medienunternehmen von RSF in der ganzen Ukraine unterstützt – insbesondere mit finanzieller Hilfe der Europäischen Union. RSF stellte Schutzausrüstung, Schulungen, psychologische Betreuung sowie Stipendien zur Verfügung.