Es ist die jüngste Eskalation einer anhaltenden Kampagne des Weissen Hauses, die darauf abzielt, den unabhängigen Journalismus einzuschränken: Journalistinnen und Journalisten haben von nun an keinen Zugang mehr zur Pressestelle des Pentagons, des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Unter der Leitung von Verteidigungsminister Pete Hegseth sehen sich Medienschaffende, die über das Pentagon berichten, mit weiteren Hindernissen konfrontiert: Zugangsbeschränkungen, Einschränkungen bei der Akkreditieren und beim Fotografieren sowie generell mangelnde Transparenz. All diese Massnahmen der Regierung schränken die unabhängige Berichterstattung über das US-Militär systematisch ein. Dabei wäre diese unerlässlich, um die Öffentlichkeit über die Aktivitäten der Regierung auf dem Laufenden zu halten.
Anfang dieser Woche erklärte das Pentagon seine Pressestelle zu einer sogenannten «Einrichtung für klassifizierte Informationen» («sensitive Compartmented Information Facility» oder SCIF). Damit verwehrt das Verteidigungsministerium Medienschaffenden den Zugang zu einem Bereich, der lange Zeit für den Austausch zwischen Reportern und Vertretern des Verteidigungsministeriums genutzt wurde. Die Verantwortlichen im Pentagon haben diese Entscheidung als routinemässige Sicherheitsmassnahme dargestellt. Aber es ist offensichtlich, dass es sich dabei nur um den neuesten Schritt einer ganzen Reihe von Einschränkungen handelt, die unter Verteidigungsminister Pete Hegseth eingeführt wurden. Orte, an denen sich Medienschaffende aufhalten dürfen, Personen, mit denen sie ungestört und vertraulich sprechen können, Informationen, die sie recherchieren und für ihre Recherchen verwenden dürfen sowie generell die Art und weise, wie sie über die Aktivitäten der Militärführung berichten dürfen, wurden alle nach und nach eingeschränkt. Diese Massnahmen deuten gesamthaft auf einen Trend hin, der den Zugang unabhängiger Medienschaffender zu einer der mächtigsten militärischen Institutionen der Welt schrittweise einschränkt.
«Die grotesken Versuche von Verteidigungsminister Pete Hegseth, den objektiven Journalismus mundtot zu machen, haben jüngst ein neues Tief erreicht. Mit seinem Versuch, Medienschaffende zur Unterzeichnung von Treueeiden zu zwingen, ist gescheitert. Zudem hat er sich über unvorteilhafte Pressefotos von sich beschwert. Nun geht er aber so weit, die Presse aus seinem eigenen Pressebüro zu werfen. Keine dieser Einschränkungen scheint für sich allein betrachtet wirklich einschneidend zu sein. In ihrer Gesamtheit stellen diese Massnahmen aber einen systematischen Versuch dar, die unabhängige Kontrolle über das Pentagon zu schwächen. Die Öffentlichkeit kann Institutionen nicht zur Rechenschaft ziehen, wenn Journalistinnen und Journalisten nach und nach der Zugang verwehrt wird, den sie benötigen, um über deren Aktivitäten zu berichten.»
Ben Grazda
Leiter der Advocacy-Abteilung im Nordamerika-Büro von RSF
Zugangsbeschränkungen: Mauern im Pentagon errichten
Der erste und sichtbarste Teil dieser Reihe von Massnahmen war die schrittweise Einschränkung des physischen Zugangs für Medienschaffenden im Pentagon. Im Mai 2025 ordnete Pete Hegseth neue physische Kontrollmassnahmen an, die den Zugang akkreditierter Journalistinnen und Journalisten zu Bereichen des Pentagons einschränkten, zu denen sie bisher immer Zutritt gehabt hatten. Seit dieser neuen Regelung müssen Medienschaffenden eine offizielle Genehmigung einholen oder in Begleitung sein, um Bereiche zu betreten, die zuvor für Pressevertreter frei zugänglich waren. Das Pentagon begründete diese Änderungen als notwendig, um unbefugte Weitergaben von Informationen zu verhindern. In den Augen der Journalistinnen und Journalisten stellte das allerdings eine erhebliche Einschränkung für ihre gewohnte Berichterstattung dar.
Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit innerhalb der Räumlichkeiten des Verteidigungsministeriums wurden danach weiter verschärft, was die Medienschaffenden zum Handeln veranlasste.
Im Dezember 2025 klagte der Journalist Julian E. Barnes gegen diese Massnahme, die im Oktober 2025 durch eine strengere Akkreditierungsmassnahme nur noch verschärft worden war. Barnes ist ein auf internationale Sicherheitsfragen spezialisierter und renommierter Reporter der New York Times. Er argumentierte, dass die Massnahmen des Pentagons die verfassungsmässig geschützte Informationsbeschaffung beeinträchtige. Im März 2026 entschied ein Bundesrichter, dass einige dieser Einschränkungen die Arbeit der Medien tatsächlich rechtswidrig behinderten. Der Rechtsstreit ging am 18. Mai 2026 weiter, als die New York Times zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten Klage einreichte und eine Regelung anfocht, wonach Journalistinnen und Journalisten im gesamten Gebäude von Beamten begleitet werden müssen.
Einschränkung des Informationszugangs: Die tägliche Berichterstattung ist zu einem Sicherheitsproblem geworden
Zu den physischen Barrieren kamen weitere Massnahmen hinzu, die den Zugang zu Informationen einschränken sollten. Im September 2025 führte das Pentagon eine neue Richtlinie mit dem Titel «Media In-Brief» ein. Diese verlangte von Medienschaffenden, die eine Akkreditierung erhalten wollten, Einschränkungen hinsichtlich der Beschaffung und Verwendung «nicht autorisierter» Informationen zu akzeptieren.
Die Kontroverse nahm schnell an Fahrt auf. Im Oktober 2025 weigerten sich zahlreiche Journalistinnen und Journalisten grosser Medien, die Erklärung zu unterzeichnen, und gaben ihre Akkreditierungen beim Pentagon aus Protest zurück. Die Medien argumentierten, dass diese Richtlinie die verfassungsmässig geschützte Informationsbeschaffung gefährde und Unsicherheiten darüber schaffe, welche Informationen Medien rechtmässig recherchieren, speichern oder in ihrer Berichterstattung verwenden dürften.
Der Vorfall markierte einen bedeutenden Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Pentagon und der Presse. Anstatt Journalistinnen und Journalisten als unabhängige Wächter im Dienste des öffentlichen Interesses und der Demokratie zu behandeln, stellte die Politik des US-Verteidigungsministeriums gängige Berichterstattungspraktiken als potenzielle Sicherheitsrisiken dar, die eine verstärkte Überwachung und Kontrolle erforderten.
Neugestaltung der akkreditierten Presse
Das Pentagon hat des weiteren die Zusammensetzung der akkreditierten Presse vor Ort selbst verändert. Im Februar 2025 wurden mehrere langjährige Medienvertreter aus den Arbeitsbereichen des Pentagons ausgeschlossen. Stattdessen wurde ein Rotationssystem eingeführt, das neuen Medien den Zugang zum Gebäude ermöglichte. Die Verantwortlichen im Pentagon stellten diese Änderungen als Bemühung dar, den Zugang zu diversifizieren und die mediale Beteiligung zu erweitern. Kritiker argumentierten jedoch, dass diese Politik die institutionelle Berichterstattung in einer Zeit, in der eine strenge Überprüfung militärischer Angelegenheiten notwendiger denn sei, schwäche.
Im März 2026, nach der Veröffentlichung weit verbreiteter Fotos, die bei früheren Auftritten von Pete Hegseth aufgenommen worden waren, wurden unabhängige Pressefotografen vion den Pressekonferenzen des Pentagons ausgeschlossen, an denen Pete Hegseth teilnahm. Die Verantwortlichen des Pentagons dementierten Berichte, wonach diese Entscheidung mit Unzufriedenheit über ein «unvorteilhaftes» Bild von Pete Hegseth zusammenhänge.
Es gilt zu betonen, dass die Pressefotografie eine zentrale Rolle hinsichtlich der öffentlichen Rechenschaftspflicht spielt, da der Fotojournalismus ein zentraler Gegenpol zur Regierung darstellt, die penibel darum bemüht ist, ihr eigenes Image zu gestalten und zu beschönigen.