Der in den USA geplante Merger zwischen den Medienkonzernen Paramount und Warner Bros. im Wert von 111 Milliarden US-Dollar würde dazu führen, dass einige der einflussreichsten und reichweitenstärksten Nachrichtenmarken der USA und weltweit künftig unter die Kontrolle eines einzigen Eigentümers geraten würden. Die Führungskräfte beider Unternehmen hoffen, die Transaktion bereits Ende Juli abschliessen zu können. Die Zeit, diesen Merger noch zu verhindern, drängt also. RSF fordert darum die Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten nachdrücklich dazu auf, die Fusion zu verhindern, und warnt gleichzeitig davor, dass eine solche Transaktion den Zugang der Bevölkerung zu verlässlichen Informationen einschränken und und den Medienpluralismus im Land untergraben würde.

Die Fusion der Unternehmen, die gemeinsam den Nachrichtensender CNN sowie das gesamte CBS-Netzwerk, einschliesslich der 28 CBS-Lokalsender, kontrollieren, würde die Auswahlmöglichkeiten der Amerikanerinnen und Amerikaner in Bezug auf Informationen einschränken. Die Konzentration würde das Spektrum des Medienangebots und der der Öffentlichkeit zugänglichen Informationen verringern und Tausende von Arbeitsplätzen im Mediensektor gefährden. Mehrere US-Bundesstaaten sind bereits dabei, eine Klage wegen Verstosses gegen das Kartellrecht vorzubereiten. Damit soll der Zusammenschluss angefochten werden. Laut der New York Times soll die Klage noch in dieser Woche eingereicht werden.

Dieser Zusammenschluss stösst auch abgesehen davon auf heftigen und anhaltenden Widerstand. Mehr als 5’500 Angestellte aus Hollywood haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie sich gegen das Vorhaben aussprechen. Laut dem Wall Street Journal waren die Juristen der Kartellabteilung des Justizministeriums «geneigt, eine Klage zu empfehlen», um die Fusion zu verhindern. Diese sei wettbewerbsfeindlich und verstosse gegen das Kartellrecht. Doch hochrangige Beamte des Justizministeriums haben die Untersuchung der Behörde eingestellt, bevor sie eine Empfehlung aussprechen konnten. Auch mehrere Senatoren haben die mit dem Merger zusammenhängenden massiven ausländischen Investitionen, die von zahlreichen pressefeindlichen Regierungen stammen, bereits verurteilt. Zudem bereiten sich auch die britischen Behörden darauf vor, sich in den kommenden Wochen gegen diese Transaktion zu stellen.

«Kein Unternehmen sollte so viel Einfluss darauf haben, was die Amerikaner sehen, lesen und hören, wie es Paramount-Warner Bros. haben könnte. Die Amerikaner und Amerikanerinnen sind auf ein zuverlässiges und vielfältiges Medienangebot angewiesen, um alltägliche Entscheidungen zu treffen – sei es in Bezug auf ihre Ernährung, ihre Wahlentscheidung, ihre Investitionen in die Zukunft oder die Bildung ihrer Kinder. Dieser monopolistische Zusammenschluss würde dem amerikanischen Journalismus einen verheerenden Schlag versetzen sowie die redaktionelle Vielfalt einschränken und die Medien noch stärker in den Händen von Oligarchen konzentrieren würde. Bei CBS haben diese bereits drastische redaktionelle Entscheidungen getroffen. Mehrere US-Bundesstaaten scheinen bereit zu sein, diesen Zusammenschluss vor Gericht zu blockieren. RSF ruft weitere Bundesstaaten dazu auf, sich ihnen unverzüglich anzuschliessen.»

Ben Grazda
Leiter der Advocacy-Abteilung des RSF-Büros für Nordamerika

Frühere Fusionen verdeutlichen die Gefahren der Konzentration

Im August 2025 fusionierten Paramount und Skydance zu einem einzigen Unternehmen. Durch diesen Deal im Wert von acht Milliarden Dollar gelangte Paramount – das den reichweitenstarken Sender CBS News kontrolliert – in die Hände des Milliardärs David Ellison, eines Verbündeten von Donald Trump.

Nur wenige Monate nach der Fusion verloren 2’000 Menschen, also etwa zehn Prozent der Belegschaft von Paramount, ihren Job. CBS News entliess im März 6 % seiner Belegschaft und beschloss, CBS News Radio einzustellen.

Die Folge dieser Konzentration? Ein weniger gut informiertes Publikum. CBS News Radio zählte landesweit etwa 700 Partnerstationen, denen damit faktisch ihre wichtigste Programmquelle entzogen wurde. Durch dessen Wegfall verlieren diese Sender einen wichtigen Inhaltslieferanten. Trotzdem bleibt das Radio, das keine Internetverbindung benötigt, einer der zugänglichsten Kanäle zur Verbeitung von News, zumal immer mehr Menschen in den USA in eigentlichen Nachrichtenwüsten leben. Die ehemaligen CBS-Partnersender müssen nun aus einer immer kleiner werdenden Anzahl von Quellen ihre Informationen beziehen. Das schadet der Vielfalt der Nachrichten selbst, die sie einem Publikum vermitteln können.

Die Fusion zwischen Paramount und Warner Bros. im Wert von fast 111 Milliarden Dollar würde die 2025 geschlossene Vereinbarung zwischen Paramount und Skydance (8 Milliarden Dollar) in den Schatten stellen. Infolgedessen prognostizieren Experten noch verheerendere Auswirkungen für Medienschaffende und für die Öffentlichkeit. Laut einem aktuellen Bericht des Los Angeles Department of Economic Opportunity könnte dies zum Abbau von etwa 2’500 Arbeitsplätzen im Mediensektor, darunter zahlreiche Stellen von Medienschaffenden, im Grossraum Los Angeles führen. Weltweit wären etwa 6’000 Stellen gefährdet.

Als Anteilseigner der Paramount-Stiftung hat die US-Vertretung von RSF, Reporters without borders, bereits gemeinsam mit der Freedom of the Press Foundation darauf hingewiesen, welche Gefahren die zunehmende Konzentration grosser Nachrichtennetzwerke in den Händen von Anteilseignern mit Verbindungen zu politischen Persönlichkeiten birgt. Beide Organisationen befürchten, dass dies die amerikanische Medienlandschaft grundlegend verändern könnte: Redaktionelle Zensur könnte verstärkt, das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben, die demokratische Rechenschaftspflicht geschwächt und Entlassungen in den Redaktionen beschleunigt werden.

RSF ist zutiefst besorgt darüber, dass grosse Medienkonzerne zunehmend dem politischen Druck nachgeben – und das zu einer Zeit, in der US-Medienschaffende ohnehin schon mit einer Eskalation von rechtlichen Drohungen, Einschüchterungen und Angriffen auf ihre Unabhängigkeit konfrontiert sind. Die Vereinigten Staaten belegen in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit von RSF Platz 64 und sind im Jahr 2026 um sieben Plätze zurückgefallen – die USA sind damit so schlecht wie noch nie klassiert.

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