Reporters Sans Frontières fordert den amerikanischen Präsidenten Donald Trump eindringlich auf, sich bei seinem diese Woche in China geplanten Treffen mit Präsident Xi Jinping für die Freilassung des Gründers der inzwischen eingestellten unabhängigen Zeitung Apple Daily, Jimmy Lai, einzusetzen. Jimmy Lai, der die bislang längste Haftstrafe verbüsst, die jemals auf Grundlage des Hongkonger Sicherheitsgesetzes verhängt wurde, befindet sich nach mehr als 1.950 Tagen hinter Gittern in einem alarmierenden Gesundheitszustand. 

Der amerikanische Präsident Donald Trump wird vom 13. bis 15. Mai zu einem Staatsbesuch nach China reisen, dem ersten Besuch eines amtierenden US-Präsidenten seit beinahe einem Jahrzehnt. Donald Trump hat bereits mehrfach erklärt, er werde «alles tun, was er kann», um den symbolträchtigen Medienunternehmer Jimmy Lai zu retten. Anfang dieses Jahres deutete er zudem an, dass der Fall Jimmy Lai im Rahmen umfassenderer Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und China zur Sprache kommen könnte. 

Am 7. Mai richteten mehr als hundert amerikanische Parlamentarier:innen einen Brief an Präsident Donald Trump, in dem sie ihn aufforderten, den Fall Jimmy Lai anzusprechen. Dessen Sohn Sebastien Lai bat Donald Trump zudem öffentlich darum, seinen Vater nach Hause zu bringen. 

«Die Vereinigten Staaten müssen dringend und entschlossen Massnahmen ergreifen, um die sofortige Freilassung dieses Mannes zu erreichen, der sein Leben der Verteidigung der Demokratie und der Pressefreiheit gewidmet hat. Präsident Trump hat wiederholt betont, dass die Freilassung von Jimmy Lai eine Priorität sei. Nun müssen diesen Worten konkrete Schritte folgen. Die Welt hat bereits den tragischen Tod des Verfechters der Pressefreiheit und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo in einem chinesischen Gefängnis miterlebt, weil internationaler Druck unzureichend war. Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen. Jimmy Lai darf nicht dasselbe Schicksal erleiden. Wir appellieren an Präsident Trump, seine Reise nach China zu nutzen, um die Freiheit von Jimmy Lai zu fordern und seine umgehende Rückkehr zu erreichen.»
Aleksandra Bielakowska
Leiterin der Advocacy-Abteilung des Asien-Pazifik-Büros von Reporters Sans Frontières

20 Jahre Haft wegen seiner Arbeit 

Im Februar 2026 wurde Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft verurteilt, während sechs weitere Mitarbeitende der Tageszeitung Apple Daily Freiheitsstrafen zwischen sechs und zehn Jahren erhielten, während Peking seine Repressionen gegen die unabhängige Presse in Hongkong weiter verschärfte.

Jimmy Lai, der mit einem Preis von Reporters Sans Frontières für die Pressefreiheit ausgezeichnet wurde, befindet sich seit Dezember 2020 in Haft und wird unter besonders harten Bedingungen festgehalten, darunter Isolationshaft, die seinen Gesundheitszustand erheblich verschlechtert und zu einem deutlichen Gewichtsverlust geführt hat.

Im April 2026 hat die Regierung von Hongkong drei mit Jimmy Lai verbundene Unternehmen aus dem Unternehmensregister des Territoriums gestrichen und versucht, Vermögenswerte in Höhe von 127 Millionen Hongkong-Dollar (rund 13,8 Millionen Euro) einzuziehen.

Pressefreiheit in Hongkong auf einem historischen Tiefstand 

Seit 2020 hat die Regierung von Hongkong mindestens 28 Journalist:innen verfolgt, von denen sich derzeit acht in Haft befinden. Hongkong belegt im Welt-Ranking der Pressefreiheit 2026 von Reporters Sans Frontières den 140. Platz unter 180 Ländern und Territorien, verglichen mit Platz 18 vor 20 Jahren.

Journalist:innen in Hongkong sind systematisch mit Belästigungen, Online- und Offline-Überwachung, Drohungen sowie Doxxing konfrontiert, also der Veröffentlichung persönlicher Daten im Internet.

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