Seit ihrer letzten Festnahme im Iran am 12. Dezember 2025 wird der Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Reporters sans frontières (RSF) schlägt gemeinsam mit ihrer Anwältin Chirinne Ardakani und der Coalition Free Narges Alarm angesichts ihres seit Anfang Mai kritischen Gesundheitszustands und richtet ein Schreiben an den Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Sie muss unverzüglich geschützt werden.
Narges Mohammadi schwebt zwischen Leben und Tod. Anfang Mai wurde die in der Haftanstalt von Zanjan im Nordwesten der iranischen Hauptstadt Teheran inhaftierte Journalistin nach einer raschen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands in ein örtliches Krankenhaus verlegt. Sie erlitt einen Herzinfarkt sowie mehrere Bewusstlosigkeiten. Nach Angaben ihrer Anwälte und Familienangehörigen ist das Krankenhaus, in dem sie weiterhin unter strenger Überwachung des Regimes steht, nicht ausreichend ausgestattet, um ihre lebenswichtigen medizinischen Bedürfnisse zu erfüllen.
Ein dringender Aufruf zur Freilassung von Narges Mohammadi wurde am Dienstag, den 5. Mai, während einer Pressekonferenz lanciert, die von Chirinne Ardakani, der Anwältin der Familie von Narges Mohammadi, gemeinsam mit Mona Armande, Direktorin für Advocacy der Narges Mohammadi Stiftung, sowie Mitgliedern der Coalition Free Narges organisiert wurde. Vertreten wurde die Koalition unter anderem durch Jonathan Dagher, Leiter des Nahost-Büros von RSF. « Wir hatten noch nie so grosse Angst um das Leben von Narges, sie könnte uns jederzeit genommen werden », betonte Chirinne Ardakani.
« Narges Mohammadi wird langsam zu Tode gebracht. Das iranische Regime weigert sich, sie freizulassen, verweigert ihr die notwendige medizinische Versorgung und trägt seit ihrer gewaltsamen Festnahme am 12. Dezember direkte Verantwortung für die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Es ist noch nicht zu spät zu handeln, um das Leben von Narges Mohammadi zu retten. Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, alle diplomatischen, rechtlichen und politischen Mittel zu nutzen, um Druck auf das iranische Regime auszuüben und die Freilassung der Friedensnobelpreisträgerin zu erreichen. RSF hat gemeinsam mit der Koalition und der Anwältin von Narges Mohammadi zudem an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, geschrieben, um ihn über die Situation zu informieren und dringende Massnahmen zum Schutz von Narges Mohammadi sowie ihre Freilassung zu fordern. Narges Mohammadi verdient es, frei und gesund zu sein, ebenso wie die 19 Journalistinnen und Journalisten, die derzeit im Iran inhaftiert sind. »
Jonathan Dagher
Leiter des Nahost-Büros von RSF
Offenen Brief an den Hochkommissar für Menschenrechte lesen
Die Journalistin, Aktivistin für die Rechte iranischer Frauen und für Menschenrechte im Iran sowie Autorin des Buches Frauen, Leben, Freiheit (« White torture » auf englisch) wurde am 12. Dezember 2025 nach einem kurzen medizinischen Hafturlaub festgenommen, nachdem sie bei der Beerdigung eines iranischen Menschenrechtsaktivisten gesprochen hatte. Nach Informationen von RSF haben die Schläge, die sie an diesem Tag erlitt, direkt zur Verschlechterung ihres Gesundheitszustands beigetragen, während die iranischen Behörden trotz unserer Appelle eine angemessene medizinische Versorgung verweigerten.
Iran unter Medien-Blackout
Der Iran belegt im von RSF am 30. April veröffentlichten Weltpressfreiheitsindex 2026 den viertletzten Platz (176 von 180). Seit März 2026, mit Beginn der amerikanisch-israelischen Offensive im Iran, sind Journalistinnen und Journalisten, die über den Krieg berichten, zunehmenden Einschränkungen ausgesetzt. Während sie unter Bombardierungen aus ihren Städten fliehen, werden sie weiterhin vom Regime bedroht, das die Kommunikationsmittel der unabhängigen Presse gekappt hat.
Das Regime geht zudem weiterhin gegen im Exil lebende Journalistinnen, Journalisten und unabhängige Medien vor, während 20 Medienschaffende weiterhin in den Gefängnissen der Islamischen Republik inhaftiert sind. Um die Zensur zu umgehen, hat RSF gemeinsam mit dem iranischen Exilmedium Iran Wire einen Kurzwellenradiosender gestartet.