Die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2026 findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Das grösste Sportereignis des Jahres wird voraussichtlich Tausende Medienschaffende aus der ganzen Welt in die USA, nach Mexiko und nach Kanada locken. Wenige Tage vor Beginn des Turniers erinnert RSF daran, dass sich Medienschaffende auf ein zunehmend komplexes Arbeitsumfeld vorbereiten müssen. Verstärkte Überwachung, verschärfte Grenzkontrollen und insbesondere wachsende Sorgen um die Pressefreiheit in Mexiko und in den USA prägen das Bild.

Wie bei jeder Berichterstattung in einem sensiblen Umfeld sollten sich Medienschaffende, die von vor Ort über die Fussball-WM berichten werden, sorgfältig vorbereiten. Die USA haben in der Rangliste der Pressefreiheit von RSF 2026 einen neuen historischen Tiefststand erreicht, und Mexiko zählt noch immer zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten weltweit. Und auch in Kanada, das in der Rangliste der Pressefreiheit zwar deutlich besser abschneidet als die USA und Mexiko, müssen Journalistinnen und Journalisten, die dort etwa über Demonstrationen oder andere innenpolitische Themen berichten, wachsam bleiben und dürfen die Risiken vor Ort nicht unterschätzen. 

Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie im Hinterkopf behalten sollten, bevor Sie Ihre Koffer packen:

Anpfiff: Vor der Anreise 

Die US-Grenzbehörden verfügen über einen grossen Ermessensspielraum, um Personen gegebenenfalls die Einreise zu verweigern, eingehende Kontrollen durchzuführen oder Reisende gar vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen. Entsprechend sind viele ausländische Medienschaffende bereits vor ihrer Abreise gewissen Risiken ausgesetzt. Selbst dann, wenn sie über ein gültiges Visum, eine Akkreditierung für die WM und eine ESTA-Einreisegenehmigung verfügen. 

Medienschaffende sollten ihre Rechte an der Grenze kennen und ihre Redaktionen unbedingt über ihre Reisepläne informieren. Zudem sind Notfallpläne und Absicherungen für den Fall von unvorhergesehenen Befragungen oder gar Inhaftierungen einzurichten. Auch empfiehlt es sich, bereits vor der Abreise rechtliche Ansprechpartner zu identifizieren und zu kontaktieren. Medienschaffende, die regelmässig über sensible Themen wie Politik, Migration, Proteste oder internationale Beziehungen berichten, können einer verstärkten Überwachung seitens der US-Behörden ausgesetzt sein.

Da das Turnier in drei Ländern stattfindet, müssen Medienschaffende vor ihrer Anreise die Ein- und Wiedereinreisebestimmungen jedes Landes sowie die jeweiligen Bedingungen für die Berichterstattung vor Ort prüfen und kennen. In Mexiko etwa benötigen Journalistinnen und Journalisten ausserhalb der grossen städtischen Zentren allenfalls zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. In Kanada und vor allem in den USA sollten sie sich zudem über mögliche Einschränkungen bei öffentlichen Versammlungen sowie über die Vorgehensweise der lokalen Polizei informieren.

VAR-Hinweis: Sie könnten überwacht werden

Digitale Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung journalistischer Arbeit. Die US-Behörden etwa können an der Grenze elektronische Geräte kontrollieren, darunter Ihre Smartphones, Laptops und andere Geräte. Gleichermassen können sie Nachrichten, E-Mails und Aktivitäten in den Sozialen Medien prüfen. RSF empfiehlt Medienschaffenden darum, sensible Daten vor der Reise von ihren Geräten zu löschen, sich von nicht benötigten Konten abzumelden und biometrische Authentifizierungsmethoden wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu deaktivieren. Des weiteren sollten sie ihre Social-Media-Beiträge und Aktivitäten vor der Abreise überprüfen, da gewisse Visa- und Einreiseverfahren inzwischen auch digitale Kontrollen umfassen. Diese können je nach Fall zu zusätzlichen Befragungen führen.

Wir empfehlen Ihnen, zusätzlich die Artikel zum Thema digitale Sicherheit zu lesen, die auf der Ressourcen-Website von RSF aufzufinden sind. RSF Schweiz hat zudem jüngst einen Leitfaden zur digitalen Sicherheit für Medienschaffende herausgebracht. Darin finden Sie praktische Tipps, wie Sie Ihre elektronischen Geräte absichern und sich an gute digitale Hygiene halten können.

Die Weltmeisterschaft findet in urbanen, stark überwachten Gebieten statt, in denen die Sicherheitskräfte bei Grossveranstaltungen standardmässig auf Videoüberwachung, Drohnen, automatische Gesichtserkennung sowie auf Technologien zur Standortverfolgung von Mobiltelefonen zurückgreifen können. In Mexiko sollten Medienschaffende, die ausserhalb des Turniersettings über organisierte Kriminalität, Migration, Korruption oder über lokale Sicherheitskräfte berichten, zusätzliche Massnahmen zugunsten ihrer Anonymität, für ihre Kommunikation sowie für den Quellenschutz ergreifen. In Kanada könnten Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen oder politisch sensible Ereignisse berichten, verstärkt digital überwacht werden.

Medienschaffende, die über Proteste am Rande der Weltmeisterschaft berichten, sollten sich vergegenwärtigen, dass eine Eskalation der Gewalt und mögliche Zusammenstösse möglich sein können. Lesen Sie dazu die Tipps von RSF zum Thema, um sich bestmöglich auf die Berichterstattung vorzubereiten und die damit verbundenen Risiken zu minimieren.

Rote Karte: Medienschaffende als mögliches Ziel

Eine offizielle Presseakkreditierung soll Journalistinnen und Journalisten eigentlich dabei helfen, ihren Beruf sicher auszuüben. In den vergangenen Jahren wurden jedoch in den USA wiederholt Medienschaffende trotz gültiger Akkreditierung gelegentlich festgenommen, in Gewahrsam genommen, mit Bussgeldern belegt oder in ihrer Arbeit behindert, während sie über Demonstrationen und Polizeieinsätze berichteten. Angesichts der erwarteten Intensivierung der Aktivitäten der ICE-Behörde (Immigration and Customs Enforcement) wird ausländischen Medienschaffenden dringend empfohlen, ihre Ausweispapiere während der Arbeit stets bei sich zu tragen. Dies gilt insbesondere angesichts des Risikos von Racial Profiling sowie angesichts der gezielten Kontrolle von Minderheiten oder vulnerablen Bevölkerungsgruppen während des Turniers.

Ausserdem sollten Medienschaffende zwingend sicherstellen, dass sie über die für die Berichterstattung über die WM erforderlichen Visa verfügen.

Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen, Einwanderungskontrollen, Polizeieinsätze zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder politisch sensible Proteste im Zusammenhang mit dem Turnier berichten, müssen auf verstärkte Spannungen mit den Sicherheitskräften gefasst sein. RSF empfiehlt ihnen, sich vor ihren Einsätzen vor Ort mit den lokalen Gesetzen zu Versammlungen, mit Akkreditierungsregelungen sowie mit den Protokollen zum Umgang mit der Polizei vertraut zu machen.

In Mexiko sollten Medienschaffende besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie ausserhalb der Austragungsorte über Ereignisse berichten oder wenn ihre Recherchen zusätzlich organisierte Kriminalität, Korruption oder lokale Politik betreffen. Mexiko bleibt auch 2026 eines der gefährlichsten Länder für Journalistinnen und Journalisten – viele lokale Medienschaffende sehen sich aufgrund ihrer Arbeit regelmässig mit Bedrohungen, Einschüchterungen und Gewalt konfrontiert. Ausländische Reporterinnen und Reporter sollten eng mit vertrauenswürdigen lokalen Kontakten zusammenarbeiten und unnötige Risiken in ihnen unbekannten Gebieten vermeiden.

Auch für die Berichterstattung in Kanada ist eine gewisse Vorbereitung nötig. Journalistinnen und Journalisten, die über Demonstrationen oder umstrittene öffentliche Versammlungen berichten, können mit polizeilichen Einschränkungen, dem Risiko von Festnahmen oder anderen Massnahmen konfrontiert werden, die den Zugang der Medien in der Nähe von Sicherheitszonen und öffentlichen Versammlungsorten einschränken. 

RSF fordert Medienschaffende in allen drei Gastgeberländern dazu auf, Verstösse gegen die Pressefreiheit während der Weltmeisterschaft zu melden.

Aufwärmphase: Nehmen Sie sich Zeit, sich vorzubereiten

Die Vorbereitung von Medien auf das sportliche Grossereignis beschränkt sich nicht darauf, Flugtickets zu buchen und die eigene Ausrüstung bereitzustellen. Sie sollten ihre Reiseroute ihren Redaktionen oder Ansprechpartnern mitteilen, rechtliche Unterstützung für den Notfall organisieren, verschlüsselte Backups der wichtigsten Dokumente anlegen und Notfallpläne für den Fall erstellen, dass ihre Geräte beschlagnahmt werden oder sie selbst festgenommen werden. 

Das Arbeitsumfeld, das Verhalten der jeweiligen Polizeikorps, die Rechtsordnung sowie allgemeine Notfallmechanismen können in den drei Austragungsländern von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich sein. Das Herstellen von vertrauenswürdigen lokalen Kontakten bereits vor der Ankunft am jeweiligen Einsatzort kann für Reporterinnen und Reporter dabei sehr hilfreich sein, um Risiken zu minimieren und in dynamischen Situationen mit unbekannten rechtlichen, sprachlichen oder sicherheitstechnischen Herausforderungen richtig zu handeln.

RSF ruft alle Medienschaffenden, die während der FIFA-WM 2026 Verstösse gegen die Pressefreiheit erleben oder beobachten, dazu auf, solche Ereignisse zu dokumentieren und RSF zu melden. Das können Zugangsbeschränkungen, Einschüchterungen, übermässige Gewaltanwendung, Überwachung oder willkürliche Festnahmen sein.

Fairplay – auf dem Feld sowie für die Medien

Die Weltmeisterschaft sollte in erster Linie ein Fussballereignis bleiben – und gleichermassen ein verbindendes Sportereignis. Medienschaffende, die das Turnier vor Ort begleiten, sollten sich auf das Spiel und die damit verbundenen Ereignisse konzentrieren können und nicht auf Risiken durch Einschüchterung oder Eingriffe in ihre berufliche Arbeit.

Fussball verdient Fairplay. Und Medien verdienen die Freiheit, ihn sicher zu begleiten und sicher darüber berichten zu können.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website mit tiefgreifenden Ressourcen. Bei Fragen oder wenn Sie Verstösse gegen die Pressefreiheit melden möchten, können Sie RSF spezifisch unter worldcup@rsf.org kontaktieren. 

Weitere Ressourcen: 

Meldeportal der Fifa für Verstösse 

Reisehinweise von RSF sowie der ACLU 

Hinweise zur digitalen Sicherheit der Freedom of the Press Foundation 

Broschüre «Know Your Risks» der National Lawyers Guild 

Partagez cet article !